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Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik
Im Auftrag des Leitenden Ausschusses für das Schweizerdeatsche
v^v^ Idiotikon herausgegeben von Albert Bachmann '^^v^
a B B — — H
l
I.
Die Laute der Appenzeller Mundarten
Von
Dr. Jakob Vetsch
Verlag von Huber & Co. in Frauenfeld
Die Laute der Appenzeller Mundarten
Von
Dr. Jakob Vetsch
Mit vier Beilagen
Verlag von Huber & Co. in Frauenfeld 1910
Lei Gr. (jsv
V5a95kA
596495
lo. II 54
Druck von Huber t Co. in Frauenfeld
Vorwort.
Die Anregung zu dieser Arbeit verdanke ich dem Heraus-
geber vorliegender Sammlung, Herrn Prof. Dr. A. Bachmann; der
erste Teil (die betonten Vokale) wurde von ihm im Herbste 1905
als Dissertation angenommen und erschien im Jahre 1907 im
Druck. Auch der übrige Teil ist unter seiner Anleitung ent-
standen, und manche Bemerkung und Erklärung geht auf ihn
zurück. Ich fühle mich verpflichtet, meinem verehrten Lehrer für
seinen Anteil den gebührenden Dank auszusprechen.
Ebenso möchte ich den Vertretern meines Mundartgebietes
danken, die mir bei meinen Aufnahmen so bereitwillig entgegen-
gekommen sind.
nhaltsübersicht.
Einleitung
Seite
1
I. Phonetische Darstellung.
Ruhelage §7 9
Lautbestand. Lautschrift § 8 10
Die Aussprache der einzelnen Laute 11
Die Vokale § 9—13; Die Konsonanten § 14—18; Die Halbvokale
§ 19; Stimmlos : Stimmhaft § 20; Lenis : Fortis § 21; Geminata
§ 22 ; Länge : Kürze § 23 ; Lauteinsatz und -absatz § 24
Vokalübergänge § 25 23
Bertthrung von Konsonanten; Assimilation § 26—32 .... 24
Die Silbe § 33—35 32
Der exspiratorisehe Wort- und Satzakzent § 36—40 .... 35
Der musikalische Akzent ^ 41 — 45 38
II. Die geschichtliche Entwicklung der Laute.
A. Die Vokale in betonter Stellung.
Die Kürzen 47
a § 46; Der Umlaut von a und dessen analogische Ausbreitung
§ 47—59; e § 60; * § 61—64; 0 § 65; ö § 66; m § 67—69; ü § 70.
Die Längen 73
« §71—72; d § 73; e §74; l §75; ö§76; Ö §77; ü §78; ü §79.
Die Diphthonge 78
ei § 80—81; ou § 82; üü § 83; oi, ui § 84; le § 85; uo § 86;
üe § 87.
Zusammenfassende Darstellungen:
a) Qualitative Erscheinungen 84
Diphthongierung § 88—89; Umlaut § 90; Rundung § 91; Einfluß
von o; § 92 ; Einfluß von l (+ Kons.) § 93 ; Einfluß von r {+ Kons.)
§ 94; Einfluß der Nasale § 95; Vokalisierung des n § 96.
Seite
1)) Quantitative Veränderungen 1^8
Hochalomannische Dehnung §97—99; Dehnung in offener Silbe
§ U)0 ; Dehnung vor Konsonantenverbindungen § 1 Ol - 105 ; Kürzung
§ 106 — 109.
Übersicht über die etymologischen Entsprechungen der betonten Mund-
artvokale § 110 ^22
B. Die Vokale in unbetonter Stellung.
In vortoniger Silbe § 111 — 11 o
Mittelsilbenvokale § 114—117 ^^^
Endsilbenvokale § 118-120 1^2
Satztonische Doppelformen § 121—122
C. Die Konsonanten.
a) Geräuschlaute.
IRQ
Die Labiale ^'^^
b § 123-126; p § 127-129; f § 130-131.
Die Dentale
d § 132—133; Epithese § 134; t § 135-136; inl ts : tsk : ts ^ Idl ;
p § 138—140; s § 141—143; sfc § 144.
Die Gutturale 157
g § 145—148; k § 149-152; x(h) § 153—155.
, . o 1 f ... 167
b) Sonorlaute
m § 156-157; « § 168-163; ;i> § 164; Z § 165-166; r § 167-169;
j § 170; w § 171—172.
Zusammenfassende Darstellungen l^^
Auslautschwächung § 173; Hervortreten von Gleitlauten § 174;
Assimilation § 175; Dissimilation § 176; Umstellung von Kon-
sonanten § 177.
III. Zur Gliederung der Mundart . i89
Beigaben:
195
I, Die Fremdwörter
216
II. Mundartproben
222
Wörterverzeichnis
Karten.
Einleitung.
§ 1. Die vorliegende Arbeit behandelt die Mundart eines
größern Gebietes, das sich in sprachlicher Beziehung durchaus
nicht etwa einheitlich von seiner Umgebung abhebt. Den Kern
bildet der Oberlauf der Sitter, welche der bis zur Höhe ewigen
Schnees emporragende Säntisstock in drei Quellbächen nach Norden
entsendet, und das Gebiet ihrer beiden Nebenflüsse, des Rotbaches
von rechts und der Urnäsch von links; dazu kommt westhch das
Quellgebiet der Glatt, östlich dasjenige der Goldach und weiter
(he gegen das Rheintal abfallenden Höhenzüge: es ist das heute
in den beiden Halbkantonen Appenzell Außer- und Inner-
roden politisch vereinigte Gebiet, mit einer Obei-fläche von
439,6 km^ und (im Jahre 1900) 68 780 Einwohnern, 16199 Haus-
haltungen in 10866 Häusern. Es ist rings umgeben vom Kanton
St. Gallen : vom Toggenburg im Süden und Westen, vom Rheintal
im Osten und im Norden vom Fürstenlande mit Stadt und Kloster
St. Gallen, der blühenden Kulturstätte Alemanniens in althoch-
deutscher Zeit, wo Notker und andere in ihrer deutschen Mutter-
sprache schrieben und uns Denkmäler von unschätzbarem Werte
für die Sprachgeschichte hinterließen. Vgl. Karte I und Teil IH.
Inuerrodeii (I, das Quellgebiet der Sitter unmittelbar am Fuße
des Säntis) umfaßt mit Oberegg (s.u.) 159 km- mit 13499 Ein-
wohnern und ist politisch in fünf Gemeinden oder Bezirke (Roden)
geteilt: Appenzell (App.), Gonten, Schlatt-Haslen, Rüti
mit den beiden Dörfchen Brülisau (Brül.) und Eggerstanden
(Egg.), Schwendi (Schw.). Haupterwerbszweig der Bewohner
ist Alpwirtschaft und Schweinezucht. Die nur im Sommer be-
zogeneu Alpweiden machen beinahe ein Viertel der Bodenfläche
aus, und da ein weiteres Fünftel mit Wald bedeckt und beinahe
Vetsch, AppeiizeUer Mundarten. 1
— 2 —
ein Zehntel felsiges, unfruchtbares Gebiet ist, so kommen für I
auf 1 km^ nur 78 Bewohner. Das einzige größere Dorf ist Appen-
zell mit 2771 Einwohnern. Von Industrien ist allein die Stickerei,
namentlich die Handstickerei der Frauen, von größerer Bedeutung.
Aiißerrodeii (A, 260,6 km^ mit 55281 Einwohnern) zerfällt in
drei Bezirke mit zusammen 20 Gemeinden: Bezirk Hinterland
(H, das Gebiet westlich von I) mit den Gemeinden Herisau (Her.),
Waldstatt (Waldst.), Schwellbrunn (Schwellbr.), Schönen-
grund (Schön.), Urnäsch (Urn.), Hundwil (Hundw.), Stein.
Bezirk Mittelland (M, das Gebiet zmschen Rotbach und Goldach)
mit den Gemeinden Teufen, Bühler, Gais, Speicher, Trogen.
Bezirk Vorderland (V, das Gebiet östlich der Goldach) mit den
Gemeinden AVald, Rehetobel (Reh.), Grub, Heiden, Wolf-
halden (Wolfh.), Walzenhausen (Walz.), Reute, Lutzen-
berg (Lutz.). Zu V ist nach Lage und Sprache auch der durch
die Gemeinde Reute in zwei Teile (oOb. mit dem Dorfe und uOb.)
getrennte Bezirk Oberegg (Ob., 14,5 km- mit 2652 Einwohnern)
zu zählen, obwohl er politisch zu I gehört. A gehört zu den am
dichtesten bevölkerten Gegenden der Schweiz; heute kommen
228 Einwohner auf 1 km"^, in V allein sogar 361. Weitaus die
größte Bodenfläche ist mit Wiesen bedeckt und- ein großer Teil
der BeAvohner beschäftigt sich mit Landwirtschaft und Viehzucht.
64.8 °/o der Bevölkerung jedoch leben von der Industrie, nament-
lich Maschinenstickerei und Weberei. Außer Lutz, besitzt jede
Gemeinde ihr Pfarrdorf; das größte ist Herisau mit 5269 Ein-
wohnern, dann folgt Heiden mit 2070. Daneben finden sich überall
Weiler und Häusergruppen, und einzelne Bauernhäuser sind auf
ihren Heimwesen über Tal und Höhen zerstreut.
§ 2. Meine eigene Mundart ist die des vorderländischen
Dorfes Wald, wo ich aufgewachsen bin und bis zum 19. Alters-
jahre ununterbrochen, nachher noch häufig in den Ferien mich
aufgehalten habe. Im folgenden sind jedoch die Lautverhältnisse
des ganzen Kantons gleichmäßig berücksichtigt. Ich habe im
Januar und Februar 1905 und zum zweiten Male im Sommer 1906
in monatelangen Wanderungen das ganze Gebiet bereist und dabei
an 88 verschiedenen Punkten Aufnahmen gemacht. Wo immer ich
auf die Möglichkeit eines sprachlichen Unterschiedes hingewiesen
— 3 —
Avnrde, habe ich den Lautstand von neuem aufgenommen. Natür-
lich kann man bei einer derartigen Bearbeitung eines größern
Gebietes unmöglich an jedem Punkte wochenlang verweilen, um
nur im ungezwungenen Gespräche mit den Leuten auf alles auf-
merksam zu werden. Es bleibt nichts andres, als sich für jede
Erscheinung möglichst viele Beispiele zu merken. Man fragt dann
die Leute teils direkt ab, teils sucht man sie auf Umwegen zum
Aussprechen der Wörter zu bringen. Neue Erscheinungen werden
bei den daz^\'ischen fließenden Gesprächen dem aufmerksamen Hörer
nicht entgehen.
Der Wortschatz hat in dem „Appen zellischen Sjjrach-
schatz von Dr. Titus Tob 1er. Zürich 1837" (abgekürzt T.)
schon sehr früh eine Bearbeitung erfahren, die sich Schmellers
Bayerischem Wörterbuche würdig an die Seite stellte. Doch be-
dauert T. Tobler selbst in der Einleitung, daß namenthch Inner-
roden etwas dürftig vertreten sei, und schreibt: ,Keck kann sich
mein Nachfolger einer beachtenswerten Nachlese erfreuen."
§ 3. Wenn auch so^\'ohl in der Familie als im öffentlichen
Verkehre noch allgemein und ausschließlich Mundart gesprochen
Avird, so sind doch heute die Verhältnisse nicht mehr so, daß der
Mundartforscher beim Erstbesten oder gar im Dorfwirtshause in
fröhlicher Gesellschaft seine Erhebungen machen kann, am aller-
wenigsten, wenn es sich um lautliche Erscheinungen und deren
örtHche Fixierung handelt. Die gebildetem Kreise, ferner solche,
die ihr Beruf in Berührung mit andern Mundarten bringt, haben
manches von der echt mundartUchen Aussprache eingebüßt und
neigen dazu, besonders auffallende Eigentümlichkeiten ganz preis-
zugeben. So weit ist es freilich noch nicht, daß dies als das
.Schönere' oder ,Gebildetere' empfunden und allgemein bewußt
nachgeahmt würde. Doch reden selbst riele Bauern mit Fremden
nicht mehr in ganz reiner Mundart, wie sie unter sich sprechen,
auch wenn sie wissen, daß der Betreffende sie ebenso leicht ver-
stehen würde. Die ,Fremdenindustrie' aber nimmt im ganzen Kanton
fortwährend zu; die meisten Gemeinden haben sich bereits zu Kur-
orten emporgesch^ATingen. Noch stärkern Anteil an der allmählichen
Zersetzung der Lokalmundarten hat aber die ansässige fremde Be-
völkerung und der immer wachsende Bevölkeninsrswechsel. Ich
— 4 —
lasse hier an Hand der Ergebnisse der Eidgenössischen Volks-
zähhing von 1900 (Schweizerische Statistik 140. Liefg.) einige
Angaben folgen :
Von der Gesamtbevölkerung (A 55281, I 13499) waren im Jahre 1900
geb. in der Wobngemeinde
Bürger ihrer Wohngemeinde
Von diesen Bürgern in ihrer Wohngemeinde geb
geb. in andern Gemeinden des Halbkantons
Bürger anderer Gemeinden des Halbkantons
geb. in anderen Kantonen
Bürger anderer Kantone
geb. im Auslande
Bürger des Auslandes
Oder
in A
inl
29511
9 298
18 423
11576
le geb.
13 530
8 698
13 510
2 316
ns
20 253
207
10 090
1513
13 967
1887
2170
372
2 638
329
Ikerun
g ^aren
im Jahr 1900
im Jahr 1860
in A
inl
in A
inl
534
689
596
948
833
858
426
959
244
172
262
—
366
15
427
—
183
112
117
36
253
103
127
31
39
27
25
16
48
24
20
10
geb. in der Wohngemeinde
Bürger ihrer Wohngemeinde
geb. in anderen Gemeinden des Halbkantons
Bürger anderer Gemeind. d. Halbkantons
geb. in anderen Kantonen
Bürger anderer Kantone
geb. im Auslande
Bürger des Auslandes
Bei einem Bevölkerungszuwachs von 6850 Personen in den Jahren 1860
bis 1900 haben in A die in der Wohngemeinde Geborenen nur um 652 zu-
genommen, und in I entspricht einem Bevölkerungszuwachs von 1499 Personen
sogar eine Abnahme der Jfl der Wohngemeinde Gehörnen um 2 081.
Unter den 13 967 Bürgern anderer Kantone in A waren im Jahre 1900:
G768 St. Galler, 2014 Thurgauer, 1487 Innerroder, 1288 Zürcher, 538 Berner,
468 Aargauer, 354 Glarner, 266 Graubündner, 205 Schaflfhauser, usw.; unter
den 1387 in I befanden sich 565 St. Galler, 524 Aufserroder.
Eine Vergleichung der vorstehenden Angaben zeigt, daß in I
die Bedingungen für Reinheit der Mundart weit besser erfüllt sind
als in A; an Urwüchsigkeit übertreifen heute noch die Oberdorf§j-,
das sind die Bewohner der Gegend über dem Dorfe Appenzell gegen
das Gebirge hin (Schw. un(l Brül.), alle andern. Unter den außer-
rodi.schen Gemeinden .sind die Verhältnisse in der kleinsten, Schön.,
weitaus am schlechtesten. Von seinen 661 Einwohnern sind nur
48 Bürger (also nur wenige Familien), von diesen im Orte geboren
- 5 —
nur 38; überliaupt sind iu der Gemeinde geboren nur 280, iri
anderen Gemeinden A^on A 152, in andern Kantonen 213, im
Auslande 16. Da ist es denn niclit zu verwundern, wenn mau
hier eine sehr gemischte Mundart zu hören bekommt, vor allem
Einflüsse vom Toggenburg her, gegen welches das Tal mit der
Gemeinde sich öffnet und wohin der Hauptverkehr sich zieht;
besonders auffallend sind die toggenburgischen Kürzungen, Avie
Udd leiden, srlhj schreiben, liittä läuten, usw. Mit Mühe fand ich
noch eine Familie, deren Glieder, darunter ein geistig frischer
TOjähriger Greis, Bürger und Gebürtige der Gem^nde waren. Am
v.^enigsten rein ist sonst die Mundart natürlich in den oben ge-
nannten gröiaern Ortschaften ; doch ist es noch nirgends zur Aus-
bildung einer eigentlichen Dorfsprache mit bestimmten Eigenheiten
gegenüber der Mundart in den Auisengebieten gekommen.
Auf dem ganzen Gebiete besteht ein starker Unterschied
zwischen der altern und Jüngern Generation; ferner sind überall
ganze FamiHen besonders konservativ mit Bezug auf ihre Mundart.
Häufig muiäte ich leider hören, daia gerade in den letzten Jahren
viele von denen gestorben seien, die noch so recht ,altertümlich'
geredet hätten, und ich selbst traf auf meiner zweiten Reise
manche nicht mehr, bei denen ich anderthalb Jahre vorher gute
Aufnahmen gemacht hatte. Ich wandte mich nur an ältere, am
Orte selbst geborene Bürger, vorzüglich Bauern, die ihre Scholle
nie auf längere Zeit verlassen hatten. Mit Stolz wies mir dieser
und jener seinen Stammbaum vor, der bis zur Reformation zurück-
reichte ; immer folgte Sohn auf Vater im Besitze des Heimwesens,
und die Frauen stammten aus nächster Nähe. An einigen meiner
Gewährsleute in Innerroden ging der Wunsch des alten Sennen
in Scheffels Ekkehard noch buchstäblich in Erfüllung, ,dai3 der
hohe Säntis, so Gott Avolle, noch auf Enkel und Urenkel herab-
schaue, ohne daß sie wissen, wie man Griffel- und Feder handhabe.'
Auf meiner ersten Wanderung mitten im ^trengsten Winter —
übrigens der besten Zeit für mundartliche Aufnahmen, da die
\)äurische Bevölkerung dann Muße hat und froh ist über jede Ab-
wechslung — hatte ich öfter Gelegenheit, Großvater oder Groß-
mutter, Kind und Großkind in der selben Familie gleichzeitig um
mich geschart zu sMien und alle drei Altersstufen nebeneinander
sprechen zu hören, r
— 6 —
^ 4. Auf Grund der Erhebunfj^en arbeitete ich ^nftTi AUas v^n
21 Karten aus, indem ich einen Abriß der Karte von F. Becker
im Maßstäbe 1 : 75000 vervielfältigen ließ und darauf nach der
Metliode von Hermann Fischer die einzelnen Grenzlinien mit ver-
schiedenen Farben eintrug.
Diese einzelnen Karten können der großen Kosten wegen dieser Arbeit
nicht beigegeben werden; ihren Zweck erfüllen sie nichtsdestoweniger, denn
aus solchen ein Teilgebiet erschöpfenden Arbeiten wird sich einst der Schwei-
zerische Sprachatlas aufbauen lassen.
Auf einem Blatte vereinigte ich sämtliche Linien zu einer
synoptischen Karte (s. Karte II). Ein Blick auf diese Karte
belehrt uns, daß wir nicht einfach von einer innerrodischen, hinter-,
mittel- und vorderländischen Mundart reden dürfen: H, M und V
werden je durch ein Linienbündel entzweigeschnitten, während
zwischen M und V nur vereinzelte Linien sich hinziehen. Ich
bezeichne diese Halbierungen mit Hi H2: Mi M2; Vi, statt V2
wähle ich nach der für dieses Gebiet üblichen Bezeichnung Kurzen-
berg (vgl. T. 117a) die Abkürzung K (wenn nichts dazu bemerkt
ist, so verstehe ich also darunter die Gemeinden Walz., Wolfh.,
Lutz., Heid., Reute und Ob.). Man darf aber nun auch nicht
eine Hi-, eine Hg-, eine Mi-, eine M2 Vi- und eine K-Mundart
unterscheiden wollen; das hieße die Linienbündel mißverstehen.
Die Erscheinungen, deren Zusammenstoßen ein Bündel bezeichnet,
erstrecken sich nicht nur bis zum nächsten Linienbündel und
machen hier wieder andern Platz, sondern in weitaus den meisten
Fällen ist durch jede Linie eine Zweiteilung des ganzen Gebietes
gegeben, und es sind Grenzen vollständig anderer Erscheinungen,
die das nächste Bündel bilden, d. h. : die Bündel dürfen nicht zu
einander in Beziehung gesetzt werden, sondern nur jedes einzelne
zum ganzen Gebiete. So besteht das mitten durch M gehende
Linienbündel zum großen Teile aus Grenzlinien zwischen M2 V
und Ml I H, und die V durchquerenden Linien begrenzen meist
Erscheinungen, die K eigentümlich sind gegenüber dem ganzen
übrigen Gebiete. Das Nähere zur Erklärung der Linienbündel
und Abgrenzung der Mundarten siehe im III. Teil.
Verlauf und Bedeutung der einzelnen Lautgrenze müssen
leider in der synoptischen Karte etwas zurücktreten. Ferner konnte
hier nicht angedeutet werden, wo es sich um eine Grenzzone
handle; ich habe in dem Falle die Linie mitten durch das Grenz-
gebiet hindurch gezogen. Ebenso mußte ich mich darauf be-
schränken, die heutige Grenzlinie anzugeben, und mußte Spuren
und Reste eines früher andern Verlaufes unangedeutet lassen. Zu
jeder Linie ist daher die Stelle zu vergleichen, wo der betreffende
Lautwandel besprochen ist.
§ 5. Um zu wissen, welche Erscheinungen sich über das
Gebiet des Kantons hinaus fortsetzen und welche Grenzlinien sich
längs der Kantonsgrenze hinziehen, war ich genötigt, mich auch
über die Lautverhältnisse des lingsherum angrenzenden Gebietes zu
orientieren. Für die Strecke vom Bodensee bis zum Hirschen-
sprung verdanke ich die Angaben Herrn Dr. phil. J. Berger, der
jene Mundart bearbeitet. Das übrige Gebiet suchte ich im Früh-
ling 1906 in drei mehrtägigen Wanderungen selbst ab; ich machte
Aufnahmen im Fürstenlande : am Rorschacherberor, in st. o-allisch
Grub, Eggersriet, St. Gallen-Tablat, Winkeln, Goßau, im Toggen-
burg: in Degersheim, St. Peterzell, Hemberg, Ebnat, Neßlau, Stein,
Wildhaus, im Rheintal: in Gams, Grabs, Buchs, Frümsen, Sennwald.
Ich habe jedoch die Verhältnisse dieser Mundarten in meiner Arbeit
nur soweit nötig herangezogen, da jetzt auch über das Fürstenland
und das Toggenburg besondere Arbeiten in Angriff genommen sind.
Die Beispiele für eine Erscheinung werden, um den Raum zu sparen,
nur da vollständig aufgeführt, wo dies von Wichtigkeit ist. Die Bedeutungs-
angaben zum einzelnen Worte sind möglichst kurz gehalten: häufig verweise
ich dazu in Klammern auf T. Die für das ganze Gebiet geltenden Beispiele,
deren Aussprache meist in verschiedenen Gegenden abweicht, gebe ich in der
Lautform von Wald (s. § 2).
Die natürlich nur unvollständigen Angaben bei T. über die Aussprache
der Wörter decken sich manchmal nicht ganz mit den meinigen; wie T. in der
Einleitung sagt, stammen seine Aufnahmen und Beobachtungen in der Haupt-
sache von je einem Punkte in den verschiedenen Bezirken, so z. B. für M von
Teuf., für K von Lutz. Indem T. diese Orte als Vertreter für die Bezirke
M, K, usw. nahm, mußten sich Ungenauigkeiten ergeben.
§ 6. Die weitgehende Benützung der vorhandenen Mundart-
Hteratur darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Auf
speziellere Arbeiten wird an der betreffenden Stelle verwiesen.
Ich gebe im folgenden nur die Abkürzungen für die in der Arbeit
öfter angeführten Werke:
— 8 —
Behaghel. Geschichte der deutschen Sprache, in Pauls Grundriß
der germanischen Philologie, P 650 — 780.
Braune. Altliochdeutsche Grammatik. 2. Aufl. Halle 1891.
Haldimann. Der Vokalismus der Mundart vor Goldbach, in ZfhM.
1903, 295—351. 1904, 225—244.
Heusler. Der alemannische Konsonantismus in der Mundart von
Baselstadt. Straßburg 1888.
Hoffmann. Der mundartliche Vokalismus von Basel-Stadt. Bas. 1890.
Id. Schweizerisches Idiotikon. Frauenfeld 1881 if.
Jespersen. Lehrbuch der Phonetik. Leipzig 1904.
Kluge. Etymologisches W^örterbuch der deutschen Sprache. 6. Aufl.
Straßburg 1899.
Paul. Mittelhochdeutsche Grammatik. 6. Aufl. Halle 1906.
Rousselot. Principes de Phonetique experimentale. Paris 1902.
Schild^ Brienzer Mundart. Vokalismus. Göttingen 1891.
Schild-. Konsonantismus, in PBB. 1894 (Bd. 18), 301—393.
Sievers. Grvmdzüge der Phonetik. 5. Aufl. Leipzig 1901.
Stickelberger^ Lautlehre der lebenden Mundart der Stadt Schaff-
hausen. Vokalismus. Leipzig 1881.
Stickelberger"-. Konsonantismus der Mundart von Schaffhausen,
in PBB. 1890 (Bd. 14), 381—454.
T. Titus Tobler. Appenzellischer Sprachschatz. Zürich 1837.
Wilmanns. Deutsche Grammatik. 2. Aufl. Straßburg 1897/9.
Winteler. Die Kerenzer Mundart des Kantons Glarus (mit ver-
gleichender Heranziehung der Mundart des Schlatt bei Neßlau
im Obertoggenburg). Leipzig 1876.
Phonetische Darstellung.
§ 7. Ruhelage der Sprechorgaiie. Spezifische Arti-
kulation. In der Ruhelage hei geschlossenem Munde liegt die
Zunsre schlaff im Mundraume, bei mir das Becken des Unterkiefers
in der ganzen Breite ausfüllend bis ein Weniges über die Unter-
zähne hinaus, so daß sich der Zungensaum noch an die Alveolen
der Oberzähne anlegt; sie liegt in ihrem Vorderteile wagrecht und
steigt erst weiter hinten etwas an. Die Lippen berühren sich
ohne Pressung. Die weit geöffnete Stimmritze und das schlaff
herabhängende Gaumensegel lassen den Atemstrom ungehindert
durchziehn.
Wenn ich die MA. von K spreche, so ergeben sich mir ihre
Eigentümlichkeiten ungezwungen aus folgender Verschiebung der
Artikulationsbasis : ich schiebe den Unterkiefer ein wenig vor, ebenso
die Zunge, deren Spitze sich an den Unterzähnen hinabkrümmt.
Zugleich hebt sich die Zunge um ein Weniges, namentlich in der
Mitte, so dai^ sie an den Seitenrändern ziemlich stark abfällt. Die
Folge ist, dals die verschiedenen Teile der Zunge weniger weit vom
Gaumen entfernt sind und etwas weiter vorn liegenden Punkten
desselben gegenüberstehn.
Die Zungenartikulation ist in K viel kräftiger und die
Spannung in den artikulierenden Organen überhaupt größer als
auf dem ganzen übrigen Gebiete: am wenigsten energisch ist sie
in I. Die Beteiligung der Lippen besteht in spaltförmiger Öffnung
(kein Auseinanderziehen der Mundwinkel), in (der Hauptsache nach
vertikaler) Rundung und schwacher Vorstülpung ; die Verschluß-
bildung kann so energisch sein, daß die Lippen sich einstülpen.
Die Kieferöffnung ist im allgemeinen nicht groß; sie ist jedoch
nicht von unmittelbarem Einflüsse auf den Lautcharakter, bleibt sie
— 10 —
(li)cli lit'i MäniuMii. die den ijanzcn Ta^ die Tabakspfeife ZAvischen
den /ahnen haben, bei allen Lauten ziemlich die selbe. Zur Nasa-
liei'ung siehe § 95.
§ s. Übersicht über den Lautbestand. Lautschrift.
V^gl. die Ül)er.sicht' über die etymologische Geltung der ein-
zelnen Vokale § 110.
Eiiifache Vokale.
Keine Mund vokale: a ä
geschlossenes c l o ö u ü
halboffenes c
offenes e i, o ö u il
reduziertes ,)
Längen: ä ä e e l o ö 5 3 il ü
Kürze l)leibt also unbezeichnet.
Nasalierte Vokale: a n, ä ä, e e, e e, e e, l f, p Q ö Ö,
o a ö S (halboffen), o ö ö 5", n i} ü ü, ü
Dii)hthoiige.
Echte: el oh öii
iii ei oii öü
äl el Dil oil
Ob 1(1.
Unechte: ir) U9 i'o, ci o,i ö,), e9 oa ös, as äd,
verkürzt ij ua iu, ca, ea.
Ti'iphthoiige.
Kai Ü,)l
Koiisouaiiteii.
Stimmlose:
Verseil luLUaute: h d r/ — - Lenes.
j> t /(■ — Fortes.
pj) ff /./.• = Geminaten.
pli fh = aspirierte Fortes.
Hfi belaute: /' .s .s(-^sch) j,- (velar) / (palatal) = Lenes.
ff SS SS XX %x = Fortes,
im Inlaut zwischen Stimmhaften Geminaten.
Affrikaten :
Pf
Hauchlaut:
//.
Stimmhafte:
Nasale:
m
nun
— 11 —
n D (= velarer Nasal) = Lenes.
IUI, no = Fortes, im Inlaut zwischen
Stimmhaften Geminaten.
Licjuide: r l (f) = Lenes.
// (U) = Fortis, im Inlaut zwischen
Stimmhaften Geminata.
Halhvokale: j ic =- Lenes.
fj Kir (iiir) -:= Geminaten im Inlaut zwi-
schen Vokalen.
Die Alissprache der einzelnen Laute.
Die Berührungsstellen der Zunge am Gaumen habe ich bei mir mittels
eines kiinstlichen Gaumens (von Ouranine) bestimmt (nach Ronsselnt, S. 55 ff,
590 ff. und R. Montalbetti in La Parole 1903, Nr. 4); siehe die beigegebenen
Abbildungen. Die Stimmhaftigkeit oder Stimmlosigkeit der Konsonanten konnte
ich durch die Freundlichkeit von Herrn Prof. Schumann im psychologischen
Laboratorium der Universität Zürich mit dem Kehltonschreiber von Krueger
und Wirt (vgl. Wundts Psychol. Studien 1 [1905], Heft 1) feststellen.
Die Vokale.
^ 9. Laigerundete Vokale.
a, fl. Der hinterste Teil der Zunge bewegt sich fast wag-
recht rückwärts, während die übrige Zunge nur wenig zurück-
gezogen und gesenkt wird : die Zungenspitze weicht nicht von
den Schneidezähnen zurück. Der senkrechte Abstand zwischen
den Spitzen der Vorderzähne ist bei gewöhnlichem Reden bei
der Kürze weniger, bei der Länge etwas mehr als ' •> cm : er ver-
größert sich sehr bei lautem Sprechen und Rufen.
Die Folge i.st eine ziemlich helle Klangfarbe, in K wegen
der etwas höhern Lage und .stärkern Spannung der Zunge viel
heller als auf dem übrigen Gebiete.
if, ff. Die Kieferöffnung ist kaum merklich kleiner als im
Vorigen. Die ganze Zunge ist ein wenig vorgeschoben und ge-
Iidhrn, (ho
- 12 -
niittU-iv Rinterzunge in der Richtiino; gegen den hintern
harten (Daumen (Abb. 1); die Mittel- nnd Vorderzunge ist flach
und ver))reitert, die Zungenspitze an die Unterzähne angelegt .und
der anstoßende Vorderzungenrand scliwach emporgewölbt.
e, T\ e, e. Dei- mittlere Teil der Hinterzunge hebt sich gegen
den hintern (und mittlem) harten Gaumen, bei c höher und etwas
wiMter vorn als liei e. (Abb. 2). Die Mittelzunge bildet eine Ein-
senkuug. welche, etwa die zwei vordem Schneidezähne breit, in der
Höhe der untern Zahnspitzeu nach der Zungenspitze ausläuft; der
übrige Rand der Vorder- und Mittelzunge ist gegen die Alveolen
und^Oberzähne emporgehoben, diese nach vorn bei e bis zu den
Eckzähnen, bei e bis zu den Schneidezähnen berührend. Bei c
liegen die Zahnspitzen der Ober- und Unterzähne auf gleicher
Hcdie. während sie bei e, 1 bis 2 mm in der Senkrechten von ehi-
ander abstehen. Die Lippen sind ganz gespalten, haben aber keine
selbständige, von der Senkung des Unterkiefers unabhängige Be-
wegung. Die Zungenartikulation ist bei den Längen gespannter
als'^bei^den Kürzen, weshalb namentlich e gegenüber e etwas ge-
schlossenere Qualität besitzt.
C bedeutet einen Laut, der deutlich zwischen e und c hegt, sei
es, data er sich mehr dem einen oder mehr dem andern nähert.
.9 bezeichnet immer einen unbetonten Vokal mit schwachem
Exspirationsdruck und geringer (nachlassender) Zungenspannung,
im Lautwerte dem e naheliegend, doch als Übergangslaut aus der
Ruhelage oder in dieselbe (nach oder vor einer Pause), ferner vor
Velaren Konsonanten, mehr gegen «, a hin gesprochen.
/, 7. Der vordere Teil der Hinterzunge hebt sich gegen den
mittlem harten Gaumen, am höchsten, weil mit größerer Zungen-
spannung gesprochen, bei l (Abb. 3), etwas weniger hoch bei /,
dessen Klang daher ganz wenig tiefer ist (außer in K). Die Lage
der verschiedenen Teile der Mittel- und Vorderzunge ist die selbe
wie oben bei i'\ doch ist der Luftweg zwischen Zunge und Gaumen
verkleinert durch Hebung des Unterkiefers, so daß die Zahnspitzen
übereinander gehen. Die Lippen hegen etwa zu einem Drittel auf
jeder Seite aufeinander; die Unterlippe wird ganz wenig gesenkt.
* bezeichnet einen Vokal, dessen Lautwert zwischen dem von
V und dem von /' liegt.
— 13 —
§ 10. Gerundete velare Vokale.
o, ö. Die Zunge ist sehr stark zurückgezogen und der hintere
Teil der Hinterzunge gegen den weichen Gaumen emporgehoben
(Abb. 4): die Zungenspitze schwebt auf der Höhe der untern
Alveolen etwa in einer Linie zwischen den ersten und zweiten
Backenzähnen durch. Die Kieferöffnung ist etwa gleich wie bei a.
Die Lippen sind auf jeder Seite bis zur Hälfte ganz geschlossen;
die Öffnung ist ein Drittel so hoch wie breit. Der Laut hat sehr
offenen Charakter.
o, ö. Die Zunge hebt sich noch höher gegen den weichen
Gaumen empor als im Vorigen; die Berührungsstellen liegen ganz
wenig weiter nach vorn (Abb. 4). Die Kieferöffuung ist die selbe
wie bei e. Die Lippenöffnung ist in jeder Richtung schwach halb
so groß w4e bei o.
Eine deutliche Zwschenstufe z>vischen diesen beiden Laut-
werten kommt nui' nasaliert vor, bezeichnet o ö.
u, n. Der hintere Zungenteil liebt sich mehr gegen den vordem
weichen Gaumen (Abb. 4), und die Engenbildung ist stärker. Die
Kieferöffnung ist wie bei e. Die Lippenöffnung ist so klein, als
es bei ganz schwacher Verstülpung und geringer Spannung der
Lippen möglich ist; das Verhältnis der Breite zur Höhe ist etwas
kleiner als bei den Vorigen. Außer in K wird it deutlich mit
geringerer Zungenspannung gesprochen als ä.
u bezeichnet einen Vokal, dessen Lautwert zwischen o und
i( liegt.
§ 11. Gerundete palatale Vokale.
Die Lippenrundung bei ö, ö, i'( ist gleich der beschriebenen
bei 0, 0, IL Dagegen entspricht die Zungenartikulation weder der
von €, e, i, noch ganz der von (V, e, c (s. Abb. 2 und 3); am
nächsten stimmt diejenige von ö mit der von e, annähernd auch
die von ü mit der von e, während die Zungenlage bei ö etwa in
der Mitte ist zwaschen derjenigen bei ä und e.
§ 12. Die Diphthonge.
Der erste Komponent entspricht (wenigstens in seinem Ein-
sätze) genau dem einfachen Laute, durch dessen Zeichen er trans-
skribiert ist; nur in äi ist er nicht ganz so offen, doch noch
— 14 —
deutlich otfener als c in e'i. Bei den echten Diphthongen ist
die Zungen- und Lippenstellung im zweiten unsilbischen Kom-
ponenten die selbe, wie für die entsprechenden silbischen i,it,ü;
der Überu'any: findet ohne deutliches Hervortreten eines Gleitlautes
statt. Im Auslaut ist der zweite unsilbische Komponent gedehnter
und in Jit, ü/i schließen sich die Lippen stärker als bei sonan-
tischeni i(, ii, so daü ein deutliches iv entsteht; ich trage diesem
Sachverhalte Rechnung durch die Schreilning e/y, oiiir, düw (vgl. § 19).
Noch ausgeprägter stellen sich /, iv vor folgendem Vokal als
Gleitlaute ein (vgl. § 22).
Bei den unechten Diphthongen läßt die Zungenspannung
gleichzeitig mit der Druckstärke nach und die Zunge bewegt sich
der Ruhelage zu; der Übergang ist allmählicher als bei den echten
l)iphthongen.
Der Lautwert des zweiten Komponenten ist e-ähnlicher in
/,>, ii.i, ^f-ülinliclier in y^>; vgl. auch das zu •> § 9 Bemerkte.
In /.>, no, /<<? sind beide Komponenten zeitlich so reduziert,
daß sie zusamnlen einer gewöhnlichen Kürze gleichkommen; sie
rufen fast den Eindruck von steigenden Diphthongen hervor, sind
es aber nicht.
Zu cj, 00, öi) usw. < er, or, ör usw. (-j- Kons.) s. § 94 c.
§ 18. Die Tri])lithonge.
Die Druckstärke nimmt durchgehend ab; die Zunge wird nach
dem ersten Komponenten zu einem zwischen ä und e liegenden
Laute gesenkt und hierauf Avieder vollständig in die /-Stellung
emporgeführt. Vor folgendem Vokal tritt Geminata ein wie bei
den echten Diphtliongen.
Zum Einrtusse der Nasalierung auf die einzelnen Vokale
s. § 95.
Die Konsoiianteii.
a. Stimmlose (s. 55 20).
^ 14. Die Lippenlaute.
Bei />, jß wird der Verschluß in der selben Lage der Lippen
gebildet, die sie in der Ruhe bei geschlossenem Munde einnehmen;
— 15 —
bei p stülpen sich die Lippen leicht ein. Bei / wird die Reibeenge
zwischen den Oberzähnen und der Unterlippe hergestellt und zwar
so, daß die Unterlippe sich mit geringer Hebung an die untere
Vorderseite der obern Schneidezähne zurücklegt; auch die Ober-
lippe wird in der Mitte ein wenig einwärts gezogen und gehoben,
wodurch sich die Lippenöffnung nach oben etwas vergrößert. In
der Affrikata pf mrd /' mehr bilabial als labiodental artikuliert.
§ 15. Die Zahnlaute.
df t werden alveolar gesprochen (Abb. 5); die ganze Zunge
ist stark gehoben, bei dem mit energischer Zungenspannung arti-
kulierten t ziemlich höher, als bei d mit nur schwachem Be-
rührungsdruck der Zunge.
s. Die untern und obern Zahnspitzen liegen auf gleicher
Höhe, die untern infolge einer geringen Vorwärtsbewegung des
Unterkiefers nicht ganz so weit hinter den obern Avie in der Ruhe-
lage. Das Zungenblatt bildet eine weite Rinne, die sich von den
untern Zahnspitzen schräg hinauf gegen die hintern Alveolen zieht,
hier sich verengt und sich so noch in der Mittellinie des vordem
Teiles der Hinterzunge fortsetzt; weiter hinten ist die Zunge flach
und stark abwärts geneigt. In Abb. 6 ist der von der Zunge
nur ganz leicht berührte Teil der Alveolen punktiert, während
die feste Berührungsfläche schraffiert ist. Gelispeltes .s kommt
individuell vor, so zB. bei den Jüngern Gliedern einer ganzen Familie
im Dorfe Appenzell.
s. Die Zähne gehen ohne Verschiebung der Kieferlage ganz
wenig übereinander. Die Vorderzunge ist stark zurückgezogen und
die verdickte Zungenspitze gegen den hintersten Rand der Alveolen
emporgehoben, wo sie die Reibeenge bildet (Abb. 7); unmittelbar
dahinter folgt eine schwache Einsenkung, während die Hinterzunge
wieder höher liegt. Auch die Lippen nehmen teil an der Arti-
kulation: die schwache Bewegung der Oberlippe ist ganz gleich
wie bei /'; die Unterlippe wird etwas vornüber gestülpt.
Abb. 6 und 7 zeigen auch die Artikulationsstellen dieser Laute
in den Affrikaten. Bei ts ist die Verschlußstelle nach der Reibe-
enge zu verlegt; in der umgekehrten Folge st fallen sie sogar
ganz zusammen (Abb. 7).
— 16 —
§ 16. Die Gaumenlante.
f/, k werden vor und nach palataleu Vokalen am hintern
harten und vordem weichen Gaumen, vor und nach a und den
Velaren Vokalen am weichen Gaumen artikuliert. Abb. 8 zeigt
die Artikulationsstellen von ik, ek, ak, letztere den harten Gaumen
eben noch berührend, Avährend bei uk, ok, ok der Verschluß weiter
hinten am weichen Gaumen gebildet \Nard, zu hinterst bei ok\ bei
.7') //'5, ,'/« ist das Berührungsbild gleich wie in Abb. 8, nur daß
die Artikulationsstellen des i und e etwas Aveiter nach vorn reichen,
nahezu wie in Abb. 2 und 3. Weniger abhängig ist die Verschluß-
stelle des g, k von der Artikulation damit verbundener Konsonanten ;
sie liegt hier am vordem Aveichen Gaumen, höchstens nach l etwas
weiter vorn, zum Teil noch am harten Gaumen.
Die MA. außer K besitzt nur den am hintern Gaumenbogen
gebildeten tiefen Reibelaut x, dessen Artikulation nur in palataler
Umgebung ein wenig Aveiter vorn am w^eichen Gaumen ein- oder
absetzt ohne erhebliche Veränderung des Reibegeräusches, und die
entsprechende Affirikata kx, worin k den Wechsel der Verschluß-
stelle je nach dem vorausgehenden Vokale beibehält. In K kommt
auch ein weiter vorn gebildeter Reibelaut vor mit schAvächerm
Reibegeräusch, mehr oder Aveniger einem starken Hauchlaut sich
nähernd, nach palatalen Vokalen palatales /; das Nähere darüber,
soAvie über die entsprechenden Affrikaten, bezAv. Aspiraten
siehe im IL Teil unter diesen Lauten.
Aspirierte labiale und dentale Verschlußfortis (ph, th)
findet sich nur in Avenigen LehnAvörtern.
Der Hauchlaut /i kommt außer K nur mit ganz schAvachem
Reibegeräusch vor, Avährend in K im Inlaut alle Abstufungen bis
zum Reibelaut /, x sich finden.
Zum Kehlkopfverschlußlaut s. § 24.
b. Stimmhafte (s. § 20).
§ 17. Die Nasale.
Der Lippenverschluß Avird bei m in gleicher Weise gebildet
wie bei h, p, bei mm auch mit Einstülpung der Lippen. Die
— 17 —
Artikulationsstelle zwischen Gaumen und Zungenblatt ist bei n die
selbe wie bei d, je nach der Umgebung ein wenig weiter vorn oder
weiter hinten. Bei » hebt sich die Hinterzunge nach palatalen
Vokalen gegen den hintern harten und vordem weichen Gaumen,
nach « und den velaren Vokalen gegen den (hintern) weichen
Gaumen, also gleich wie bei g, k (§ 16); die Verschluiästelle bei
iv deckt sich mit der in Abb. 8 für ik angegebenen.
§ 18. Die Liquiden.
r. Die MA. besitzt nur das gerollte Zungenspitzen-r. Der
Zungensaum legt sich rings an die Alveolen an, vorn emporgewölbt
gegen deren obern Rand (Abb. 9). Das Rollen ist nur ganz kurz,
die Spannung in der Zungenspitze schwach; energisches Rollen
mit Fortischarakter kommt nur anlautend in der Emphase vor
(s. § 21). Zu r vor Konsonanten s. § 94.
If i. In der Artikulation dieses Lautes besteht ein starker
Unterschied zAvischen dem östlichen und dem westlichen Teile
unseres Gebietes. Ich bezeichne die beiden Arten nach Jespersen
als flaches / und hohles i. Ersteres spreche ich selbst und es
gilt allgemein auf dem Gebiete V Ma. Das Zungenblatt bildet
bei energischer Artikulation (U) einen breiten Verschluß an den
Alveolen und auch der seitliche Zungensaum legt sich an diese an
mit Ausnahme einer schmalen beidseitigen Ausflußöffnung zwischen
dem zweiten und dritten Backenzahn (Abb. 10); bei kurzer und
schwacher Artikulation (intervokalischem l) ist die Berührungs-
fläche vorn viel schmäler (Abb. 10), indem nur die Zungenspitze
zu den Alveolen emporschnellt. Der Zungenrücken liegt flach
oder ist doch nur ganz wenig eingesenkt, so daß der Resonanz-
raum zwischen ihm und dem Gaumen nicht groß ist. Dieses l
klingt daher hell. Ganz anders das mehr oder weniger hohle i
auf dem übrigen Gebiete (Mi I H), am auffallendsten in I. Nur
der vordere Zungenrand bildet einen schmalen und (auch bei ^f)
wenig energischen Verschluß an den Alveolen. Unmittelbar da-
hinter ist die Zunge stark eingesenkt und berührt seitlich die
obern Alveolen nicht mehr, weshalb die beiden Ausflußöfiiiungen
sehr groß sind. Diese löffelartige Aushöhlung der Vorderzunge
setzt nach Jespersen voraus, ,daß die Hauptmasse der Zunge rück-
wärts verschoben wird, so daß eine Annäherung der Hinterzunge
Vetsch, Appenzeller Mundarten. 2
— 18 —
an den weichen Gaumen stattfindet, ebenso ^ie bei u, dem der
Laut dadurch ähnlich wird; in der Sprachgeschichte sehen wir
oft. wie das »-artige, das sich in dem hohlen f findet, eine große
Rolle spielt, indem es teils die Qualität des vorhergehenden Vokals
beeinfluiät (s. § 93), teils ein wirkliches ti vor dem ?-Laut erzeugt
(s. § 89), der oft ganz versch^vinden kann, so daß nur u zurück-
bleibt' (so in Berner MAA.). Die Lippen sind seitlich etwas ge-
schlossen und neigen zur Rundung. Infolge des großen Hohlraumes
und der weiten Ausflußöffnungen ist der Klang des t dunkel und
wird durch Rundung der Lippen noch dumpfer (vgl. Sievers § 316).
§ 19. Die Halbvokale.
J, Die Enge zwischen Zunge und Gaumen ist weiter als bei
silbischem und unsilbischem (vgl. § 12) i (Abb. 11); der Laut be-
sitzt daher keine Spur von spirantischem Charakter (doch s. § 21).
w. Die Artikulation ist stets bilabial, mit nur ganz kleinem
vordem Lippenspalt; der Laut entbehrt jedes Reibegeräusches.
Da dem ic keine spezifische Zungenartikulation zukommt, so richtet
sich die Zungenstellung und damit der Klangcharakter des tv nach
dem vorausgehenden oder nachfolgenden Laute.
§ 20. Stimmlos : Stimmhaft.
Wie die Konsonantenübersicht in § 8 zeigt, fehlen unserer
MA. stimmhafte Verschluß- und Reibelaute; ich verweise für diese
allen schweizerischen MAA. gemeinsamen Verhältnisse auf Winteler.
Die Stimmlosigkeit sämtlicher Verschluß- und Reibelaute, auch der inter-
vokalischen Lenes, stellte ich mit dem Kehltonschreiber (s. S. 11) fest; ich
wurde dazu veranlaßt durch Aufnahmen, die Rousselot (S. 343/4. 347,8) bei
einem St. Galler gemacht hat, der stimmhaftes intervokalisches s und d sprach
(neben stimmlosem s). Allein jeder Schweizer, vor allem wer Französisch
gelernt hat, kann diese Laute natürlich mehr oder weniger stimmhaft sprechen;
mundartlicli aber ist dies nicht. — Über den Grad der Stimmlosigkeit, wie
weit der Ein- oder Absatz stimmhaft ist in stimmhafter Umgebung, fehlen
mir noch eigene Beobachtungen.
Bei den Stimmhaften ist der Stimmton deutlich, doch nicht
stark, sehr ausgeprägt allein bei i (vgl. § 18). SoAvohl die Nasale
und Liquiden, als auch j und iv sind ferner im Anlaute und nach
— 19 —
Stimmlosen reduziert (im Sinne von Sievers §§ 504 und 505),
indem die Stimme erst einsetzt, wenn bereits der Übergang zum
folgenden Vokal begonnen hat: ebenso verliert sich im Auslaut
der Stimmton vor dem Absatz des Lautes.
§ 21. Lenis : Fortis.
Das Wesen der schweizerischen Lenes und Fortes ist von
Winteler festgelegt worden. Sie stellen in unserer Mundart die
beiden Extreme der bei gewöhnhchem Sprechen vorkommenden
Stärkegrade* dar, jene die größtmögliche Schwäche der Exspiration
und Flüchtigkeit der Artikulation (und dadurch bedingte Kürze),
diese die größte Exspiratious- und Artikulationsenergie (und dadurch
bedingte längere Dauer). Es ist schon oben bei den einzelnen
Lauten auf diesen Sachverhalt, der sich in der Größe und Stärke
der Verschluß- bezw. Engenbüdung äußert, hingewiesen worden
(vgl. auch Abb. 5 und 10).
Die von Winteler (S. 28/9) so genannten »potenzierten Fortes'
haben, Avorauf er selbst aufmerksam macht, nur ideell, nicht
phonetisch, höhere Geltung als die übrigen Fortes; es besteht
zB. kein Unterschied zwischen trokxj <^ d'tr. (vgl. § 31, 1) ,die
Schachtel' und trökxd ,drücke^j.'. Dagegen findet eine weitere
Verstärkung der Fortes statt in der Emphase unter erhöhtem
Akzent, namentHch häufig im Anlaut, zB. in Ausrufen der Ver-
wunderung: ][)pots ttusi! ,Potz Tausend!' Dies trifi't auch für die
Reibelaute und die Stimmhaften zu, die sonst anlautend nur als Lenes
vorkommen; auch sie werden unter diesen Bedingungen zu Fortes
und noch höher gesteigert: s ssn (rj xxalp) bist! ,ein Sch^vein (ein
Kalb) bist du!' — mmendjr iss! ,minder (d. h. gemein) ist es (von
ihm, so zu handeln)!' verächtlich, wegwerfend gesprochen. —
Verwundert ausgerufenes , Nein!' lautet: 7inä! oinä! — dnUog iss!
,eine Lüge ist es!' — llog j dö! ,sieh mal da her!' — rröt! ,rot!'
wiederholt man unwillig, wenn man das erste Mal nicht verstanden
wurde. Bei j und iv tritt in diesem Falle außerdem noch ein
mehr oder weniger starkes Reibegeräusch auf (vgl. § 19), so in
unwillig gesprochenem jjö! ,ja!' ivivä? ,was?' usw. Auch /? wird
zum Reibelaut gesteigert zB. in dem Fluche: hhimmdl hhergot!
jUimmel Herrgott!'
— 20 —
Umgekehrt büßen die Fortes in unbetonten Silben etwas von
ihrei- Stärke ein, wenn sie sich auch (wenigstens auf dem östlichen
Gebiete) noch stark von den Lenes unterscheiden.
Auch für unsere MA. gilt, was Heusler (S. 24 &. ; vgl. auch
Winteler S. 144) ausführt, daß Lenis und Fortis ihre gegensätz-
liche Natur nur in stimmhafter Umgebung bewahren. Treffen
zwei oder mehrere stimmlose Laute verschiedener Artikulationsart
zusammen, so erhalten ihre Artikulationen eine gewisse mittlere
Intensität, kräftiger als die der Lenis, etwas schwächer als die
der Fortis. Dies betrifft also auch die Affrikaten pf, ts, ts, Jcx.
Mit Heusler verwende ich in der Schrift kein besonderes Zeichen
für diesen Zwischenlaut, sondern gebe ihn bei den Verschlußlauten
mit dem Zeichen der Fortis (welcher der Laut auch näher liegt
als der Lenis) und bei den Reibelauten, um unnötige Buchstaben-
häufungen zu vermeiden, mit dem einfachen Zeichen wieder. Ich
schreibe also lepfi .lebendig', aber ivaxsj , wachsen', usw.
In einem mittlem Intensitätsgrade vereinigen sich in unserer
MA. (vgl. Heusler § 28) auch Lenis und Fortis von m, n, v, l
nach und vor einer andern Fortis, die selbst uugeschwächt bleibt,
zB. in lilopt ,geglaubt', tnöt ,die Naht', falt ,fällt', falt,) ,falten',
hemp ,Hemd', stimt ,stimmt', antd ,Ente', trinhxd , trinken'. Dabei
ist allerdings, wie auch oben bei den Stimmlosen, nach kurzem
Vokal infolge der Wirkung des starkgeschnittenen Silbenakzentes
(s. § 34) die Intensität größer als nach langem Vokal.
§ 22. Geminata.
Die Fortis der Verschluß- und Reibelaute zwischen Sonoren
(Vokal oder m, n, n, l, r), der Verschlußlaute auch nach Sonorlaut
vor Reibelaut und der intervokalischen Sonorkonsonanten (m, n,
13, l, j, 7v) ist Geminata, d. h. ihr Eingang wird noch mit dem
Exspirationsstoß der vorausgehenden Silbe hervorgebracht, ihr
zweiter Teil dagegen mit dem für die folgende Silbe neu ein-
setzenden Exspirationsstoße ; die Silbengrenze föllt also in sie hinein.
Beispiele :
1. xaplpi) Kappe, rokjkd Rücken, rltlta reiten, höhlhd Haken,
niudltdr Mutter;
üslss Asche, slöflf,) schlafen, XDufjfa kaufen, sudxlxa suchen;
— 21 —
xeltlta kälten, tvärtltd warten, hemplpdr Hemden, gäntltd
ganten, heJflß helfen, betjtb betteln, bröklMi Brückchen,
früntjtli freundlich.
2. xratltsa kratzen, sepjpfj schöpfen, akjixsh Achsel, wärtjtsd
Warze, simplpfd schimpfen; dagegen nicht nach Reibelaut
vor Sonorlaut (vgl. § 33).
3. hamlnur Hammer, swimjmD schmmmen, menlnd mancher,
rollJa rollen, sneijlja schneien, houwjicj hauen, frDiuvjivd
freuen.
Im folgenden deute ich nur die intervokalische Verschluß-
geminata durch Verdopplung des Fortiszeichens an.
Am ausgeprägtesten ist die Geminata z^vischen starktonigen
Vokalen, wenn der vorausgehende starkgeschnittenen Akzent hat
(d. h. kurz ist), zB. in gerufenem Anna! Anna! In gewöhn-
licher Rede ist der Folgevokal aber immer mehr oder weniger
seh wach tonig, so auch in Anna Anna! Doch ist die Geminata
auch nach langem Vokal und Diphthong deutlich und unz\^felhaft
auch in den übrigen angeführten Fällen vor oder nach Sonor-
konsonant und vor Reibelaut.
§ 23. Länge : Kürze.
Eine starke Abstufung nach der Dauer findet sich bei den
Vokalen; die von uns in der Transskription unterschiedenen Grade
der Kürze und Länge sind selbst wieder veränderlich Die Kürze
wird in unbetonter Stellung überkurz, so unsere j, i, usw. Die
Länge im einsilbigen Worte ist etwas gedehnter, wenn dieses
vor Satzpause steht. Überlang sind die vor Nasal oder Liquida
-|- Kons, gedehnten Vokale (s. §§ 101/4). Der Unterschied zwischen
Kürze und Länge, zB. in hagj ,Bogen' und hlögj ,plagen', ist
sehr groß, nach meinem Gehör eher wie 1:3 als wie 1:2;
experimentelle Feststellungen fehlen mir noch (vgl. die Angaben
bei T. XXVII).
Auf den Zusammenhang der Dauer der Konsonanten mit der
Energie der Exspiration und Artikulation ist oben hingewiesen
worden; darnach sind die Lenes sehr kurz, länger die Fortes und
am längsten die intervokalischen Geminaten.
- 22 —
Die absolute Dauer der einzelnen Laute ist auch abhänffisr
vom Sprechtemi3o. Dieses ist im allgemeinen ziemlich schnell,
natürlich mit individuellen Unterschieden und wechselnd nach dem
Sinne des Gesjn-ochenen und dem Grade des Affektes. Besonders
schnell spricht der Innerroder, langsamer der Bewohner von Walz.
und Keute.
i^ '24:. Lauteinsatz und -absatz.
Für Vokale und Konsonanten ist der leise Ein- und Absatz
die Regel. Fester Vokaleinsatz mit Kehlkopfverschlußlaut (be-
zeichnet mit ') findet sich nur unter starker Betonung am Anfange
eines Satzes und in Interjektionen, zB. : '/ II s nnk kse! ,ich bin
es nicht gewesen!, 'er het s tuo! ,er hat es getan!' 'abcjr omv! ,aber
auch!' 'ä/ 'dppu! oder 'äbä! Interjektionen des Unwillens, ,ach
was!' 'oha! ,oha!' Doch kommt auch hier überall der leise Einsatz
daneben vor. Immer fest ist der Einsatz in ä 'ä! oder V< '«.' womit
die Mutter etwas bezeichnet, gegen das sie dem kleinen Kinde
Widerwillen einflößen will, dann auch 'ä'ä maxxj! , die Notdurft
verrichten'.
Festen Absatz hat scherzhaft übermütiges jj'! auch joho'!
'oho'! ,ja!' Hier hat sich durch Schließen des Mundes ein gleich-
zeitiger Lippenexplosivlaut entwickelt: pj).' p/i^y;.' Ich bilde auch
sonst bei starker Betonung Verschlußfortis häufig mit gleichzeitigem
Kehlkopfverschluß, besonders bei nasaler Explosion der Verschluß-
fortis vor homorganem Nasal.
Als gehauchter Vokaleinsatz kann silbenanlautendes li aufgefaßt
werden. Leise gehauchten Absatz haben die auslautenden Sonor-
lenes (vgl. § 20), soweit sie vorkommen, und die Verschlußlaute
im Auslaut vor Pause.
Ein Wechsel von leisem (unbezeichnet) mit gehauchtem (be-
zeichnet mit h) und festem Einsatz kommt vor in dem nicht nur
im familiären Kreise herrschenden sog. ,faulen ja' und ,nein' (vgl.
Sievers § 397). Das Ansatzrohr verhält sich vollständig ruhig,
modifiziert aber den Stimmton je nach der Einstellung zu a oder
ü, e, ö, n, m (mit Zwischenstufen); meist ist auch Nasalierung
damit verbunden. Verneinung ist liq^q, hä'ä, Jw'ü, hm'ni, usw.
(gehauchter Einsatz der ersten Silbe und fester der zweiten) mit
— 23 —
Hauptton und höherem musikalischem Akzent auf der ersten Silbe ;
Bejahung ist mhm oder 'mhm (leiser oder fester Einsatz der ersten
Silbe und gehauchter der zweiten) mit Hauptton und höherem
musikalischem Akzent auf der zweiten Silbe. Sowohl für Bejahung
als Verneinung kommen alle möglichen Einstellungen des Ansatz-
rohres vor. Bei der Verneinung ist am Anfang auch Verbindung
von festem mit gehauchtem Einsatz nicht selten, also lim^m oder
lia''a, usw., auch etwa««'«. Für fragendes und quittierendes ,so'
wird bei geschlossenem Munde gedehntes hm mit steigendem, bezw.
fallendem musikalischem Ton, für fragendes ,was?' kurzes hm mit
emporschnellendem Tone gesprochen.
§ 25. Vokaliibergänge.
Von der Verbindung der Diphthongkomponenten war schon
die Rede. Auch zwischen Vokalen, die verschiedenen Silben an-
gehören, kennt die Mundart nur den direkten Übergang (im Sinne
von Sievers § 405); zB. a-i ,liinab', u-i ,hinauf', tsi-ö! Schlittenruf,
dü-ond l ,du und ich', usw. Der nach § 12 zwischen den echten
Diphthongen (und den Triphthongen) und folgendem Vokal auf-
tretende Gleitlaut (wodurch nach § 22 Geminata entsteht) erscheint
im Satze auch zwischen verschiedenen Wörtern, zB. in deij oba
,dort oben', deij onnd ,dort unten', neiJDUw! ,neinauch!' neij ahdr!
,nein aber!' heij jmm ,bei ihm', auch fromv ovh xend ,Frau und
Kinder', usw. Ähnlich entwickelt sich unter starkem exspiratorischem
Akzent ein Gleitlaut zAvischen auslautendem einfachem Vokal und
anlautendem j -\- Vok., wodurch jener zum Diphthong wird, zB.
in emphatisch gesprochenem hcijo! neben weniger betontem he-jo!
und sogar he-o! ,ei ja! freilich!' graijets! neben gra-djets (vgl.
§ 109) ,gerade jetzt', zB. graijets ist dr fort! ,gerade jetzt ist er
weggegangen!'
Vor folgendem rc, o, e kommt der zweite Komponent der
unechten Diphthonge nur bei ganz langsamem Reden zur Geltung;
sonst verschwindet er vollständig, zB. gemmdr tsii and (<i tsua
and) ,gib mir die Schuhe her!' frü ont sp5t (<C frÜ9 ond) ,früh
und spät', grü ond rot (<C grüd ond) ,grün und rot', i ha ni enn Icxä
(<^ nid enn) ,ich habe nie einen gehabt!' Ganz verschmelzen der
zweite Komponent und antretendes 9 miteinander, so in den Dat.
— 24 —
PI. dd §U9 ,den Schuhen' (vgl. sogar: moM td §u dxli sorg hä! ,du
mußt den Schuhen ein wenig Sorge tragen'), da xüd ,den Kühen';
vgl. auch hlüj, usw. (§ 87). Vor folgendem i wird der zweite
Komponent wenigstens reduziert.
Über hiatustilgendes n, r, j siehe unter diesen Lauten.
Berührung von Konsonanten. Assimilation.
§ 26. Auf Verschiebungen in der Artikulation zweier un-
mittelbar aufeinander folgender Laute im Sinne der (gegenseitigen)
Annäherung ist schon hingewiesen worden. Es sei hier noch
erwähnt, weil besonders ohrenfällig, die Angieichung eines d, t, s, s
an folgendes i (vgl. § 18) in I. Die Zungenspitze ist weiter zurück-
gezogen und die Mittelzunge schon, wie für das t erforderlich,
stark eingesenkt; der Luftstrom entweicht mit starkem hohlem
ReibegCTäusch schon während der Artikulation des d, s, s auch
seitlich, was auch dem d einen spirantischen Charakter verleiht,
so daß di und sl nach dem Gehör oft kaum zu unterscheiden sind.
si tönt oft beinahe wie palatales ^f.
Auf die allgemeinern phonetischen Tatsachen, die sich ergeben
aus dem zuerst von Winteler (S. 131) aufgestellten Sandhigesetze,
daß bei der Berührung zweier Laute die beiden gemeinschaftlichen
Bewegungen tunlichst nur einmal ausgeführt werden (nach der
Formulierung bei Sievers § 404), daher zB. die nasale Explosion
der Verschlußlaute vor homorganem Nasal (bm, tn, usw.) und
die laterale Explosion der Verschlußlaute vor l, trete ich ' nicht
mehr näher ein, sondern verweise dafür auf Winteler und Siew^ers.
Auf diesem Gesetze beruht auch das, was § 21 über die Artikula-
tionsstärke zweier zusammenstoßender Konsonanten verschiedener
Artikulationsart bemerkt ist. Zwei zusammenstoßende Konsonanten
gleicher Artikulationsart (also zB. b -\- b, h -{- p, t -\- d, k -\- Je,
f -p ff, usw.) verschmelzen zur vollen Fortis, bezw. Geminata; zB.
ivlssldi , weißseiden', dasep pudb <i ddseb jener' und buab ,Knabe'.
Die nur in vereinzelten oder wenigen Wörtern oder für eine
bestimmte Lautverbindung fest gewordenen Assimilationserschei-
nungen sollen im IL Teile unter den Konsonanten behandelt
werden.
— 25 —
§ 27. Dentale vor Labialen.
a. d, t, n, nd, nt werden vor b, p, f zu p, bezw. m, mp
(v^rozu das in den vorigen Paragraphen über das Zusammentreffen
stimmloser Laute Bemerkte zu vergleichen ist) : golpplüdmli ,Gold-
blümchen (gelber Hahnenfuß)', heppudx ,Betbuch', «•e/J/r^w^t' , Witfrau,
WitAve', hrupfudddr ,Brautfuder, Brautwagen', emppoMj (<^ emt-h.)
,gem. Kälberkropf, Chaerophyll. sylv.'; hep pald (<i hed h.) ,hat
schnell', du tosp pigop prättd (<i du tost higot hr.) ,du wirst, bei
Gott, breiter, d. h. nimmst zu', nüp fiU (<i nüd f.) ,nicht viel',
dr lopfpfil ,er hebt (lopft) viel'; dm budh (pur, fattdr) ,ein Knabe
(Bauer, Vater)', ivenim bin i ,wann (wenn) bin ich', im haxx ahi ,in den
Bach hinunter'; hamppush ,Handbube, Gehilfe des Sennen', xemppet
,Kindbett, Wochenbett', gomppess (<i gimt-biss) ,eiserner Keil' (s. T.
223a. 68b und Id. IV 1698. II 382/3), thampfoU ,die Hand voll', 9
hampfb f. ,eine Hand voll', »r xomp päld (<i xont h.) ,er kommt
bald', di9 semp ful , diese (Apfel) sind faul', sep xomp fald! ,das
könnte fehlen (mißlingen)!'
b. d, t, n, nd, nt werden vor m zu b, bezw. p, m, mb, mp:
heb mi ,hat (lied) mich', sab mar ,sagt (säd) man', hoppmd ,Haupt-
mann', phuap mi ,behüte (mich)!', emmol (mhd. an-^näl) ,Muttermal',
tsommel (<C tsonn-mel) ,Musmehl' (s. T. 460 b), dm mä ,ein Mann',
wemm ml ,wenn mein', s temm möh ,die Scheune (tenn) malen', omb
mel ,und Mehl', ar kxemp mi ,er kennt mich'.
In I schwindet (doch nur im Munde alter Leute) das m des
enklitischen Pronomens m9(r) {= ,man' oder ,mir') vollständig:
säppd(r) (■< s0 mar) ,sagt man', xömpp9(r) (<i xönnt mar) ,könnte
man', ispar (<i ist mdr) ,ist mir', gepspjr (<C gepst mar) ,gebest
mir', kfalhbor (<C hfalhd mdr) ,gefallen mir', dudbar (<i dudd mdr)
,tut man'. Die selbe Erscheinung zeigt das heute ebenfalls ver-
altete Wort öpp,)r , wollener Leibrock der Frauen', das von T. 345 a
für M und K angegeben wird (gegenüber öpmar in H) und das
Id. I 605 zum Namen ,Otmar' gestellt wird, indem auch sonst /
Kleidungsstücke nach Personen benannt werden.
Auf dern, ganzen Gebiete findet vollständige Assimilation statt
zwischen der Verbalendung nd und dem m eines enklitischen Pro-
nomens {mdr r= wir, mir, mi ^= mich) : Jiemmer (bezw. hfmar in I,
hammdr in K: diese kontrahierten Verbalformen lauten in den
— 26 —
einzelnen Gebieten sehr verscliieden ; ich führe nur die für Wald
gültige Form an) <; hemh nur <C henä mer ,haben wir (mir)', hemmt,
,habeu mich', und analog zu ,sein' semnidr, semmi, zu ,müssen'
mömm^r, usw., zu , wollen' ivömmar, zu ,tun' tömmer, zu , kommen'
xdmmar, zu ,können' xomm9r, zu ,nehmen' n&nmdr, zu ,geben'
gi^mm.w, zu , sehen' hsidmmdr, zu , schlagen' slommdr, zu , lassen'
I5mni,jr, zu ,stehen' MDmi)i,jr, zu , gehen' gommar; meist auch, doch
nicht immer, besonders nicht bei langsamem Reden, vor dem an-
lautenden m eines nicht enklitischen Wortes: die semm mt , diese sind
mein', die womm mer , diese wollen wir', ma gomni mct ,wir gehen
mit', si xomm morn ,sie kommen morgen', usw., neben seltenerm
die semh mt, si x3mh m.örn, usw.
Vollständige Assimilation liegt vor in landammd (<^ -ampmd
für -amtmj) , Landammann'.
c. Vereinzelte Fälle. In nüd unterbleibt sowohl in betonter
als unbetonter Stellung die Verschlußbildung öfter vor folgendem
m, n oder w: l gö nü met ,ich gehe nicht mit', i ha gä nü met
ter ksivätst! ,ich habe gar nicht mit dir geredet!' i sägs nü neij
,ich sage nicht nein', i go nü wittdr! ,ich gehe nicht weiter'; ebenso
häufig in dem meist sehr gedehnt gesprochenen häl widdr! xomp
päl iv'uhr! ,kommt bald wieder!'
Es ist jedoch fraglich, ob nix, bal nicht eher aus dem Sandhi abstra-
hierte Formen sind, d. h. aus Verbindungen wie nü^ teij ,nicht dort', nüP pald
,nicht bald', bal'' pini ,bald bin ich', bal'' tu ,sobald du'. Als Konjunktion
,sobald als, wenn' ist balClJ für bald sogar die Regel geworden: bal i xomm
,sobald ich komme*, ball « wettdr bessdr ist ,sobald das Wetter besser ist.'
Mehr im Munde der Kinder hört man in K auch gröffattdr
»Großvater'. Allgemein bei altern Leuten in K ist himmdr für
bis mar 1) = ,bis man', zB. himmsr god ,bis man geht', 2) = ,sei
(bis) mir', zB. iWs bimmar still ,jetzt sei mir still', nach T. 53 a
auch bimmittag (<i bism.) , Vormittag'.
§ 28. Dentale vor Gutturalen. ,
d, t, n, nd, nt werden vor g, k, x zu h, bezw. », nh : gräk hö
,gerade (d.h. sofort) gehen', bekJchkka ,Betglocke', apferkkd (<-fertk9)
,abfertigen', mekxti (<i metxü) ,Mittwoch(tag)', hük xomm i ,heute
komme ich'; nngud, ungern ,nicht gut, gern', jid gudtd ,ein guter',
dv xittdl ,ein Kittel', tvenn göät? ,wann gehst du?' thavk ke ,die
— 27 —
Hand geben', s/uLvog (<^ simlxo(j) , Schinder' als Schimpfwort,
ni'wh hsej ,nicht.s (nünf) gesehen'. Neben kxöDJc Jet renm (<i hxond
gc r.) ,es kommt regnen' kommt in K bei alten Leuten auch mit
progressiver Assimilation vor Icxönt tt r.
§ 29. 1. nä vor n. Die Verhältnisse liegen ähnlich wie
bei nd vor ni : außer bei langsamem Reden findet häufiger voll-
ständige Assimilation statt: »h) wömi no jxh sinns (-< wönd no)
,wir wollen noch ein wenig singen', md genn niid loh (<i gend n.)
.wir geben nicht nach', dh senn niint , diese sind nichts (wert)',
in K jr Jixonn nöd ,er kommt nicht', da wann no ahj ,der Wand
nach herunter', nö onn no ,nach und nach', danannö (<^ donand no)
,nacheinander'. onn mit tu! ,und nicht du!'
2. s, ts werden vor s zu s, ts: üsstö , ausstehen', mässtäb
.Maßstab', äpsstiogä (K) ,Erbsstecken' (als Stütze für die Pflanze),
Jialsstärx ,halsstarrig', holtssu,) ,Holzschuhe', iva hend dr tsswätsd
(-^ ts sw.) ,was habt ihr zu schwatzen?'
Diese Erscheinung zeigt sich in der echten Mundart ausnahms-
los, wenn das neutrale Pron. der 3. Ps. Sg. oder der neutrale be-
stimmte Artikel, die beide s lauten, vor Wörter mit anlautendem
■s treten : ssne'd ,es schneit', ssnik Jimt ,es schneidet gut', ssmälts
,die Butter', ssibh ,das Schühlein', ssönst ,das Schönste', usw.
Ferner tritt dies ein in der synkopierten Form der 2. Ps.
Sg. Präs., neben der meist auch die unsynkopierte vorkommt, zB.:
lesst neben lesist ,liesest', esst ,issest', htsst ,beißest', luisst ,heißest',
du sfisst omnid! ,du schießest herum!' icaxsst ,Avachsest', losst
,lässest', botst ,putzest', hiietst ,nähest', neben hotstst, bibtsist, dann
auch in den Suj^erlativen bösst zu bös, grösst zu gross, auch besst
.best' (<^ beä'sist), lesst (veraltet für heute allgemeines letst) ,letzt'
(<; lessist), xörtst neben xörtsist , kürzest'.
3. Die Endung -st der 2. Ps. Sg. Präs. und der 3. Ps. Sg.
des Verb, subst. (ist) verschmilzt mit dem enklitischen Pronomen
-s (durch Synkope aus js ,es' und sc ,sie' PI. entstanden) und dem
6' von si {== ,sie' fem. Sg.) zu ss: du gess tür ,du gibst (d.h. ver-
kaufst) es (zB. das Heu) oder sie (zB. die Kirschen) teuer', dti gessi
tür ,du gibst sie (zB. die Milch) t.', dii, moss ivesss ,du mußt es
wissen' du biss ,du bist es', dt^ sjiäriss ,du sparst es', idts hess
ksej .jetzt hast du sie gesehen', nesst met? ,nimmst du sie mit?'
— 28 —
Srlpää? ,schreibst du es?' is§ kcwnj? ,ist es gegangen?' issi do?'
,ist sie da?' tvör is§ ,wahr ist es'.
In langsamer Rede tritt an Stelle von -s ebenso häufig die
nicht synkopierte Form js; das Verbum behält aber den assimi-
lierten Ausgang bei : grss 9S ,gibst es', iss as ,ist es', iväs§ ds
,weißt es', glopM ,)s ,glaubst es', usw. Die Sandhiform iss tritt
sogar gelegentlich auch sonst an Stelle von ist, so zB. : i ivass
nüd ICO s ids iäs ,ich weiß nicht, wo es jetzt ist'.
In I und Gais wird dagegen ist s durch regressive Assimilation,
zu iss, also : iv5r iss ,wahr ist es', so iss rext ,so ist es recht', iva
/s5.<5L.,was ist es?' x^iirsmessig iss asa ,bauernmäßig ist es so', usw.
4. Auf die wenig energische Artikulation des r (vgl. §§ 18 und
94) geht der Wandel von s nach r in s zurück, indem der Reibelaut
an der dem r und s gemeinsamen Artikulationsstelle gebildet A\drd,^
während für s eine Vorwärtsbewegung der Zunge aus der /-Stellung
nötig wäre : fersa ,Ferse-, ärs(pakTx3) ,Ars', mörsl ,Mörser', mörsh-
,mit dem Mörser zerstoßen', dann in försi ,für sich, d. h. vorwärts'^
henddrsi , hinter sich, d. h. rück^värts', ondjrsi , unter sich, d. h.
abwärts', öbarst ,über sich, d. h. aufwärts', und die beiden ver-
bunden ondarsöhorsi d. h. das unterste zu oberst, verkehrt' (vgl.
dagegen opsi ,obsich'). Das enklitische Pronomen s ,es' und ,sie'"
PI., ferner das s von st ,sie' fem. Sg. gehen nach r immer in s
über: gemnidrs! ,gib es mir!' Iiend srs hsej? .habt ihr es gesehen?'
wörs Mahd! , würde es glauben' i. S. v. ,das sollte ich meinen!'"
wömmrirsi ne? , wollen ^vir sie nehmen?'
Ebenso das s in der Flexion : <? süb,)rs ,ein sauberrs', muattdrs^
,der Mutter' (Gen.), üsors ,unseres', jn andjrs ,ein anderes'^
kxetived.^rs .keines von beiden'.
Außerdem ist in I diese Erscheinung heute noch fest in daseh
, derselbe, d.h. jener', und in fjsionnu (auch Urn.) .versäumen'.
Sonst tritt dieser assimilatorische Wandel nicht mehr auf;.
auch in den angeführten Fällen ist er jetzt im Rückgang begriffen :
Jüngere sprechen meist .s (fast oder ganz ohne Artikulation des r).
^ 30. Weniger als die Dentale unterliegen die Labiale und
Gutturale der Assimilation.
1. Einige Fälle für Labial vor Dental sind: rontsonn?
« römts.) , Rahmmus' (T. 368 b), hältd (V), härtal (M I H>
— 29 —
(<C halpteil) n. ,Hälfte', slössakx (<^ sloffs.) , Reisesack', hosstdt
,Hofstatt' (s. T. 277 a), selten zB. get tar (<i gep t.) ,gebe dir'.
2. Guttural vor Dental, a. h -[- n wird individuell seljr
verschieden gebildet; sogar die selbe Person schwankt zwischen
den verschiedenen Möglichkeiten. Das n bleibt zwar immer dental
(wird nie n)\ aber die Ä:-Explosion findet entweder statt, noch
bevor die Mundhöhle nach vorn durch den w- Verschluß abgesperrt
ist, so daß der Explosionsstrom ganz durch den Mund entweicht,
oder, wie Winteler (S. 135/6) es beschreibt, die Explosion findet
zwar noch nach der Mundhöhle statt, aber sie trifft diese schon
durch die «-Artikulation geschlossen, wird daher zurückgeworfen
und durch die Nase getrieben, oder drittens, Ä'-Verschluß und
w- Verschluß finden gleichzeitig statt und die Explosion ist ganz
nasal. Dazu kommt viertens der Übergang in tn vor mit nasaler
Explosion des t, zB. fotnüdga ,Vergnügen', tnuag ,genug', tnagd
,nagen' (Id. IV 696), tnö ,genommen', usw. Letzteres scheint mir
bei den Jüngern häufiger zu sein.
b. Vereinzelte Fälle von Assimilation : rtssxammdr (<C rixsx.)
jReichskammer' (s. T. 365 b), hössti (<^ höxst.) ,Hochzeit', sratsegd
(<C sraks.) ,große Säge' (nach T. 399 b in K).
3. Guttural vor Labial. Mehr gelegentlich oder auf ein-
zelne Personen und Gegenden beschränkt findet Assimilation des
gutturalen Verschlußlautes an folgenden labialen statt (vgl. jedoch
§ 31, 3b), zB. in lopmlhx neben lohnüex ,Luggmilch, geschwun-
gener Rahm', lippilats neben lihplats ,Liegeplatz, Lagerplatz der
Herde' (T. 300 a); so ist auch T.'s Angabe (43 a) ,Betbere' in K
(neben ,Bergbere') Bergbirne, aus der assimilierten Form hepperd zu
verstehen. Häufiger und allgemeiner bei Lenis : sah nur ,sage mir',
trab nu , trage mich', lob mar oiiw! (<C log m.) ,sieh mal da her!'
fröb mörn ,frage morgen', sebmel für seltneres segmel , Sägespäne'.
Fest ist die Assimilation in jiimpfdrd (mhd. juncvrouwe) ,Jungfrau',
impdr (mhd. ingewer, ingeber) ,Ingwer', tamma (V M) gegenüber
tagma bezw. tabma (I H) (mhd. tagewan) , Tagewerk' (T. 129 b),
hoffdrt (mhd. höchvart) ,Hoffart'.
4. Labial vor Guttural. Sehr häufig ist bei alt und jung
in zwangloser Rede sek Mob i neben sep Mob i ,das glaube ich',
ebenso sek köd nüd neben sep k. n. ,das geht nicht', sek ked nüts
tross neben sep k. n. tr, ,daraus wird nichts'.
— 30 —
5. Labial vor Labial anderer Artikulation. Fest gewordene
Assimilation zeigen hDuical (<i baumivoU) jB^um Wollstoff, ärf9l
(<^ arm roll) m. ,ein Arm voll'.
Häufig wird die Artikulation des h (d. h. der volle Verschluß)
preisgegeben in ' äwä§sd für ahtvä§s9 ,abwasclien', noch öfters in
äirässlbmpD ,Abwaschlumpen'. Assimilation des h an folgendes
m liegt vor im Imperativ geh ,gib' vor den Pronomen nidr (unbet.),
mir (bet.) ,mir', mi ,mich': gern msr! gern mer! ,gib mir!' gern
ml ä! ,gib mich an! d. h. sage, ich sei es gewesen'. Fördernd
mag hier eingewirkt haben die Analogie von tom mar, nem mar,
xom mer, usw., ,tue, nimm, komm mir'.
§ 31. Besonders starke Veränderungen durch die Assimi-
lation an den Anlaut des folgenden Wortes erleiden bei Absorption
des Vokals und Steigerung der Lenis zur Fortis:
1. der bestimmte Artikel t (Nom. Acc. Sg. fem. und Nom.
Acc. PL). Vor Labial nach § 27: ^mlh « f h.) f. ,der Ball',
puahd (<i fb.) ,die Knaben', pßffa (<i i'pf-) ,die Pfeife', 'pmudttar
(<^fm.) , die Mutter', Jiöl dm xemp pähd (<i xend t'h.) ,hol dem
Kind die Puppe'. Vor Guttural nach § 28: kottd (<C fg.) ,die
Patin', köfd (<i fg.) ,die Kinder', hxoxxi (<i f x.) ,die Küche',
kxend (<i f x.) ,die Kinder', set)k Tixüa (<^ send f x.) ,sind die
Kühe'.
2. Ganz in gleicher Weise das persönliche Pronomen t
(<C du): wi3 pist « fh.) ,wie du bist', wemm pf olgist (<C wenn ff.)
,wenn du folgst (d. h. gehorchst)', as pmanst (<C f m.) ,daß du
meinst', for kost (<i fg.) ,bevor du gehst', bis kxöst (<i f x.) ,bis
du kommst'.
3. die Vorsilbe /;; (<C ge-). a. k -\- d,t =^ t: tega (mhd. ge-
digen) ,geräuchert', ti9ndt ,gedient', tud ,getan', treba ,getrieben'.
b. k -\- b, p und k vor m ^= p (vgl. § 30, 3) : prüxt ,gebraucht',
pokht ,gebuckelt', pidt ,Gebiet', pniöht ,gemalt', pmest ,gemästet',
pmosdt .gemoset, voll Flecken', 2)mänd ,Gemeinde', pmä ,gemein-
sam', wollpmänt (Adj.) »wohlgemeint, d. h. hochmütig'.
c. k vor w s. § 30, 2 a.
d. ^ -|- '^ ist in drei Arten vertreten auf verschiedenen Ge-
bieten: in H als reine Aspirata: khaltd ,versorgen', khörd ,hören',
— 31 —
liliä ,gehabt', omltlila , umfallen', Jchoht ,geliolt', kholff^ ,geholfen',
Tchöüwdt , geheut' zu , heuen', usw., in I M und Vi als Affrikata:
kxältd, kxör^, kxä, 6mkxeij3, kxokxdt ,gehockt', kxand (vgl. mhd.
gehende) ,wohl, leicht, noch gut' (s. Id. II 1396), usw. (Damit
stimmt überein fülkx9t (mhd. vülecheit) ,Faulheit').* In K (mit Aus-
nahme des noch zu nennenden dritten Gebietes) ist es eine mehr
oder weniger stark affrizierte Aspirata, übereinstimmend mit der
Vertretung von germ. k im Anlaut (s. d.).
Auf einem dritten kleinen Gebiete, nämlich in der obern Rod
von Oberegg (südlich vom Dorfe) sprechen die alten Leute, nur in
vereinzelten Familien auch noch die Jüngern, velare Spirans x:
xörd ,hören', xältd ,versorgen', auch xä ,gehabt', dagegen kxört
,gehört' und so auch in den übrigen Partizipien. Es fallen also
germ. k und unser k -f li hier in der Spirans x, auf dem übrigen
Gebiete von K in der afiFrizierten Aspirata zusammen, während
sie sich in H als Spirans und Aspirata, in I M Vi als Spirans
und Affrikata gegenüberstehen.
Die Bewohner der untern Kod von Ob. neckten daher früher diejenigen
der obern Rod, indem sie ihnen zuriefen: i ha a hekxdli xältd xafi xältd xä
,ich habe eine Schale kalten Kaffees auf die Seite gestellt gehabt' (in der
Aussprache der untern Rod : 9 b. kxhältd kxhaft kxhältd kxhäj.
Ganz mit dieser Vertretung von k + h stimmt diejenige des Anlautes
von ,kein', zB. khes (in unbetonter Stellung auch affriziert) ,keines' in H,
xäs in der obern Rod von Ob., kxes bezw. kxhäs auf dem übrigen Gebiete.
Ich lege mit Winteler (S. 52/3. 222) älteres dehein zugrunde, aus dem durch
Synkope und Assimilation khein wurde, und sehe in dem 9 von dkxe den
unbestimmten Artikel (vgl. dazu A. Bachmann, Beiträge zur Geschichte der
Schweiz. Gutturallaute, S. 36/7).
Vor w ist k als reine Fortis erhalten, mit einer einzigen Ausnahme:
Die Bezeichnung der hochgradigen Darmgicht, Kolik beim Menschen als ,Ge-
weir lautet (allerdings nur noch altern Leuten bekannt) in H ktvel, in I kwer
und in Lutz, kwell, dagegen in Mi kxwel (in Gais auch kxwell), in M2 Vi und
Ob., Heid. kxwel, in Reute, Wolfh., Walz, kxwell n. Wahrscheinlich aber ist
die Affrikata auf Einfluß von kxiveh (s. § 100) , quälen' zurückzuführen (d. h.
man legte sich das Wort als , Gequäle' aus), zumal dessen Einwirkung zur
Erklärung des e in Mi anzunehmen ist.
• 4. Die Vorsilbe p (<C he-). Die Verbindung p-r-h bleibt
gewöhnlich reine Aspirata. Nur in zwei Fällen assimilierte sich
h an das p zu /'; in K kommt vor pfikxt und j^fikxta , gefrorener
Nebel', gegenüber phikxt, bezw. phikx(i) auf dem übrigen Gebiete
— 32 —
(vgl. Id. II 1120: T.'s Angabe iiikxi ist als pli. zu lesen). Für den
Abschiedsgruts pliüd ti got! ,behüte dich Gott!' sagen alte Leute
in K noch pfud ti g.!
Schwund des h ist häufig in den Ausrufen püdt is kot! ,behüte uns Gott!
d. h. bewahre nein!' und gleichbedeutend püst is trüh! Nicht selten ist hier
sogar Lenis: biot is k., usw., die eine Parallele findet in hend (mhd. behende)
Koiy. ,so bald als' (vgl. Id. II 1408).
Vereinzelte Synkope und progressive Assimilation liegt vor in prlffs, Part.
priff9 « begr.) ,belangen' (s. T. 77 b und Id. V 434).
§ 32, In den angeführten Fällen ist die Assimilation fast
ausschließlich regressiv; die Ausnahmen sind lixönt ti renwd (§ 28),
st + s -> SS :(§ 29, 3), TS > rs (§ 29, 4), M > Ix (§ 31, 3d),
ph > pf und hegr. "> pr. (§ 31, 4). Gegenseitige Assimilation
liegt vor in t -\- m ^ p (§ 27 b), auch in tamnid (§ 30, 3).
Weitere Beispiele für progressive Assimilation sind noch:
näppjr (ahd. ndba-, nahu-ger) ,Bohrer', hommsri (<i houmgdrt)
,Baumgarten'.
Die Silbe.
über silbisches l, m, n siehe unter diesen Lauten.
§ 33. Die Silbentrennung erfolgt nach Drucksilben. Ich
glaube dies für meine Mundart mit Recht auch in dem Falle von
einfacher Lenis nach kurzem Vokal anzunehmen, d. h. die Lenis
wird mit dem für den folgenden Sonanten neu einsetzenden Ex-
spiratipnsstoße hervorgebracht, gehört also zu dessen Silbe, also:
ba-dd ,baden', le-sd ,lesen', ha-fa ,Hafen', i-n9 ,herein', d-h-ivi-h
, immer'. Dies setzt wenigstens einigermaßen schwachgeschnittenen
Akzent der betonten Kurzsilbe voraus (vgl. Sievers § 598). Deut-
lich schwach geschnitten sind die langen Vokale und Diphthonge:
$rl-b9 , schreiben', m-S3 , weisen', ou-gd ,Augen', rud-bd ,ruhen'.
Das selbe gilt für die Worttrennung in Zusammensetzungen und
im Satze: Mc-bokx , Steinbock', brä-düks (<^ bräd äks) ,Breitaxt,
Axt des Zimmermanns mit breiter Schneide', fu-lsntsd ,faulenzen',
bö-hh-g.) ,Bollaugen, hervorstehende Augen', ä-xörn-li ,Eichhörn-
chen'; nü-dändost , nicht (nüd) anders', ga-der ,nur (gad) er', im
hü-sinn ,im Hause drin'.
— 33 —
Zwischen sicli haben die Silbengrenze:
a) Sonorlaut -\- Verschluß- oder Reibelenis: sel-bdr ,selbst',
häl-dd ,Halde', hol-far , Pulver', far-hd ,Farben', mor-g3 .Morgen',
hen-dd ,binden', lan-äam-md ,Landammann', auch am-sh ,Amser.
b) Sonorlaut -f- Sonorlaut: swäl-md ,Schwalbeu', fill-tne ,viel
.mehr', iver-^mdr ,wärmer', bömm-ü ,Bäumchen', irimm-h ,vdrame\n\
rinio-li .Ringlein'.
c) Verschlußlaut -|- Verschlußlaut und Reibelaut -|- Reibe-
laut: ap-ke , abgeben', mal-ti ,mag dich', ivax-so , wachsen', auch
ax-sh ,Achser, tidx-sld ,Deichser, uf-slö »aufschlagen'.
d) Reibelaut -\- Verschlußlaut: ges-tar ,gestern', wäs-pi ,Wespe',
gif-td , zanken', uf-tio , auftun'.
Die Fälle von Geminata siehe § 22.
Beide Konsonanten werden zur folg^enden Silbe ge-
zoffen in der Folgte:
a) Verschluß- oder Reibelenis + Sonorlaut: hüa-Ui ,Büblein',
hö-gld ,bügeln', wä-dli (mhd. tveideliche) ,schnell', no-dh ,Nader,
a-hmaxxd ,abniachen', ga-dno ,nur (gad) noch', le-sli ,leise', ta-fld
, Tafel', SH-fh , Schaufel', Ti-slö ,auslassen', hro-sma ,Brosame', gro-
smudUdr , Großmutter', gä-smihx , Geißmilch', u-fne ,aufnehmen'.
b) Verschlußlenis oder Reibelenis -j- h: sa-dhaft , schadhaft',
sä-dhalt ,sagt (säd) halt', hii-shöx ,haushoch'. Doch kann hier
die Grenze auch vor das h fallen.
Vgl. noch die folgenden Sätze : if-to-snü-dmi-ddst ,ich (i) tue
es nicht (nüd) anders'; h-snid-roniv! ,höre (Jos) mir doch!' tsit-
tis-pal-dom-nid ,die Zeit ist schnell (bald) herum'.
§ 34. Nach dem Wintelerschen Silbenakzentgesetze
(vgl. Winteler 142 f., Heusler 12 f., Sievers § 596 f.) ^vird nach
einem kurzen (stark geschnittenen) Vokale ein noch der selben
Drucksilbe angehörender Sonorlaut (außer r) verschärft zur Fortis,
also: balld ,bald', «Z?/" ,elf , hcdls ,Hals', helJffd , helfen', xillhi (mhd.
kilwi, kikJunhe) ,Kirchweih', hmmpa .Lumpen', hantmpfh f. ,eine
Hand voll', tsimmli ,ziemhch', hannd ,Hand', fenndd ,finden', linn-
tudx ,Leintuch', fVinnli ,flink', usw. Vgl. dazu § 21. Diese Ver-
Vetsch, Appenzeller Mundarten. 3
— 34 —
schärfung bleibt im Folgenden unbezeichnet; dagegen schreibe ich
zB. bDuimli ,Bäumchen', rinvh ,Ringlein', woUfd ,wohlfeir, in Über-
einstimmung mit daneben stehendem homni, rimj, ivöll.
Wo in einsilbigem auf Sonorlenis auslautendem Worte die
Dehnung unterblieb (vgl. § 97), erscheint die Lenis als Fortis : tili
(ahd. (UT) ,dickes Brett', toll (mhd. toi) ,wacker', ßl ,vier (so
stets in Verbindungen A\-ie ßl nie ,viel mehr', ßl möl ,viel Mal',-
in den übrigen Stellungen neben fzl), woU (seltener auch tvol) als
vei-stärkte Behauptung = , doch!' und in Fällen wie: ivea tvoll nüd
w5r se! ,es wird wohl nicht wahr sein', gegenüber sonstigem ge-
dehnten'«'ö? ,wohl' (vgl. §65), wemm ,wem', clemm ,dem', emm
,ihm', fromm ,fromm' (vielleicht beeinflußt von dieser schriftsprach-
lichen Form), lamm ,lahm' und tsamm ,zahm' in K, gegenüber
läm(m), tsäm(m) auf dem übrigen Gebiete (bezw. söm inH); in I
äamm , Schamgefühl'. So auch in den nicht gedehnten einsilbigen
Verbalformen, den Imperativen nemm ,nimm' (Inf. ne), ocomm
,komm' (Inf. x5), holl (Inf. JwU), spill ,spiele' (Inf. spih) und den
Konjunktiven 1. und 3. Sg. nemm, xömm und soll ,soir (Inf. sah);
doch herrscht vor vokalisch anlautenden Wörtern in diesen Fällen
Schwanken zwischen Lenis und Fortis, vor betonten Wörtern so-
wohl wie vor Enklitiken: Jwl oder holl dnn öpfdl! ,hole einen
Apfel!' € söl oder soll ahd x5 ,er soll herunter kommen', nemm
(seltener nem) 9 nöl ,nimm ihn nur!' sjnl oder spill es! ,spiele
eins! (d. h. ein Lied)'.
Die Erscheinung zeigt sich ganz gleich in Fällen, wo der
kurze Vokal erst auf sekundärer Kürzung beruht, zB. emi ,einer',
Jcienn ,keiner', si«»?»« , Schaum', d9hamni(K) ,daheim', Imum ^B&nm'.
Für analoge Schärfuug auslautender stimmloser Lenis weist
unsere Mundart kein Beispiel auf.
§ 35. Zweigipfliger Silbenakzent (bezeichnet mit ~ nach
dem Vokal) findet sich meist in den zur Überlänge gedehnten ein-
silbigen Wörtern (mit langem oder sekundär gedehntem Vokal oder
mit Diphthong) vor Satzpause : or fjo~d ,er geht', seb isk hants
genes ist ganz', i xomnid grnd ,ich komme sofort', gesp mdr ou w?
,gibst du mir auch?' p! ,ja'. sö~ ! ,so', ferner im einsilbigen Satz-
takte: gantslsix9r ,ganz sicher', jo'lso'! als Interjektion, ivfriiss!
,wahr ist es!' Icsadjlmn dm s »gesagt habe ich es ihm', xo'ltod dr
— 35 —
,kommen tut er', icfjhemmer ,Wein haben wir', (dr) srt~j)tlsö ,er
schreibt schön', (di) xcnphnüdx ,die kalte Milch'. Wenn sich ein
unbetontes Wort (enklitisch) anschließt, dann ist der zweigipflige
Akzent seltener, kommt aber auch vor, zB. : r/rö~ss ist orlniTd
,groß ist er nicht', du manU dsjlcad ,du meinst es nur', auch
srfhd l icinn or , schreiben kann er (das muß man ihm lassen)!' In
allen diesen Fällen tritt die Zweigipfligkeit nur bei einigermaßen
starker exspiratorischer Betonung der Silbe ein; sie fehlt beim
schnellen, wenig nachdrücklichen Sprechen ganz.
Über den damit verbundenen musikahschen Akzent siehe § 43 f.,
wo sich weitere Beispiele finden.
Der exspiratorische Wort- und Satzakzent.
§ 36. Die exspiratorische Betonung ist im allgemeinen
energisch; die einen Hauptakzent tragenden Silben werden mit
großer Stärke herausgestoßen, die neben- und schwachtonigen treten
ganz hinter ihnen zurück. Der Abstand zwischen betont und un-
betont ist groß, und was wir gewöhnlich als Nebenakzent be-
zeichnen, liegt unter der Mitte zmschen diesen beiden Extremen.
Ich unterscheide zwei verschiedene Grade des Starktons als 1 und
2, einen stärkern und schwächern Nebenton als 3 und 4, den
SchAvachton als 5.
§ 37. Im einfachen Worte trägt ausnahmslos die Haupt-
silbe den Starkton (über die Betonung der FremdAvörter siehe
unten). Die Nebensilben mit o sind schwachtonig, das Verhältnis
ist 2 : 5, zB. in tsiwod , Zunge', lesj ,lesen', nödh ,Nader, himnidl
,Himmel', fcdt,)r , Vater', Maxxst , gelacht', holdor ,Holunder'. Die
Nebensilben mit / tragen einen schwächern Nebenton, das Verhältnis
ist 2 : 4, zB. ah ,alle', mim ,meine', rötti ,rote', hehai ,Becken', si
siviDid ,sie singen', losti(g) ,lustig', lepti(g) ,lebendig', hälsi(g)
{mh^Jiclsmc) , Strick', höltsli ,Hölzchen', frilnÜi ,freundlich', niäni(g)
,Meinung', tsitti(g) , Zeitung', tsügnis , Zeugnis'. Im dreisilbigen
Worte ist die letzte Silbe etwas stärker betont als die mittlere
(also 2:5:4), zB. Jaxxstd f. ,Gelächter', ferand f. (noch in I und
Gais für sonstiges fore'lld) ,Forelle', hüddra ,Butter bereiten',
xöxxdh Dim. zu ,kochen', auch mändgd ,Meinungen', dnn lostdgd
— 36 —
,ein lustiger', püntoU ,Bündelchen', tnfisan ,Mauserin (von einer
guten Katze)'.
Die Vorsilben ßr- ,ver-', ar- ,er-', dt- ,ent-', ßrt- ,vereiit-'
sind unbetont, ihr Verhältnis zur folgenden Hauptsilbe ist 5:2;
dagegen haben Dm- ,um-', henddr- ,hinter-', öbdr- ,über-', Dtichr-
,unter-' in den untrennbaren verbalen Zusammensetzungen einen
schwächern Nebenton, zB. omgö , umgehen' = 4:2, henddrlekkd
,hinterlegen', öhdrhuffd ,überlaufen (vom Wasser)' = 4:5:2:5,
ebenso öbdrhopt ,überhaupt' = 4:5:2.
§ 38. Den betonten Vorsilben ist die folgende Stammsilbe
exspiratorisch stark untergeordnet, im Verhältnis von 2 : 4 bis 3 (: 5),
zB. in nsl5 ,auslassen', ufpmaxt , aufgemacht', me , einnehmen',
meijfcirj ,mitfahren', omsh , umschlagen', forlesd , vorlesen', apsntdd
,abschneiden', in-, ossivendi(g) (2 : 3 : 4) ,in-, auswendig', öglökx
,Unglück', ungern , nicht gern', abdrwih (2:5:3:5) m. , Abnei-
gung', öbdrnammd , Spitzname', öhdrall , überall', omgamD ,Umgang',
dörtsog ,Durchzug (der Luft)'. Zum Schwachton herabgesunken
(also 2 : 5) ist der zweite Teil (vgl. im Folgenden) in förtdl , Vor-
teil', öftdl ,Urteir, uffdH (mhd. üfvart) ,Himmelfahrtstag', örsthtd
(s. T. 354 a; mhd. durchslcJde) ,Kinderblattern', einmd (mhd. anmäl)
,Narbe'.
Das gleiche Stärkeverhältnis besteht zwischen den beiden
Gliedern von nominalen Zusammensetzungen. Die Unter-
ordnung des zweiten Bestandteils ist im allgemeinen um so stärker,
je inniger die Wort- und Begriflfsverbindung ist. Bei völliger
Unbetontheit tritt quantitative und qualitative Reduktion des
zweiten Gliedes ein; siehe darüber § 109, wo die Beispiele zusammen-
gestellt sind. Den schwächern Nebenton trägt das zweite Glied
in Verbindungen wie Jmstör ,Haustüre', heive , Heimweh', gros-
mudttdr , Großmutter',' landammd , Landammann', lanniv'ili(g) »lang-
weilig', auch ivertsaft ,Wirtschaft', lannsamni ,langsam'. Ein stär-
kerer Nebenton kommt dem zweiten Gliede zu, wenn das erste
mehrsilbig ist, zB. ofahimkxli , Ofenbänkchen', xoxxixüstU ,Küchen-
kästchen', namnidstäg ,Namenstag',
i^ 39. Auf dem zweiten Bestandteile betont (5 oder 4 : 2)
sind einige Zusammensetzungen von Adjektiv mit Substantiv, in
— 37 —
denen der Akzent festgehalten wurde, der den Bestandteilen im
Satzzusammenhange zukam (vgl. Behaghel S. 688): mettäg ,Mittag'
(doch s. § 109), nöiijör ,Neujahr, fhdljör , Vierteljahr', lialbjör ,Halb-
jahr', fwdUtond , Viertelstunde', halpstond ,eine halbe Stunde', halp-
totsd ,Halbdutzend', halhell ,eine halbe Elle', meist auch lanmvll
,Langeweile', zB. gad dso för t Janmcll ,nur so für die L. (tue ich
das)'; doch Avird jetzt, besonders von Jüngern, auch betont län»-
ivil (2 : 4).
Gleich zu erklären ist die analoge Betonung in den Spiel-
bezeichnungen tunlixdlmüsh (4:5:2:5) oder Uendduiüsld ,bHnde
Kuh spielen', ferner finstyrsiväldld, ein Spiel mit dem Singvers:
,Wir gehen durch den finstern Wald' (s. T. 193 a).
Wohl auf Gegensätzlichkeit ist die Betonung des zweiten
Gliedes zurückzuführen in den Fällen pfinstmmti, -sonfi , Pfingst-
montag, -Sonntag', östdrdmenü, -sönti , Ostermontag, -sonntag',
kxcnfnfi, -samsfi ,Karfreitag, -samstag' (für ersteres auch stilh-
frtti ,stiller Freitag'), hodonsti , Donnerstag vor Ostern' (vgl. § 109).
Letztere können auch zur vorhergehenden Gruppe gehören, jor-
honddrt ,Jahrhundert' stammt Avohl erst aus der Schriftsprache.
Der zweite Teil trägt ferner den Akzent in iinllkxDmm ! , will-
kommen!' gotlöh! ,gottlob!' und ebenso (hier wohl unter dem Ein-
fluß der Schriftsprache) in barmhertsi(g) ,barmherzig', aUmäxti(g)
»allmächtig', follkxomnia , vollkommen'.
§ 40. Beide Glieder sind annähernd gleich stark
betont in verstärkenden Zusammensetzungen, meist das zAveite
etwas stärker als das erste (2:1): snewiss , schneeweiß', mmtöd
,mausetot', gräshiid ,grasgrün', stokxtikx ,ganz dick(flüssig)' (flek-
tiert büßt jedoch das zweite Glied an Stärke etAvas ein), speroff ,ganz
offen (von der Türe)', liöxüf ,hochauf', filrbiJcs ,viel ewig, d. h.
sehr oft', gotsdrhärmJi ,gottserbärmlich, d. h. sehr stark', auch in
handomm ,handum, d. h. schnell'; emphatisch auch in Ithhaft(ig) ,leib-
haftig', wörsindh ,Avahrscheinlich', nötivendi , notwendig'. Hieher ge-
hören auch die Zusammensetzungen mit verstärkendem un-, zB. dnn
öhläts ,ein großer Haufen (bJäts), sehr viel', dnn ömäxtdga ,ein sehr
großer' ; dagegen werden öJcrexxndt , ungerechnet, d. h. unerwartet
(zB. kommen)', öksinndt , unvernünftig stark, schnell (zB. laufen,
rufen)' seltener ohne Bedeutungsunterschied auch betont 2:4:5.
— 38 —
Die Betonung der verschiedenen Wortkategorien im Satze
deckt sich bis in Einzelheiten mit den Verhältnissen, wie sie von
Behaghel S. 682 ff., ferner von Sütterlin, Die exspiratorische "Be-
tonung in der Heidelberger Volksmundart, S. 4 ff., festgestellt
worden sind.
Bei den folgenden Beispielen zum musikalischen Akzent gebe
ich immer auch die Stärkegrade durch untergesetzte Zahlen an.
Der musikalische Akzent.
§ 41. Die Mundart ist in hohem Grade gekennzeichnet durch
starke Tonbewegung, Titus Tobler sagt : ,Die Mundart der Appen-
zeller steigt eine lange Tonleiter auf und ab, oft mit gar schnellem
Schritte; sie ist auffallendermaßen melodisch. Die Rede geht ins
Gemeine, daß der Appenzeller im Sprechen singe.' Dies gilt heute
noch, doch nicht mehr für jeden Einzelnen so ausgeprägt : am
allgemeinsten noch in I, auf dem übrigen Gebiete nur noch für
diejenigen Kreise, die weniger in Verkehr kommen mit Fremden,
wozu hier auch Leute aus andern Kantonen zu rechnen sind.
Zerstörend wirkt auch die Schule ein, wo das ,singende' Lesen
meist gerügt -wird. Überall trifft man einzelne Personen, die
besonders stark , singen'; von einem solchen heißt es, er rede in
sieben Sprachen, und man nennt ihn sibdsproxldr.
Die Beispiele, die ich im folgenden gebe, habe ich an verschiedenen
Orten gehört und aufgezeichnet, zum großen Teil in I. Es kann sich hier
nicht um eine erschöpfende Darstellung bis in alle Einzelheiten handeln,
sondern nur um eine allgemeine Charakterisierung der Art und Größe der
Tonschwankungen. Die Bezeichnung der gesprochenen Töne nach dem Gehör
(mit Benützung verschieden abgetönter Stimmgabeln) kann natürlich nur an-
nähernd genau sein; ebenso soll durch die verschiedenen Notenwerte nur
einigermaßen der Quantitätswechsel angedeutet werden.
§ 42. Die Stimmlage wechselt naturgemäß beinahe von Person
zu Person; durchschnittlich ist sie als ziemlich hoch zu bezeichnen.
Häufig trifft man Stimmen von auffallend heller Färbung.
Der Stimmumfang ist bei stark , singenden' Personen sehr
groß (über zwei Oktaven), und beim Sprechen kommen in den
verschiedenen Affekten die höchsten Avne die tiefsten Töne aus-
giebig zur Geltung.
- 39 —
§ 43. Als Hauptgesetz gilt, wie für die meisten schweize-
risclien Mundarten, daß im allgemeinen exspiratorisch starke
(betonte) Silben den hohem, exspiratorisch schwache (neben-
und unbetonte) Silben den tiefern Ton tragen. Wie wir ge-
sehen haben, sind die Schwankungen und Unterschiede in der
Druckstärke sehr groß; ihnen entsprechen stete Tonbewegungen
und große Tonschritte. Dies ist es, was dem Sprechen den Stempel
des ,Singens' aufdrückt: das fortwährende Zurückfallen in die
tiefern Tonlagen bei den weniger betonten Silben und das immer
sich wiederholende plötzliche Emporschnellen in die höchsten Kopf-
töne bei den stark betonten; allmähliches stufen weises Ansteigen
oder Sinken von Silbe zu Silbe kommt nur in besondern Fällen
vor. Verstärkt mrd dieser Eindruck besonders noch durch die
mit dem zweigipfligen Akzent meist verbundene Tonbewegung
auf dem selben Vokale oder in der selben Silbe, sog. Schleif-
töne. Der Tonschiitt ist meist um so größer, je höher der Ein-
satzton ist. Vgl. zB. aus den § 35 angeführten Beispielen
beteuerndes
15= oder: -^^=9=^^=^
■t
gänts I sixdr du mants ds \ kad
2 14 4 ' 1 5 2
ganz sicher ! Du meinst es nur I
Die Tonbewegung liegt auch bei noch folgender Konsonanten-
verbindung deutlich im Vokale. Bei den unechten Diphthongen
(xua ,Kuh', Uaxt ,Licht') verteilt sie sich auf die beiden Kompo-
nenten und ganz gleich bei den echten {xonff ,Kauf'), auch liier ist
der zweite Komponent entschieden musikalisch tiefer. Der Schleifton
findet sich jedoch bei nachdrücklichem (mit Affekt verbundenem)
Sprechen auch in Silben mit kurzem Vokal, ausgeprägter bei
folgendem Sonorkonsonanten ; die Senkung beginnt auch hier
deutlich noch im Vokal. Vgl. :
willts I kot iss I w5r
2 15 3
Will es Gott ist es wahr !
(= Bei Gott)
40
oder:
jö ist I e - &9W a | su - h-gi \ saxx
14 155 156 1
Ja, (es) ist eben eine traurige Sache!
Der Gutenachtwunsch lautet (Hundw.):
B^^^0^^^^^M
3 15
Ich wünsche
5 6 2 5 4
allen zusammen eine
-•■ -#■
rud-sa-mi j naxk* Tcuat naxt \
2 5 4 1 4 4
ruhige Nacht! Gute Nacht,
(* durchaus ohne Pause)
Z5l-
id:
slsf - fid \ wout
1 5 3
schlaft wohl 1
Noch emige weitere Beispiele;
Lebhaft berichtend:
::f
-/^— si-
- — K H H
-^-
Mt hets I fca;^ | e - &a ] ^rants | swasts
1 4 2*25 1 1
Leute hat es gehabt, eben ganz schwarz!
Ein den Weg weisender Knabe sagt in K;
1^--
:±=ii4s-
»9 m^nli I Ä;a< te,ij \ a-i
4 2 13 2 4
Ihr müßt nur dort hinunter!
TJnwilHg zu einem Knaben, der ein Mädchen immer neckt (I)
i—^:
--^-
m
=:q-
xass st nüd o \ go \ tö
14 2 5 1' 1
Kannst du sie nicht auch gehen lassen! —
— 41
Vorwurfsvoll, schnell :
lUi^i^
^=a="^
ica tugst toxx tu do | hyn - na
4 2 3 14 2 4
Was tust doch du da hinten? —
--1-
■»+ — t-^ — 1-
^^ •0- -0-
-4—^ •-
45 142 53 135 2 4
Er hat recht 1 er denkt, er wolle heiraten, die Frau könne
X
w 1| V ■
- ^ _^. _. -4^-
, -r •*• -*■
deww I e - ndn 3 - [ hal - ta
4 2 5 5 15
dann ihn erhalten. —
Ein Mädchen sagt Aveinerlich mürrisch (I) :
-ä ä »1^ — 0^ —ä- — i^^^ — ä g -
^nt tenn mos mi i wi - dar üb - tsü - xd
3'4 455 4 5 145
Und dann muß ich mich wieder abziehen (die schönen
Kleider wieder ablegen)!
Als Beispiel für die Veränderung der Tonbewegung eines und
des selben Satzes unter dem Einflüsse verschiedener Affekte diene,
was T. (XXVIII) ausführt: ,Die geAvöhnliche Melodie in der leb-
haften, doch nicht leidenschaftlichen Sprache:
■t
i glo - 1)98 I nüd.
2 2 5 1
Ich glaube es nicht!
Enthusiasmus drückt folgende Melodie aus, indem sie den Nach-
druck auf das gloh legt:
y- i 1
i glo - hds 1 nüd.
2 16 1
— 42 —
Schon milder klingt, weniger Bewegung des Gemütes, doch leise
Ironie verratend, als wüßte ein Anderer von selbst, daß man so
etwas nicht glauben Avürde:
2^d=
i glo - bds I nüd.'
2 2 5 1
Vgl. ferner:
Freundlich fragend
-7t=^-:^--
oder : —'
t — i^ *-
xast üt, I siwd siavd
2 3 4 5 L 2 5
Kannst du singen?
Antwort :
■j — ^ 1 — ^—ä — ä
-G
-O-
% II frl -U \ xa-ni \ sinvd
2 2 5 3 4 ' 3 5
Ich? Freilich kann ich singen!
Anofenehm überrascht
oder : — nr— ih — d"
xait tu I sim33? xast tti, \ sinna?
1435 1425
AntAvort %vie vorhin, nur mit etwas stärkern Akzenten, oder
(etwas beleidigt) :
Unangenehm berührt (verächtHch)
i
* ^ 5
xast tu I sivva?
14 3 6
— 43
Antwort (beleidigt) :
smo9 !
3 5
Ein mit siclitKcliem Wohlbehagen singendes kleines Kind fragt
man dagegen freundlich aufmunternd
-4
xast ttt I siw9? —
3 4 16
§ 44. Neben der im allgemeinen fallenden Tonbewegung
fehlen jedoch die Fälle, wo die exspiratorisch schwächer betonten
Silben musikahsch höher liegen, und steigender Schleifton nicht
ganz. Schon in den augeführten Beispielen sind uns solche Fälle
begegnet, nämlich wo die gleichmäßig steigende Bewegung des
Satztons es mit sich bringt. Die Erscheinung ist am häufigsten
im Fragesatze. In der zweisilbigen Frage ist die zweite Silbe
musikalisch höher und die einsilbige Frage hat steigenden Doppel-
ton. Steigende Tonbewegung tritt ferner ein beim drohenden
Befehle, zB. idfs hör iiior omol Rf! .jetzt höre mir einmal auf!'
doch auch bei freundlicher Aufforderung, zB. wärt no d will!
, warte noch ein Weilchen!' gaioio wääli! .geh schnell!' nemm!
.nimm!' geh! .gib!' (mit steigendem Doppelton), hsid! hsicl! (mit
Tiefton auf der ersten und Hochton auf der zw^eiteu Silbe) ,hört!
hört!', in freundlicher Behauptung, Versicherung, zB. i han dui s
ksäd ,ich habe es ihm gesagt,' dr isk Jcavud ,er ist gegangen',
s ist wor! ,es ist w^ahr!' gänts kern! ,ganz gern!' gänts sixdr!
,ganz sicher!' frlli! f'rtli! ,freiUch! freilich!' Mit steigendem Ton
im letzten Worte sagt man einigermaßen verwundert, da es gegen
die Erwartung ist: s isk xält! ,es ist kalt!' s isk kaä irit! ,es ist
ziemhch weit!' s isk känts kiof! ,es (eine Speise) ist ganz gut!'
s isk kolcl! ,es ist Gold!' s ist tsokxar! ,es (das weiße Pulver) ist
Zucker!* da lersr! ,der Lehrer (hat uns das gesagt)!' er esst s!
,er ißt es (wirklich)!' hia dö, d soffh! oder s fögdh! ,sieh da, ein
Schäfchen, ein Yögelchen! (zum kleinen Kinde)'. Auch in Ausrufen
— 44 —
der Bewunderung kann der Ton gleichmäßig steigen, zB. : da ist
idi§ §ö! ,das ist einmal schön!' Im Vokativ steigt der Ton häufig;
in lauten drohenden oder flehentlichen Rufen kann zugleich die Ex-
spirationsstärke anwachsend sein. Beim Aufzählen von Gegenständen,
auch beim Zählen, wird das einzelne Wort in der Reihe mit stei-
gendem Tone gesprochen, nur das letzte mit fallendem.
Unsere Fälle stimmen im allgemeinen mit der Regel (vgl. Be-
haghel S. 682), daß die aufsteigende Tonbewegung den Charakter
des Unabgeschlossenen, des Erwartenden oder die ErAvartung Er-
regenden hat, während die absteigende dem Abschließen eines
Gedankens entspricht.
Steigend fallende Tonbewegung findet sich in laut ge-
sprochenem und etwas gedehntem jö! ,ja!' ne! ,nein!' so! ,so!'
icä? ,was?' iced? ,wer?' 9 hüs! ,ein Haus!' drü! ,drei!' usw., als
ungeduldige Antwort auf wiederholte Fragen oder lästiges Drängen.
Fallend steigend ist der Ton in nachdenklichem, halb un-
entschiedenem jö! (vgl. Sievers § 602), auch tie! ,nein! (es dünkt
mich gar nicht besonders!)'.
§ 45. Ich füge noch als charakteristisches Beispiel der Ton-
bewegung in fortlaufender Rede an, was und wie mir Gnaazis
Gnääzis Sebedöni (Jcnätsis knatsis sebddöni), ein noch rüstiger
73jähriger Greis in Brüllisau, erzählte vom ,Ackerseep' (dkxdsep),
einem von acht Brüdern aus der Familie der , Ackerler' (so ge-
nannt, weil sie im , Acker' bei Wasserauen wohnten), die sich alle
durch urwüchsige Sprache auszeichneten:
dnn landammd \ hek ksäd \\ e möxt Wustt \ wessd \\ we
5 3' 4 543 4 3 425 4
Ein Landammann hat gesagt, er möchte wohl wissen, wer
2)11 - rd - spröx \ U gröpsp \ fo - bräxt. \\\ do het s \ ksäd \ |
1535 3 1 3. 4 '3 2
die Bauernsprache am gröbsten vorbrächte. Da haben sie gesagt :
(d. h. am urwüchsigsteD)
45 —
^^#
-^^
ddr akxd - sep
6 3 5 1
der Ackerseep!
pS*
-m — ^^ - ^ — 9^^
-^—
do säd hatt | td lq,ndamind \\ e wess 9 \
42 4 5346 426
Da sagte halt der Landammann, er wisse ihn
-s>-
nüd atsfro-gdd
5 l' 3 5
nicht anzufragen.
i^SE2-E5i?=5=^=iE^=e
Sl=iP=^
do sä - gdt s \\ e nips dm | gad 9n \ prixt
425 43535 1
Da sagten sie, er müsse ihm nur einen Bericht
:=^:
1^
sikxd
^=^=^— 1==
^ ■:X ^
•^ :X
as 9 tsfi'tU I gäss heij \ gnip p'okx
36 3 54 13 41
schicken, daß er zu viel Geißen habe u. Böcke.
R=*
dö het s tsomm
4 ' 3 5
Da haben sie zum
:d=5:=|
alcxa - sep \ ksäd
4 5 3 2
Ackerseep gesagt,
l?i==^-
:Il^zl-:|5^=:1=:1=:I^:
^^L —^l -U. —L —U
e mps tenn hatt | t9 tandammsn \ outv
4 3 '5 4 6 3 '45 2
er müsse dann halt den Landammann auch mit
m—
:=^:
-_±f-
:j:
-s>-^-
-^ ♦ -^ ■*■ ' -ä-
e - rd ont tsaxx o - dh \ fö - biiam j]| do säd 9
lö's 3 3 4 13 5 42 5
Ihr anreden und die Sache ordentlich vorbringen. — Da sagte er
:? •# -^ -*■
tspmm \ tandarmnd
4 3* 4 5
zum Landammann:
133=^-EEI
^^-^=^$=*^P=/^J^=
:=t!=i— zz|:
er mt \ tu ]j worgmm mos i tso \ de xo \\\
1^4 1 4^3 154 13'
Ihr und du, warum muß ich zu dir kommen?
t==t^-5=-^
do sät tenn \ dd hmdamma
4 2 ' 4 5 2 '3 5
Da sagte denn der Landammann ;
e - bd das a tsfiitt \ gäss heij \
2 5 4 5 4 13
Eben weil er zu viel Geißen habe
— 46 —
)»nj9 pö^'o; :! dö säg 9 denn \\ akxa - ren-td \ i nü me hg,'\
i 1 '4254 13 2 5 2 12' 3
und Böcke. Da sagte er denn : Sakrament ! ich habe nicht mehr
as an- dd\lHttdr ]!| dö sät j td landcmmd |j gäss mgs 9 \
4 14 25 4250451 35
als andere Leute. Darauf sagte der Landammann : Geißen müsse er
=s:
:*
^— J=J"=^-=r=|?=P==ä=fc??-t
■6^
man - dd hä \ | abd hökx \ tor d \ hä / ' dö säg 3 \
l'öS 45135 2' 425
weniger haben, aber Böcke dürfe er halten! Darauf sagte er:
akxa - ren-t9 \ du so nq, - ra bist \\ käs - Sd gemm mülxgnn
23 154 12^5 4 15'3 2 4
Sakrament! Du bist schon ein Narr! Die Geißen geben Milch und
-•
1-
zi:^EEi-=z^
nüp p'6k - xdr
12 5
nicht die Böcke !
II. Die geschichtliche Entwicklung der Laute.
A. Die Vokale in betonter Stellung.
Mhd. a,
§ 46. 1. Es ist in der Melirzahl der Fälle als reines a
erhalten: lat Latte, nass naß, wasa (mhd. ivase) Rasen, halb
halb, sicarts schwarz, j;?a7Jöar9 sich sehnen (zu ahd. Gelangen),
Jcslaxt (mhd. geslaht) wohlgeartet.
Anm. 1. T. bemerkt S. XXXIII, XXXIV, daß in K, ,wenigstens in Walz.',
sehr alte Leute 3 sagen ,statt unsers a: loyid Land, Jiynd Hand, woww Mann.
Dieser alte, bereits schon ganz verlorene Überrest, welcher in zwanzig Jahren
ganz verschwunden sein wird, klingt gar angenehm und hat ungemein viel
Ehrwürdiges.' Ich konnte wirklich auch bei ganz alten Leuten nichts mehr
von dieser Erscheinung beobachten. T. gibt nur Beispiele für 3 in der Um-
gebung von Nasal und es ist wohl anzunehmen, daß der Wandel von a > o sich
auf diese Stellung beschränkte, wie die Verhältnisse heute noch zB. in der
MA. am Grabserberge liegen.
Anm. 2. Ablautverschiedenheit liegt vor in dem Nebeneinander von
kwanig und kwonig Gewohnheit, kwandt und ku-ondt gewohnt (siehe T. 247 a
und vgl. Braune § 25). Heute ist die o-Form, trotzdem sie an der Schriftsprache
eine Stütze hätte, fast ganz abgestorben, wohl durch Einfluß des daneben-
stehenden Adj. kwä gewohnt.
2. a erscheint als ä:
a) vor ss: ässd Asche; flässd Flasche (auch flässdtsog Flaschen-
zug); tüssd Tasche, täss f. schlaues Weibsbild ; irässd waschen. Vgl.
dazu W. Hörn, Beiträge zur deutschen Lautlehre, Leipzig 1904,
S. 5/8. In pässdh ,tändelnd arbeiten, an etwas herum hantieren'
(s. zur Etym. Id. IV 1760) kann das ä auf die diminutive Bildung
zurückgeführt werden (vgl. § 58). massd ,Masche beim Stricken,
Bandschleife' (die «-Form s. Id. IV 501, Grimms WB. VI 1694) ist
vielleicht erst später in die MA. gelangt.
— 48 —
b) in einigen Fällen vor s, ss: gras (mhcl. gras) ,Gras'; mäsdr
(mhd. niaser) ,Maserholz' (T. 312 b), wozu farmüsDrd ,voll knomger
Auswüchse werden' (T. 185 b); icässor ,Name eines Schäferhundes'
(T. 440 a ; zum Hundenamen ,Wasser' vgl. die Anm. zu Rtn
Id. Yl 997); 7>/fV,s5 (ahd. hJas, -ss-) ,Name eines Hundes mit einem
weiläen Fleck auf der Stirne', doch meist plass für eine ebensolche
Kuh (vgl. T. 56 a), auch hlassxopf, -grend m. ,Kahlkopf' (,blaß' =
,bleich' ist der MA. fremd) ; in K auch hlässd f. ,weißer Stirnfleck',
gegenüber hlass9 auf dem übrigen Gebiete. Nes-, auch blesfürU
, Leuchtfeuer vorn im Backofen' in V und hJeshöltsli ,dazu ver-
wendetes Zündholz' (nach T. 58 b) in H (zu mhd. hlas n. ,brennende
Fackel') stammen Avohl aus den Nachbargebieten, wo e für ä gilt
(vgl. Id. V 153).
c) in fcüts (mhd. valsch) ,von falschem, trügerischem Charakter,
mit Bezug auf Personen und Sachen' (T. 475 b). Diese Form ist
heute noch häufiger als das durch Einfluß der Schriftsprache und
der Nachbarmundarten allerdings überhand nehmende falfs, das
auch von T. (in der Bed. , zornig'; vgl. Id. I 816) als nicht ein-
heimisches Dorfwort bezeichnet wird (für ,falsch' in der Bed.
,unrichtig, verkehrt' braucht die MA. lets; s. T. 296 a).
Anm. Zur Palatalisierung eines Vokals durch folgende (und vorher-
gehende) Konsonanz verweise ich auf Rousselot, Principes S. 345. 338, wo
experimentell gezeigt ist, wie die Artikulation eines Vokals schon von seinem
Beginn an in diejenige des folgenden Konsonanten übergeht, also in unserm
Falle die Zunge sich hebt (vgl. spez. zu as Abb. 140), und daß inlautendes
a fast ganz im Absatz und Einsatz der beiden Konsonanten aufgehen kann.
Letzteres trifft zu in unsern Fällen greis (wo der Übergang aber sicher noch
vor der Dehnung eingetreten ist) und -läss, -läss, täss. Für die Hundenamen
pläss, wäss»r darf daran erinnert werden, daß sie meist gerufen werden. Auch
für fälts ist lautliche Entwicklung wahrscheinlich; an Einfluß des Substantivs
,Fälsche' oder des Verbs .fälschen' ist nicht zu denken, da die MA. diese Wörter
gar nicht kennt.
d) in den Fällen von Sekundärumlaut; s. §§ 47. 49. 52 ff.
3. a >- e durch Primärumlaut; s. §§ 47/8. 50 ff.
4. Dehnung s. §§ 96/104.
Der Umlaut you a.
§ 47. Der , Primärumlaut' ist geschlossenes e, der , Sekun-
därumlaut' überoffenes ä, außer in zwei kleinen Randgebieten
— 49 —
gegen das Rheintal (Lutz, und uOb.), die den überoffenen «-Laut
nicht besitzen, sondern dafür c sprechen. A. Heusler hat (Ger-
mania 34, 112 ff.) daraufhingewiesen, wie innerhalb der Bildungs-
kategorien, ,in denen der Umlaut noch heutzutage als produktives
Sprachmittel im Dienste bestimmter Funktionen empfunden mrd,
der lautlich berechtigte Zustand durch zahlreiche Analogieschöpf-
ungen aufgehoben wurde.'
Zur Abgrenzung des den beiden Umlautprodukten lautgesetz-
lich zukommenden Gebietes lassen vAx daher die in eine dieser
Kategorien gehörigen Fälle zunächst außer Betracht.
§ 48. Lautgesetzlichen Primärxunlaut haben
a) nominale Bildungen mit j-Suffix:
Feminina (jo-, jow-Stämme) : red (ahd. redia) Rede, hell (ahd.
helld) Hölle, sivell (ahd. sivella) Schwelle, xelh (ahd. hella) Kelle,
kenn (ahd. hennä) Henne, eh n. (ahd. ekka f.) Ecke, essd, bezw. es,
eis (s. §89, 1 a) (zu ahd. asc m.) Esche; mit Rundung icöss (ahd,
iveska) Wäsche; mit Dehnung ivera Gerstenkorn am Auge, serd
Scharreisen des Bäckers (T. 385 b), xertsd (ahd. kerza) Kerze, gert
(ahd. gerta) Stäbchen am Webstuhl (s. T. 218 b).
Maskulina {ja-, ^aw-Stämme) : hekx {ah.d.*heccho) Bäcker, ksell
(ahd. gisello) Geselle, sehn Dieb (ahd. scahno, scehuo Seuche), senn
(ahd. sennö) Senne, wekkd (zu ahd. weggi) Keil; mit Dehnung fer
(ahd. ferjo) Fährmann (T. 179 b für K), erl (ahd. erhö) Erbe.
Neutra (_ya-Stämme) : het (ahd. hetti) Bett, kwet (zu ahd. ivetti)
Wette, xet (ahd. ketti) Wasserkanal, nets (ahd. nezzi) Netz, ksets
(mhd. geseUe) Gesetz, kstell (ahd. gistelU) Gestell, kfell (mhd. gevelle)
Glück, kivelm (ahd. giivelhi) Gewölbe, tenn (ahd. tenni) Tenne, end
(ahd. enti) Ende, lieft (ahd. hefti) Griff; mit Dehnung mer (ahd.
meri) Meer, her (ahd. heri) Heer, her (ahd. heri) Beere (vgl. § 89, Ib),
erh (ahd. erhi) Erbe, kfcrt (ahd. giferti) Gefährt, ksenkx (mhd. ge-
schenke) Geschenk, kspest (ahd. gispensti) Gespenst (vgl. § 96).
Adjektiva (ja-, Jo-Stämme): fest (ahd. festi) fest, hert (ahd.
herti) hart, evn (ahd. engi) enge, strew (ahd. strengt) strenge,
genn ,(ahd. gcngi) leicht gehend, elend (ahd, elilenti) elend, ferner
das nur noch als Konj. , sobald als, wenn' gebrauchte hetid (mhd,
behende; T. 41b, Id. E 1408).
Vetsch, Appenzeller Mundarten. *
— 50 —
b) _;«w-Verben und^-Präsentien: glettd glätten, setsd setzen,
etsj , ätzen', abweiden lassen, netsj nässen, xretsd kratzen, ritzen,
meMj mästen, xlepfd knallen, sepfd schöpfen, heftd heften, l-ekkd
legen, tvekxd wecken, tekxd decken, hekx9 Gift von sich spritzen,
von Kröten (T. 260 a), swcxxd schwächen, restd (mhd. resten)
rasten, §cUa schälen, tselh zählen, stelh stellen, drwelh (Flüssig-
keiten) leicht kochen, xeltd kälten, helds neigen, weltsd wälzen,
ämeltsd schmelzen, swertsd schwärzen, sterxxd stärken, inerTcxd
merken, Jcxennd kennen, hremid brennen, rennd gerinnen machen,
ivcmid gewöhnen, hlenda blenden, swemnid schwemmen, f9gremnid
erbittern ; mit Dehnung greda gerade machen, henlcxa hängen,
tevikxd denken, trepJcxa tränken, glentsd glänzen, fdsrentsd zerreißen,
tverd wehren, spera sperren, tscrä zerren, sivera schwören, berd
kneten, tera dörren, erd pflügen, wä-md wärmen, erhd erben, fdderhd
verderben. Es fragt sich allerdings, ob nicht auch hier der Primär-
umlaut zum Teil analogisch eingetreten ist; doch vgl. § 49a.
Von ^'««-Verben abgeleitet sind psetsi (zu ahd. hisezsen) Stein-
pflaster, letsi bleibender Schaden (zu ahd. lessen), menni Fuhrwerk
(T. 315b; zu ahd. mennen), glesti Glasur (zu mhd. glesten), u.a.m.
c) Wörter mit ahd. i in der Ableitungssilbe: hehdl
Hebel, xnebdl Knebel, xegol Kegel, slegol Schlägel, hegdl grobes
Messer (s. Id. II 1081 Anm.), tekxdl Deckel, sekxdl Seckel, n^dl
Schuhriemen, &e»öaZ Bengel, s^ewüaZ Stengel, ftmr?^/ Bändel, stempfdl
Stempfei ; mit Rundung löffdl (ahd. IcffU) Löfl'el ; mit Dehnung senhxdl
Senkblei, sivenkxdl Pendel, ermdl Ärmel, vielleicht auch grempdl
Kleinhandel (T. 235 a; s. Id. II 736). Ferner hrennessh (zu ahd.
nezzüa) Brennessel, fettdr (^hd. fetlro) Vetter, hemp (ahd. hemidi)
Hemd, xleMd f. (mhd. klegede) gerichtliche Klage, eil (ahd. ellna)
Elle, selfdrd Obstschalen (zu ahd. sceliva), hext ^ahd. hahhit, helihit)
Hecht (als Wirtshausname), held (ahd. iielid) Held, menva mancher,
menmnöl manchmal (zu ahd. menig, manig); auch, pfenm (ahd. Pfen-
ning) Pfenning, herpst (ahd, herbist) Herbst, hevüst (ahd. hengist)
Hengst, ments (ahd. mennisco) Mensch, (dpfrents (zu ahd. frenkisc)
altvaterisch.
d) wetm (mhd. ivenne, neben ahd. mhd. wanne) ,wann' unel
denn (ahd. mhd. denne neben danne) ,'^dann'. Der Umlaut beruht
hier vielleicht auf dem Einfluß enklitischer Wörtei* (ahd. ist, ih,
iz, imo, inan); vgl. Braune § 26, Anm. 3.
ikil
— 51 —
e) Wörter mit ahd. / in der dritten Silbe (vgl. § 49c): eddl
(ahd. adali, edili) edel; gegd (ahd. gagani, gagin, gegin) gegen,
dazu gegni f. (mlid. gegene) Gegend; mit Rundung und Übergang
von ö >- D vor Nasalverbindung frönt (ahd. fremidi) fremd. Vgl.
auch § 50 a.
Auch in pers. Subst. auf -dr: jegdr (ahd. jagari) Jäger, xlegor
Kläger, xoskenndr Kostgänger, tekxar Dachdecker und mennar
Treib bursche (T. 315 b) könnten von den daneben stehenden jan-
Verben (ahd. decken, mennen) beeinflußt sein, scwvdr , Sänger'
stammt aus der Schriftsprache.
f) LehuAvörter: teppdx (ahd. teppih) Teppich, xettdiid (ahd.
Jcetina) Kette, xeft (ahd. Jcevid) Käfig, sej't Hei(iakraut, Erica vulg.
(eig. Juniperus sabina), esdl (ahd. esU) Esel, xessdl (ahd. kezzil)
Kessel, xessL (ahd. kessi(n)) großer Kessel, essi(g) (ahd. e^^ih) Essig,
estrix (ahd. estir'th) Estrich, mesmdr (ahd. mesinari) Küster, metsliar
(mhd. metsjer) Metzger, hekxi (ahd. becchi(n)) Becken, gelta (ahd.
geUita) Waschzuber, xeix (ahd. kelih) Kelch, enas (mhd. ems, lat.
anUum) Anis, eiDiodl (ahd. engil) Engel, jemidr m. (frühmhd. jenner)
Januar, xemmi (lat. caminum) Kamin (vgl. § 70); mit Rundung
möss (mhd. messe) Messing ; mit Dehnung merts (ahd. merso) März.
§ 49. Lautgesetzlicher Sekundärumlaut erscheint
a) vor umlauthemmenden Konsonanten. Als solche
kommen nach Braune § 27, Anm. 2 fürs Oberdeutsche in Betracht
hh (<< gei-m. k), germ. h, ht und hs. Kons. -|- w, r -f- Kons.,
l -j- Kons.
Das in § 48 c angeführte Beispiel hext beweist jedoch, daß
auf unserm Gebie'te lih (<C germ. ÄV nicht umlauthemmend war;
vgl. auch hexx § 50 a.
Wohl aber germ. h: ähor m. (aobd. ahir) Ähre (T. 20a;
die Id. I 69 für Appenzell angegebenen Formen sind unrichtig);
Id. I 70 gibt für Appenzell auch an äliara , Ähren lesen', tswähdli
(zu ahd. divaJüJa) ,Handtuch' (T. 463 a; heute nur noch selten) ist
'^Is Diminutivbildung nicht beweiskräftig (vgl. § 54).
M, hs: ksläxt n. (ahd. gislahti) Geschlecht, kmäxt n. (mhd.
gemehte) Genitalien, 2)räxt n. (mhd. gehrehte) lautes Reden, kiväxst n.
(vgl. ahd. giwahsti) Gew^ächs, näxt (ahd. nahti, adv. Dat. von naht)
— 52 —
gestern abend; aucli in naxtwäxtdr (ahd. nahtwahtari) Nacht-
wächter, ferner in den Jaw- Verben präxtd (ahd. hrahten) laut reden,
prahlen, iväxsj (ahd. icahsjan) mit Wachs bestreichen, fäxtd
, eichen' (T. 173 a) ist nach Id. I 662 erst abgeleitet vom Subst.
faxt. Vgl. auch mäxüg, träxtig usw. § 57 a.
Von den r- Verbindungen nur riv und rh : härd f. (aus ^harivjön-)
Brettchen mit Schleifen zum Vogelfang (s. Id. II 1517 f. mit Anm.);
mit Dehnung gär {a,us ^ganvja-) gar, garhj (ahd. gariveti) gerben,
färba (ahd. fanven) färben; vor rh: märd, bezw. nach § 95 wer9
(ahd. meriha, marJia f., zu ahd. marali, marh m.) Stute.
Vor l -\- Kons, haben wir nur vereinzelt Sekundärumlaut
in wält§ (ahd. ivalhisc) , welsch' und hälsi(g) (ahd. helsing) , Strick',
welche kaum zu den Fällen mit schwerer Ableitungssilbe zu
stellen sind (vgl. § 48 c ments <i ahd. mennisco, älpfrmts zu ahd.
frenkisc und pfenni <C ahd. Pfenning). Vgl. auch bälg, xälbsr
§ 52a. sülfli (zu lat. salvia) , Salbei' ist als Dim. nicht beweis-
kräftig.
b) vor schweren Ableitungssilben: liähs (ahd. hagzissa)
Hexe; fjbärmstm. und n. {<C fdbärmniss ; s. Id. IV 1595) Erbarmen;
Jcfännms n. (mhd. gevencnisse) Gefängnis (stammt vielleicht erst
aus der Schriftsprache).
^Wahrscheinlich gehören hieher auch die Bildungen auf ahd.
-i(n): ätti m. (zu ahd. attö) noch in der Kindersprache für , Vater',
cbii m. {zvt ahd. and) veraltet noch für , Großvater', bäsi f. (zu ahd.
basa) Base ; ferner Jcxärli m. Kerl (s. Id. III 462/3), iväsjii n. (in
K -il) (zu ahd.tvafsa, ivefsa) Wespe, Imägt n. Knochen (zum Nagen)
(s. Id. IV 697), pfatti n. und f. (neben den als Fem. Sg. gefaßten
Pluralen pfättdUd, -drd, -dh) Dachkennel (s. Id. V 1201/2), xütsi n.
(zu ital. cazsä) Wasserschöpfkelle (s. Id. II 572/3).
c) vor i der dritten Silbe (vgl. § 48e und zu den ahd.
Verhältnissen Braune § 27, Anm. 4) : fräfdl (ahd. fraval/i, fravili)
plötzlich (T. 205 a), uühwärU (zu ahd. giicaraUhJio) gefährlich.
Vgl. auch § 52 b, ferner die Adjektiva auf ahd. -Uh § 57 b.
d) vor ahd. ei in der Folgesilbe (vgl. dazu Behaghel in
PBB. 20, 344 und Schröder in AfdA. 24, 29): ärbot (ahd. arbeit)
Arbeit; äras in I H, sonst ärps bezw. ärps (ahd. araiveiz, auch
arawiz) Erbse; äbasa (I), enidsa usw. (s. § 109) (ahd. ameizd) Ameise.
— 53 —
e) bei alteu cn-Y erhen. Zu erAvarten wäre hier entweder
gar kein Umlaut, entsprechend zB. ahd. Inf. sagen, Präs. sagem,
sages, saget usw., oder dann Primärumlaut von Fonuen wie segis,
segit aus (s. dazu Braune § 368, Anm. 2).
Den Sekundärumlaut erklärt Sievers in PBB. 28, 262 aus
Jüngern Kontaminationsformen, zB. sagis (<i sages und segis) und
entsprechend sagit; von hier wurde er dann auf die übrigen Verbal-
formen übertragen. Wenn heute die 3. Sg. auf -dt ausgeht, wie
nur bei den en-, ö^-Verben (vgl. Winteler 154 f.), so müssen vdr
annehmen, daß -et nachträglich ^rieder eindrang.
Die Beispiele sind: sägd sagen, sämms (ahd. scaifien) schämen,
tsänud (ahd. zannen) das Gesicht {vn.e beim Weinen) verziehen,
dazu tsänna f. ein solches Gesicht (T. •456a), pflännd (ahd. flannen),
spcü'j (ahd. sparen) sparen; ohne Zweifel auch lälh die Zunge
(lälld f.) herausstrecken, sätsd schätzen, sicätsd schwatzen; viel-
leicht auch tsäpfd (refl.) scherzhaft für ,sich aus dem Staube
machen' (auch bei T. 452 a).
Dazu kommen eine Anzahl von schallbezeichnenden Verben
auf -ts-, bei denen allerdings auch palatalisierende Wirkung von
ts, das an der selben Stelle väe s artikuliert ^rird (vgl. § 15), möglich
wäre (vgl. § 46, 2); doch findet sich bei den meisten andernorts
(s. Id.) auch Primärumlaut, und auch bei uns ist in einigen Bei-
spielen a vor ts erhalten : pütsd, tütsa von dem Schall, den ein auf-
schlagender Körper verursacht, dazu päts, täts m. Klatsch, auch adv.
pcits plötzlich (vgl. Id. IV 1925), wofür in K gäts (T. 215 b; ein Vb.
gäts9 s. Id. II 558:9), dagegen ohne Umlaut pafsi m. schwerfälliger
Mensch, Einfaltspinsel (vgl. § 90, 2) und gleichbedeutend toUpats
(T. 33 b); flätsj, pfUits9 vom Aufschlagen von Flüssigkeit,- daher
solche ausgießen, verschütten, dazu fJüts m. (in I auch pfJats ohne
Umlaut), usw. (s. T. 195 a), daneben Bildungen mit Primärumlaut
wie fletslig m. Abzugsrinne im Stall, und fJetsd f. QuetschA\ainde
(vgl. T. 195b); in M mit gleicher Bedeutung pilätsB, wozu in H
plät§ m. Klatsch, in M plätshg ,plötzlich', und allgemein bJäts m.
große Menge, Haufen von etwas (vgl. Id. V 229); rätsa Hanf
brechen, klatschen, räts f. Klatschbase (vgl. T. 357 b); hrätsa von
der Nuß die grüne Schale entfernen, dazu hrätso f. Hanfschwinge,
usw. (s. T. 73b und vgl. Id. V 1012 ff.); (fa)xnäts9 EtAvas (mit
Geräusch) zerdrücken, auch zerbeißen, kauen. Keinen Umlaut zeigen
— 54 —
](ift<i m. gleichbedeutend mit obigem patst, und latsig schwerfällig,
plump, auch (dofD)watsld watschelnd gehen, in K auch tvats m.
Stoß, Schlag (nach T. 437 b). Vgl. auch nätsli^ (M V), snütshd (M)
schmatzend kauen, usw. (s. T. 328a. 394a), neben änatsJid (in H);
dageffen allgemein nur statsh) stottern.
Neben hchj ,halten' im östlichen Teile des Gebietes (V M2)
gilt im westlichen (H I Mi, 411 Teufen schwankend) hähd; dieses
Nebeneinander beruht auf Vermischung von ahd. heffen, 2. 3. Sg.
hevis, hcvit mit ahd. haben, 2. 3. Sg. hohes, habet, bezw. hebis, hebit
(vgl. Id.II 890). hebj geht zurück auf ahd. hevis, hevit, dagegen häbd
auf die Kontaminationsformen habis, habit. Vgl. auch ZfdA. 44, 115.
Lang ist der Vokal in trägj , tragen' (vgl. ahd. tragen). Die
Länge ist übertragen aus der 2. und 3. Sg. träst, träd (vgl. § 81);
in dem Teile von V, wo es heilst trelst, treid, muß sie von der
Nachbarmundart übernommen sein.
f) in vereinzelten Fällen : näppdr m. (ahd. naba-, naht-, mhd.
nabi-, nch'i-grr) Bohrer (s. Id. IV 771); tsümmd (ahd. zisamane, zisa-
mine) zusammen; in K (nach T. 157b) tübjhä]^ (zu ahd. habuch,
mhd. habech, habich) Taubenhabicht; h'igjh f. (lat. lagena) läng-
hches Transportfaß (s. T. 290a und vgl. Id. III 1167/8); in I und
H veraltet äsig, üsslig, ästig, ästlig ,solch' (s. T. 29 a; Id. I 504),
danach auch äsdmevv.) in H ,so manch' (T. 28 a). sämmd m. in
K für , Trete am Webstuhl' geht vielleicht auf ein Nebeneinander
von ahd. scamal und '-'scemil zurück, d.'^. auf eine spätere Kon-
tamiuationsform scamü. Hierher auch ligjstj f. Elster in M Vi
(s. T. 18 b; Id. I 125/7), iväntjb f. (zu ahd. ivantlns) Wanze.
T. erwähnt (S. XXIX) für Haslen eine eigentümliche Aussprache des a
in dem Worte all , immer': ,es ist hoch und treibt gegen e'. Ich konnte das,
nicht mehr hören, doch sagte man niir, man habe früher all gesprochen; diese
Aussprache findet sich auch heute noch im Rheintal in Frümsen und Seunwald.
Es liegt hier wohl alter m-Umlaut vor (vgl. Behaghel S. 754). In einer
St. galjisch-appenzellischen Urkunde .aus dem 14. Jahrhundert kommt vor: ällü
mess ,alle Maße', ferner : (illü (jewaltsami, älU(!) aigenschafft, ällü gebot [usw.]
gehörrent ainem abt zuo.
Der Laut des Sekundärumlautes findet sich noch in den nicht
autochthonen Wörtern hälhr Heller (s. Id. II 1130/1), xätsar
Ketzer (Id. HI 595/6).
Es ist sicher, daß auch der , Sekundärumlaut' in die ahd. Zeit zurück-
reicht, daß der ,Primärumlaut' nicht zeitlich früher eintrat, sondern nur in
— 55 —
der Schreibung früher wiedergegeben wurde durch das schon geläufige Zeichen
des germ. e-Lautes, dem er qualitativ nahestand, während bei ä der unterschied
von a weniger ohrenfällig war und ein Zeichen dafür erst gefunden werden mußte.
Zum Vorgange der Palatalisierung verweise ich auf Rosapellj- in Me-
moires de la societe de linguistique de Paris X (1898), S. 128 f., wo experi-
mentell gezeigt wird, wie zB. in abi, api die Zunge schon beim Einsatz des
Konsonanten und während der ganzen Dauer desselben die für das folgende
i nötige Höherstellung einnimmt; erfolgt auf grund psychischer Vorausnahme
des folgenden i schon während der Artikulation des a die Einstellung noch
um ein Weniges früher, so ist die Folge ein mehr oder weniger palatalisiertes
a, d.h. ä oder e; die Zwischenstufe e wäre an sich ebenso gut möglich (vgl.
jedoch zum sog. ,mittleren Umlaut' § 60, Anm.). Bei der Artikulation der
Labiale wird die Zunge gar nicht in Anspruch genommen und kann sich
daher während derselben frei zur vollen t-Stellung heben; die Dentale er-
fordern selbst eine hohe Zungenstellung imd sind daher (vgl. §§ 46,2; 60, 2 b)
der Palatalisierung vorausgehender Vokale günstig. Anders die Velare, bei
denen die Zunge nach hinten gezogen ist, so daß die Vorderzunge unmöglich
eine hohe Palatalstellung einnehmen kann; behalten sie vor folgendem i ihre
hintere Artikulation bei, wie es in unserer MA. bei x der Fall ist, werden sie also
nicht selbst palatalisiert, so kann auch der ihnen vorausgehende Vokal höchstens
schwach palatalisiert werden. Dies erklärt, warum vor xt, xs nur Sekundär-
umlaut eintrat (die Bezeichnungen ,Primär-' und ,Sekundärumlaut' würden
besser durch ,Stark-' und , Schwachumlaut' ersetzt); germ. li wirkte ebenfalls,
sei es noch als velare Spirans oder schon als Hauchlaut, umlauthemmend,
während der Primärumlaut vor lili (< germ. li) für dieses palatale Aussprache
vor folgendem i voraussetzt. Das helle palatale l ist der Palatalisierung
günstig, das hohle l dagegen nicht; der Sekundärumlaut in einigen Fällen vor
l + Kons, geht wohl auf die hemmende Wirkung von l zurück (der PI. helg
findet sich bezeichnenderweise gerade auf dem Gebiete, wo e durch folgendes
l palatalisiert wurde, während sonst bälg gilt, und xelb»r herrscht im östlichen
Gebiete mit /, während xälbsr im westlichen mit f; vgl. § 93). In den Ver-
bindungen r + w und r 4- h ist das Fehlen des Primärumlautes auf Rechnung
des Sekundärvokals zu setzen, der sich zwischen diesen Lauten entwickelte (vgl.
Braune § 69); die gleiche Erklärung wäre auch möglich für die Verbindung Ih
in ivälts, ferner rl in Tcxärli. Schwere Ableitungssilben bewirkten nur Sekundär-
umlaut, weil -sich physisch die beiden Artikulationsbewegungen nicht schnell
genug folgten und die beiden Silben ;, psychisch zu selbständig waren (vgl.
Wundt, Völkerpsychologie ^11, S. 410 f.)>-
Nach dei^ ahd. Zeit entwickelte sich überhaupt kein Primärumlaut mehr,
sondern überall, wo die Bedingung' für Umlaut eintrat, entstand Sekundär-
umlaut. Dies hat seinen Grund darin, daß diese nachahd. Endungs-t nicht
mehr so rein gesprochen wurden, d. h. nicht mehr die hohe Palatalstellung und
energische Artikulation der Zunge besaßen, wie die ahd. vollen Endungsvokale;
ihre palatalisierende Wirkung konnte daher nur schwächer sein. e-Umlaut trat
überhaupt nicht ein, weil die Artikulation des e sich so wenig von der des a
abhebt, daß die Zunge die geringe Stellungsveränderung leicht vollziehen kann.
- 56 —
Bildungskategorien, innerhalb welcher der in einem
Teil der Fälle lautgesetzliche Umlaut sein Gebiet ana-
logisch erweitert hat (vgl. §90):
1. Plurale.
§ 50. Lautgesetzlicher Primärumlaut kommt (außer
vor umlauthemmender Konsonanz) zu:
a) den männlichen und weiblichen i-Stämmen: Masc. gest
(ahd. gesti) Gäste, est (ahd. esti) Äste, sekx (ahd. seccJii) Säcke,
hexx (vgl. § 49 a) Bäche (nur vereinzelt heute auch häxx, wohl
durch Einfluß der Schriftsprache), gean (ahd. gengi) Gänge; wohl
auch sfencl (zu mhd. stant) Verkaufsstände am Jahrmarkt, dann
in der Formel stend onh 'kenn ha mit etwas, ,viel Mühe und Zeit-
verlust damit haben' (vgl. Id. II 338), und xrets (zu mhd. hras)
Schüi-fungen, Kratzwunden; mit Dehnung sieg (ahd. slegi) Schläge,
tse (ahd. seni) Zähne. Zu helg s. § 52 a.
Fem. xreft (ahd. hrefti) Kräfte, stet (ahd. steti) Städte, in H auch
noch tsoUstet Zollstätte (in den Sg. gedrungener PL), henlcx (ahd.
henki) Bänke, hend (ahd. henti) Hände, tvend (ahd. wenti) Wände.
Dazu kommen noch zweisilbige i-Stämme, bei denen das
Plural-i in dritter Silbe stand (vgl. § 48 e) : negdl (ahd. negili, zu
nagal) Nägel; epfdl (ahd. epßi, zu apfuT) Äpfel; ferner ent (neben
entd) Ente (wohl der in den Sg. gedrungene PL ahd. *eniti, zu ahd.
anut, anit, enit) in einem zusammenhängenden Gebiete von Grub
nach Wolfh., dann wieder in uOb., wo Nasal nicht verengend
wirkt auf ä (vgl. § 95); auf dem übrigen Gebiete gilt dagegen
mit Sekundärumlaut äntj, bezw. ento.
b) den Neutra auf -ir: red^r (ahd. redir) Räder, grebdr (ahd.
grehir) Gräber, Uettar (ahd. hletir) Blätter ; auch trestdr (ahd. trestir
Sg. und PL; vgl. Braune § 197, Anm. 1) im collect. PI. ,Treber'
(bei der Herstellung von Obstwein) und m. »kegelförmiger Haufe*
(s. T. 151b). Zu xelbdr s. § 52a.
§ 51, Analogische Ausdehnung des Primärumlautes
zeigen :
a) wahrscheinlich (mit sekundärer Dehnung) heg (mhd. hage,
hege) ,Häge', terni (ahd. darnia, mhd. dermo) ,Därme' und neben
ktäb vorkommendes steh , Stäbe' (ahd. staha; zum Mhd. vgl. ZfdA.
— 57 —
44, 253 Anm. 271 Anm. 286 Anm.); sicher jjJiehx ,Pakete' (zu
phaJcx) neben häufigerem phäJcx.
b) Plurale auf -dr: beddr Bäder, glessr Gläser, texxdr Dächer,
fexxdr Fächer, fessdr Fässer (neben dem unveränderten PI. fass),
lenddr Länder; mit Dehnung telldr Täler. Neben heute allgemeinem
gresdr ,Kuhrechte auf einer Alp' (s. Id. II 792) gibt T. (234b) auch
gräsdr an, was wohl auf Einfluß des Sg. gras (s. § 46, 2 b) zurück-
zuführen ist; doch auch pärdr Paare (T. 81a) und fudssivässdrdr
Fußbäder (T. 207 a).
c) auf einem Teile des Gebietes noch einige andere zweisilbige
Plurale (na-, ma- und /i-Stämme) : in ganz V wegd ,Wägen', xrdga
jKrägen', megd ,Mägen', grehd ,Gräben', xrettd ,Krätten'; noch
mehr gegen das Rheintal (in dessen angrenzendem Teile die Er-
scheinung sich ebenfalls findet) zurückweichend Icch ,Läden' (in V
außer Wald), hefd ,Häfen' (V außer Wald und Reh.), fedd ,Fäden'
(in K und Grub, schwankend in Ob. und Heid.), isepfd , Zapfen' und
flcd^ ,Fläden' (nur in K der Grenze gegen das Rhein tal entlang);
auf dem übrigen Gebiete gilt durchaus ivägo, xrägd usw., neben
fläds auch unverändert fladd. Nur in dem Falle megd (in I) ,Lab'
(in den Sg. g|drungene^Pluralform zu magj ,Mageu', der als Lab
verwendet ward; dazu megd , gerinnen machen) scheint der e-Plural
heute noch weiter westlich zu reichen (vgl. auch Id. IV 99); doch
ist für I auch einfach Verengung von ä >► e nach m möglich;
vgl. § 95.
§ 52. Lautgesetzlicher Sekundärumlaut kommt zu:
a) den Pluralen mit umlauthemmender Konsonanz, die in
eine der § 50 a angeführten Klassen gehören. Das einzige auf dem
ganzen Gebiete geltende Beispiel ist näxt (ahd. nahti) ,Nächte'.
Dazu kommen noch hülg (aobd. halgi) ,Bälge' allgemein außer in
M2 Vi (schwankend in Grub und Heiden), wo helg gilt, und xälhar
(aobd. kalbir) ,Kälber' in I H2 (schwankend in Hi und Mi), gegen-
über xelhdf auf dem übrigen Gebiete; vgl. dazu die Anm. S. 55.
b) einigen (im ahd.) zweisilbigen i-Stämmen, bei denen das
Plural-^ in dritter Silbe stand (vgl. § 49 c): matt (ahd. magadi)
,Mägde'; stäffdl (ahd. staffali) auch in den Sg. gedrungener PL,
,Leitersprossen'; äx (zu ahd. acchus) ,Axte', außer in K auch in
den Sg. gedrungen.
- 58 —
§ 53. Die finalogisclie Ausbreitung des Sekundär-
umlautes. Nach dem Abfall des unbetonten Endungs-e war der
Plural der /-Stämme vom Singular nur noch durch den Umlaut
unterschieden. Infolgedessen wurde der Umlaut hier als Plural-
kennzeichen empfunden und dann analogisch auch in andern Fällen,
wo der Plural mit dem Singular zusammengefallen war, als Mittel
zur Unterscheidung der beiden Numeri verwendet. Die Über-
tragung auf die a- Stämme lag bei der starken Berührung, die
zwischen ihnen und den /-Stämmen schon seit alter Zeit bestanden
hatte, besonders nahe. Allein auch die schwachen Maskulina
bemächtigten sich nach der Ausbreitung der Obliquusendung über
den ganzen Singular dieses Mittels, die Numeri wieder zu diffe-
renzieren. Der Sekundärumlaut Avurde zu diesem Zwecke in viel
weiter gehendem Maße verwendet als der Primärumlaut (vgl. § 51).
Auch für unsere MA. gilt, was Heusler aaO. sagt, ,daß der
Angehörige der Mundart ein schwer zu beschreibendes, aber un-
trügliches Gefühl habe, daß in den «-Pluralen die eigentlich
lebendige Pluralbildung stecke.' Aus der großen Zahl von Bei-
spielen führe ich nur einige an. «-Stämme: Mim Halme, hals
Hälse, snähd Schnäbel, ähi\jr Äcker, liämmar Hämmer, mit Deh-
nung tag (neben unverändertem tag); schwache Maskulina:
nämmd Namen, mit Dehnung hmid Faßhahnen, gärtd Gärten.
In den Sg. gedrungene analogische «-Plurale hegen wohl auch
vor in hantsd m. (ahd. hantscuoh) ,Handschuh' (vgl. § 109), cmmol m.
(mhd. anmäl n.) ,Muttermal'.
Schwierigkeiten bereitet die Beantwortung der Frage, was dem Sekundär-
umlaut den Vorzug vor dem Primärumlaut als Numerusunterscheidungsmittel
verschafft habe, trotzdem die Zahl der dafür vorbildlichen lautgesetzlichen
ä-Plurale verschwindend klein ist gegenüber den zahlreichen lautgesetzlichen
e-Pluralen (vgl. Bohnenberger, Germania 34, 198; Wilmanns I 258).
2. Diminutiva auf -Ii (ahd. -Im).
§ 54. Diesen kommt lautgesetzhch Sekundärumlaut zu,
hervorgerufen durch ein schweres i in dritter Silbe. Unsere MA.
hat diesen Stand durchaus bewahrt; Einfluß der e-Plurale auf die
zugehörigen Diminutiva (vgl. Heusler aaO.) findet sich nicht.
Beispiele: hägh kleiner Hag, gläsli Gläschen, bäxxh Bächlein, rädh
Rädchen, hlätU Blättchen, näg,)h Nägelchen, fw^dh Fädchen.
— 59 —
3. Adjektivabstrakta auf -i (ahcl. -'i(nj).
§ 55. Das Ahcl. zeigt hier bald Umlaut, bald ist er infolge
Ausgleichung nach dem zugrunde liegenden Adj. unterblieben.
Unsere MA. hat den Primärumlaut durchgeführt: gletti Glätte,
nessi, Nässe, swexxi Schwäche, lenm Länge, xelti Kälte, sivertsi
Schwärze, hertt Härte, sterxxi Stärke; mit Dehnung gredi Gerad-
heit, smeh Schmalheit, icernu Wärme; auch in mehrsilbigen: mcgdn
zu magdr mager, levmvildgi zu lavmvili(g) langweilig, lennsemmi
zu lannsanim langsam (vgl. dazu § 90).
4. Komparative und Superlative.
§ 56. Sie zeigen durchgehend Primärumlaut: besser best
(ahd. besziro, beszist) besser best, letst (ahd. lezzist) letzt, lenn^r
lemost zu lavn lang, strenvdr strengst zu streton strenge, xrenlixjr zu
xranhx krank, eltar zu alt alt {eltjrj Eltern), swertsdr zu swarts
schwarz ; mit Dehnung grechr zu gräd gerade, pliebar zu phäh gut
schließend, hivemur zu Tiivä gewohnt, serpfdr zu särpf scharf, ergar
zu mundartlich nicht vorkommendem ,arg' (als m. Arger), ernidr
zu arm arm, erdhgsr zu ärdh(g) seltsam, auch Icnnsemmjy zu
lavosamm langsam (vgl. dazu § 90).
Altere Leute in K brauchen vereinzelt auch etwa i)]iäbdr,
Tiivännar, offenbar infolge Einflusses der ä-Komparative zu Posi-
tiven mit etymologischem ä oder ä, me zB. sivarar zu stvär ,schwer'.
Doch ist auf dem ganzen Gebiete häufiger das Entgegengesetzte
der Fall, daß nach Beisjjielen wie greddr auch die Adjektiva mit
etymologischer Länge ihren Komparativ und Superlativ auf e bilden,
zB. swerdr schwerer, resssr zu räss scharf. Vgl. auch § 89, 1 c.
5. Adjektiva.
§ 57. a) auf -;((/). Außer in den unmittelbar von ja«- Verben
abgeleiteten Beispielen, wie setsi(g) eigensinnig, Tinendi(g) in M
(mk&. genendec zu vnh.^. nenden) gesund, lebhaft, munter (T. 228 a),
merkxi(g) leicht auffassend, geschickt, spert(g) widerspenstig, usw.,
findet sich Primärumlaut nur bei alten Ableitungen zu i-(ja-)
Stämmen, denen ursprünglich -ig allein zukam, während -ag den
a-Stämmen: stetfi(g) {mhd. stetic) von Pferden, störrisch, xrefti(g)
(ahd. kreftig) kräftig, l~feIJi(g) (ahd. gefelUg) glücklich, ferti(g)
(ahd. fertig) fertig, tsudslegi(g) zugetan (T. 462 a).
.— 60 —
Alle übrigen, worunter viele neuere Bildungen zu Substantiven,
Adjektiven und Verben, weisen Sekun'darumlaut auf, sind zum
Teil auch umlautlos (vgl. § 90), zB. hälU(g) leicht zu ,baMen', vom
Schnee, (jülh(g) schnell, plötzlich, stäri(g) steif, starr; mit Dehnung
efalti(g) (mhd. einveUcc) einfältig; auT umla*hthemmende Konsonanz
kann ä zurückgehen in mäxti(g) mächtig, ]r)räxti(g) j^rächtig,
träxti(g) trächtig, wäxsi(g) (mhd. ivehsic) vom Wetter, dem
Wachstum günstig.
Alte Stoffadjektiva auf ahd. -m (heute in der MA.. im
Ausgang mit den Adj. auf -ig zusammengefallen) sind: mit Primär-
umlaut glesi(g) (ahd. glestn) gläsern, mit Sekundärumlaut tänni(g)
(ahd. tanntn, tennin) aus Tannenholz.
b) auf -li (ahd. -lih). Diese weisen ausschließlich Sekundär-
umlaut auf, zB. tägJi (ahd. tagolili) täglich, swäxxli schwächlich,
xrävkxli kränklich.
6. Diminutive Weiterbildungen zu Verben
und Substantiven.
§ 58. Hier kommt ausschließlich der Sekundärumlaut vor,
zB. ^lägh Kleinigkeiten hinterbringen, klagen; mit Dehnung
l)lämph sehr langsam gehen (plämpa); mädh (zu mad) Schwaden
machen beim Heuen; räntsdh zum besten haben (s. T. 361 b),
simtsdh bespötteln (s. T. 383 b) ; tvägjh den Wagen hin und her-
stoßen; fdhäfdh das Spiel verderben (T. 183/4); wässdrh das Wasser
abschlagen.
§ 59. Sekundäre Veränderungen der Umlautvokale (vgl. die
Anm. zu § 60):
e > e (bezw. e) vor l (i) + Kons, in H I Mi s. § 93.
vor r -f- Kons, in H Mi s. § 94.
vor Nasal (-f Kons.) in H I Mi s. § 95.
ä >» e (bezw. e) vor und nach Nasal in H I, Bühl., Teuf.
s. § 95.
e >► id vor r in K s. § 94.
e-> ei s. § 89.
Rundung s. § 91.
Dehnung s. §§ 96/105.
— 61 —
Mhd. e.
§ 60. 1. Es ist in der Mehrzahl der FäUe erhalten als e, zB.
vor Labial: Ä;?e6,^ kleben, ^re/JS Krebs, sre/j/'a schröpfen (vgl.
Kluge S. 353), xefdr Käfer, ivefdl m. (mhd. ivefeT) Einschlag beim
Gewebe, rejf (mhd. ref) Traggestell, pfeff^r Pfeffer.
vor Dental: fe(hrs Feder, fledanmis Fledermaus, seffär m.
(mhd. scheter) steife Leinwand, flettaxxa f. (zu mhd. vetache) Flügel
vgl. Id. I 1228), lets (mhd. le^) verkehrt, jes9 (mhd. jesen) gären,
sessdl Sessel, fespsr (mhd. vesper) Abendessen; auch messar Messer
(vgl. dazu Id. IV 460, Germania 34, 264, W. Hörn, Beiträge
S. 14/5); mit Dehnung xres Reisig (vgl. Id. 111 853/4).
vor Guttural: segj sägen, ksel'kat (zu mhd. sclieckeht) ge-
fleckt, drekx (mhd. drec) Schmutz, rekxholdar (mhd. recldwlter)
Wachholder, xexx (ahd. quec) keck, sexs(i) sechs, tse(h)a zehn;
mit Dehnung fex (mhd. vehe) Vieh.
vor r: iverd währen, dauern, tsivens (zu mhd. tiverch) quer,
iverffa werfen, fersa (mhd. vcrse) Ferse. — Über die Verhältnisse
vor den übrigen Sonoren siehe unten.
2. > e (bezw. mit Dehnung e) auf dem ganzen Gebiete
a) durch i-Umlaut (vgl. K. v. Bahder, Grundlagen des nhd.
Lautsystems, S. 132 f.): ebd ,eben' Adj., während ehd Adv. (ahd.
(ebani, ehanö); eÜi ,einige' (zu ahd. etiliJi), auch ettj, bezw. (vgl.
bei T.) eppa, etsa (mhd. eteivä, etesivä) ,etwa', eppar (mhd. etetver)
,jemand' ; ledi(g) (ahd. *ledig neben ledag) ; ivela (ahd. hivd'th)
, welcher'; helts (ahd. helU£) ,Pelz'; felsj ,Felsen' (ahd. felis; vgl.
jedoch Kluge S. 109, ferner PBB. 28, 259); tsem (aus ^^eheni)
,zehn'. Vor Liquida -f- Kons, ist dieses e sekundär wieder zu e
geöffnet in H I Mi (s. § 93).
b) vor s in gestar gestern, destd desto, mit Rundung tröss9
dreschen, lössd löschen, swöstdr Schwester; dagegen nicht in fest
Fest, nest Nest (vgl. § 95), hresta mangeln, u. a. m.
e in smeltsd , schmelzen', fdsrekxs , erschrecken' beruht auf Ausgleichung
nach dem Kausativ. Dies wäre auch möglich in lösh (vgl. Kluge S. 252). Auf-
fallend ist befeb (mhd. bevelhen) befehlen.
c) vor geschwundenem Nasal im Auslaut s. § 95.
Dagegen nur auf Teilen des Gebietes
d) vor altem rr in fer (ahd. verro) ,fern' (s. T. 180 a) in I
Ml Urn. (auf dem übrigen Gebiete nur fern), dazu fera (s. T. 180 a);
— 62 —
ferner in MSr , Stern', doch nur als Name einer Kuh mit stern-
förmigem Fleck an der Stirne in I (in der gewöhnlichen Bedeutung
dagegen stenu, bezw. stmnS). ,
e) vor Nasal in V Ma s. § 95.
f) nach Nasal in I s. § 95.
g) vor l und l -f- Kons, in Ma s. § 93.
3. Rundung s. § 91.
4. Dehnung s. §§ 97/105.
In unserer MA. sind also zwar die drei historisch verschiedenen kurzen
e-Laute des Mhd. sowohl ihrem relativen als absoluten Lautwerte nach er-
halten; aber der Satz, daß sie daher im Zweifelfalle entscheiden könne,
welches der drei e in einem Worte vorliege (vgl. Heusler aaO.; W. Hörn, Bei-
träge S. 9flf.) wird durch die in §§ 59 und 60,2 angeführten sekundären Störungen
eingeschränkt, wonach zum Teil ä mit e, ja sogar mit e, e mit e und e mit e
zusammenfallt. Am wenigsten sind die Verhältnisse gestört in V, nämlich nur
in den Fällen von § 60, 2 a b c und e.
Die Unkenntnis dieser Tatsachen wurde W. Hörn zum Verhängnis, der
aaO., ausgehend von Beispielen unserer MA., noch eine , mittlere Umlauts-
periode' begründen wollte. Der Gewährsmann, den W. Hörn anführt, ist im
Kanton Graubünden aufgewachsen und spricht selbst nicht unsere MA. Die
mundartliche Form für ,Ferkel' ist färli (ahd. farhelin; s. T. 176b); ,Erz'
kennt die MA. gar nicht, dagegen heißt es durchaus präxti(g); zu mexU(g)
und next s. § 95, zu megd § 51c, zu hert § 94. Wenn T. bei hert die für H
gültige geöffnete Form anführt, dagegen bei herpst nicht, so stimmt dies mit
der ganzen Art seiner qualitativen Angaben überein.
Mhd. i.
Die verschiedene Behandlung der Vokale höchster Zungen-
stellung fi, it, ü) bildet einen Hauptunterschied zwischen K (außer
uOb. und oOb.) und dem ganzen übrigen Gebiete. Dort sind die-
selben in weitem Umfange erhalten, hier zum größern Teile ge-
senkt.
Die Senkung von i geht bis zu r, nur in den § 61 c an-
geführten Fällen bis zu e (ä) und vor m, n {-\- Kons.) in H I Mi
> e (vgl. § 95).
§ 61. Senkung von i ist auf dem ganzen Gebiete (in
K außer Ob. nur in diesen Fällen) eingetreten :
a) vor n {-{- Kons.) außer in den § 63 c angeführten Bei-
spielen: äena f. Schiene, cn9 ihnen, kivennd gewinnen, rennd
— 63 —
rinnen, drenn darin, licnnd (mhd. hindcn) hinten, fendd finden,
tuende winden, hendj binden, henddr hinter, mendar minder, wendb f.
Windel, scndh f. Schindel, xend Kind, rend Rind, grend m. Grind,
Kopf von Tieren und grob von Menschen; wend Wind, in Zu-
sammensetzungen Avie sonddrwcnd Süd^A-ind, icentspriid Windsbraut,
usw. (für nhd. ,Wiud' hat die MA. loft) ; renda f. Rinde, lendd
Linde; mit Dehnung iventar Winter, e oder ena ihn, he hin. Hierher
gehören auch ivemmat (ahd. ivindemod) Weinlese, wozu das Vb.
ivemnid (ahd. ivindenim), semmat (mhd. zinenün, zlnmenf) Zimmet.
Zur Rundung in mehreren der augeführten Beispiele auf einem
Teile des Gebietes s. § 91. Die Beispiele für ins >> es s. § 96.
b) in emni ihm (vgl. § 63 d).
c) vor mm <C mb in tsemmara (ahd. simheren) .zimmern' in
M V, in K auch tsümmara (vielleicht mit Anlehnung an tsämma
jZusammen'), in HI mit Rundung tsönimara; doch vgl. tsimmar n.
Käs- oder Hirteuhütte (bei T. 458 b; in nhd. Bedeutung ist das
Wort nicht mundartlich). Hierher gehört auch slenims ,schräge,
schief" (nach T. 388 b in K), wenn es mhd. sUmbes entspricht (vgl.
jedoch Grimms WB. IX 714. 722).
§ 62. Nur in H I M Vi und Ob. (im übrigen K nicht) ist
i gesenkt >- e:
a) in den Substantiven frcda Friede, smed Schmied, led n.
(ahd. hli(T) Deckel; led m. (ahd. Jid) Viertel eines geschlachteten
Tieres (vgl. Id. III 1087) und gled Glied, auch in ledlö (mhd. Ude-
Zdw) Arbeitslohn, und ledwäx (mhd. Udeweich) biegsam; snedli (mhd.
snitelouch) Schnittlauch, slctta m. SchKtten, snetta f. Schnitte, drei
(der, die, das) dritte, drettal Drittel; smetta (ahd. smitta) Schmiede;
iceth (zu ahd. wituivo) Witwer, wepfrouw Witfrau; res m. Riese
(wohl unter schriftsprachlichem Einfluß bei den Jüngern auch
rts)\ ives f. Wiese, avozu kwesat sumjjfig (T. 248a); spess Holzspan
(T. 378a); hesmat (ahd. bisanio) Bisam; mit Dehnung xes Kies; niest
Mist; rrep Krippe; in I noch bei alten Leuten seff Schiff (sonst
heute allgemein siff); sreft Schrift, greffal Griffel, stefal Stiefel;
serm Schirm, bera Birne; xer(a)xa Kirche, heute außer in I all-
gemein für älteres xil(a)xa (s. T. 102 a); mit Dehnung ferst First,
ivert Wirt, icerta m. (mhd. wirte) Spindelring (T. 446 b).
— 64 —
In den Verbalsubstantiven treb Trieb, snet Schnitt, rct Ritt,
tret Tritt, srct Schritt, hess Biß, auch he(sah Bißchen (zu mhd.
bü), ress Riß, pscss Beschiß, Betrug, grcff Griff, j^ßff Pfiff, strcxx
Strich, Mpxx Schhch, t^x der schleichende Gang (T. 137b).
fredhof (mhd. vrithof) , Friedhof mit e für sekundär gekürztes i (vgl.
§ 109) beruht auf Anlehnung an frech ,Friede'.
b) in den Adj,, Adv., Pron. hettdr bitter; tsweng (zu mhd.
zwire) zweimal (nach T. 463b in H I); neddr ,nieder', doch nur
als Adv. (ahd. nidar), dagegen als Adj. nidsr (ahd. nidari); netsi
,niedsich, d. h. abwärts' (zu ahd. nida) ; tvedor (ahd. widar) in der
Bed. , wider, gegen', dagegen ividdr in der Bed. ,Avieder, nochmals';
erd ihr (Dat. Sg. fem.); mit Dehnung der dir, mer mir (bei diesen
Pronomen könnten auch die unbetonten Formen ard, dsr, mdr ein-
gewirkt haben).
c) in den Verben smedo (ahd. smidön) schmieden ; tsettdrd zittern ;
ivessd wissen (vgl. § 91), Part, hivesst; tsivcrnd zwirnen; felikd ,hin-
*und herreiben' (s. T. 179a und vgl. Id. I 713).
Ausnahmslos in den Part. Prät. der starken Verben der
I. Klasse: trehd getrieben, hsreha geschriebeü, pleho geblieben, kreh9
gerieben, hsnettd geschnitten, kstrettd gestritten, kretts geritten,
Metto gelitten, JcwesQ gewiesen, hspesd gespiesen, pres9 zu hnsa
einschnüren, pessd gebissen, hress9 gerissen, psessd beschissen,
hsmessd geschmissen, Jcflessa geflissen, krcff& gegriffen, preffd , ge-
wandt' (s?f . 77b und Id. V 434), pfep gepfiffen, kMeffd geschliffen,
kstegd gestiegen, pegd zu hlgä ,eine Beige machen', tegs geräuchert
(zu ahd. dihan), kstrexxa gestrichen, kslexxd geschlichen, texx<) zu
tixd schleichen (s. T. 137 b).
^ * . ^
d) Schwanken besteht zwischen nietti und mitti Mitte, da-
gegen gilt durchaus mettag Mittag, mekxti Mittwoch (vgl. § 28);
auch ZA\aschen mettd und mittol Mittel, metler und mithr , mittler';
in Vi M H gilt meist met ,mit', in I mei^WwwY; ferner zwischen
xrest und xrist Christ, auch xrestd- und xristjmögh verstärktes
,möglich'; ^wischen wcsdli und ivisdli ,Wiesel', in I gilt wesh f.
(ahd. ivmda); zwischen spets und spits m. Spitze, spetsd und spitsd
spitzen, spetsb und spitsh spitzeln (vgl. T. 377b); zwischen gretsd
und gritsd knirschen (mit den Zähnen); seltener ist xendU neben
xindh jKindlein', während allgemein xend.
— 65 —
§ 63. Erhalten ist / auf dem ganzen Gebiete:
a) ausnahmslos vor l (+ Kons.): §till still, fill viel, tili m.
dickes Brett, tili f. Zimmerdecke, ivilh Wille, hild Bild, wild wild,
silt Schild (s. T. 387 a), silhsr Silber, silhj Silbe, miltsi n. Milz,
hilgdrd (ahd. hilarn, PL bilarnd) Zahnfleisch, mil(9)x Milch, hil(d)xd
(ahd. hiricha) Birke, tsivil(d)x Zmlch, silig Schilling, spih spielen,
sild schielen ; mit Dehnung spil Spiel, tstl Ziel, tsth zielen, i >► ü
vor l -|- Kons, in I s. § 91.
b) ausnahmslos vor n (+ Kons.): rinn m. Ring, rinn (ahd.
ringi) leicht, dinn Ding, finnar Finger, sinn^ singen, sprinnd
springen, tsivinnj zwingen, rinlid Schnalle, fsinJtj Zinken, finkx
Fink, winl-xd Winkel, trinhxd trinken, icinhxj winken, usw.
c) in einigen Fällen vor n {-\- Kons.) (vgl. § 61a): lind (ahd.
lindi) lind, klindi f. Glimpf (T. 224b), liswind geschwind (echter
mundartlich dafür icädli(g), tifi(g)), sirindd Schwindel, swindh
schwindeln, glintsdo glänzen, Jcxicintli Quintchen (T. 119 a), ivints
klein, winzig (T. 449 a), pfhini(g) finnig (T. 40b), sinnd sinnen,
spinnd spinnen, imu innen, i in; mit Dehnung st Sinn, splni
(s. § 102). Zu ,Kinn' s. § 91 b.
d) vor m (-{- Kons.) außer in den § 61b und c angeführten
Fällen : stimm Stimme, Jmmnol Himmel, ivimmld und wimsh wim-
meln, swimmd schwimmen, gliiiipf (mhd. gelimpf) Schnürnadel,
limpfi(g) weich, tsimpfjr zimpferlich (s. T. 458a), iitijjß impfen,
simpfd schimpfen, gimpfd kippen (s. T. 221b; das dort damit
zusammengestellte gempfj hat Umlaut von «; vgl. Id. II 320),
sims m. Sims, rimso-ramsa kauderwelschen (s. T. 363 b), auch imp)r
Ingwer (s. § 30, 3); mit Dehnung tninid m. (ahd. imbi) Bienen-
schwarm; mit Rundung sümnid Schimmel.
§ 64. Vor den übrigen Konsonanten ist i auf dem ganzen
Gebiete erhalten (vgl. § 62):
a) vor ableitendem -d, in K -d (ahd. -il), -Id (ahd. -ila, -ilön):
xittd Kittel; risdm. gerieseltes Pferd, auch Ziege, Jcrisjld gerieselt;
tswisdl spitzige Rute, tswisdlo blinzeln (mit den Augen); ^sdl Spitze
von Zweigen, fisdld kritzeln (beim Schreiben); rispdl m. (s. T. 365a)
und risph mischen ; gispdli n. lebhaftes Kind (s. Id. 11 482) ; swibdl
drehbarer Handgriff (s. T. 403 b), rihd Scheuerwisch (s. Id. VI 48 f.),
Vetsch, Appenzeller Jlundarten. 5
\ »
— 66 —
nih)l Hängemaiil, (lipfd Gipfel, tsipfd Zipfel, xifdl Kiefer, snifdl
Schnitzel, rUpl Riegel, i<jal Igel, siyd Siegel, hihxdl Pickel, stikxd
Stützpfahl (T. 408 b), ^dr6^Z Wirbel, swirhd Handgriff am Sensen-
stiele; tistl) f. (ahd. distila) Distel, sixh f. (ahd. sihhila) Sichel;
nissh necken (s, T. 334 a; Id. IV 815), missU mischen, wifla fein
vernähen (s. T. 448 a); ferner noch nikkäh mit Kleinigkeiten necken
(T. 334a), hrikkdh unverständlich reden (T. 77b).
b) vor ableitendem rdr: kfiddr Gefieder, sjyidara (vgl. mhd.
spi(lcl) Splitter, kivittor (ahd. giwitiri) Gewitter, (jittdr Gitter (vgl.
zur Etym. : Zeitschrift des AUg. deutschen Sprachvereins 1906,
175), pfUtfara f. Durchfall (T. 47 a), faxnittdrd zerknittern, pfnittdra
unterdrückt lachen, ßsparj flispern, hihara, hippara heben (T. 51a),
fatsippara aus der Haut fahren, xlippara kleben (T. 108 b), slifara
gleiten (auf dem Eise), kligar Lager, Bett, tsigar Zieger, sixar sicher.
c) in den Substantiven hits Hitze, wits Witz, xitsi n. (ahd.
kizzhi) Zicklein, hltski n. Kerngehäuse des Obstes (s. Id. lY 2038),
niss f. Lausei, fiss Fisch, tiss Tisch, UM List, xista f. Kiste, pfistarz
Pfisterei, Bäckerei, hiUa Bibel, rip n. Rippe, gift n. Gift, pfiff i (ahd.
pfiffig) Pips (vgl. Id. V 1087/8), tikx dicht, dick, stixx m. Stich,
gut n. Gicht, krixt Gericht, kwixt Gewicht, ksixt Gesicht, ksixt
Geschichte, Jiirt m. Hirte, hirts m. (veraltet und durch hirss
ersetzt) Hirsch, Jiirni Gehirn. S. noch e.
d) in den Adj., Pron. usw. friss frisch, siba sieben, mi, dl
(bezw. mit Dehnung) mich, dich, in der Konj. bis bis, in Adj.
auf -i(g), zB. snitsi(g) leicht zu schneiden, tif'i(g) schnell, behende,
ivixü(g) wichtig.
e) in den Verben hitta bitten, hlitsa blitzen, hitska schluchzen,
slitsa schlitzen, sivitsa schwitzen, snifsa schnitzen, fitsa fitzen,
glitsa schimmern, glänzen, Usma (mhd. lismen) stricken, slipf'a
gleite*, rutschen, niffa stechen, stoßen (mit den Hörnern), likka
liegen, hikxa picken, stikxa sticken, flikxa flicken, sikxd schicken,
äpikxa spicken, hlikxa scheel sehen, tswikxa zmcken, rikxa schleifen,
aräivikxa noch mit einem Blick erhasche»^ rlxta richten, slixfa
schlichten.
Ebenso in den zugehörigen Maskulinen blits Blitz, sUts Schlitz,
Snits Schnitz, ßs Schlag mit der Peitsche, hipp Stoß, Schlag (vgl.
Id. II 1480), sUpf Erdrutsch, niff Stoß (T. 334a), bikx Pick, sikx
— 67 —
Handel, hlilxX Blick, rilix Schleife (T. 362a), strikx Strick, swikx
Augenblick, tsilxx Beigeschmack, usw.
f) im Sg. Präs. des Verb, subst.: hi bin, hist, ist.
g) in Lockrufen und Ähnlichem : hi hi Lockruf an die Hühner,
daher hihi, hihali, auch hideli, dideli n. in der Kindersprache für
,Huhn'; tsitsi Lockruf an die Katze, tsitsdli n. Katze; tsigitsigi
Ruf, mit dem man Jemand höhnt oder aufzieht, daher tsig9
foppen, aufziehen mit Etwas, auch gigi, giJcs in gleicher Bed.
(T. 220b); hisst, u/sst, auch icisäf Zuruf an die Pferde, wenn sie
na,ch, links sollen.
■•Zur allgemeinern Senkung auf dem Gebiete außer K ist zu vergleichen,
was § 7 bemerkt ist: die weiter nach hinten liegende Artikulationsbasis und
die geringere Artikülationsenergie sind der Senkung günstig. Auf Einfluß des
folgenden Konsonanten läßt sich zurückführen die ausnahmslose Erhaltung
von i vor l und 7j und die Senkung auch in K (wo dies der einzige Fall ist)
vor n (vgl. § 95). Wo vor dem selben Konsonanten i bald gesenkt, bald
erhalten ist (vgl. die Beispiele in § 62 mit denen in § 64), bleibt zur Erklärung
der Einfluß des Vokals der Folgesilbe, indem (wie beim Wandel von urgerm.
i > e) Vokale tiefer Zungenstellung (a, e, o) senkend, Vokale hoher Zungen-
stellung (i, w, ü) erhaltend auf das i der Stammsilbe wirkten; vgl. dazu
J. Müller ,Die Senkung der kurzen i in den ripuarischen und mittelfränkischen
Mundarten' in ZfhM. V (1904) S. 353/367, und W. Hom ,Die Senkung des i
vor i, j im Hessischen' in ZfhM. VI (1905) S. 103/9. Allein eine Reihe von
Fällen, in denen auch nicht analogische Einwirkung angenommen werden
kann, stimmt damit nicht überein. und von einer Anordnung des Materials
rein nach diesem Gesichtspunkte mußte daher Umgang genommen werden.
i > 19 vor X s. § 92.
i >» id, h vor r s. § 94.
Rundung s. § 9L
Dehnung s. §§ 97 ff.
Mhd. o.
§ 65. Es ist ZHm Teil erhalten als geschlossenes o, in
weitem Umfange aber geöffnet zu d. Durchgeführt ist 9 in den
Part. Prät. der starken Verben, außer vor l {-{- Kons.) in den
unter 1 b a und ß erwähnten Gebieten.
1. 0 steht a) auf dem ganzen Gebiete:
a. vor h, f, ff: grob grob, ohd oben, xlohd Kloben, ops (mhd.
ohes) Obst, tohdl Tobel, Jiohdl Hobel; ofd Ofen, srofd (mhd. schrove)
Fels, offü offen, hoffs hoffen, stoff Stoff, stoffdl tölpischer Mensch;
— 68 —
doch in den Part. Prät. : kivobj gewoben, ksoha geschoben, kahh^
zu xliibj kneifen; tröffe) getroffen, kshff.) geschloffen, kl^ff^ gelaufen,
ksoffj gesoffen.
ß. in vereinzelten Fällen: o(hr oder, f'ofjd Vogel, fort fort,
farm Form (vgl. T. 202 b), hot Zuruf ^n die Pferde, dazu Jwtt^
(s. T. 270 b). 0 in hrosnu ,Brosame' ist vielleicht gekürzt aus ö
(vgl. Id. V 805).
b) nur auf einem Teil des Gebietes:
a. vor einfachem l auf dem ganzen Gebiete außer Her.: s. § 93.
ß. vor Z- Verbindung in M2 V: s. § 93.
y. nach Nasal in I: s. § 95.
0. in fokt (ahd. fogat) ,Vogt' in H I Mi.
2; Sonst steht o, zB. vor p,pf: sjppj schoppen, topht doppelt,
xopf Kopf, xlopfj klopfen, tropf 9 Tropfen, — vor d, t, ts: hoda
Boden, rodd Rodel, sodh schütteln; pot Bote, ksotta gesotten,
tsottdl m. Zottel, Quaste ; stotsj Stumpf, Klotz, sprotsa Leitersprosse,
xotso sich erbrechen, — vor s, ss, st: los,) hören, ]i,osd Hose, brosU
dicker Mensch, ross Roß; xosta kosten, ■ — vor g, kx, x, h: bog»
Bogen, klogo gelogen, tsogo gezogen; rokx Rock, lokxa locken,
proxxo gebrochen, xoxxa kochen, oxs Ochs, kflo(li)a geflohen, auch
in no noch, — vor r: bora bohren, snora Maul, liorn Hörn, fora
(mhd. vorJie) Föhre, forxt (mhd. vorlite) Furcht; mit Dehnung wörga
würgen, störx Storch.
3. In iviixxa ,Woche' kxnubh (mhd. klobelouch, knobelouclt)
,Knoblauch' in K (gegenüber ivoxxa, xnobli auf dem übrigen Ge-
biete), ist sekundär Erhöhung eingetreten. Auf dem ganzen
Gebiete ist dies der Fall in Imnn (ahd. lionag, honang) Honig
(vgl. § 67 a a).
4. 0 >» M9 in I wusU ,wohl' als Bejahung, Beteuerung (vgL
woid § 89, 2) geht auf Einfluß des w zurück. Auch außerhalb I
hört man etwa ivudtst neben wotst ^villst.
0 ^ ua vor r s. § 94.
-ol >» -Olli s. § 89.
Dehnung s. §§ 97 ff.
Mhd. ö.
§ 66. Die Vertretung entspricht vollständig derjenigen von
mhd. o. Beispiele für ö sind gröbli(g) {zu grob) Grobian, töbah kleines
— 69 —
Toi^l, fögah Vögelchen, dazu noch vor ss: röss (mhd. rösche) rasch,
frisch, fröss (in den Sg. gedrungener PI.) Frosch. Bemerkenswert
ist cfötti (vgl. § 89, 3) Pate (neben gottd Patin).
Beispiele für j sind spöth spotten, fröstdh frösteln, liösi scherz-
hafte Bezeichnung eines kleinen Knaben (der die ersten Hosen
trägt), högh die Wäsche bügeln, möga mögen, söxxh das Heu in
Haufen zusammenlegen, xlöhxld klopfen ; mit Dehnung tord dürfen,
gorpsd rülpsen.
-öl > -öfH s. § 89.
Dehnung s. §§ 97 ff.
Mhd. u.
Die Senkung von u hat in viel weiterem Umfange statt-
gefunden als diejenige von i. Die Senkung geht bis zu geschlos-
senem 0, nur vor labialem und dentalem Nasal (§ 68b), ferner
in H I Ml vor l -f- Kons. (§ 68 a a) bis zu offenem o.
r
§ 67. ii ist bewahrt a) auf dem ganzen Gebiete,?!
a. ausnahmslos vor v, zB. : spriwv Sprung, J«w» jung, Jiuwdr
Hunger, fsunvd Zunge, hsuvod gesungen, Tdimno gelungen, tuvkxdl
dunkel, hwkxa (mhd. tunken) eintauchen, triwkx9 getrunken ; iwgllx
ungleich, iwhvä ungewohnt, ungern ungern, usw. (vgl. § 68); hier-
her gehören auch tummi (zu mhd. tunge)' Dünger, tumnid düngen,
xnumnid (zu ahd. klunga) Garnknäuel' (i V), nebßii xlwmodld in
M H (s. Id. in 742), jumpfdrj (mhd. juncfYouwe) Jungfrau.
ß. in vereiiizelten Fällen : xluppa klemmen, wozu xlupp, xluppdr,
xluppdrU (T. 110); tsuph flüchtig nähen, wozu tsupJdri f.; suppd,
tsuppa m. Haarschopf, tsupp,w Kuh mit _einem Haarschopf, Huhn
mit einem Federschopf (I); suppdl (nur in I neben -o-) m. Menge,
Haufen (T. 400b), suph sich scharen; puppdrli in der Kindersprache
für, ,^e<4;chen' ; xuts xnts ^\xi, mit dem man die Katze verscheucht,
xutsimüsdrli n, eine Apfelsorte; (iif)huts9ld ein Kind auf den Knieen
aufwerfen ; suddrd sprudeln (vom Wasser) ; siiddl wirres, ungekämmtes
Haar; hudd Pudel, pudldt kraushaarig, Imdh stark schneien; liuss!
Ausruf zum Ausdruck des Absehens ; hus Lockruf für Kälber, biis(d)U
Kälbchen; snusd, snush an Etwas saugen (von Kindern), snus(l)i
Sauglappen; xugld f. Kugel; gugsl Haushahn; riigdl Rolle, tsämmd-
— 70 —
rugah zusammenrollen; (fiikl.) Kuckuck rufen, guM^r Kuckuck;
(fiikkCrj Dachfenster (s. Id. II 401), gnliS Ruf beim Versteckspiel
mit einem Kinde: guliliaklj auf einem Stuhle auf zwei Beinen
schaukeln (I); huh.)l,)r m. Uhu; hurliä m. Ohrwurm (H), s. Id. II
1607; tctih (ahd. wiillhi) wollen, meist auch ivuh Wolle (nur
selten -o-).
In einigen Fällen liegt vielleicht aus ü gekürztes u vor.
b) nur auf einem Teile des Gebietes:
a. In K mit Ausnahme von uOb. und oOb., vor r (-f- Kons.)
auch von Heiden (vgl. § 68 c) ist n bewahrt in allen Fällen außer
den § 68 a und b angeführten.
ß. In den östlichen, ans Rheintal angrenzenden Teilen von
Walz., uOb. und Reute ist u auch bewahrt vor nip, mpf: lumps
Lumpen, stump3 Stumpen, riimph rumpeln, trumpf Trumpf (beim
Kartenspiel), farmnpfj zerknittern; in gumpd ,herumhüpfen' geht
die Erhaltung des u weiter westlich über ganz V, gegenüber
häufigerm gompa auf dem übrigen Gebiete, und pumpd ,pumpen'
gilt auf dem ganzen Gebiete. ^
§ 68. u ist gesenkt a) auf dem ganzen Gebiete:
a. vor ^-Verbindung : sold Schuld, goldi (mhd. giädln) golden
(doch kann hier Einfluß des Subst. gold vorliegen), sölts (mhd.
sulee) Salzwasser, polts Puls, pfolhj (mhd. pfiäive) Bettkissen. In
K kommen die «-Formen noch vor, aber weit seltener. In H I Mi
geht die Senkung hier bis zu o (s. § 93).
ß. in glofd (mhd. glufe) Stecknadel; roß (mhd. rufe) Schorf.
y. in no (ahd. nu) ,nun' (s. T. 334 b; Id. IV 630/1). Damit ist
no (mhd. mm aus nimvan) ,nur' (s. T. 334b; Id. IV 764/5) zu-
sammengefallen.
b) außer vor mp, mpf auf dem § 67 b ß erwähnten kleinen Gebiete
zu 0 vor 7in, mm (bezw. in H n, m) und n, m -j- Kons., zB.: sonn
Sonne, hivonnj (mhd. gewunnen) gewonnen, hromid Brunnen, stond
Stunde, wonddr Wunder, pondj gebunden, montdr munter, spontd
Spund, bronts.y brunzen, in I ons (mhd. uns) bis, — die Beispiele für
uns >• 5s (ös) s. § 96 — hmm V, hnd I (mhd. lim) Lünse, sommdr
(mhd. sumer) Sommer, nomnu (s. Id. IV 754) nicht mehr, ksivommB
(mhd. geswummen) geschwommen, omm (mhd. um, timbe) um, tomm
(mhd. ttimp) dumm, xjmmor (mhd. Jcumber) Kummer, tromndd f«
— 71 —
(mhd. trumbel) Trommel, tsonimsrs (mlid. zumhern) trommeln (I),
hmpd, stompd, trompf, usw. (s. §67bß).
c) in allen übrigen Fällen ^ o auf dem ganzen Gebiet außer
K, doch auch in uOb. und oOb, vor r (- Kons.) auch in Heid.
(vgl. § 67 b a).
Aus der großen Zahl von Beispielen seien angeführt: vor h,
Pi Pf^ ff' stobj Stube, soppj Suppe, xnoppol rundliche Erhöhung,
lopf Lupf, xopfdr Kupfer, soff (mhd. s«/') Rausch, loft Luft.
In K -wird unterschieden zwischen Tcxtiopf Kleiderknopf (mhd. loiopf) und
kxnupf Knoten; in Ob. bleiben beide ebenfalls noch getrennt als xnopf und
xnopf; dagegen auf dem übrigen Gebiete findet sich nur die eine Form für
beide, und zwar xnopf im angrenzenden östlichen Gebiete, xnopf in I (wo
allerdings nach n überhaupt jedes o geschlossen ist) und H. topf: K tupf
.Tupfen' setzt ein mhd. tupf voraus. — vor ^, ^, ts, S, s: strodsl
(mhd. stnideT) Zank, sodJa sudeln, hlot weich, schlaff, xoÜj (mhd.
l-ideln) Kaidaunen, tottj (mhd. tutf,)) weibliche Brust, smots Schweine-
fett, noss Nuß, hosh scheuern (s. Id. IV 1748), poss Büschel, hst
Lust, bospjy munter (s. Id. IV 1777). — vor g. Je, Jix x: log m.
(mhd. lue) Lüge, hokl-J Buckel, roJcx Ruck, tsokxjr Zucker, sproxx
Spruch, troxxd (mhd. truchen) trocken, foxs Fuchs, soxt Sucht. —
vor r : fora Furche, xorts kurz, ivorff Wurf, Storni Sturm, torn
Turm; mit Dehnung icörst Wurst, görgh gurgeln.
Wo die Präposition ,un-' nicht vor Guttural steht (vgl. § 67 aa),
lautet sie ö- (in K «>), zB. ösüh,)r unsauber, in moralischer Be-
ziehung, öleiji(g) unbequem, usw.
u >- na, ud vor r s. § 94.
Dehnung von o (o) <C u s. §§ 97 flF.
§•69. Der Umlaut von u ist im Obd. zum großen Teile
unterblieben (vgl. dazu K. v. Bahder .Grundlagen des neuhoch-
deutschen Lautsystems' S. 199 S.): vor Ä*, Jix, x: hroJc Brücke,
moJc Mücke, roMs Rücken, loTilij Lücke, loli (mhd. liigge) locker,
tsroh zurück, stokx Stück, xrokxa Krücke, slohxa schlucken, trolwa
drücken, fsolcxa zucken, jol~xj jucken, rokxj rücken (wozu auch
rotsj <C *ruckezen), xoxxi Küche, — vor t, ts, U: botta Bütte,
nots nütze, botsa putzen, Mostj gelüsten, — vor pf: lopfa heben,
lüpfen, stopf a stupfen, ropfa rupfen, stropfa strupfen, sopfa schupfen,
— vor Liquida -h Kons.: bordi Bürde, mör (ahd. murwi) mürbe,
solts (ahd. suha -< "^sidtjo) Salzwasser, soldi(g) (ahd. sciddig) schuldig.
— 72 —
ici(Ii((/) (mild, intirtn) wollen; neben goIdi((/) {mhd. giddm) ,golden'
kommt seltener auch f/öld((g) vor, — vorNasal-j- Kons.: timhx.)
dünken, xnummlig (in I neben .rninnmd; s. § 67 a a), omm (ahd.
umJn) um.
Doch ist in vielen Fällen der Umlaut vor diesen Lauten analogisch ein-
getreten.
Mhd. ü.
4§ 70. Die Vertretung ist (auch nach den Gebieten) ganz
analog derjenigen von mhd. ii, mit der einzigen Ausnahme, daß
ü vor l und /-Verbindung in K durchaus erhalten ist (da-
gegen ö auf dem übrigen Gebiete, bezw. ü in _ I) : miÜi Mühle,
midi»- Müller, /-//// n. Füllen, (jnll> f. (mhd. (inUe) Jauche, lülh
an etwas saugen, von Kindern; hnJts,) (mhd. Iml'se) Kartoffelschalen;
in hiÜpd ,hülpen, hinken' ist ü auch außerhalb K bewahrt.
1. Beispiele für erhaltenes ü (vgl. § 67) auf dem ganzen Ge-
biete: jüttnlj Junge werfen, tiwkxli Brotsc'hnittchen in der Suppe;
ferner hü, liiisst, liiisst Zuruf an die Pferde, dazu hilssta; xütsd,) (ahd.
hiizzilön) kitzeln; güga(r)hr m, Haushahn; mertsjsprügali Sommer-
flecken, l~sprng,)J,H gesprenkelt; jnintd m. Bündel (zB. Kleider).
2. Beispiele für Senkung:
a) vor labialem und dentalem Nasal ^ ö (entsprechend § 68 b) :
törin dünn, sönd Sünde, fjxönd,) ve^ünden, tsönd,) (mhd. mnden)
leuchten, trömmjl Schwindel, tröniml) schwindeln (s. T. 155 b),
hrömpdl (mhd. gerümpel) Plunder.
In diesem letzten Beispiele ist Avie auch in strumpf usw. ü
auf dem kleinen § 67 bß bezeichneten Gebiete erhalten.
In K fnnd ,Freund', gegenüber fründ auf dem übrigen
Gebiete, hat auch ü <. mhd. m den Wandel mitgemacht.
Vor einfachem Nasal steht ö auch in K in böni (zu mhd.
biinc) Heudiele.
Eine bunte Vertretung hat mhd. kümin , Kümmel': xümi, Seltener xömi in
Hl ; auf dem übrigen Gebiete mußte aus *kümmi (mit Geminata) werden xömmi.
Diese Form gilt aber nur in oOb. ; auf dem übrigen Gebiete heißt es xemmt
bezw. xctnmi, übereinstimmend mit der lautgesetzlichen Form für , Kamin'
(s. §48f). Anlehnung an dieses Wort ist umso wahrscheinlicher, als auch
in oOl). umgekehrt die Form für , Kamin' xommi lautet. Dies könnte aller-
dings lautgesetzlich sein (vgl. §91), dagegen ömm ^ emm nicht.
Den Formen xüdv (mhd. künic, kirne) .König' (doch nur noch für den
artenkönig und zum Teil die Bieneakönigin) und xüuuah (mhd. künicUn künglin)
— 73 —
.Kaninchen' in H (außer Hiindw. und Stein) entspricht auf dem übrigen Ge-
biete x'i)yD, xöwjdli] der Wandel von ü > ä muß hier stattgefunden haben, als
der Nasal noch dental gesprochen wurde. Ganz gleich in m'iiix (mhd. münech,
vninch) ,Mönch'.
b) >- ö (entsprechend § 68 c): xöh)l Kübel, xnö2)f9 knüpfen,
löftc lüften; göcl^l Jaucbe, :vöt (mhd. l'üt) Kitt, )i(%s,y nützen, xössi
(mhd. Missen) Kissen, sössJj Schüssel, pössjJi Reisigbündel, gross
(mhd. grüsch) Kleie, xnösta (mhd. kniisten) zerklopfen: //ö^a/ Flügel,
brögi Heuboden (s. Id. V 528), tröxxnd trocknen; fsörnj zürnen;
mit Dehnung tör Türe, Ört9 Ürte, worgd würgen.
ü > ü9 vor X s. § 92.
ü >» iie, ü9 vor r s. § 94.
Dehnung von ö (5) •< ü s. §§ 97 fiP.
Mhd. rt.
§ 71. 1. AuL^er vor und nach Nasal entspricht ihm auf
dem ganzen Gebiete 3, zB. jö ja, ohjr (mhd. aber) schneefrei, gröpQ
(mhd. gräpen) greifen, xJoftjr Klafter, ößod m. Unpat (als Schimpf-
name), 5djr,i Ader, spot spät, ösjr (mhd. dser) Schultasche (siehe
T. 355 a), bl5st Blast, blogä plagen, köJck,) Haken, brDxmondt (mhd.
brächmänet) Juni, hör Haar, ivor wahr, ströl Blitzstrahl.
2. Vor Nasal > 5 in Y M2. > ö in H I Mi, nach Nasal
>- ö in I, sonoJ'j: s. § 95.
Mhd. äne, daräne ,ohne' heißt auf dem ganzen Gebiete öni, drö, in K
vorwiegend üni, drü.
In tsönim (mhd. zam) ,zahm' in H (vgl. § 34) hat auch sekundär ge-
dehntes a den Wandel mitgemacht.
Kürzung s. §§ 106 ff.
§ 72. In der Vertretung von mhd. inlautendem -äw- teilt
sich das Gebiet, indem in H I Mi intervokalisches ir >» b wurde ;
so haben -svir hier bl3b (mhd. bid, -iver) blau (mit Verallgemeinerung
der Inlautform), blobd blau werden, bl3b,:f blau machen, blobali Blau-
meise; grob (mhd. grd, -irer) grau, gröba grau werden, grobäh nach
Schimmel riechen. In V M2 dagegen wird -äw- >- -omv- : blonic,
blömvd, bVoüiVr), bVoüivoli; grou, gröiticj, gronicdh, dazu in K DHg9~
bromvd Augenbraue (auf dem übrigen Gebiete ougdbromm, bezw.
-brömm; vgl. Id. V 1030/1).
^
— 74 —
Uöh, (/röh usw. ist jedoch heute nur noch in I allgemein ge-
bräuchlich, in H und Mi nur noch bei altern Leuten; die Jüngern
sagen Nouw, grDiiw, blöüwj, usw. Nur diese Formen zeigen buw
(mhd. la, -wer) ,lauwarm' und auch pfouw (mhd. pfäive) ,Pfau',
die in V Mg regelrecht lömv, pföuiv lauteii. Das selbe Vokalver-
hältnis bestellt in hnouw : hnouw ,genau' (vgl. Id. IV 879) und
^Jomv : slönw , schlau'.
Mhd. ce,
§ 73. 1. Der Umlaut von « stimmt qualitativ mit dem
Sekundärumlaut überein (vgl. § 47), d. h. er ist ä auf dem Groß-
teil des Gebietes, e in zwei kleinen Randgebieten gegen das Rheintal
hin (Lutz, und uOb.): räbj weiße Rübe, gächr {zu mhd. äder, siehe
Id. I 89) rieischsehne, tcH täte, Jcstät (mhd. stcete) langsam, fdstätd
beim Nähen den Faden festmachen, öfläü(g) unflätig, ätsd ätzen
(bei den Vögeln), rätsol Rätsel, xrätsd f. geflochtener Rücken-
korb (s. Id. III 926), xäs Käse, häss n. (mhd. hceze) Kleid, äss
äße, frässi(g) freßlustig, räss (mhd. r(B£e) scharf, tsäx zähe, gax
(mh^.- grehe) steil, iväx (mh.d.jv(B]ir) schön, gut, räxoh (zu mhd.
rahe) ranzig sein, säxo scheel blicken, säx sähe, hräxt brächte,
swär schwel^, lar leer, mr Schere, xMiri Stärke (zu mhd. Mär, das
in der MA. nur in der Verbindung här xlor i9 ',clas lautere Eis'
vorkommt), xlärs Wäsche "steifen, ßmarj in Übeln Ruf bringen (zu
mhd. näere), ivär wäre, ivärh wahrlich, liäl (mhd. IicbU) schlüpfrig.
äy> e bezw. e vor und nach Nasal im westlichen Teile: s. § 95.
In , mähen, säen, drehen, krähen, wehen, nähen, bäh«i' sind im Ale-
mannischen die j-Formen (mhd. niaejen, saejen, usw.) zu Grunde zu legen.
Doch stand j ursprünglich nur vor folgendem Vokal, nicht zB. in der 3. Sg.
Präs. und im Ptc. Prät. ; auf dem einen Teile unseres Gebietes ist nun jene, auf
dem andern diese Form verallgemeinert. In V M, ferner Her. und mit Schwanken
in Schwellbr. heißt es mäijd, 3. Sg. Präs. mäit, Ptc. kmäit, und entsprechend
bei säiJ9, trnijd, xruijd, %cäiJ9, näijd, häijd, auch kwäiU f. .Schneewehe', mäi-
segas ,Sense', während in I und H (außer Her.) med, met, lernet, häd usw.,
kwätd, mesegds.
2. In den Fällen, wo das umgelautete Wort in psychologischem
Zusammenhange blieb mit dem unumgelauteten Grundworte, wurde
nach dem Wandel von ä^ ö eine neue 5-Form gebildet; wir haben
es also hier nicht mit einem LautAvandel zu tun. ZB. Plurale
— 75 —
sof Schafe, rot Räte, pf'ol' Pfähle, obdd Abende; Diminutive
strossli Sträßchen, lioMi Häkchen, ddsrh Aderchen; Kompara-
tive und Superlative spottdr später, spotst spätest; verbale und
nominale Ableitungen^ sJdfflj schlafen, sl3ffsn(g) schläfrig, hlosald
blasen, hsproxi(g) gesprächig, Mri(g) behaart, sivogjn Schwägerin
(neben swögdr), hmolt Gemälde (neben niöh).
In einigen Fällen herrscht Schwanken; so kommen neben-
einander vor roti(g) und räü(g) ,schlüssig' (zu rötd, rot), hokh ,mit
den Fingern häkeln' in V gegenüber MMj auf dem übrigen Gebiete,
hoMi neben häJckd (s. T. 251).
In I findet sich nöx ,nahe' mit auffälligem Umlaut gegenüber nox auf
dem übrigen Gebiete (vgl. Id. IV 638 und höx § 77).
Kürzung s. §§ 106 ff.
MM. e.
§ 74. Es ist als geschlossenes e erhalten: lerdr Lehrer, xerj
kehren, " hlera (nur in H) (mhd. hUren) weinen, erst erst, er Ehre,
ser (mhd. ser) wund, nie (mhd. me, mer) mehr, e (mhd. e, er)
eher, her in der Verbindung lier möga, se ,Meister werden, sein',
ursprüngUch identisch mit dem Substantiv her (mhd. herre) ,Herr',
das jedoch nur noch bei alten Leuten lebt, am allgemeinsten
noch für ,Pfarrer' (das von Jüngern ausschließlich gebrauchte her
stammt aus der Schriftsprache), sei Seele, e (mhd.' e, ewe) Ehe,
eh(g) ewig, xle Klee, se See, tswe zwei, sne Schnee (vgl. § 89, 1
Anm. 2), sext Wäsche, sexta in der Lauge Avaschen. •
Kürzung s. §§ 106 ff.
Mhd. i.
§ 75. 1. Es ist erhalten als geschlossenes f; xzbd (mhd.
kiben) tadeln, wlh Weib, ibotanna (zu mh. Iwe, ihe) Eibe, stiff steif,
xidd tönen (zu mhd. ez Mt; s. Id. III 150), tttal eitel, frltti(g)
Freitag, rtttdrd f. (mhd. rtter) Sieb, zissli (mhd. ziselin) Zeisig,
tsisti(g) (mhd. sistac) Dienstag, ristd Flachsreiste, rlsd (mhd. rlsen)
herabfallen, hig Beige, stig (mhd. stic) Bretterverschlag, pfll Pfeil,
frtU(g) freilich, fjrd feiern, glrti(g) (mhd. gltic) geizig, limnid
leimen, ximwid keimen, mltid (mhd. steinen) abnehmen, Um(g)
leinen, sl Schein.
— 76 —
2. Außer in K wird es >- e vor im Auslaut geschwundenem
Nasal in sf (mhd. shi) sein, Ixse (mhd. geshi) gewesen, dre (mhd.
dann) darein.
l >► /,> vor X s. § 92.
Diphthongierung s. § 88.
Kürzung s. § 106 ff.
Mhd. ö.
i^ 76. 1. Es ist als geschlossenes ö erhalten: bröd Brot,
hiöd (mhd. (fcnote) oft, srött9 schroten, tösd tosen, amhös (mhd.
anchuz) Amboß, hösivixt Bösewicht, lös (mhd. lose) Mutterschwein,
hlös (mhd. hloz) nur, stössa stoßen, tröMJd (mhd. dröschet) Drossel,
trörd (mhd. frören) fließen, flö(x) Floh, frö froh.
2. Es wird > ö vor Nasal in V M2 : s. § 95. Mhd. ä und ö
sind daher vor Nasal auf dem ganzen Gebiete zusammengefallen,
in H I Ml in ö, in V M2 in 5.
Kürzung s. §§ 106 ff.
Mhd. o?.
§ 77. 1. Es ist als geschlossenes 0 erhalten: hlÖd blöde,
Öd (mhd. (jede) kraftlos (von Speisen), födj töten, notti(g) nötig,
lött» löten, rÖts9 (Hanf) rösten, hos böse, stosd Stößel, lÖS9 lösen,
xrös Gekröse, rösta rösten, trostd trösten, xol (mhd. hoele) Kohl,
froli(g) fröhlich, röra Röhre, störd stören.
Daß der Umlaut in höx ,hoch' auf Einfluß von hoxdr höxi zurückzuführen
sei (vgl. Id. II 976), ist nicht wahrscheinlich, da unumgelauteter Positiv zu
umgelautetem Komparativ bezw. Femininabstraktum das allgemeine Verhältnis
ist. Es liegt eher Verallgemeinerung des Umlautes von den Kasus aus vor,
wo in der Endung ursprünglich ein i stand. Vgl. auch mhd. lenge neben lanc.
Regelmäßigem flöxd ,flüchten, in Sicherheit bringen' und tsöxd ,ködern,
locken' (mhd. vloehen, zoehen) in H I Mi entspricht in V M2 flöüx9, ts'6üX9;
Einfluß von püx9 (mhd. jötichen) ,jagen' ist möglich, zumal umgekehrt in I
für dieses joxd vorkommt (vgl. Id. I 1162; fl5ug9 ist der MA. fremd). Doch
vgl. auch § 89, 4.
2. Es wird >► 3 vor Nasal in Y M2 : s. § 95.
Kü'rzung s. § 106 ff.
Mhd. Tl.
§ 78. 1 . Es ist als geschlossenes fi erhalten : sühar sauber,
süffQ saufen, xrtid Kraut, stüdj Staude, ütfryr (ahd. lUar) Euter,
— 77 —
las Laus, grüsj grausen, ekeln, fjtstlsh (zu mhd. erznsen) ver-
zausen, strüss Strauß, rnssj rauschen, xfwa (zu mhd. l'Hch) hauchen,
stüxd m. (mhd. stäche) ganz feine Leinwand (s. T. 417 a), jüxsa
(mhd. jucliesen) jauchzen, sfd (mhd. snT) Säule, fül faul, sUr sauer,
pur (mhd. gebüre) Bauer, Innj Laune, hrn braun.
2. Der Umlaut ist nicht eingetreten vor m (mit sekundärer
Kürzung) simim^ (mhd. schumen) schäumen, sxnmu säumen, rnmma
räumen, tummli(g) (zu ahd. dümö) m. Daumen (vgl. § 90).
Diphthongierung s. § 88.
Kürzung s. §§ 106 ff'.
Mhd. iu.
§ 79. Es erscheint in allen Fällen als «:
a) als Umlaut von mhd. f<: hüh Beule, xrüts Kreuz, mr
(ahd. sciira) Scheune, hüt Häute, lütto läuten, sniitsj, siiftsJcj (zu
ahd. süftön) seufzen, sühdrd säubern, gnlsi(g) (zu mhd. grasen) ekel-
haft, fiUbruxi(g) (zu hrüxd) viel mangelnd.
b) für ahd. hi (und dessen Umlaut) entsprechend den all-
gemein obd. Verhältnissen (vgl. Braune § 47)
a. vor Labialen und Gutturalen, ausgenommen // (doch vgl.
§ 85); grül)9 f. Griebe, Jfih lieb, tfiif tief, tfifol Teufel (s. u.), tsüg
Zeug, flüg Fliege, in den Inf. (doch vgl. unten) stühj stieben, xlühd
kneifen, klauben, suhj schieben (vgl. T. 400 b), slüffo schlüpfen, fUiga
fliegen, lüg^ lügen, trügd trügen, rüxa rauchen, xriixd kriechen.
ß. vor Dentalen und germ. /*, wenn in der folgenden Silbe ein
i (j) stand (umgelautetes iu): stür (ahd. stiura, Jo-Stamm) Steuer,
tür (ahd. tiuri) teuer, liit (ahd. liuti) Leute, nü (ahd. nimi, flekt.
niuni) neun; mit Kürzung ?'/^Y^' (ahd. dinfisc) deutsch, — oder ein
II : kür (ahd. hiuru) heuer; mit Kürzung hüt (ahd. hiutu) heute.
Auch im Paradigma der Verben der 2. Kl. auf Dental oder
germ. h erscheint ^7 lautgesetzHch im Sg. Präs. Ind. und Imp.*(zB.
ahd. hiiUu, lÜKtis, hiidif, hiut zu hiotan , bieten'), infolge Ausgleichung
iedoch auch in den übrigen Fonneu, so in hütj bieten, südj sieden,
güss9 gießen, süssa schießen, flüssa fließen, hiüssj genießen, pslüssd
beschließen, forlürj verlieren, frura frieren; mit Kürzung flü(h)9
fliehen, tsü(h)j ziehen. '/.
y. in fründ (ahd. friimt) Freund.
— 78 —
c) auch in ffir (ahd. fiur, ftnr) Feuer.
Auf dem Großteil des Gebietes heißt es betont nüd und nüd, unbetont
nüd bezw. M?<rf (m\\di. nimvet, niut) ,nicht' (T. 338 a); dagegen gilt in K und
weniger allgemein auch in Schwellbr., Schön., Hundw. dafür nöd, nöd, indem
die in unbetonter Stellung entwickelte Form nöd verallgemeinert wurde; die
Annahme von Senkung des ü > ö in Starktonstellung wäre nur für das Gebiet
außer K möglich.
Auffallend ist tof9l (ahd. tiuval) , Teufel' in I gegenüber tüfdl auf dem
übrigen Gebiete. Eine lautgesetzliche Erklärung scheint allein möglich durch
Annahme einer Form tünfdl mit eingeschobenem Nasal, die nach § 96 tdf9l
ergeben hätte (vgl. dazu Us § 96). '
Diphthongierung s. § 88.
ü >> üj vor ^ s. § 92.
' Kürzung s. §§ 106 ff.
Mhd. ei.
§ 80. 1. Auf dem ganzen Gebiete erscheint dafür einfache
Länge, auf dem Großteile ä, dagegen in K mit Ausnahme des Ge-
bietes südlich vom Dorfe Ob. (im Dorfe selbst herrscht Schwanken)
ä, zB. tsivä zwei (n.), lad Leid, hrät breit, safräti f. (mhd. schafreite)
Küchenschrank, lät^r<) f. Leiter, rätsa reizen, gäss f. Geiß, gäsh f.
(ahd. geisala) Peitsche, gast Geist, säpfj Seife, gäßr Geifer, sträffd
streifen, ägj eigen, tag Teig, strax Streich, tsäxd Zeichen, Maxt
(ahd. glcih) Gelenk, fäl feil, tald teilen. Die selben Beispiele
gelten für ä.
Vor und nach Nasal erscheint auf einem Teilgebiete dafür
e, bezw. e: s. § 95.
Die Formen hontsd, hndnts» m. {<^heinze; s. Id. II 1477 8) , Holzgestell zum
Heutrocknen' in K (s. T. 273 b) sind aus dem angrenzenden Rheiutal entlehnt.
Auch auf dem f7-Gebiete gelten älf (ahd. einlif) elf, näbd, nähdi% nähds
(xahA.neizican, -ivä, usw.) irgendwo, jemand, etwas (vgl. T. 330a), mänd meinen,
im Ptc. kmänt (mänd, kmänt findet sich nur in Büriswilen in uOb. an der
Grenze gegen Bernegg, während mani ,Meinung' neben mäni auch im übrigen
K vorkommt). T. erwähnt (S. XXXII) auch, daß in Walz, ha ,heim' häufig
sei ; ^ sagt : ,Der Kurzenberger findet das ä nicht wohllautend und nähert sich
hierin immer mehr dem Mittelländer.' In den übrigen Fällen ist jedoch das
ä auf dem erwähnten Gebiete heute noch durchaus bewahrt.
Durch Einfluß der Schriftsprache ist heute der Diphthong bei den
Jüngern allgemein in fleis »Fleisch'; fläs "bezw. fläs hört man nur noch von
altern Leuten, allgemeiner nur noch in Gais. Auch für mästar, mästsr bezw.
mest^r , Meister' brauchen die Jüngern meist die Schriftform; häufiger ist noch
mästdrlös bezw. -u- , wählerisch im Essen', mäst^rs, usw. ,den Meister zeigen'.
— 79 —
Neben nä, bez\y. na, ne ,nein' kommt überall auch tieij (in I neij) vor.
Die von T. (223 a) nur für H bezeugte Form IcleitiCg) herrscht heute bei den
Jüngern auf dem ganzen Gebiete, ebenso tritt lieih{g) immer allgemeiner an
die Stelle von häh(g). T. gibt (314 b) für H auch meiss9 f. (ahd. meissa) jReff
an; in I gilt dafür mcss9, nach T. auch in M Stein. Ausschließlich gilt
heute reis9 ,reisen', reis , Reise' (doch in K noch rässakx ,Reisesack'), ferner
beid (m. f.), beidi (n.) ,beide' ; erst aus der Schriftsprache in die MA. gedrungen
sind xreis .Kreis' (echt mundartlich ist dafür in allen Bedeutungen riuu ,Ring'),
hxeissr ,Kaiser', xleid , Kleid' (mundartlich häss, hcand; doch s. die Form
xlädh bei T. 220 b), smeLxld , schmeicheln', tseixna im nhd. Sinne (dagegen »n
homm ätsäjcnd ,mit einem Zeichen Ctsd-xdJ versehen'), tsweit zweit (vgl. Kluge
441), fortsmeisd ,wegschmeißen', auch mit Rundung, wie in Mü^h , heischen'
(s. § 91); entlehnt sind auch heildcsl f-kx-J .heikel' (vgl. Id. II 1118; Kluge 168)
und fdsleikk? (nach T. 187 a in M) ,ver3chleppen', ferner leid in der Bedeutung
,übel, häßlich' (s. T. 297 a).
Über aualogischen Umlaut auf dem f7-Gebiete s. § 90.
Kürzung von ä bezw. ä s. §§ 107 flf.
2. Nur im Hiatus ist der Diphthong lautgesetzlich erhalten, und
zAvar sprechen ältere Leute auf dem ganzen Gebiete ül, während
bei den Jüngern ei weitaus häufiger ist: eipr Eier (heute auch
im Sg., nur selten brauchen alte Leute noch a für den Sg. und
den PI.), Dim. eißrh (nur selten noch all)-, tsiveip Dat. zu tswa
zwei, tsiceijjr n^. 2 Deziliter, fsiceißrhij zweierlei; »leijj (mhd. meie)
Mai; heijj (mhd. heie) Rammblock, Ramme in K (T. 279), dazu das
Verb heija rammen; leij (mhd. hi(e)) Art, h}ji(g) artig, dienlich
(vgl. dazu Kluge 243).
Gegenüber räij,), reip (mhd. reie) , Reihe' in H, ferner zerstreut
in Brüll., Grub, Reute, erscheint auf dem übrigen Gebiete mit
Langdiphthong räija, auch xihräip ,Kuhreihen' (vgl. Id^ VI 1/5).
Die Aussprache ä für ,ei' gilt als besonSere Eigentümlichkeit des Appen-
zellers. Sie ist jedoch nicht ganz beschränkt auf unser Gebiet, sondern setzt
sich westlich von H im Toggenburg fort und ^ödet sich wenigstens vor l und
erhaltenem Nasal auch in Gams (wo es heißt täh, mänd, aber bräit, häissd,
usw.). Schon der Dichter der , Badenfahrt guter Gesellen' vom Jahre 1526
charakterisiert die Redeweise des auftretenden Appenzellers durch an für
,ein', wäss für ,weiß', auch ^chäss (mhd. scheiz); s. Bächtold, ,Niklaus Manuel'
S. 408 und vgl. dazu die Einleitung CCXIV.
Das Appenzeller Landbuch aus dem XV./XVI. Jahrhundert hat fast aus-
nahmslos ,ai' als umgekehrte Schreibung für etymologisches ä, sogar häutig
für kurz ä, zB. ,wair, gaib, saich, kaim, schwairlich, naichst, aimpt (Emd),
hindersaiß, schmaichen' und ,schaitzen, schaidigen, taiglich, baisinen (bäsdna
,Basen'), naichten' (also gleich wie ,ain, gaist, schwaiß, mainung, zwaintzig', usw'.).
— 80 —
Mhd. ei <^ agL
§ 81. Ganz entsprechend der Vertretung von altem e/ mit
der gleichen Gebietsverteilung ist diejenige von matl, mäth : niätl,
motu bezw. -e-, in Imedl, nicilli ,Mädchen' (vgl. T. 309 a. 312 b).
Dagegen fehlt die «-Form für die 2. und 3. Sg. und das
Ptc. Prät. von , sagen, tragen, legen': der Diphthong ist hier auf
dem ganzen Gebiete von K und dazu noch in Grub, Reh. bewahrt
und zwar als ei in Reh., Grub, Heid., als ei auf dem übrigen
Teile von K (bei den Jüngern dringt auch hier ei ein), also seist,
seid, Ixseiä, freist, treid, treid, leist, leid, Meid. Auf dem übrigen
Gebiete (also H I M und Wald) gilt, ^vie für altes ei, ausschließlich
ä, also säst, sad, ksäd, usw.
Vgl. zu diesen Verhältnissen H. Fischer , Geographie der schwäbischen
Mundart' S. 46 ff. und Zwierzina in ZfdA. 44, S. 345 ff.
In , Eidechse' (ahd. egiilehsa) ist der erste Teil volksetymologisch um-
geformt (s. T. 261 a).
Mhd. Oll.
§ 82. 1. Es ist als Diphthong erhalten, auf dem Großteil
des Gebietes als dh, in K außer Heid. als oii (Avofür jedoch bei
den Jüngern immer mehr du eindringt): bab Laub, tjuh (mhd.
toup) erzürnt, xouffd kaufen, touffj taufen, huffcf laufen, ätroiiff n.
,vohi Dache fließendes Regen wasser' (T. 16 b), slouffd f. (mhd.
sloufe) Schlinge, oug Auge, ouksts Augustmonat, lougj Lauge,
soug,) säugen, roux Rauch, <jonx Blattwanze, frouio Frau, ouw f.
(mhd. outve) in I H Mutterschaf, fürsduw Feuerpolizei, homva hauen.
Siehe auch § 72.
Auf ahd. inlautendes aw (>> omc) geht der Diphthong zurück
in romv ,roh' (ahd. rö, flekt. rawer), und strouw in H I Mi , Stroh'
(ahd. strö. Gen. straives), indem der Nominativ nach den flektierten
Fonnen ausgeglichen wurde. In strö in M2 V ist die Auslautsform
des Nominativs bewahrt. Vgl. Braune § 114, Anm. 3.
2. Wandel >► ö, 5 (bezw. 0, o). In Wolfh. und Walz, ist der
Übergang in ö häufig in den angeführten Fällen vor Labial und
Guttural, also töh, xöffd, söga, usw., weiter herum in K in höhdtd
(zu mhd. houbet) Kopfende des Bettes, und in K allgemein in ö
,auch' gegenüber ouw auf dem übrigen Gebiete.
— 81 —
In K gilt auch Kxlös, Samikxlös St. Nikiaus (vgl. T. 105/6), kxlösd als
St. Nikiausmaske herumziehen, während auf dem übrigen Gebiete xhus, usw.
Auch bös^r in M (nach T. 72 a) , abgeschnittener Federschweif geht wahr-
scheinlich auf housar zurück (s. Id. IV 1736).
Auf dem ganzen Gebiete erscheint o in globa glauben, glohd m.
Glauben, drlobd erlauben; dagegen nur in V in phoptd behaupten,
hoptdtd und lioppatd (= höbdtd), liopt in der Bedeutung ,Stück Vieh'
(s. T. 258 b), gegenüber phouttd in H I M, houttdta in I, hont oder
houd in H I M. In M wdrd heute zum Teil unterschieden zwischen
phoptd im nhd. Sinne und phoutta bewältigen, bemeistern mögen
(vgl. Id. II 1500).
Vor m erscheint außer in H einfache Länge, und zwar (vgl.
§ 95) ö in I Ml, 5 in Ms V; so in romm (mhd. roum) Rahm, ah-
römma (die Milch) entrahmen; somm Saum (genähter Rand), sömnid
säumen; s5)m)i (jetzt fast ausgestorben) ein Hohlmaß (vgl. T. 425a);
gömmd (mhd. goumen) das Haus hüten.
Auf dem ganzen Gebiete erscheint o in tromm Traum, trommd
träumen; homm Baum, auch Sai-g, homma Särge machen; dagegen
nur in H auch in ramm, abromma; samm, somma; gamma.
Mild. all.
§ 83. Die Vertretung entspricht vollständig derjenigen von
mhd. OH. Wie die dort angeführten Beispiele zeigen, ist der Umlaut
unterblieben vor den Labialen iv, f, h, m, vor Guttural in soiigd.
Wo in diesen Fällen dennoch Umlaut erscheint, ist er analogisch
eingetreten. Beispiele: läühli, bezw. -öü-, -Ö- (mhd. louhelhi) Abtritt,
fatäüha (zu mhd. ertouhen) erzürnen, xöüffar Käufer, träüffara (zu
mhd. troufen) beim Trinken tropfen, MoüffKg) geläufig, öüga (mhd.
öligen) von Kühen, die am Scheidevorfall leiden, e-äiig (ahd. einougi)
einäugig, roiLca räuchern, zB. Fleisch, jäüxa jagen (in I jöxa; vgl.
§ 77), göükkalt Ausgußschnabel an Gefäßen, in H dafür tsöüTdi (zu
mhd. souke); dann sömmla, bezw. -3-, -ä- (s. § 82, 2) säumen, itf-
homma aufblähen (s. T. 430 b).
Auf ahd. ew (durch Umlaut aus aw) geht der Diphthong
zurück in fröüd (ahd. freivida) Freude, löihvana (ahd. lewina) Lawine,
auch Jäüic (ahd. leivo) Löwe; in häiiw ,Heu' und gäiiiv ,Gegend'
(s. T. 215 b) hegt der Nom. ahd. hewi, geivi zu Grunde, und fröiiiva
freuen, ströüiva streuen (wozu sträüivi f. Stroh zum Streuen), tröüiva
Vetsch, Appenzeller Mundarten. Ö
— 82 —
drohen, höüivd heuen, töüwd (I) ,verdauen, spez. wiederkäuen, von
Kühen' beruhen auf Übertragung der in der 2. und 3. Sg. Präs.
(ahd. j'renis, frcicif) entwickelten Form.
Übergang in Ö hegt vor in xröl (ahd. hrewü) ,Karst', xrÖld
,kratzen' in V gegenüber xröül, xröUlf) auf dem übrigen Gebiete,
ferner in nöra (<C *nöinceren s. Id. IV 880) , schlummern' in K.
§ 84. Die Diphthonge oi, iii kommen nur in Ausrufen vor:
Jioij! auch Iwi du! Zuruf an eine Person; in I Ji-ois ta ta ta! Jioi
tsotsotso! Lockruf an die Ziegen. Dann Juäj! jnhuij! als Freuden-
ruf, Ä^<^;9 jauchzen, usw. (s. T. 279 a), huilm m. lustiger Kerl ; auch
im Imij im Nu. ^
Mhd. ie.
§ 85. 1. erhalten als Diphthong. .'Es entspricht ahd. io
« germ. eii) vor Dental und germ. h, wenn in der folgenden
Silbe ein a, e, o stand (vgl. § 79) : sti9r Stier, üdr Tier, Ihd Lied,
ridd Riet, nidttd nieten (vgl. Id. IV 851), nihs Moos, grids Gries,
dhnd dienen, didnst Dienst, Ihxt Licht, wohl auch in hid(n)st
Biestmilch (vgl. Kluge 43), in rhstdr n. in K, sonst lidstdro f.
Schuhflick (vgl. Kluge 317), und in pidr Bier.
Entgegen der Regel (s. § 79 b) zeigen ie « germ. eu) vor Labial und Gut-
tural sidhsr Schieber (am Kamin); lidh lieb (über das Verhältnis zu lüh s.
T.299a), lidU Liebe, Uidh9 gefallen (T.224a); ridmmd Riemen (vgl. Id. VI 908);
sidx ,Siech' (als Fluch). Es handelt sich in diesen Fällen wohl um nicht
autochthone Formen. Doch vgl. Wilmanns I § 184, auch Schatz, Die Mundart
von Imst S. 65.
Aus urdeutschem e ent\\ackelt (vgl. Braune § 35/6, Wilmanns I
§ 189) ist der Diphthong in mrd Salzlecke (s. T. 318 b, wo noch
die veraltete Bedeutung Gabe, Geschenk); sidr schier; hi,)r hier,
doch nur vorkommend in hldri(g) m. ein echter Appenzellertanz ;
xhholfs Kienholz; xri9g Krieg; iviogd Wiege (vgl. Id. VI 69, Anm. zu
,Rieb'); dann in den Lehnwörtern tsidgol Ziegel, spidgol Spiegel, hrhf
Brief, t^ohor Fieber, xrlm Kirsche (vgl. Kluge 206/7, Id. III 480).
Der Diphthong findet sich ferner in -vr/y (ahd. hivio) Avie;
nid (ahd. neo, n/o) nie, nijuj (ahd. nioner) nirgends, nidtnmdrt (ahd.
niotnan) niemand, ferner in flrr vier (ahd. f'ior, got. fidivör).
Unsicher sind si^kka (zu mhd. schiec) schief gehen, sprionts f.
Kokette (T. 381a), ätridh herumstreifen, 5«3?r; (Walz.) Haarschuppen
— 83 —
(zu fnhd. schiel abgesprungenes oder abgerissenes Stück, Splitter).
siB)'f) f., ls-sij)\) , Stein-, Eisscliiefer' in K geht wohl auf mhd.
schivere zurück.
2. in K >* e vor Nasal: lie n. hölzernes Tragband eines
Eimers (vgl. ,Hienen' Id. II 1363/4), lixeliolts Kienholz, reniuh)
Riemen. Bei den Jüngern dringt auch hier immer häufiger id
ein, und nur noch von ganz alten Leuten kann man hören nend
, nirgends' und nei)n)idrt , niemand'. Allgemein in K heißt es da-
gegen clidna dienen, äiMst Dienst (vgl. § 107).
Mhd. 110.
§ 86. . 1. Es ist erhalten als Diphthong: xiid Kuh, ru.ih^
ruhen, Uiummj Blume, liijg.) (mhd. liiogcn) schauen, fu,)(i f. Fuge,
fludxxj fluchen, Uiod Blut, fudchr Fuder, rnnjchr (mhd. muoder)
Mieder, frudtti{g) (mhd. vrnotlc) frisch, munter, gnuts Gruß, iiiios
Mus, tni,)SSd f. (zu mhd. dnios) Drüseiiverhärtung am Hals, gru.md
grün werden, tnj tun, spioh spulen, xioh kühl werden, f )(())%)
(ahd. ftiorön) nähren, nahrhaft sein, /ni,)r (mhd. inior) Damm im
Wasser. ••
Der Umlaut ist unterblieben vor x <C germ. k in sujxxj suchen.
Kürzung s. §§ 107 ff.
2. in K >> 5 vor Nasal: grönj grünen, fö tun; hlömnu ,Blume',
heute allgemeiner nur noch in JiöühlöDinij ,Abfall beim Aufschütten
des Heus im Stalle', während für das einfache Wort meist hliummd
gesagt wird. '
Mhd. üe.
§ 87. 1. als Diphthong erhalten: (rii) früh, hrüa Brühe, üdhd
üben, rihhi(g) ruhig, triioh trübe, riunDiu rühmen, rüjffc) rufen,
miic)d müde, hlH,)ü^ bluten, hiiatsj nähen, pmihs Gemüse, siloss süß,
ivüctst (mhd. ivüeste) häßlich, nibxtjr nüchtern, grüj grün, Jmdli
Hühnchen, spn,)h spülen, xüjJ kühl, ri'tjr,) rühren.
Auf den gleichen Gebieten wie bei ,mähen', usw. § 73 stehen sich gegen-
über und analog zu erklären sind hlüdija, blüait, plüdit blühen, blüht, geblüht,
und blüd, hlüat, ptüdt, und entsprechend hrüaijd brühen : hrüa; trüdija ge-
deihen, zunehmen : trüa; glüdijd glühen : glüa.
mösa neben ina^sa (mhd. müezen) ,müssen' ist die in unbetonter Stellung
entwickelte und dann verallgemeinerte Form.
Kürzung s. § 108.
— 84 —
2. in K >- 5 vor Nasal : gr3 grün, MU Hühnclien. Nur nocli
in Ob. bei alten Leuten (und die Oberegger werden damit ver-
spottet) kann man hören rminu rühmen.
Zusammenfassende Darstellungen.
a^ Qualitative Erscheinungen.
Diplithongieruug.
§ 88. Hiatusdiphthongierung von i, ü, ü ist eingetreten
in I M V, dagegen unterblieben in H. Die neuen Diphthonge
<; ü, n fallen mit den alten Diphthongen (§§ 82. 83) zusammen^
d. h. es gilt DU, öii in I M Vi Heid. und eindringend bei den Jüngern
in ganz K, ou, öii in K außer Heid. Der neue Diphthong <; ?
ist entsprechend dort ei, hier ei, also verschieden vom alten ,ei'
im Hiatus, wo dafür äi gesprochen wird (vgl. § 80). In H ist
die Länge im Hiatus nicht immer voll bewahrt; bei schnellerm
Sprechen kann sie so reduziert sein, daß der Laut mit dem fol-
genden d einem unechten Diphthong (ij, uj, üj) gleichkommt.
Beispiele: meijj bezw. sneip, snl) schneien; kxeiß usw.
(mhd. (jelncn) fallen, verdrießen (T. 98 b), dazu kxeiß(g), in H
khidng verdrießlich, unangenehm; xeiß tönen (s. Id. HI 149/50);
tsiveip (mhd. zwien) pfropfen ; freipr (Kompar. zu mhH. vn) besser
(vgl. T. 205 a), dazu das Verb freij^rs besser werden ; n•eij^>• Weiher,
dreijdr Dreideziliter (in H schwindet häufig in diesen Fällen vor
r das d fast ganz, und man hört beinahe nur ein gedehntes i)\
seip {mM. schie) Hagbrettchen (T. 384 a); heijjb leicht .schneien
(zu mhd. hie Biene), doch nur im Kinderreim 9S sneijdht, ds peijdht
usw. (s. Id. IV 911); höudfeiph (M), -floh Goldlack (zu mhd. viole);
Teips, Tvjs Matthias; Meips (M), Mus Jeremias; Leips Elias;
BeipU (K) Tobias (T. 41a); Mareipli (auch Mareih), Märtdh, in
I Meiplb Dim. zu Marie (I Meip, sonst Märeij oder neuer Märt),
äfemareip (I), hoßmeip (K) der englische Gruß (s. T. 271b).
homct, bezw. homcj, hm bauen, ferner ,Kot lassen, von Kühen'
(vgl. u.); tromcD trauen; souica PI. (zu mhd. su) Schwein, fdsomva
beschmutzen.
xöiiivj, bezw. xöüivd, xih (mhd. kiuicen) kauen; röicwj reuen;
Uöiiivd (mhd. hlimven) nachlässig kauen, dazu hlöüwjr m. Garnmaß.
— 85 —
(T. 56 b; Id. V 253); xnöüivj (mhd. Jiniuiccu) knieen, xnöüicig (I M)
knietief (vom Schnee); nöi'ucj vom Monde, zu wachsen anfangen
(nach dem Neumond), nöilwo neuer (Adj.); tröüicj treuer; öüivar
euer; spröüior (PI. zu mhd. sjiriu) Spreu,
Dazu kommen auf einem Teile des Gebietes noch einige Fälle, in denen
Hiatus entstand durch Schwund von germ. h (vgl. § 108): in I M seija f. (mhd.
sihe) Milchsieb, seija (die Milch) sieben, iweija einweihen, fätseija verzeihen,
gegenüber si9 bezw. sia usw. in H, si(h)a usw. in V; in I auch tseijd (wohl
zu mhd. sihen) schloßen, leicht hageln, gegenüber sia in H.
In I noch fast allgemein, in M veraltet ist bäppeij9r Papier, gegenüber
bäppir oder häppiar auf dem übrigen Gebiete. Diese weit verbreitete Diph-
thongierung geht auf die Form häpp'iar zurück: vgl. Id. IV 1416, Kluge 291.
In den angeführten Verben ist der diphthongierte Vokal durch
das ganze Paradigma durchgeführt; zB. sneit schneit, ksneit ge-
schneit. Gleichfalls durch Ausgleichung nach daneben stehenden
Formen mit Hiatus (Flexionsformen, Komparativ, Ableitungen) er-
klärt sich der Diphthong im Auslaut in frei] frei, dre/J drei,
Ueij n. Blei (vgl. mhd. Uien Verb, Uiin Adj.), tsiceij m. (mhd.
mvi) Zweig, A'^'e/y m. Verdrießlichkeit (vgl. Id. II 1100) ; sdkiv Sau,
hoKiv (m.) Mist; xnöüic (mhd. linhi) Knie, öüiv ,euch'; ebenso (vgl.
Anm. 1) Tikceij f. (mhd. (jesnie) Schwägerin, seij (mhd. sie) sei,
tröüw (mhd. trimve) treu, nö'dw (mhd. niuice) neu Adj. und nöiiiv n.
Neumond. Gleich erklärt sich der Diphthong in xmido knieen
(vgl. unten), plöüh (V) m. Garnmaß (s. Id. V 253), nöüirässa (mhd.
niuwewaschen) frisch gewaschen, nöübaxxd frisch gebacken, nöüjör
Neujahr. Dagegen ist in frlh freilich, trfih (mhd. trimveliehe) treu-
lich (vgl. § 31, 4), drissk dreißig (zur Kürzung vgl. § 109) die
Ausgleichung auf dem ganzen Gebiete, in hidös ,baufällig', auch
in veraltendem huhcrr, huniäsf.tr , Bauherr, Baumeister', in V unter-
blieben. Nur in K kommt vor dre'dsehs , dreizehn', gegenüber
sonstigem dritsed (mit Kürzung). Zu mhd. h'ij f. ,Biene' kennt
die MA. nur das Dim. Mi (vgl. T. 284 b und Id. IV 909/10).
In einigen der angeführten Fälle ist jedoch auf einem Teile
des diphthongierenden Gebietes die lautgesetzliche Auslaut-
form erhalten, nämlich in ganz V mit Ausnahme der westlichen
Teile von Wald und Reh. in <^;-^7 drei (n.), xnü bezw. Jixnü Knie
(Sg. und PI.) — auf dem selben Gebiete kommt für ,knieen' nur
lixnidd vor — und in sü, meist mit Kürzung su (vgl. § 106) Sau
— 86 —
(dagegen im PI. durcliaus sokivj), in K außer oOb. auch in nfi n.
Neumond (dagegen nöüw Adj., nöiiicd wachsen, vom Monde).
Auf einem andern Teile des diphthongierenden Gebietes zeigen
auch noch einige isolierte und unflektierte Wörter den Diph-
thong im Auslaut (vgl. dazu Anm. 1): In I M und teilweise
in Wald beij bei, foaheij vorbei, chheij dabei, auch heispll Beispiel,
heisäss Beisasse (T. 41a), gegenüber hi bezw. hi auf dem übrigen
Gebiete (vgl. § 106). In I Mi s'öüw als betonte Form des Nom.
und Acc. PI. des geschlechtlichen Pron. (mhd. sia, urspr. n.) ,sie',
auf dem übrigen Gebiete sü bezw. sü. In I und teilweise auch
in M gleij ,gleich', in den Wendungen das sidd nüts nie gleij!
,das hat keine Art mehr!' s sidd dm gleij! ,das entspricht seinem
Charakter', in I auch sil sidnt idnanli Ideij (neben Mix) ,sie ähneln
einander', und gleigöltig neben glfxköUig , gleichgültig', dagegen
gllltg ,gleichartig' ; in H gilt in diesen Fällen glt, in V und vor-
"sviegend auch in M ghx; in den übrigen Anwendungen des Adverbs
und im Adj. kommt auf dem ganzen Gebiete nur gllx vor.
Anm. 1. Wrede ,Die Entstehung der nbd. Diphthonge' (ZfdA. 39, 257 ff.)
erblickt in der Synkope und Apokope der Ableitungs- und Flexions-e die
Ursache der Zweigipfligkeit der Längen und damit der Diphthongierung; er
dehnt diese Auffassung S. 273 f. ausdrücklich auch auf die Mundarten aus,
die nur ,Hiatusdiphthongierung' haben, und lehnt Kräuters Annahme (ZfdA. 21,
258 ff.) ab, daß die schweizerisch-elsässischen ei, ou, öü aus den Hiatusformen
-ij-, -uu-, -i'ac- mit Gleitlaut entstanden seien. Die Verhältnisse in unserer
MA. sprechen jedoch eher für letztere Erklärung. Die Beispiele und Formen,
in denen heute noch Hiatus vorliegt, sind viel zahlreicher als diejenigen, die
durch Apokope einsilbig wurden, und analogische Ausgleichung der letztern
nach den erstem ist wahrscheinlicher als umgekehrt (vgl. dazu Wrede S. 274 o.).
In den Paradigmen von bkij n., tsiceij n., bouiv m., xnjihc n. und n'jihc n.
war allerdings nach der e-Apokope, die älter ist als die Diphthongierung, nur
noch der Dat. PI. oder gar keine Hiatusform mehr vorhanden; doch stehen da-
neben zweisilbige Ableitungen mit Hiatus. Direkt gegen einen ursächlichen Zu-
sammenhang zwischen Diphthongierung und e-Apokope bezw. -Synkope sprechen
aber die Fälle nü n. (mhd. daz nimce), trfili (mhd. triwceUche), auch hih (zu
mhd. hie) auf diphthongierendem Gebiete, in denen man sonst unbedingt den
Diphthong erwarten sollte, da analogische Einwirkung auch nur nach dieser
Richtung vorhanden war; ungezwungen erklärt sich aber nü als bewahrte
Auslautform, während in nMttv Adj. die flektierten Formen einwirkten (das
Nebeneinander von nfl n. und njinv Adj. findet sich auch im angrenzenden
Fürstenlande, Rheintal und Thurgau).
In den Fällen beij, söiiiv kann der Diphthong vor vokalisch anlautenden
Wörtern (namentlich enklitischen Pronomen, Konjunktionen) im Hiatus ein-
— .87 —
getreten sein, welche Mögliclikeit übrigens auch für obiges bleij, xn'jüiv, usw.
besteht (vgl. Behaghel S. 701). Doch ist nicht ausgeschlossen, daß sich der
Diphthong hier in der häufigen Stellung vor Pause unter starker Betonung,
wo zweigipfliger Akzent herrschte (vgl. § 35), aus -ij, -ihv entwickelte, zumal
in gkij, das nur in dieser Stellung vorkommt.
Anm. 2. T. bemerkt S. XXIX, daß man in Gonten und Haslen, also in
dem an H grenzenden Teile von I, sage bil^, trfo, nü, sü, im Gegensatz zum
übrigen I, und er gibt im Wörterbuch für I oft die monophthongischen Formen
an. Von solchen fand ich aber keine Spur mehr, und alte Leute bestritten
mir, daß man früher anders gesagt hätte als heute. Die Hiatusdiphthongierung
reicht heute genau bis zur Grenze von H.
Auch das Fürstenland im Norden von H und das Toggenburg im Westen
haben Hiatusdiphthongierung; die Grenze ist genau die Kantonsgrenze. Allein
eine vollständige Insel mit bewahrten Längen ist das Gebiet von H doch nicht;
vielmehr hängt es mit dem großen Gebiete der nichtdiphthongierenden süd-
schweizerischen Mundarten durch einen schmalen Streifen zusammen, der sich
über Stein im Toggenburg (Neßlau und Alt St. Johann haben diphthongiert)
und Amden zum Walensee hin zieht. Darnach ist die Angabe von P. Schild
im Literaturblatt für germ. und rom. Phil. 1889, 89 (und Behaghel S. 701) zu
berichtigen.
§ 89. 1. e > ei:
a) vor r auiäer in K und Grub, ferner Schön., Schwellbr. und
dem westlichen Teile von Her., wo er gegenübersteht (zur Dehnung
vgl. §§ 100. 104) :- iceh•^ wehren, s/je?/v sperren, fseirj zerren,
teira (mhd. derren) dörren, und so durch das ganze Paradigma, zB.
weift wehrt, luceirt (doch dringt bei diesen Verben heute überall -e-
ein); nur noch alte Leute sagen auch sweird ,schAvören', und nur
noch in deren Erinnerung lebt eira , pflügen', Ptc. Ivär.) gepflügt
(ahd. erien, erren, gi-arau; der Infinitiv ärd, den T. 26a angibt,
ist nach dem Ptc. neu gebildet); apteing f. (H) , Abdörrimg', d.i.
Auszehrung; ivelra f. Gerstenkorn am Auge in H I, in Gais weirh
(sonst iverh); kiveir n. Gewehr (nur selten noch bei alten Leuten);
speirUg m. (auch -e-), in I mit Schwund des r (vgl. § 94) speilig
jZwei oben verbundene Stangen zum Hinauf sjd erren der Wäsche
am Seile' ; herJikeitfjr m. ,auf dem Herde für das Holz gebrauchtes
Hackmesser' (zu mhd. gertel, mit dissimilatorischem Schwund des /*) ;
in I noch mit Schwund des /• eils (ahd. erila) ,Erle' und ferner
der Famihenname Heisi Herschi {HerscJii urkundlich 1392), wozu
Heists JoMdli in dem Appenzeller Ruggußer bei T, 373 a, was
— 88 —
F. Staub in Frommanns Zeitschr. VII 337 mit Unrecht als Hänsi
deutete (vgl. § 96).
Den Formen her n. ,Beere' und herj ,Beeren sammeln' in K
stehen in I gegenüber beir und beirc), auf dem übngen Gebiete
beij9r und beißrd (vgl. Id. IV 1461/2). In M gilt auch xerngeijdrt
(zu mhd. gerfe) Rainweide, Ligustrum vulg. (vgl. Id. II 441).
b) vor andern Dentalen : tseij (ahd. scni) Zähne (Sg. tsä) in H
außer Stein, gegenüber tse auf dem übrigen Gebiete (zur Dehnung
vgl. § 97); eis f. (mhd. esche) Esche in I (vgl. § 98), sonst essd;
greida ,gerade machen', auf dem ganzen Gebiete neben gredd (vgl.
unter c, zur Dehnung § 99). Zu feistdr ,Fenster' vgl. § 96.
c) Über das ganze Gebiet verbreitet findet sich el im Kom-
parativ, Superlativ und Femininabstraktum zu Adjektiven
mit etymologischem a, ä, a, überall neben (zum Teil häufigerm)
e, bezw. 3 (vgl. § 73, 2), ä. Vgl. dazu § 56.
Beispiele: greiddr, greitst, greidi zu gräd gerade; pheibdr,
pheihi ZM phäh gut schHeßend; hweindr zu liwä gewohnt — spelttdr,
speitst, speitti zu spot spät; neixor, neixi zu nox nahe; sweirdr,
sweirst, swein zu sivar schwer; reissdr, reissi zu räss scharf; geixdr,
geixt zu gäx steil; tseixdr, tseixi zu tsäx zähe. — Wenn es heißt
breittdr, breitti zu brät breit, feistar, feisti zu fast feiß, heissdr
zu häss ,heiß', so ist nicht ei entgegen § 80 erhalten, sondern
analogisch ^^-ieder eingetreten. Die selbe Person schwankt häufig
zwischen den beiden Formen mit ä und ei.
Anm. 1. Man kann hier eigentlich nicht von Diphthongierung reden,
da nicht anzunehmen ist, daß e zuerst zur reinen Länge e gedehnt worden
und dann erst in die beiden Diphthongkomponenten zerfallen sei (etymo-
logisches e ist, auch vor r, durchaus bewahrt; vgl. § 74 und unten Anm. 2);
sondern das i stellte sich anstatt einfacher Dehnung ein als Übergangslaut
von der Artikulation des e zu der palatalern Zungenstellung eines folgenden
Dentals (vgl. Sievers § 488). In allen Beispielen unter a und b handelt es
sich um Primärumlaut-e, und es fragt sich für die Fälle vor r, ob nicht auch
Epenthese in Betracht kommt (vgl. Sievers §§ 809/10). Vgl. dazu Id. I 404
(Anm, zu eren). Unter c hat sich der Diphthong analogisch über das ihm
nach dem Gesagten lautgesetzlich zukommende Gebiet hinaus verbreitet.
Anm. 2. sneij (mhd. sne) ,Schnee* in I, auch in sneisletts , Schneepflug',
beruht auf Analogie zu sneijd ,schneien'.
2. -ol, -öl > Diti, öiH in I H2 Ml. Am allgemeinsten ist
der Wandel bewahrt in I; in H2 und Mi finden .sich nur noch
vereinzelte Beispiele bei altern Leuten, am ehesten noch woiil
— 89 —
,wohl' (vgl. §§ 34. 65), besonders (bei den Jüngern noch scherz-
haft) leh ivdul! ,lebe wohl!', auch icDulpment ,hochmütig', wöülar
,woliler' und Superl. wüülst; moul f. (mhd. mol m.) ,Molch' (vgl.
T. 321b); xoidsivarts ,kohlschwarz'; allgemein ist Soul Name des
Berges ,Soll' an der Grenze von I gegen Bühl. Auch in I fast
nur noch von altern Leuten hört man xoul (mhd. hol) ,Kohle'
(verdrängt durch das auf dem übrigen Gebiete herrschende xöld),
xonibremidr Kohlenbrenner, Köhler; houl hohl, höüii f. Höhle; tsoul
Zoll (Maß), tsDulstäb Zollstecken: öiil Ol, öül-lhxth Ollichtchen;
xöülts (mhd. kölsch) kölnisch Tuch.
Die physiologische Ursache dieses Wandels liegt in der diesem Gebiete
eigentümlichen Artikulation des t (s. § 18).
Gegenüber (jöh , sonderbar, seltsam' (s. T. 216 a) und hröh
,brüllen von Vieh, weinen von Kindern' in K gelten auf dem
ganzen übrigen Gebiete die Nebenformen gDuli(g), hnüh, die auch
noch Aveiter herum vorkommen (vgl. Id. II 216. V 584).
3. Eine ganz vereinzelte und auffallende Erscheinung ist der
Diphthong in dem in I heute noch übhchen göüfti ,Pate', gegen-
über göffi, auf dem übrigen Gebiete (vgl. § 66).
4. Nebenformen mit Diphthong liegen auch vor in gouppd , spielen, von
der Katze' und göüppiss (s. T. 229 a) in V Mi (schwankend in M2), gegenüber
göppd, göppiss in H I (vgl. Id. II 388); ferner in K höukkd ,gaffen' (vgl. T. 38 a;
Id. IV 1085), dazu in Walz, pöiikkd m. ,ein Vorbau' (T. 38 a); in H böükkd f.
, verdickter Nasenschleim' (vgl. T. 69b; Id. IV 1083); vielleicht auch in bröükksri
,stiersüchtige Kuh' (T. 75 a; Id. V 529). Zu floiixa, tsoilva vgl. § 77.
Vgl. auch: l >* id, i >» is, ü > üd, m > üa §§ 92. 94, u >> to,
e>i9 ^ 94, 0 > ue §§ 65. 94.
Umlaut.
§ 90. Von der analogischen Ausbreitung des Umlautes inner-
halb der in den §§ 50/58 aufgeführten Bildungskategorien werden
sämtliche umlautfähigen Vokale betroffen. Der Umlaut von a
mußte der Übersicht über die Verteilung der beiden Umlautquali-
täten zuliebe für sich behandelt werden.
1. Plurale (vgl. § 53).
Alte i-Stämme (bezw. in die /-Deklination übergetretene alte
u- oder konsonantische Stämme) mit lautgesetzlichem Umlaut
im Plural sind zB. die Mask. log Lügen, ivörff Würfe, icörm Würmer,
— 90 —
füass Füße, die Fem. Jitlt Häute, hls Läuse, mfis Mäuse, auch xü9
Kühe. An alogischen Umlaut weisen dagegen auf die a-Stämme:
trog Tröge, nkx Röcke, tvölf Wölfe, hömm Bäume, stüol Stühle,
l)süjx Besuche, fö(jd Vögel, usw., die meisten alten schwachen
Mask. : hSkJcd Haken, böga Bogen, brönnd Brunnen, glöba Glaubens-
bekenntnisse, usw. ; auch die Verwandtschaftsnamen, zB. hrÜ3ddr(d)
Brüder (brihchr gilt auch im Sg.; vgl. Id. V 418/6), töxtdra Töchter
(töxtdr im Sg.; besser mundartlich jedoch niatdl, vgl. T. 312b und
Id. IV 77). Ausnahmslos haben Umlaut die neutralen Plurale auf
-c?r, zB. tromnidr Fäden, die ein zähflüssiger Körper zieht (zum Sg.
trömm), löxxor Löcher, töbhr (zum Sg. tobal) Schluchten, hösügdr
(zum Sg. hösti) Hochzeiten, nttjror (zum Sg. ütt9r) Euter.
2. Diminutiva.
Unsere Mundart besitzt eine große Vorliebe für die Ver-
kleinerung; an Mitteln zum Ausdruck derselben ist sie jedoch
nicht so reich wie zB. südschweizerische Mundarten. Eigentliches
Diminutivsufl&x ist einzig -li (ahd. -Im); -dli findet sich nur in
einigen unumgelauteten Beispielen (s. u.).
Die Regel ist durchaus, daß die umlautfähigen Stammvokale
in der Verkleinerung umgelautet werden. Es sollen im Folgenden
die Fälle aufgeführt werden, in denen das nicht geschieht, oder
wo beides nebeneinander vorkommt.
Nur in der Sprache der Kinder und der Erwachsenen, wenn
sie mit Kindern sprechen und ihre Ausdrucksweise der kindlichen
anpassen (vgl. E. Odermatt, ,Die Deminution in der Nidwaldner
Mundart' S. 28) kommen vor : lianddi Händchen (sonst händh),
DngoU Äuglein (sonst öüglt), bröttdi Brot, wassjrlt Wasser, mammdU
Getränk, dann Bezeichnung des Saugfläschchens (vgl. T. 310 b;
Id. IV 225; mämniaU in K für die Läppchen am Halse der Ziegen),
gudt'di Naschwerk (T. 245a; zum Adj. gud ,gut' gebildet; vgl.
mänidh in der Kindersprache für ,warm' bei T. 310 b); batsdli,
auch rappdli Geldstück, JöbdU oder böbdU Kuh (vgl. T. 301 b),
hottöli Pferd, dodoU Hündchen, gitssiidli (nach T. 222 b in M H)
Ziege, satsdi Schätzchen (sonst säfsU Liebchen), äli Liebkosung
(vgl. T. 2 a), in I bübdi Kuß.
Dem allgemeinen Sprachgebrauche gehören an: moftaU
(nach T. 320 a in H, in I dagegen möttdi) hölzernes Eßnäpfchen
— 91 —
der Hirten (das Grundwort fehlt der Mundart; vgl. Id. IV 577);
xrusdlb (meist PL, neben xrüsjlt) gekräuselte Haare (vgl. T. 122 b,
Id. III 862); hoklidli (zu hokhjJ) gekrümmter Rücken, Höcker (da-
gegen böMdc irgend eine kleine rundliche Anschwellung, selten auch
in der ersten Bedeutung), dann auch Bezeichnung des mit einem
Höcker Behafteten (in dieser Bedeutung neben n. auch m.); liäntaU
(meist PI.) nach T. 256 b weißer Stoisärmel vom Ellbogen bis an die
Finger, heute Halbhandschuhe, welche die Finger unbedeckt lassen
(vgl. Id. II 1400); manndlt kleiner Mann, auch Männchen von Tieren
und in der Redensart s manndh maxxj (vgl. Id. IV 243/4), die
umgelautete Form ist nicht gebräuchlich; piirli etwas verächtlich
für einen Kleinbauern, Schuldenbauern (s. T. 87/8), dagegen pürU
kleines rundes Brötchen zu 5 Rappen (vgl. Id. IV 1515/6); hudbli,
(nach T. 86 a) in M K budhdrU (zu budh) etwas verächtlich von
einem im Wachstum zurückgebliebenen Knaben, in der Kinder-
sprache hudbdi (sonst hüdhli.; s. T.); />3S5/f {zu j)DSs) kleiner Bursche
(vgl. Id. IV 1730/3), dagegen (nur Dim. und meist PL) jmsli. Über-
strümpfe (vgl. Id. IV 1735); xalhdi (zu xnlb(.))l) f.) junges Rind
während der ersten und bis zur zweiten Trächtigkeit, dagegen
xälbü (zu xalb) Junges des Rindviehes in der ersten Lebenszeit
(vgl. T. 92 b); hiissh (in I büsjh) gleichbedeutend mit xälbli (doch
s. T. 89 b), daneben auch das m. bush.; gältoli (zu galtli(g)) Rind
von 1 bis 2 Jahren, das noch nicht geworfen hat und daher auch
noch keine Milch gibt (T. 211b).
Verschieden verhalten sich die Substantiva auf -or: bororU
kleiner Bohrer (nur selten börjiii)-, iiiKJSJrli (nach T. 326a) in H,
Brustlatz der Kinder beim Essen (vielleicht umgebildet aus miusiult;
vgl. T. 326 a und Id. I 185) ; (jakkjrh Vorrichtung zum Visieren
hinten auf dem Schaft der alten Stutzen (T.246); (Dsoppjiii kleiner
Stöpsel (in H nach T. 157b pSDirpjyh); pnppDrU Bettchen in der
Kindersprache (T. 84 a); bobjrh Kinderkreisel (nach T. 63 a) in
Walz, (im übrigen K bübdr); xiitsimüsarli eine kleine Art Apfel
(vgl. T. 124 a); nohxjrU kurzes Schläfchen (nach T. 335 a) in I
(in H nökxli); huipdi Pferd (nach T. 279b) in K in der Kinder-
sprache; xolhdi Tannenmeise, in K IxXöldddi (vgl. Id. III 208);
strössjdi, auch sfrössburgjdi Lack, Cheiranthus Cheiri ; Jiedsjsabadi
eine sparsame Hausfrau (nach T. 265 b) in H; bössdi (zu bosdr)
kurzes dickes Kerlchen; tosddi kleines, noch unbehilflich gehendes
— 92 —
Kind; trochrJi, in K frodbrli ein fettes Kind (vgl. T. 153a); hoxxdrli
(zu hoxx,)}-) eigensinniges Kind; Iwigyrh (nach T. 307b) Name einer
Kuh mit stierem Blick, Diesen stehen jedoch mit Umlaut gegen-
über : höJcxJrli (meist PI.) Zwergbohne ; 2)ät,)rh (meist PI.) Glasperle
(vgl. Id. IV 1804); pöppjrli (PI.) Frostblätterchen, Koriandersame
(T. 62b; Id. IV 1423); hfidjrli kleines Butterfaß; göUorJi kleines,
gestepptes Stück Zeug (T. 232 a); träxtjrh (zu traxUr) kleiner
Trichter: fittorli kleines Euter; märüssömmdrU Martinisommer (vgl.
T. 314b).
Die Diminutiva von T auf n amen sind in der Mehrheit un-
umgelautet (das Geschlecht schwankt bei den männlichen zwi-
schen m. und n., bei den weiblichen ist es n.): HansU, seltener
HcuisjU zu Hans; Danndi zu Dannd Daniel; Fonsali zu Alfons
(appellativ bei T. 199a); Joxdi (nach T. 286a) in H zu Joachim;
Sammdi zu Samuel; Jol'k(cf)Ii, dagegen verächtlich JöM(j)U, zu
Jakob; BärtJi, dagegen verächtlich Bärt.ili, zu Bartholomäus (vgl.
T. 35b); JLudrodh und Xu9dh zu Konrad; Tofjh neben Tofjh zu
David; Ödh zu Adam. Weibliche: Anndi zu Anna; Martdi zu
Martha; TonndJi in I zu Antonia; Uarsdi in K, dagegen sonst
Örsöli zu Ursula; Bäh.)h, teilweise auch Bäh>h, zu Barbara (auch
appellativ; s. T. 31/2 und Id. IV 915/6); neben Bösali zu Rosa
ist häufiger Rös(,j)h. Nur mit Umlaut kommt vor MärtJÜ zu
Martin.
Ausnahmslos ohne Umlaut sind die zahlreichen persönlichen Mas-
kulina auf -h, die nicht mehr diminutive Bedeutung haben, sondern Jemand
bezeichnen, der das im Stammworte Ausgedrückte in auffallender Weise be-
sitzt, zB. 7-Dkxh Einer, der einen langen Rock trägt, xrusli oder xrushörh
ein Kraushaariger, härtli Einer mit üppigem Barte, xropfli ein mit einem
Kröpfe Behafteter, snoddrnasU ein Rotznasiger.
Das Diminutivsuffix -t. (ahd. -in) findet sich in der Kindersprache
wahrscheinlich noch in mämmi , Getränk' und hiidtti für , Mutter'. Ziemlich
häufig ist es bei Taufnamen, die jedoch nicht mehr diminutiven Sinn haben,
besonders bei männlichen (m.), zB. Rohi Robert, Ludi Ludwig, Lon Lorenz,
Toni Anton, Tofi David, Umlaut zeigt einzig WälU Walter. Selten bei weib-
lichen: Bühl n. in H Barbara (T. 31a). Zahlreich sind die (in der Mehrzahl
persönlichen) Maskulina auf -i, für die E. Odermatt aaO. S. 71 ff. die gleiche
diminutive Herkunft nachweist. Die meisten sind umlautlos, zB. tappt, auch
töppi täppischer Mensch; gahh wer eine Arbeit erpfuscht (zu gabh; vgl.
T. 209 a); wah Person, die sich wälzt, auch Küchenwalze zum Auswälzen
des Teiges, dann fette, rundliche Person, Name einer eben solchen Kuh:
xoli schwarzes Pferd. Umgelautet sind außer den § 49b angeführten
— 93 —
Fällen noch xnösi fetter, dicker Bursche (vgl. Id. III 761), hösi (s. § 66), möppi
Mops (vgl. Id. III 350), snüsi (nach T. 396 b) in H für Mutterbrust (neben snusi).
In hü}p( einer, der hinkt fhülpatj, auch xü9nt Küher (vgl. Id. III 336) u. a.
geht der Umlaut auf das Grundwort zurück.
3. Feminiuabstrakta auf -i.
Bei den Adjektivabstrakta tritt der Umlaut konsequent
ein. Ausnahmen sind einzig ftlh (nach T. 207 b) in H, gegenüber
füll auf dem übrigen Gebiete, ferner einige nicht sehr gebräuch-
liche Bildungen zu Adj. auf -sani, v,ie iMaUsami Bewandtnis (vgl.
T. •243a), Miörsami Gehorsamkeit (vgl. T. 220); jedoch Jennsemnn
(§ 55).
Keinen Umlaut zeigt hast Wohlsein (vgl. T. 36 b) zum ur-
sprünghchen Komparativ bäs besser.
Umlautlos sind die Verbalabstrakta. zB. stampfi Stampf-
werk, möU Farbstoff (doch in Urn. nach T. 321a moli), salhi Salbe,
tmnmi Dünger (zu ttonntj). Der Umlaut in garbi Gerberei u. a.
ist schon dem Yerbum eigen.
4. Komparative und Superlative.
Der Umlaut ist durchaus die Regel, auch in Fällen vne ivölfljr
icölflisf zu ivolfjl .wohlfeil, billig', ferner zu Positiven auf -ar;
einzig neben montarar, mont<>r{i)st zu montjr ,munter' kommt auch
vor niDYitoror niont9r(i)st. Schwankend verhalten sich auch die
Bildungen auf -sam, zB. tosanur und tosänur zu fosam still, ruhig,
örinnscüujr und -sämor zu örinüsam mühsam; dagegen leuDsemnur
(§ 56). Keinen Umlaut zeigen hlömior hlön(i)st zu hJö aufgedunsen,
auch häsor hast ,besser best' zu häs.
Umlautlos sind die Superlative fo(br(i)st vorderst, onddr(i)st
Unterst; doch erscheint neben häufigerm ossär (i) st auch ossär (i) st.
5. Adjektiva (bezw. Adverbia).
a) auf -i(g). Neubildungen fanden statt sowohl nach Ana-
logie zu den auf ahd. -ig zurückgehenden, umgelauteten Fällen,
als auch zu den unumgelauteten auf ahd. -ag (vgl. § 57) oder mit
umlauthindemder Konsonanz. Eine Regel läßt sich in den heutigen
Verhältnissen nicht mehr finden, und da sich häufig nicht ent-
scheiden läßt, ob die Bildung zu einem Subst. oder einem Verbum
— 94 —
gehört, Avird hier auch von einer Einteilung nach diesem Gesichts-
punkte Umgang genommen und werden die Beispiele nach dem
umlautfähigen Vokal der Stammsilbe angeordnet. Beispiele mit
Umlaut: ks2>(is><i((j) komisch, e-, tsivä-lätti(g) von einem Hag mit ein,
zwei Latten, jälli((j) plötzlich (s. T. 176 a), l~xäUi(g) viel haltend,
geräumig, spälti(y) leicht zu spalten, trähi(g) brünstig (von Hunden),
fäntsi((j) lustig (s. T. 176 b), hätsi(g) einen Batzen hostend, föf-
räppi(g) fünf Rappen kostend, s. auch § bl", ässi(g), frässi(g) eß-,
freßlustig, göni(g) in M (zu mhd. gä)i) im Schwange gehend,
möni(g) brünstig, von Katzen (vgl. Id. IV 238), hcdJ)mossi(g) eine
halbe Maß fassend, htvogi(g) kühn, s. auch § 73, 2; iDÜffi(g) un-
versichert, von einer Schuld (s. T. 294 b), glöhi(g) gläubig, hömmi(g)
stark, fest {^\\e ein Baum; vgl. T. 68b); rösst(g) brünstig (von
einem Pferde), xöpfi(g) steckköpfig, xrötti(g) hoshdiit {s,. T. 120/1);
föllt(g) völlig (vgl. T, 199a), IföJgifg) folgsam; stössi(g) zwistig
(T. 413a), ndtti(g) nötig, hxon(g) gehörig; sönni(g) sonnig, tgröndi(g)
nachdenklich (vgl. Id. II 778 9), sössi(g) schüssig (s. T. 399 b),
tsögi(g) gut ziehend (s. T. 460 a), sldffi(g) bequem zum Hindurch-
schlüpfen, xlöpfi(g) leicht erschreckend (vgl. T. 108/9), nflöpfi(g)
aufhetzend (T. 431 b), gäxsötsi(g) jähzornig, ripsöxti(g) an der
Rippsucht leidend, fdgösti(g) mißgünstig; rüdi(g) räudig, s. auch
§ 79 a; nbhi(g) ruhig, hriictti(g) zu hnidtt.j) schwül (s. T. 82 a),
}iirnmÜDtti(g) (mhd. Järnivüetic) toll, nosüjxi(g) kleinlich (s. T. 337 a),
südi(g) einen Fuß (Schuh) lang. In einigen andern Beispielen
zeigt schon das Grundwort umgelauteten Vokal. Beispiele ohne
Umlaut: plappL(g) schwabbelnd (s. T. 54b), nalxxi(g) nackt, frat-
ti(g) (nach T. 204 b) in H wundgerieben, lixaJi(g) geronnen (vgl.
T. 94 a), glari(g) glänzend, masti(g) fett, dick (T. 312 a); ßl-
mannlifg) viel Mühe erfordernd, haspli(g) flüchtig (T. 257 b),
hnldi(g) abschüssig, slämpi(g) und lämpi(g) schlaif herabhängend,
k§tabi(g) starr (vor Kälte), ragi(g) (nach T. 358 a) in I steif,
latsi(g) schwerfälHg, säUsi(g) salzig, härtst(g) harzig, näxti(g) (zu
mhd. narrt'/d) albßrn, gmndi(g) übertrieben genau (T. 234 b; vgl.
Id. II 756/7), ömantsi(g) ungeheuer (vgl. Id. IV 346); ströU(g) ver-
rucht (s. T. 4l6a); stonhi(g) staubig; gouli(g), göU(g) sonderbar
(T. ^16a), hoHirifg) gut schneidend; losti(g) lustig, lofti(g) luftig,
lörki(g) stammelnd (T. 306 a), imotstCg) fett (vgl. T. 393 a), sotsi(g)
unüberlegt handelnd (T. 398 b), nütsnotsi(g) nichtsnutzig, strofli(g)
— 95 —
(zu strofh) flüchtig in der Arbeit (s. T. 415 b), fpmpi(g) lebhaft
(s. T. 233a), mnutsi(g) winzig, s. auch § 69; JxJuifftiff/) Adv. ge-
häuft (vgl. T. 220 b), xrüttidi) Adv. bunt, schlimm (vgl. Id. III 918),
trüri(g) traurig, tussi(g) (nach T. 159 b) in K in sich gekehrt,
kopfhängerisch; frudfti(g) (zu mhd. vniot) frisch, munter, f)un(g)
(zu fiurj) nahrhaft. Schv^anken zwischen der umgelauteten und
der unumgelauteten Form oder Verschiedenheit nach den Gebieten
zeigen satti(g) {-ä-) schattig, tsaU(g) (-«-) völlig bezahlend (siehe
T. 453 a), xütti(g) (-/<-) nach dem Tauber verlangend (s. T. 123 b),
rüssi(g) {-Ü-) zu räss.) lärmen, knurren (s. T. 374), hädampfi(g) (-«-)
trübe (voll Hitznebel), iviUivavki(g) (-«-) wankelmütig (T. 448 b).
Vor -i'(g) in dritter Silbe nach der Ableitungssilbe -,)r zeigen
Umlaut wässjri{g) wässerig, Müxx^n(g) lächerlich, spaßhaft,
trökxDn(g) (zu trökxd) leicht zu drücken (s. T. 152 b), smöch)ri(g)
(zu smochr) mit Wasser und Schmutz vermengt, vom Schnee
(T. 393 a), hüd9ri(g) leicht zu buttern (nach T. 85 a, meist jedoch
hücljri(g)), dann die Zeitbestimmungen sanistägdrt(g), djnnst<)n(g),
s3nt9n(g) vom Samstag, Donnerstag, Sonntag her (vgl. T. 426 b),
auch hüttmiörganfg), hüpm'dtäg,yn(g) , liüttsphdri(g) von heute
morgen, mittag, abend (vgl. T. 278 a), m5md(j)ri(g) morgig;
dagegen sind ohne Umlaut: hiwv9ri(g) hungrig, psondonfg)
sonderbar (vgl. T. 84 a), fbiid,)rL(g) flatterhaft (T. 195 a), }iolpdri(g)
holprig, flottdri(g) locker (T. 196 b), htt3n(g) lotterig, hosp.)n(g)
munter (T. 71 a), sJj2)fxrt(g) oder sl5ff'<)n(g) schläfrig, slofjn(g)
nachlässig in der Kleidung, mudxn(g) matt, i^edergeschlagen
(s. T. 325 a). -^
Stoffadjektiva (s. dazu § 57) mit Umlaut sind häfi(g) aus
Hanf (s. T. 255 a), höltsi(g) hölzern, xöpfdn(g) kupfern, stoHsi(g)
aus Sturzblech, tüjxi(g) aus l'uch, auch ßn(k)s Kieferholz, da-
gegen ohne Umlaut hu9Xi(g) aus Buchenholz, hDim'oli(g) aus Baum-
wolle, s. auch § 69.
b) auf -li(g), bezw. in H -Jjx (ahd. -lih). Außer den in
§ 57b aufgeführten Beispielen zeigen noch Umlaut: hushähU(g)
ansässig, lästli(g) Steigerungsadv., sehr (vgl. T. 293b), 9rhärmU(gJ
zum Erbarmen, sehr (zB. weinen, rufen), sihärli(g) offenbar, froli(g)
fröhlich, apsrölxXjlifg) schrecklich (T. 12 b), müdttdrh(g) mütter-
lich (T, 325 b); neben hDf,)h ,behutsam, sachte' ist noch häufiger
hofdi, dagegen nur höfU höflich; neben ivärlKg) ,wahrlich' als
— 96 —
Beteuerung kommt vor n'5rU(ff); ädli(g) findet sich in I gegen-
über nr(JJi((j) auf dem übrigen Gebiete; für ti'isli(g) (nach T. 159b)
,heimlich, verschlagen' in M H hat K tüssU (doch liegt hier viel-
leicht /.r/- Ableitung zu tiish vor); die umgelautete Form kommt
bei den Jüngern durch Einfluß der Schriftsprache immer mehr
auf für l'förJiig) gefährlich, mogli(g) (mhd. mügeUch) möglich,
kwoh(g) gewöhnlich. Dagegen sind durchaus unumgelautet
hantli(g) behende, lebhaft (vgl. Id. II 1404/6), hT-anth(g) kenntlich
(T. 94b), XDmndi(g) bequem (vgl. Id. III 285), xosth(g) kostbar,
trog<)h(g) trügerisch (vgl. T. 154 a), 5rd(j)U(g) artig, ziemlich
(T. 353 b), off'dli(g) {mhd. offenUch) öffentlich, trösÜi(g) mit Herzens-
lust, zB. essen (vgl. T. 156 a), nödh(g) dringend (vgl. T. 335 b),
2)sossh(g) gut ausgebend, weit reichend, hüsli(g) haushälterisch,
sparsam.
Bezeichnend für den Appenzeller ist der häufige Gebrauch von sfdtfgj
als Steigerungsadverb = ,überaus, sehr groß' (vgl. T. 401 b), gegenüber sidi der
benachbarten Mundarten; nur im Rheintal findet sich süh auch noch, doch
heute veraltet (teilweise dringt süh auch auf unserm Gebiete ein; für das
gleichbedeutende apsfdifgj gibt T. 12 b für M und H die Formen mit und
ohne Umlaut nebeneinander an), süli geht zurück auf mhd. schiuhlich, wozu
unser silx ,scheu' gehört. Unsere «-Form ließe sich aber nur durch An-
nahme analogischer Entfernung des Umlautes (etwa nach dem Verhältnis
unumgelauteter Positiv zu umgelautetem Komparativ und Superlativ bei andern
Adj. und Adv.) damit vereinigen. Die selbe Annahme ist nötig für das gleich-
bedeutende sfdsh (nach T. 400 b) in Urn. und Hundw., das auf mhd. schiudich
(zu schiuzen aus *schiuhezen) zurückgeht.
c) auf -ISS, -s(s) (ahd. -isc). Ohne Umlaut sind städiss auf-
geputzt (in der Kleidung), stattlich, fräsiss (vgl. § 96) fremdartig,
Jcxatöhss katholisch. Die meisten sind umgelautet: sicSbiss schwä-
bisch, pfirs bäurisch, röts rötlich, höps Name einer hübschen Kuh
(in nhd. Bed. nicht mundartlich), tsudttäppiss zudringlich (T. 461 b),
söppi§§ die Suppe sehr liebend, göppiss, gDÜppiss gerne tändelnd
(T. 229 a), töilps leicht zornig (vgl. T. 132 a), ^ori benommen, be-
täubt (T. 147 b), Ä;/ 0^5 furchtsam, feige (vgl. Id. I 683), närss, von
einem Weibsbild (k)nör§s (zu norr), närrisch; s. auch ivältä (§ 49a),
älpfrent§ (§ 48 c).
6. Verbale Bildungen auf -h, -dh.
Bei den Verben auf -l9 halten sich die Fälle mit und ohne
Umlaut etwa die Wage. Umgelautet sind die Ableitungen von
— 97 —
Verben und Substantiven auf -dr, zB. hopparh leise klopfen (zu
hoppdra), füdtdrJd gemütlich für .das Vieh füttern' (zu fuatfard);
ferner (vgl. u.) jmnpfdrh aussehen, noch frisch sein Avie eine Jungfrau
(jumpfdrd); JcxattdUssh nach Katholizismus riechen (zu kxattöhss),
xähdsld im Sprechspiel (s. T. 90 b) zu xahds. Weiter findet sich der
Umlaut mit ganz wenigen Ausnahmen, wenn das Verbum, zu dem
die Ableitung auf -Id in Beziehung steht, noch in der MA. vorhanden
ist; die Bedeutung ist zum Teil weniger diminutiv als frequentativ :
xlokxh leise klopfen (xhko), frogh listig ausforschend fragen
(frögd), trätsJd übermütig herausfordern (selten tratsd), hötsh
wegen jeder Kleinigkeit, fortwährend putzen (botsa), usw. (bei T.
gegen 30 Beispiele). In wenigen Fällen kommt daneben die
Ableitung mit -r)lj vor, die dann stärker diminuierend ist und
mehr nur der Kindersprache angehört, zB. hökxdh (neben höTcxh)
sitzen (hokxa), lüdgald (neben^ üdgld) schauen (ludgd). Zahlreich sind
die natürlich stets umgelauteten Ableitungen zu diminutiven Sub-
stantiven auf -Ji, bei denen allerdings oft auch die Beziehung zu
einem Verbum möglich ist: fdhrökxh zu kleinen Stücken (hrökxli)
machen, xüjxh Kuchen (Avofür die MA. nur das Dim. xiisxh kennt)
backen, xrdmh Naschwerk (xrSmli) kaufen, xülbh ein Junges (xülbh)
werfen, usw. Von Substantiven abgeleitet sind auch Spielbezeich-
nungen wie xärth Karten spielen, nössb mit Nüssen spielen, damh
auf dem Damenbrett spielen, grüdsäkxh (siehe bei T. 283 a) usw.,
ferner näsh durch die Nase reden, häkxh Tabak (in der MA. bakx)
rauchen, rössh (nach T. 370 b) Pferde (ross) halten oder damit
handeln. Umlaut hat auch jiinnl) Junge werfen (vgl. T. 287 b).
f'ädld ,den Faden durch das Nadelöhr ziehen' ist umgebildet aus
fäbnid, fädnd (vgl. Id. I 675). Isoliert sind heute gröbb (ahd.
grubilön zu graban) grübeln, sötla (ahd. scnfilun) schütteln, auch
börtsld purzeln.
Den um lautlosen Verben auf -Ij fehlt jede diminutive Bedeu-
tung, so natürlich den Ableitungen zu unumgelauteten Substantiven
auf -sl (Diminutiva mit Umlaut werden dazu auf -oh gebildet;
s. unten), zB. hobh hobeln, nagh nageln, «>•//<? (zu ärfal Armvoll)
das Heu zwischen Arm und Rechen zusammentragen (s. T. 26 b).
Außerdem aber zahlreichen Verben, die in der heutigen MA. zum
größten Teile isoliert sind, zB. rammJa (ahd. rammaldn) sich herum-
balgen, von Knaben, mannU (ahd. mangolun) mangeln, tsablo (ahd.
Vetsch, Appenzeller Mundarten '
— 98 —
Tabalon) zappeln, handld (ahd. hantolm zu hant) vor dem Melken
die Zitzen mit der Hand bearbeiten (s. T. 256 a), xafld kauen,
kwalxh wackeln, hrommld brummen, snärxld schnarch ein, sodJj
schütteln (im ganzen über 40 Beispiele). Wo gelegentlich ein
Verbum ohne /-Suffix daneben vorkommt, sind die beiden gleich-
bedeutend, zB. worsta neben ivörstld an einen Wisch machen
(T. 451 b), wörgd neben worgh mit Mühe in etwas hineinzwängen,
xrösd neben xrösh rascheln, zB. von dürrem Laub.
Die Fälle auf -9l9 haben mit wenigen Ausnahmen den Um-
laut. Zu Verben gebildet bezeichnen sie meist eine geringfügige,
langsame oder nachlässige Handlung (vgl. E. Odermatt aaO. S. 87),
zB. XDXXdld vom spielenden Kochen der kleinen Kinder, mäxxdh
oder säffdld gemächlich arbeiten, sügdld (zu siig9) ein wenig saugen,
ströddld (zu strodh) schwach sieden (T. verzeichnet etwa zwei Dutzend
Beispiele). Noch häufiger (T. hat zwischen 30 und 40 Beispielen)
sind die Bildungen auf -dh zu Substantiven und Adjektiven, die aus-
drücken, wornach etwas riecht oder schmeckt, oder wem es in Aus-
sehen oder Benehmien ähnelt, zB. füldld (zu fül) einen faulen Geruch
oder Geschmack haben, möstdld nach Obstwein (most) riechen,
röüxdd nach Rauch riechen oder schmecken; hiohda von Männern
und Mädchen, aussehen oder sich benehmen wie ein Knabe (hudb),
hrüttsh aussehen oder sich benehmen wie eine Braut, höpmdh den
Hauptmann spielen. Zu Adjektiven gehören auch knüdgdh un-
pers. mit Dat. P., bald genug haben (vgl. T. 228 b) und töübdh ein
wenig zornig (touh) sein. Von diminutiven Substantiven auf -dU
sind zB. abgeleitet pössdh Reiswellen (^wssdli) machen, höüivsh mit
einer kleinen Hacke (höüwdli) bearbeiten, fahrösmdh zu Brosamen
(hrösmdli) zerreiben. Bildungen zu Substantiven sind auch bonoh
die Erbsen (bönd) aushülsen usw. (s. T. 66b und vgl. Id. IV 1315),
bälldld mit dem Ball spielen, ferner xögdU (neben xögh) mit bissigen
Bemerkungen necken, reizen (vgl. T. 114 b), fröstdld frösteln, tävvdh
, dengeln' gehört zu ahd. tangol Hammer. Isoliert ist auch xütsdh
(zu ahd. kazziUyn) kitzeln.
Die wenigen unumgelauteten Beispiele auf -dh sind pap-
pdh undeutlich reden, plappern; stahkdla (neben stakld) stottern;
fosdh (neben fosdrh, fösdrh) schwankend gehen, von einem kleinen
Kinde (f3Sd(r)li); tokkdh (nach T. 144 a) in M Verstecken spielen
(zu mhd. tocken); Sakkoh schachern (T. 383a); horndh schneien und
— 99 —
wettern wie im horndr (Februar); dann auch (tsämmd)xrogdld zu
einem Knäuel (xrogdl) zusammenwickeln; rugah (neben riigah)
und xugdJQ (neben xügdh und xugh) kugeln, rollen; hokkdh auf
dem Rücken (hoklidl) tragen; Ijottoh in einer Butte (hottdh i.) tragen.
Etwas häufiger sind sie in der Kindersprache (vgl. oben 2), zB.
slöffdld schlafen, (iif)hutsdh auf werfen.
7. In den Maskulinen auf -Z/(^^ (ahd. -Ung) ist der Umlaut
außer vor hindernder Konsonanz in tummli.(g) (§ 78, 2), xnummli(g)
(§ 69), ferner in gf(Uh(g) (s. oben unter 2), stets eingetreten; aus der
großen Zahl nur wenige Beispiele: nädli(g) so viel Faden, als man
auf einmal in die Nadel nimmt, ßrdjrJtfg) Vorteil, töiiblifg) (zu
touh) ein schnell erzürnter Mensch (T. 132 a), A/>-5VZ( fr/) Einer, der
gegen Kälte sehr empfindlich ist, bJoIi (nach T. 60 a) in K als
Schimpfname, besonders auf nachlässige Leute (zu Nö aufgeblasen ;
vgl. Id. V 105/6), Nöfk(g) und Uöüdrh(g) (zu hlot; vgl. T. 59b)
Schwächling, slöftdrlt(g) Schimpfname (vgl. T. 390b).
8. Ausnahmslos haben Umlaut die zahlreichen Neutra (Ja-
Stämme) mit der Vorsilbe ge-, wie kfräss grob für schlechtes
Essen (vgl. Id. I 1317/8), klDÜff Gelaufe, Mibg (zu ludg^) das Be-
gucken (vgl. T. 226 a), öhdrlxsüd das Oberleder eines Schuhes,
TiXnöttdr (zu xnottdrd) Gepolter, usw.
Auf dem Gebiete, wo mhd. ei > ä wurde (s. § 80), ist dieses ä häufig
analogisch zu ä (bezw. e; s. § 73) umgelautet, so im Diminutiv, zB. stäh (zu
sta) Steinchen, lätt»rli (zu lätt9rd) Leiter; im Plural, zB. srä (zu srä) Schreie,
dann auch in Fällen wie räfh den Reif CräfJ schlagen (als Knabenspiel),
sicäsdJd nach Schweiß riechen (dagegen stcäsd von undichten Gefäßen und
Wunden, fließen), icädli (für zu erwartendes tcadh, mhd. weidelich) schnell,
usw.; selten dagegen im Komparativ und Superlativ, wo es heißt zB. hrättdr,
brätst breiter breitest.
Bundimg.
§ 91. Sie tritt ein a) vor Labialen (avo nichts bemerkt
ist, gilt die Erscheinung auf dem ganzen Gebiete):
i >- ü: silmnidl (mhd. scliimeT) weißes Pferd, dazu sümnidh
Name eines Spieles (s. T. 401 b) ; nur in K veraltend stüfil (außerhalb
K stefdl) Stiefel. — e >» ö; löffal (mhd. leffel) Löffel; außer in I (wo
dafür ett'j, etsd) öppd (mhd. etewa) etwa (doch noch häufiger eppj);.
— 100 —
in K und Grub öpfid Apfel, sonst cpßl (in den Sg. gedrungener
PI; vgl. § 50a); in V M2 (schwankend in Mi) söpfg (mhd. schepfen)
schöpfen, sonst scpfo (auch in Wald und Reh. noch bei altern Leuten).
— e >- ä; tr:')ff\) trefien, f/\-?/f Zusammentreifen (vgl. T. 153b); zu
tsömmdr,) in H I s. § 61 c (es könnte hier auch Rundung von i >> m
und nachherige Senkung >- ö [vgl. § 70, 2 a] vorliegen ; doch vgl.
oben siinimsl). — Nur im Sand bei Trog, begegnete mir tsömnu
»zusammen' für zu erwartendes tsämmo (vgl. § 49 f).
b) vor w- Verbin düng (zum Teil nach Labial):
/ erscheint als ö, wobei die beiden Möglichkeiten bestehen:
i '^ ü ^ ö (vgl. § 70, 2 a) oder / >> e (vgl. § 61a) > ö. Die Ge-
biete sind verschieden: ßnch finden, bmdd binden, ivöndd winden,
wöndh f. Windel, möndar (mhd. minner) minder, hönddr hinter,
Jcswöndd (zu mhd. swinden) unpers. mit Dat. P., bewußtlos werden
und ]iönt3(li)heljjr (zu mhd. hinther) Himbeer (vgl. T. 273) in HIM
(in Trogen Schwanken); hwönno gewinnen, Jiömid hinten, drönn
darin in H I Mi ; römid in H I M Vi (nur in K remid). Die Formen
für ,Kinn' (mhd. kinne) sind xü)373 in H und vereinzelt in K (wo
nach T. 105 a dafür auch Jcxind), xövio in M Vi (in K gilt dafür
häufiger und in I ausschließlich xifdl, eigentlich ,Kiefer'). — e >> i>
gilt auf dem ganzen Gebiete in frönt (mhd. vremcde) fremd. Die
Gebiete für ksp'dst Gespenst und hdsdl Pinsel s. § 96.
c) V 0 r SS, SS, s (häufig nach Labial) :
Auf dem ganzen Gebiete ist Rundung von i > ü (außerhalb
K gesenkt >> ö) eingetreten in ivüssd wischen, wüss Wisch; tswüssdt
zwischen und Jcswilst^rni. Geschwister (s. T. 242 b); ivössd , wissen'
gilt fast nur in H, sonst meist wessa; kwüssa ,Gewissen' findet sich
in K neben kwissd, außerhalb K dagegen meist kwössd; so außer-
halb K auch kivöss gewiß, in K kivlss, bezw. kivts. — e (<C e nach
§ 60, 2b oder Primärumlaut) >- ö ist allgemein in swöstdr Schwester,'
trö^^d dreschen, löss9 (mhd. leschen) löschen, möss (mhd. messe)
Messing, ivös§ (mhd. tveschc) Wäsche. — ei >» öü zeigt allgemein
hoüssd heischen ; seltener ist smöüsj (mhd. smeizen) , werfen', wozu
auch ksmöüst n. Gemengsei, Durcheinander.
d) vor r {-{- Kons.) nach Labial:
Auf dem ganzen Gebiete kommt einzig vor ivörffd werfen
(doch bei den Jüngern auch werffS). In den übrigen Fällen ist
— 101 -
die Rundung nur im östlichsten Teile von K (Walz., Reute, uOb.)
eingetreten ; nur in einzelnen Wörtern kennt sie ganz K. Da
i und e vor r {-\- Kons.) in K zu is gebrochen sind (vgl. § 94 b),
so erscheinen beide als üd (außerhalb K ist / gesenkt zu e und
wie dieses meist gedehnt), i >• «3; ivüdrt Wirt, wüdvtd wirten,
tswüdrnd zwirnen, tvngrft wirft, ivudrt wird, füdrst First, sniüsrbd
(mhd. sniinven) schmieren. — e >> «a; wusrnid wärmen, wüarnu
Wärme, sivüartsdr schwärzer, ivü^rpfd (mhd. werpfe) Aufzug des
Gewebes, Zettel (s. T. 445 b).
e) vor Z f^^-Verbindung:
Auf dem ganzen Gebiete gilt tswölf (mhd. sivelf) zwölf, wo
jedoch das vorausgehende ic die Rundung bewirkte.
Heute noch ein Hauptmerkmal der Innerroder Mundart ist
die Rundung jedes /, e, e vor ^-Verbindung; der Grund liegt in
der spezifischen Artikulation des i (s. § 18). i >> ü (individuell
geradezu >> ö) : viüix Milch, bilid Bild, sulhdr Silber, ivüikxüixdh
Wildkirchlein (auf der Ebenalp), sfuH still, ivüUhxomm willkomm,
sülhr Einer, der schielt, usw. — c ^ ö (vgl. § 93 a) : öUdr älter,
göitj (vgl. § 48 f ) Waschzuber, böits Pelz, höii Hölle, tsölid zählen,
xöiia Kelle, usw. — e >- ä: göM Geld, ivöH Welt, möixd melken,
Äppdtsöil Appenzell, höll hell, xölldr Keller usw. — Vor ein-
fachem intervokalischem l ist keine Rundung eingetreten; nur
selten hört man spüh spielen.
Die Erscheinung war früher sicher nicht auf I beschränkt;
denn es finden sich noch Reste davon in H und Mi. Ziemlich
allgemein auf diesen Gebieten ist heute noch Aä7/f<? helfen. Weitere
Fälle kommen in H noch bei alten Leuten vor; T. gibt für H
manchmal die gerundete Form an, wo ich sie heute nicht mehr
feststellen konnte.
Eiufluß von X auf vorausgehenden Tokal.
§ 92. Auf dem ganzen Gebiete sind l und ü gebrochen
vor a;-Verbindung: f >» ia in lidoct (mhd. Vihte) leicht, tbxsld
(mhd. dlhsel) Deichsel, iridxsh (mhd. ivthsel) Weichsel; ü >► üa in
füdxt (mhd. viuhte) feucht. Dagegen vor einfachem x nur in
K (vereinzelt bei langsam sprechenden, altern Leuten in ganz V),
zB. rijx reich, glhx gleich, liax Leiche, Östridx Osterreich, kxidxxd
(mhd. Jclchen) keuchen.
— 102 —
Nur in K außer oOb. sind auch kurz i und ü gebrochen:
/ >» J9 zB. in stiaxx Stich, sidXXdr sicher, siaxxh Sichel, ridXti richtig,
TcsidXf Gesicht; // >> «9 in trü9xxn9 trocknen, trüdxxm Trockenheit.
Doch sind diese Kurzdiphthonge nicht bei Allen gleich deutlich
ausgeprägt.
Bei den altern Leuten in K, welche in diesen Stellungen
noch palatales / sprechen, findet gar keine Brechung statt, also
zB. Ji)(t leicht, lixl)^^a keuchen, sly^/^r sicher, träyyns trocknen.
Einfluß von l {-\- Kons.) auf vorausgehenden Tokal.
§ 93. Der Unterschied in der Artikulation des l zwischen
dem östlichen und Avestlichen Gebiete (s. § 18) äußert sich in
dessen Einfluß auf vorausgehende Vokale :
a) im westlichen Gebiete -vvirkt es öffnend auf voraus-
gehendes e, 0, ö und zwar in Mi I H2 und Schön, (schwankend
in Schwellbr.) nur i -\- Kons., einzig in Her. (und schwankend
in Schwellbr.) auch einfaches l: auf Primärumlaut-e (zur gleich-
zeitigen Rundung in I s. § 91 e) zB. in heil Hölle, elt,fr älter, fjelt9
Waschzuber, Stella stellen: — auf i-Umlaut von e (vgl. § 60, 2a)
in helfs Pelz, felso Felsen, iceh welcher: — auf 0, ö (= mhd. 0, ö;
vgl. §§ 65. 66) zB. in foll voll, holld Bollen, liolfj gegolten, JiDltsh
Hölzchen, hole) holen, s^fe Sohle, kstoh gestohlen: auch auf 0 <C ^<
(vgl. § 68 aa), zB. in sold Schuld.
Vereinzelt steht hodd holen in I.
b) im östlichen Gebiete (Ma Y) sind die geschlossenen
e, 0, ö in den angeführten Fällen bewahrt, also zB. hell Hölle,
belts Pelz, foll voU, koltd gegolten, höltsli Hölzchen, sold Schuld.
In M2 wirkte l sogar verengend auf e (mhd. e) >- e: steh
stehlen, hell hell, xelhr Keller, geld Geld, selhar selber, helffa helfen,
melxd melken, usw., denen auf dem ganzen übrigen Gebiete steh,
hell, xell.)r, usw., gegenüberstehen : einzig helh gilt auch in Y
außer Ob. und Reute. Dieser Wandel muß jünger sein als die
Dehnung; denn auch in Mi^ heißt es gel gelb, selta selten, usw.
-ol, -öl >- -Olli, -öül s. § 89, 2.
Dehnung vor / (4- Kons.) s. §§ 100. 103.
— 103 —
Einfluß von r {-\- Kons.).
§ 94. a) In H und weniger konsequent in Mi ist Primär-
umlaut-e vor folgender /-Verbindung geöffnet ~> e: hert hart,
ferti(g) fertig, ferl-j fertigen, liefern, Jierpsf Herbst, gegenüber
hert, ferti(g) usw. in Ma Vi, hbrf, fidHi usw. in K (s. u.), und
het, fettig usw. in I mit Schwund des r.
b) Brechung findet sich auf dem ganzen Gebiete in ksidr
(mhd. geschirre) Geschirr, äksidr^ (in K meist äksidrd) ein Pferd
schirren, dann übertragen, etwas anordnen, anstellen; ßridrj (mhd.
verirren) sich irren, täuschen; sniidrc), in K sniidrj, älter snUdrhd,
sniüdrhd (mhd. smincen) schmieren, salben ; spuar (mhd. spur) Spur,
(k)spüdrd (mhd. spnrn) spüren; tüdr (mhd. dürre) dürr.
Nur in K außer Heid. und oOb. ist jedes i, u, ü sowohl vor
einfachem >• als vor /--Verbindung gebrochen >> t», ug, us. Dabei
ist die Artikulation des r vor folgendem Konsonanten bei den
Einzelnen verschieden deutlich ausgeprägt, wird individuell auch
ganz aufgegeben (vgl. c). ZB. : bi^rj Birne, ividrf Wirt, tswbrns
zAvirnen, fidrd First; hu9rdi Bürde, l^xuarts kurz, icudrff Wurf,
ivuarst Wurst, Wudrm Wurm, tudm Turm ; tügr Türe, hüarstd Bürste,
lüüdrgd würgen. Außerhalb des erwähnten Gebietes ist häufig
Senkung (vgl. §§ 62. 68. 70) und Dehnung (vgl. § 104) eingetreten,
so daß sich gegenüberstehen zB. wert : ividrt, ivörst : ivugrst, hörstd :
hüarstd.
In ganz K (jedoch bei den Jüngern nicht mehr konsequent)
ist Primärumlaut-c vor r (-[- Kons.) gebrochen zu id'. Jihrt hart,
hidrpst Herbst, i^rhc) erben, sigrpfjr schärfer, wigrmar wärmer, idrmd
Ärmel, Mhrxxdr stärker, swidrtsiir schwärzer, kxhrtsa Kerze, usw.
— und ebenso o >► «^ in fudrt fort, fuarm Form (vgl. § 65).
Zur Rundung nach Labial auf einem Teile von K s. § 91 d.
Auf Einfluß des vorausgehenden r geht der Diphthong wohl zurück in
bridmnid f. Bremse in M2 Vi, gegenüber hrem(m)d auf dem übrigen Gebiete
(vgl. Id. V 605) und hridnta niederer Holzzuber in M2 Wald, Reh., gegenüber
hrmtd (in H brentd) auf dem übrigen Gebiete (vgl. Id. V 757 8).
c) Auf dem ganzen Gebiete außer I kommt vor folgender
Konsonanz Vokalisierung des r vor zu <?, das mit dem voraus-
gehenden Vokal einen unechten Diphthong bildet, zB. mit ge-
dehntem Vokal (vgl. § 104) hadts Harz, stejba sterben, cdhd erben,
xodh Korb, wojst Wurst, böasto Bürste ; mit vorausgehender Kürze
- 104 —
entsteht ein Kurzdiphthong, zB. swaJs schwarz, weaffd werfen,
heyt hart, Xo:)tfi kurz. Doch findet ebenso häufig eine schwache,
kaum hörbare Artikulation des r statt, und bei nachdrücklichem
deutlichem Reden wird das r voll ausgesprochen. In I findet voll-
ständiger Schwund des /• vor folgender Konsonanz statt.
e > c vor altem rr in I s. § 60, 2 d.
er >> eir s. § 89, 1 a.
Dehnung vor /• (-f- Kons.) s. §§ 100. 104.
Einfluß der Nasale.
§ 95. Auf dem ganzen Gebiete wird von altern Leuten noch
jeder Vokal in nasaler Umgebung nasaliert gesprochen. Die
Nasalierung ist also sowohl progressiv als regressiv und betrifft
Kürze und Länge ; auch wo der Nasal im Auslaut geschwunden ist,
ist die Nasalierung meist erhalten. Die jüngere Generation jedoch
hat außer in I die Nasalierung in weitem Umfange aufgegeben,
doch mit starken individuellen Schwankungen. Für den Inner-
roder ist heute noch starkes , Näseln' kennzeichnend; vielfach ist
die Nasalierung hier nicht beschränkt auf die Vokale in nasaler
Umgebung, sondern das Gaumensegel bleibt Avährend der ganzen
Rede mehr oder weniger gesenkt.
Die qualitativen Veränderungen der Vokale unter dem
Einflüsse der Nasalierung sind sehr verschieden in den einzelnen
Gebieten, am stäi'ksten in I.
1. Zum heute ausgestorbenen Übergang von a >» a vor Nasal
in K s. § 46, Anm. 1.
2. Der überoffene ä-Laut ist vor und nach Nasal verengt in
H Bühl. Teuf. > ^ e (teilweise auch erst zu einem zwischen ä und e
liegenden Laute), in I noch weiter zu f f und, mehr individuell,
sogar bis ^ e e. In H sind einzelne Wörter noch schwankend,
rmmentlich Plurale und Diminutiva, bei denen Systemzwang den
Übergang hintanhält; dagegen kennt I keine Ausnahmen. Durch-
aus bewahrt ist der ä-Laut in Gais (wo also sehr scharf über-
offenes ü und geschlossenes e (e) von I zusammenstoßen), in
M2 V dagegen nur noch bei altern Leuten in allen Fällen; bei der
Jüngern Generation nimmt hier die Verengung >» e immer mehr
überhand. In den folgenden Beispielen ist darnach für jede Gegend
— 105 —
der ihr zukommende Laut einzusetzen ; ich führe die e-Form an
und bezeichne in diesem Kapitel auch die Nasalierung. Es werden
betroffen a) der Sekundärumlaut von a (vgl. §§ 47. 49), zB : next
gestern abend, neppdr Bohrer, sem(7n)d schämen, ivmtdld Wanze,
hevJcxh Bänklein. — b) der Umlaut von ä (vgl. § 73), zB.: menti(g)
(<^*mänin-tag) Montag, mp mähen, nedli(g) soviel Faden, als auf
einmal in die Nadel genommen wird, mit (mhd. ämät) Grummet
(mit unerklärtem Umlaut wie in mhd. üemet; vgl. Id. I 213). —
c) außer in K auch ä <i ei (vgl. §§ 80. 81), zB. : tsend f. (mhd.
zeine) geflochtener Korb, he Bein, emnur Eimer, he heim, pmend
Gemeinde, ne nein, mettd Mädchen.
3. Mhd. e (vgl. § 60) ist verengt >- e; a) auf dem ganzen
Gebiete vor im Auslaut geschwundenem Nasal: de den, ?('e wen,
ge (mhd. gehen, gen) geben, ne (mhd. nemen) nehmen. — b) über-
haupt vor Nasal in V Ma : ivemm wem, demm dem, den.) denen,
endt (mhd. enent) jenseits, tsentdr (mhd. zentencere) Zentner, trennd
oder tre f. in K (mhd. trene) Drohne, rcovd (in K) regnen (sonst
regnS). — c) in der Verbindung ervi >► enn in I (zum Schwund
des r vgl. § 94), zB. genn gern, stenna Stern, Ie)mj lernen. —
d) nach Nasal in I, zB. snek m. Schnecke, xnext Knecht, xnettd
kneten, neho neben, messj messen.
4. Primärumlaut-c (vgl. §§ 47. 48) ist vor Nasal geöffnet >> e
in H I Ml, zB. xcm(ni)i Kamin, Jictnp Hemd, hrcn(n)j brennen,
hmd Hände, MrevD streng, lienkx.) hängen.
5. Zur Senkung von L vor n {-\- Kons.) auf dem ganzen
Gebiete vgl. § 61a; während sie in Ma V nur bis >» e geht, tritt
in H I Ml dem Vorigen entsprechend dafür e ein, zB. xend Kind,
fendj finden.
6. Über f >» e vor im Auslaut geschwundenem Nasal außer-
halb K s. § 75, 2. '
7. In I ist mhd. o ö (vgl. § 65) nach Nasal geschlossen (n p)
oder nur schwach geöffnet (o ö), während auf dem ganzen übrigen
Gebiete auch in dieser Stellung 5 ö entspricht, zB. : mpst Most,
xngdo (mhd. knode) Knöchel, Dim. xnödh, motta unter der Asche
glimmen (vom Feuer), moga Morgen.
8. Der lange ö- und Ö-Laut vor Nasal ist in allen Fällen
in H I Ml (in Speich. schwankend) geschlossenes ö 8 oder schwach
geöffnetes ö S, während in V M2 (in Speich. schwankend) offenes
— lOG —
g § und zwar a) entsprechend mhd. 6, ö (vgl. §§ 76. 77), zB. :
h^n,') {-()-) Bohne, lg (-ö) Lohn, Jtp (-5) (mhd. hoenc) böse, zornig.
— b) entsprechend mhd. ä ce (vgl. §§ 71. 73, 2),, zB, : söm(m)9-{-ö-)
Samen, xrgm(mj {-[)-) (mhd. kram) Geschenk, Dim. xrömli (-5-),
niQ (-5) (mhd. mdnc) Mond, gö, stö, lö, slö (-5) (mhd. gän, stän,
län, sh'oi) gehen, stehen, lassen, schlagen. — c) entsprechend
mhd. OH oil (in H jedi>ch o; vgl. §§ 82,2. 83), zB. römm (-5-)
Rahm, ggmmj (-5-) das Haus hüten. — d) entsprechend on ön,
an im vor Spiranten (vgl. § 96), zB. : gJösj (-ä-) (mhd. glansd) Feuer-
funke, fjgösti(g) (-5-) mißgünstig, neidisch.
In I ist mhd. ä auch nach Nasal durch geschlossenes ö oder
nur schwach geöffnetes o vertreten, während auf dem ganzen
übrigen Gebiete in dieser Stellung o entspricht, zB. : nödh Nadel,
nQt Naht, mgh malen, tnöss Maß.
9. Zur SenkAg von u vor n und m -\- Kons. >> o auf dem
ganzen Gebiete vgl. § 68 b.
10. id, ua, üd vor Nasal >- e, 3, 3 in K s. §§ 85, 2. 86,2. 87,2.
§ 96. Es möge hier die sog. Vokalisierung des n an-
geschlossen werden. Vgl. zum ganzen F. Staub ,Ein schweizerisch-
alemannisches Lautgesetz 'J^a Frommanns Deutschen Mundarten VII
(1877) S. 18 ff. 191 ff. 333 ff.; zu den appenzelHschen Verhältnissen
besonders S. 345. Die Erscheinung zeigt sich auf dem ganzen
Gebiete vor allen drei Spiranten. Weitaus die meisten Beispiele
gelten jedoch für die Stellung a) vor dentaler Spirans:
a7is (teilweise aus ants) <C (is: fäsd Tanse {fdtäsdt, f'Qtäsdht so
,sehr schön' fasse ich mit F. Staub aaO. S. 334 als euphemistisch für
verstärkendes ,verdammt' mit Anlehnung an täsd) ; fräsh f. Franse,
fräslo fasern (vgl. Id. I 1310); frastss fremdartig (vgl. T. 204 und
Id. I 1311); nur in V gilt xras Kranz, xräs,) ,kranzen' gegenüber
xränts, bezw. xrfits, xranfs auf dem übrigen Gebiete; HasU für
Hansli Dim. zu Hans, das T. 258 a angibt, ist heute selten ge-
worden, doch ist in I noch allgemein Hästom Hans Anton.
ans >» äs : bräs.jb (bezw. nach § 95, 2 -e-, -e-, in K -äss-)
nach Brand riechen, brenzeln (die Annahme sekundärer Diminutiv-
bildung zu*brgsj <ihranscn ist unnötig; vgl. Id. V 741); fraglich ist,
ob täsli Dim. zu Tanse, und tädig Tragriemen an der Tanse (T. 130b)
lautlich entwickelt sind oder ob Neubildungen zu täsd vorliegen.
— 107 —
ens (ms) >» es: hesdl (mhd. hcnsel, lat, penicillum) gilt heute
nur auf einem kleinen Gebiete in Urn. und Haslen ; in V M2 gilt
h5s9l, in Ml Hundw. Stein bösdl (vgl. § 95, 8), welche Formen auf
gerundetes öns <C ens zurückgehen (vgl. § 91b); in I herrscht hmisd
(vgl. dazu Id. IV 1393), im übrigen H bensd. Den selben Formen-
reichtum zeigt ,Gespenst' (mhd. gespenste^: kspest in H I Mi (in
Schwellbr., Schön, auch Jcspenst), ksp3st in M2 V. festdr Fenster in
IM V hat in H (nach T. 179a auch in I, doch heute nicht mehr)
feistdr neben sich (s. dazu u.); auf dem ganzen Gebiete dringt
heute fenstjr, bezw. fenstdr ein.
ins mußte nach § 61 a zu ens Averden und ist daher eben-
falls durch es vertreten: tses Zins, tsesd zinsen; hesd (in K -ss-)
(mhd. hincs, hins) Binse; tressd weinerlich klagen (vgl. F. Staub
aaO. S. 200); nur in V fesh (neben seltenem! fish) mürrisch
zanken (vgl. T. 191/2 und Id. I 1071). Zu les « Uns und dies
mit Einschub von n aus lls vgl. F. Staub aaO, S. 857 f.
ons, öns > öS, ps, bezw. 5s, 3s (s. § 95, 8) : in K mostor (lat.
monstrum) Ungeheuer, dazu in gleicher Bedeutung pmostdr (vgl.
Id. IV 340); hierher gehören auch die oben angeführten Formen
hosdl und Jispdst.
uns, Uns wurde nach §§ 68 b. 70,2 a gesenkt, und es entspricht
QS, ö.sin H I Ml, ös, 3s in M2 V (s. § 95, 8) : glöS9 (mhd. glimse) Feuer-
funke; tsösh unvorsichtig mit Feuer umgehen (vgl. T. 461a und
F. Staub aaO. S. 29 f.); hierher auch (mit Kürzung) hlu9drösti(g),
in K hlioärös (nach T. 61b) (zu mhd. hluotnmsec, -riins) blutrünstig
(vgl. Id. VI 1153/5); ös uns (mit Umlaut aus dem Acc. ahd. unsih)
gilt nur in I H2 Mi , auf dem übrigen Gebiete (Hi und M2 V) heißt
es durchaus üs. — Die Vertretung von uns, Uns ist außerhalb K
derjenigen von uns, uns analog: wö§s (bezw. -5-) Wunsch, ivössr)
wünschen; ö(r)s(t)li(g) (mhd. unslH) Unschlitt; xöst Kunst, xösth
künsteln, xpsthr Künstler; hröst Brunst, hrdsti(g) brünstig: tost
Dunst, tösti(g) dunstig; pgöst Mißgi^nst, Neid, f9gösfi(g) neidisch.
In ganz K gilt jedoch ivüss, ivüssd, üs(t)li und in Walz., Reute,
uOb., schwankend in Wolfh. und oOb., herrscht -ü- auch in den
übrigen Beispielen.
b) Vor labialer Spirans ist das einzige heute allgemein
gültige Beispiel fgf (bezw. -5-) fünf; vgl. die Bemerkung zu t8f3l
in I (§ 79). Alte Leute brauchen noch etwa fjrnöft Vernunft,
— 108 —
fdrnö(ti(g) vernünftig, während heute fdrnumpft, fdrnümpfti(g)
die gewöhnliche Form ist, T. 254/5 gibt noch an häf Hanf,
häf'Kjj) aus Hanf hergestellt, neben hampf, welche Form heute
ausschließlich vorkommt.
c) Vor gutturaler Spirans: äxs9, in K g,ss9 {mhd. anch^en)
ächzen (s. Id. I 300); hexdr {<^*hwchar, ahd. hini-kar) Bienen-
korb (s. Id. IV 9(58); nach T. 114 a auch xöxh (dagegen in K
IxXunkxJj) Kunkel.
F. Staub erwähnt, daß auch Appenzell ,in einem oder zwei
Beispielen' die Ausweichung in den Diphthong kenne. Das von
ihm vermutete Beispiel Hcisi, fällt nach § 89, 1 a weg, und es
bleibt nur feistar , Fenster' in dem oben erwähnten Teile, das sich
im angrenzenden st. gallischen Gebiete fortsetzt.
In I tritt nach gedehntem Vokal meist vollständiger Schwund
des Nasals vor jedem Konsonanten ein, zB. tatsd tanzen,
gäts ganz, mgUal Mantel, tvettdr Winter, hetsj Handschuh; läppd
Lampe, stapf j stampfen, grephr Grempler.
Dagegen wird släts in K (bei T. 388 a) , unhaushälterische Weibsperson'
nicht, wie F. Staub aaO. S. 196 vermutet, auf *schlants zurückgehen, sondern
ä < ei (vgl. § 80) haben und zu mhd. sleitzen gehören, dem Faktitivum zu mhd.
sitzen, mundartlich sltsss (bei T. 389).
b) Quantitative Veränderungen.
Die Qualität der Vokale bleibt dabei intakt, wie es in den
schAveizerischen Mundarten die Regel ist.
Hochalemanuische Dehnung.
§ 97. Vor auslautender Lenis tritt die Dehnung fast
durchgehend ein und betrifft alle Vokale. ZB. vor Verschluß-
laut: räd Rad, xleb (mhd. kle2), -bes) Kleister, smed Schmied,
trog Trog, tsög Zug, — vor Reibelaut: glas Glas, gras Gras,
grex {mhd. gerech) fertig, höf Hof, — vor Sonorlaut: bär bar,
ser (mhd. schrr) Maulwurf, hwer Gewehr, nier mir (betont), tor
Tor, tör Türe; smäl schmal, tsäl Zahl, mel Mehl, stzl Stiel, hol
hohl, ol Ol; mit nachherigem Abfall des n (zur Nasaherung vgl.
§ 95) tsä Zahn, ge (mhd. gen) geben, he hin.
— 109 —
Doch kommt in manchen Fällen neben Dehnung seltener
bewahrte Kürze vor, ohne daß sich eine Regel dafür aufstellen
ließe. Ein regelmäßiger Wechsel von Dehnung vor Pausa mit
Kürze im Satzinnern findet sich nirgends. Vorwiegend kurz sind
red Rede, ives Wiese, jiid Jude, und nur mit Kürze kommen vor
has Hase, groh grob. K verhält sich etwas ablehnender gegen
die Dehnung als das übrige Gebiet.
Bewahrung der Kürze vor Sonorlaut mit Verschärfung des
Konsonanten s. § 34.
Zum Unterbleiben der Dehnung im Imperativ der starken
Verben, zB. geh! gib! vgl. § 106.
§ 98. In mehr vereinzelten Fällen ist auch Dehnung ein-
getreten vor auslautender Sonor- und Reibefortis mit
gleichzeitiger Schwächung des Konsonanten. Die Beispiele vor
Sonorlaut sind: fäl m. Glück (vgl. T. 175b), öfäl Unglück, nur
selten noch l demm fäl ,in diesem Falle' (meist fall); öl ,all'
in öhdräl (vgl. § 103); fei n. Fell, Schorf über einer Wunde;
hxivel n. ,Gewell' (siehe § 31); — sivüni (im Ablaut zu mhd.
sivam, -mnies) Schwamm (vergl. § 102); sttm Stimme; — mit
Schwund von n (<; nn): niä Mann: häivnrt (bei T. 37a) ,Gemeinde-
gutaufseher' setzt hä ,Bann' voraus; neben SJ ,Sinn' kommt auch
vor sinn, sind. Vor Reibefortis kommen vor häs (mhd. haz)
besser; iväs, das (mhd. waz, das) Avas, das; ref n. (mhd. r'ef, -ffes)
Traggestell (vgl. Id. VI 644 f.); es f. Esche in I (neben häufigerm
eis; vgl. § 89, 1 b) gegenüber ess,) auf dem übrigen Gebiete;
fls m. (nach T. 193 b) die in eine längliche Form im Kessel zu-
sammengebrachte Käsemasse, dagegen fiss in der nhd. Bedeutung;
spts m. in H, sonst spts(s)j ins Fleisch gedrungener Holzsplitter,
dagegen spess Holzspan; hes n. (mhd. his) in M und Vi teilweise,
sonst pess (in K piss) Gebiß, dagegen allgemein hess (iii K hiss)
Biß, Bissen; hwls gewiß in K, sonst hvöss.
§ 99. Die im einsilbigen Worte entwickelte Länge ist vielfach
analogisch übertragen auf zweisilbige Formen, zB. tsth
zielen (zu tsfl), Öh ölen (zu o/), meli(g) mehlig (zu mel), usw. Aus-
nahmslos ist die Übertragung vom Adjektiv auf den zugehörigen
Komparativ, Superlativ und das Femininabstraktum, zB.
, . . _ 110 —
zu ämäl schmal: kndhr, §tnel§t, smeli, zu gräd gerade: greddr,
(jrrtst, (jredf, usw. Im Diminutiv ist die Kürze meist erhalten,
zB. rüdh Rädchen (zu räd), wecjU Wegiein (zu -weg), doch mit
Übertragung der Länge feU kleines Fell (zu fei), häufig auch trogli
Tröglein (zu trog), Mägli schwacher Schlaganfall (zu släg).
Die zweisilbigen Plurale Avie tsäh Zahlen (zu tsäl), törd Türen
(zu tör) haben Länge, von den neutralen Pluralen auf -dr nur
diejenigen auf Sonorlaut: telhi' Täler (zu tül), sptlhr Spiele (zu
spiJ), dagegen grehjr Gräljer (zu grob), red.jr Räder (zu räd), usw.
Nur in I findet sich die Länge in gräbd graben, gräbd m. Graben, wozu
der PI. gräbd und das Dim. gräbli. Da sonst Dehnung in offener Silbe nur
vor Sonorlenis vorkommt (vgl. § 100), liegt wohl Übertragung vor von grab
Grab, Dim. gräblt aus.
In der Zusammensetzung (vgl. § 109) herrscht meiöt
Schwanken, zB. rätsuj und ratsna Radschuh (zu räd); nur mit
Kürze kommen vor taglö Taglohn, wegwisjr Wegweiser. Kurz
sind in der verbalen Zusammensetzung he hin, und dweg hinweg,
zB. he-, fnveg-leMa , -tua hin-, hinweglegen , -tun ; immer lang
dagegen ist ä an, zB. älelckj anlegen, äludgd anschauen. Kenn-
zeichnend für I ist äh- gegenüber ah- auf dem übrigen Gebiete,
zB. : ähhouwd abschneiden, äbrihd abreiben, auch äbtret Abtritt. •
Dehnung in offener Silbe.
§ 100. Sie findet sich nur vor Sonorlenis und nirgends
in allen Fällen. Vor r sind gedehnt färs falyen, ßtswerd (zu mhd.
ersiv'ern) zu eitern beginnen (von einer Wunde), her,) f. Sc]jieb-
karren (vgl. Id. IV 1479), tverj wehren, hera (mhd. hern) kneten,
hfrörd gefroren, fdrlörd verloren, Mord geschoren ; dagegen zeigen
bewahrte Kürze : kivard gewahr werden, spür,) sparen, iverd dauern,
gerd begehren, herd Birne (vgl. Id. IV 1483), tsweri(g) (zu mhd.
zwir) zweimal, hord bohren, sord (mhd. schorn) schaufeln, stDrd
(mhd. storn) stochern, wühlen.
Vor / findet sich heute auf dem ganzen Gebiete außerhalb I
(wo XDui; vgl. § 89, 2) die Form xöb f. Kohle, die möglicher-
weise schriftsprachlich ist. Nur in H I und Gais gilt mäl9 mahlen,
nur in I und Gais tsäh bezahlen, und nur in I stel) stehlen, sonst
niah, tsah, Ueh. In den übrigen Fällen herrscht Kürze auf dem
ganzen Gebiete, zB. ^ah Schale, höh holen, spih spielen, usw.
— 111 —
Neben well» wählen, Tcxwelh quälen kommt außerhalb I auch iceh,
kxtveh vor.
Vor n ist Dehnung eingetreten in färu m. Fahne, häna Faß-
hahn, äni Großvater (vgl. § 49 b).
splni f. Abendbesuch eines Freiers bei seiner Geliebten (vgl. T. 379 b)
gehört wohl mit spinna , spinnen' zusammen. Auffallend ist aber die Verein-
fachung des nn auf dem ganzen Gebiete.
Vor m gelten auf dem ganzen Gebiete räm(m),} m. Rahmen,
hrmi(m)d f. Bremse (vgl. § 94), nur in I Ha sönidr (mhd. sumer)
Sommer (sonst sjmmjr), dagegen allgemein nam(m)d Name,
him(m)jl Himmel, usvs^.
f. Dehnung vor Konsonantenrerbindungen.
Ip. Betracht kommen fast nur Liquida- und Nasalverbindungen.
Die einzelnen Teile des Gebietes verhalten sich verschieden. Im
ganzen ist H der Dehnung am wenigsten zugänglich; am weitesten
geht sie in M2 Vi. Der gedehnte Vokal ist meist überlang (vgl.
§' 23).
§ 101. Dehnung vor n (r>) -\- Kons.:
Dehnend Avirken m (rt) -[- Verschlußfortis oder Aifrikata.
Betroffen werden alle Vokale außer i und u, ii, die aber nur
noch vorkommen vor nie, nkx (vgl. §§ 63 b. 67 aa. 70, 1), dagegen
vor nt, uts zu e (e), bezw. j, ö gesenkt sind (vgl. §§ 61a. 68 b.
70, 2 a) und als solche der Dehnung ebenfalls unterliegen.
Auf dem ganzen Gebiete ist also die Kürze erhalten in
riwJco Schnalle, trivhxs trinken, tunkxdl dunkel, usw.
Gar keine Dehnung vor n (a) -f- Kons, kennt Teuf, und H
außer Urn. Nur in de*n Fällen mit -etit, -enk reicht die Dehnung
westlich bis nach Urn. und gilt sie in Bühl, und Gais. In I sind
gedehnt ant, ants, änf, ent, evk; nur in M V ist die Dehnung im
ganzen oben bezeichneten Umfange eingetreten. Darnach sind die
folgenden Beispiele auf die einzelnen Gebiete zu verteilen:*
änt: gänt f. Gant, gäntd ganten (in I gamt n., gqmtd), xäntd
(mhd. kante) Kanne, mäntal*'^dj\ieY, häntdli Halbhandschuhe (in I
hqnddli) ; allgemein nur mit Kürze kommen vor pgnth dicker Kerl
(vgl. Id. IV 1397/8) und hantli(g) handlich. — qnt (bezw. ent, ent;
— 112 —
vgl. § 95.2): n(intjh Wanze, hantsd Handschuh, usw. — ent: hrenU
niederer Holzzuber, tsi^nfor Zentner, ivenfjr Winter. — 5nt: hönto,
auch .yjxnifj Spund am Fasse, göntj Wasseransammlung (vgl.
Id. II 384), sgntt(f/) Sonntag, dagegen allgemein montdr munter.
änts: tünts Tanz, Units,) tanzen, swänts Schwanz, glmits Glanz,
sränts (mhd. schranz) Riß, xränts Kranz, xräntsd kränzen, pfläntsd
Pflanze, xäntsh Kanzel. — ents: srentsj (mhd. schrenzen) reißen,
glfntsd glänzen, grentsj Grenze. — onts: mmts Münze, Kleingeld;
dagegen allgemein hronts.) brunzen.
äoh: räoJcj zanken (s. T. 359a), ränkot,) Gezänk. — enh:
levJcs (zu mhd. lenc) links, spenh) m. großes Stück (Brot, Fleisch).
änlcx: ränhx Rank, mnkxj den Rank machen: dagegen auch
in M V nur selten mit Länge hänlxx Bank, xränhx krank, und all-
gemein nur mit Kürze taokxj danken, frqnkxd Franken. — eokx:
tenkxj denken, lienhxd hängen, sevkxd schenken, swenkxj schwen-
ken, forenkxo verrenken (den Fuß), senkxdl Senkblei,
Zur Nasalierung vgl. § 95, zur Vokalisierung des n § 96.
§ 102. Dehnung vor m-|-Kons. :
Auf dem ganzen Gebiete ist vor altem mm Dehnung ein-
getreten ; bewahrt ist sie jedoch meist nur noch bei altern Leuten :
bommstämmj Baumstamm, stamme (PL) Erbstämme, tstämmdwls
erb,) nach Stämmen erben; fortsivemm,d wegschwemmen, stpnmd
stimmen, sicTmnh) schwammen, kswömmd (bezw. -5-) geschwommen.
Allgemein ist heute noch die Länge vor mm <; mb in imm9
(mhd. mibe) Bienenschwarm.
Ferner ist in I und M V Dehnung eingetreten vor mp und
mpf; doch betrifi't sie nur die Vokale a, ü, e, dagegen nicht i,
0 « «). ". ''•
Vor mp: lämpd Lampe, Iqmpj von Blumen, welk nieder-
hängen, slämpj, plämpd nachlässig, langsam gehen, dazu slämpi,
plfjnipi Einer, der so geht. — plämph sehr langsam gehen,
fdplämpjrl) (die Zeit) vertrödeln. — gremphr Grempler, lempd
Wamme des Rindviehs, in K auch slempor Reuthaue.
Vor mpf: xrümpf Krampf, gigrlmpfo schaukeln, hämpfld f.
eine Hand voll, in I auch Mq(m)pf\) stampfen, sonst sUmipfa, wie
auch allgemein tampf Dampf, Rausch.
— 113 —
§ 103. Dehnung vor Z-|-Kons. :
Vor n zeigt gedehnten Vokal lialhrli ,Hellerclien' in dem bei
T. 254a angeführten Spiele; dagegen kommt heute noch vor die
Redensart lixünn hälhr wert sc keinen Heller wert sein. Vgl. auch
weh, kxweh § 100.
Sonst ist die Kürze bewahrt, zB. fal(l)d ,fallen', auch in alt ,alle': doch
(heute veraltet) als , alles' (vgl. äl(l) § 98).
In V M I und Stein ist Dehnung von a und ä eingetreten
vor U (im Auslaut geschwächt zu Id) und Us, Ifs : phälto behalten,
üld alt, xäld kalt, kwcdd Gewalt, gäld keine Milch gebend, dazu
gälÜi(g) (s. S. 91), usw.; sälts Salz, smüJts Butter. — h«shält»n
Haushälterin, fälfJ.) fälteln: nur in fälts ,falsch' und tcalts , welsch'
reicht die Dehnung weiter westlich bis nach Her. — Auf dem
selben Gebiete, doch weniger konsequent, ist a auch gedehnt vor
altem /(/ und vor Im : Jic'ddj Halde, häldj sich neigen, bcUd bald,
selten in iräld Wald; sn-ähi,) (mhd. swalwe) Schwalbe, wälnid (mhd.
walle) Heuboden (vgl. T. 439 a).
e ist in M V gedehnt vor It, Its : seltd selten, tselta (mhd. 2;elte)
Fladen, seifst (mhd. seltscene) sonderbar, mürrisch.
Dagegen ist e (Primärumlaut von a) nie gedehnt, zB. heida
neigen, Icwelin Gewölbe, auch nicht analogisch in den Kompara-
tiven eltdr älter (zu äld), usw. (vgl. § 99).
§ 104. Dehnung vor r -\- Kons.:
a) vor altem (in der MA. vereinfachtem) rr ist Dehnung ein-
getreten in flärj (mhd. darre) breiter Schmutzfleck, S2)era sperren,
tsera zerren, terj dörren; dagegen ist die Kürze beAvahrt in xard
Karren, S2)arj Sparren, sarj scharren, glara (mhd. glarrcn) glänzen,
stän(g) starr, steif, snora Maul von Tieren, moro murren, sora
surren.
b) vor den übrigen >•- Verbindungen ist auf dem ganzen Ge-
biete außer den unten angegebenen Teilen von K Dehnung von
a, «, e, e (Primärumlaut von a und e <^ /), o, o (-< u) eingetreten
(in I ist das r geschwunden, auf dem übrigen Gebiete häufig
vokahsiert; vgl. § 94):
vor rt in wärtd warten, gärtj Garten, xärta Karte, färt Fahrt,
lärt Bart, märt Markt; gertar Hackmesser, lifert Gefährt; wertd
Vetsch, Appenzeller MundarteE. 8
— 114 —
wirten, ivcrf Wirt, ivört,^ Spindelring; 2J5r^ Bord, Rand ; ^ör^ Gurt,
Örta Ürte; dagegen mit bewahrter -Kürze: wert Wert, hert hart,
fcrf(((/) fertig, fort fort; schwankend ist tv5rt Wort, ivortld einen
Wortkampf führen. - vor rts in ivärtsd Warze, härts Harz;
ämertsd Schmerzen, Mrts Herz; xertsd Kerze, merts März; §törtsd
Strunk, hörtsj sich herumwälzen (vgl. Id. IV 1640 f.); förfs,) farzen,
ivörtsh Wurzel, stört s Sturzblech, dazu stortsi(g) aus St., hörtsh
purzeln; dagegen mit bewahrter Kürze: simr^s schwarz, swertsdr
schwärzer, swertsi Schwärze ; xorts kurz, xörtsdr kürzer. — vor rd
in «/y/ Art, äräli(g) sonderbar; werch werden, erdd Erde, iverd wert,
beliebt ; tvordd geworden, mörd Mord, morddrd morden ; dagegen
mit Kürze: hordi Bürde. — vor rs, r§(t) in xärst Karst; gerstd .
Gerste, fers Vers; ferst First; hörsta Borste; wörst Wurst, törst
Durst, hörstd Bürste; dagegen meist mit Kürze: fersd Ferse,
mörsl Mörser.
Vor rp, rpf, rb, rf in slärpd schleppend gehen, särpf scharf,
närhd Narbe, lürffd Larve, midliürffd Mundharmonika; ärhdt Arbeit;
sterhd sterben, serhd Scherbe, nerffd Nerv; slerpa schleppend gehen,
serpfdr schärfer, iverpfd Zettel (s. T. 445 b), erhd erben, erb Erbe,
fdderbd verderben ; xörb Korb, wörb Sensenstiel, dörff Dorf, g'drpsd
rülpsen; xorpsd Kürbis, förbd wischen; dagegen mit bewahrter
Kürze: Jierpst Herbst, hworffo geworfen, ivörffo werfen, ivo^if
Wurf, ivörifdl Würfel.
Vor rh, rkx, rg, rx in märJcxd Briefmarke, sarg Sarg, märg
Mark, Marx stark, märx Grenzzeichen, bärxdt Barchent, snärxh
schnarchen; tsiverg Zwerg, iverxxj schaffen, werx Werg; er gor
Ärger; törkdJ Kelter, sörgd sorgen, sorg Sorge, örgh Orgel, störx
Storch; förU,) Mistgabel, örxi(g) rein, unverfälscht (s. Id. I 434 f.),
ivörgr) ^\üYg&n, iörr/ Bürge; dagegen mit Kürze: ferho »fertigen',
liefern, merl'Xd merken, morga morgen, forxt Furcht, törka Mais;
schwankend sind stcrxxar, sterxxi stärker. Stärke, xerxd Kirche;
birg ,Berg' ist in H I kurz (be(r)g), förxxj in I (föxx<)).
Vor rl ist die Kürze bewahrt mKxarl Karl, lixärli Kerl.
Vor rm in ärmj Arm, arm arm, irärni warm, tärm Darm,
fdbärmD erbarmen; fdbärmst Erbarmen, sivärmd schwärmen (von
Bienen), lärnu lärmen; wernur wärmer, ernijr ärmer, ermdl Ärmel;
dagegen mit Kürze: serni Schirm, ivorm Wurm, stm'm Sturm,
form Fonn, nur in I mit Länge semm, ätömm.
— 115 —
Vor rn in urlrnd warnen, gärn Garn, härn Heuboden; lern9
lernen, xernd Kern, sterna Stern, gern gern, ernst Ernst; nijrn
morgen, örni(g) Ordnung; dagegen mit Kürze hörn Hörn, torn
Dorn, xorn Korn, fornj vorn, hornar Februar; nur in I mit Länge
tonn, fönnd; schwankend sind überhaupt tsicernj zwirnen, torn
Turm.
In Bühl, und Teuf, ist die Dehnung von e, e, o, o nicht so
ausgeprägt wie auf dem übrigen Gebiete; zum Teil bleibt sie
ganz aus, zB. herts, nerf, ivermdr, xorh, äorff.
Auf einem weitern Gebiete ist die Dehnung vor rh ■< rw
unterblieben, nämlich außer in ganz K auch in I Teuf, und H
(außer Her.), wo es heißt farh Farbe, färhd färben, gürha gerben,
in I (wo fah, fähd) auch smehd (mhd. smirwen) schmieren.
Die Kürze ist bewahrt vor r ■< rh in merd (mhd. märhe) Stute, tsweris
(zu mhd. tw'erch) quer, fyr) (mhd. vorhe) Föhre, forj Furche; dagegen zeigt
Dehnung färh (ahd. farhelin) Ferkel.
In K außer Heid. und oOb. betrifft die Dehnung konsequent
nur die Fälle mit a und ä. Bei e und o sind die gedehnten
Formen seltener als die mit bewahrter Kürze ; es herrscht Schwan-
ken beim selben Worte, e und o sind hier, wie auch / und u,
>» id, ud gebrochen (vgl. § 94).
§ 105. Dehnung vor x -\- Kons.:
In V kommt noch im Munde alter Leute vor sextsJc .sechzio-'
■ O
und in I gilt allgemein hext Hecht (Wirtshausname).
Vgl. dazu die Dehnung vor xt und xs im rechtsrheinischen Alemannien
in PBB. 23, 148 f.
Kürzung.
§ 106. Auf den Eintritt des starkgeschnittenen Silben-
akzentes bei starkem Exspirationsdruck (vgl. Sievers § 843)
ist die Kürzung zurückzuführen in se! (ahd. se) ecce! (s. T. 418 a),
jo! ja (s. § 24), log! auch einfach lo! Imperativ zu hoga schauen,
ferner wahrscheinlich auch in su ,Sau' in V (vgl. S. 85), das am
häufigsten gegenüber Menschen in der Emphase gebraucht wird,
zB. 9 Sil bist! oder du bist ,) rexti su! und in bi, ddbi^ fodbi ,bei,
dabei, vorbei' ebenfalls in V (s. S. 86). Vgl. auch § 109.
— IIG —
Die betonten Pronomina l ich, da du, er er, si sie, nier wir, er ihr, sl sie,
die Demonstrativa der der, (if den, das Frageadverb ivö ,wo' sind nur lang vor
Pausa. Schließt sich im Satzinnern ein anderes Wort an sie an, so erhalten sie
noch stärkern Akzent und sind kurz, zB. du bissl du bist es! i säg ds! ich
säge es! mer ivönt s nüd! wir wollen es nicht! tvo bist jets? wo bist du jetzt?
§ 107. Kürzung vor mehrfacher Konsonanz:
Vor Nasal -f- Kons. : tswäntsk (bezw. -e-, in K -a-) zwanzig
(mhd. sicem^ec); in H I pment Gemeinde; allgemein find (mhcl.
viant, vient, vm;^) Feind; fr Und (in K /Vä>^<7) Freund {mh^. vrinnt);
nibü (<C vnh.di.'^niuwent) nichts (vgl. T. 339a); mint Ordnungszahl
zu nü neun; dienst Dienst; bimst und hismst Biestmilch (vgl. T. 52a
und Id. IV 1795).
Vor Liquida I Kons.: allgemein ülf (mhd. einlif) elf; in K
mudlt und nioU , Backmulde' gegenüber sonstigem miidltd (mhd.
miiölte; vgl. Kluge 275); fidH Ordnungszahl zu fidr vier, fisHsk
vierzig.
Vereinzelte Fälle: drissk (mhd. drisec) dreißig; fö^t Ordnungs-
zahl zu /5/' fünf, föftsk fünfzig. Bei den Jüngern auch hudsta (mhd.
huoste) Husten, und wüast (mhd. wüeste) häßlich, während bei den
Altern noch hiostd, ifiir)st.
In I auch jjroxt , gebracht' gegenüber pröxt außerhalb I.
§ 108. Die weiteren Kürzungsfälle betreffen mit wenigen
Ausnahmen die Vokale l, ii, ü und die Diphthonge id, h9, üd
(1> i9,u9, üd\ vgl. § 12).
a) vor Fortis.
OL. vor Verschlußfortis:
Allgemein ist die Kürze in sit Holzscheit, sittd Holz spalten,
hat heute, nüts (<; mhd. *niutcs) nichts (vgl. T. 338 a), niudttdr
Mutter, fiidtt,)}- Futter. Mehr nur bei den Jüngern, während
(namentlich in V) bei den Altern die Länge noch beAvahrt ist,
sind gekürzt tsit Zeit (älter tsld), tsitti(g) Zeitung, sittd Seite,
rittoro Sieb; sivits Schweiz, tiits deutsch; guot gut (älter gudä),
hudt Hut, Hidt Rute, hädtt.) hüten.
ß. vor Reibefortis:
Allgemein ist linffo Haufe ; dagegen findet sich bei den Altern
noch häufiger die Länge in fiuss Fuß (in I veraltet noch fuds) und
in piuss Buße, während bei den Jüngern fudss, jJudSS vorherrscht.
— 117 —
b) vor Lenis. Die Kürzung ist wohl durchweg im ZAvei-
silbigen Worte eingetreten und die Kürze im einsilbigen Worte
aus den zweisilbigen Flexionsformen übertragen.
a. vor Verschlußlenis:
Allgemein ist stvigo schweigen; dagegen gilt siigd saugen
nur außerhalb K (avo siigs). sfcl) , Seide' außer in H und V (wo
sich). Auf dem ganzen Gebiete findet sich neben der häufigem
Kürze bei den Jüngern noch die Länge bei den Altern in xridd
Kreide, Jisfruh ruppig, rubis ont stühis mit Stumpf und Stiel (vgl.
Id. VI 76 f.). Allgemein ist die Kürzung in budh Knabe (in Reh.
noch weiter reduziert zu hob), dazu büdbJi, büdbiss, ferner in lübar
lieber (zu lidb), lisplitg) lieblich.
Zur Kürzung von 0 <C ok vor Labial s. § 82, 2.
ß. vor Reibelenis:
Allgemein gelten xnish f. (zu mhd.A'rr^s) Haarlocke; mit nach-
heriger Senkung von u ^ o außerhalb K xrosl) f., in K hvrtish
(zu mhd. h'üse) Krug, mit dem Dim. xrösdi, in K kxrüsoli; ferner
sufh Schaufel. Nur in K außer Heid. und uOb., oOb, ist keine
Kürzung eingetreten in is<) Eisen; auf dem übrigen Gebiete gilt
allgemein isj.
Auf dem ganzen Gebiete gilt auch nios^» m. (mhd. mase) Flecken
(vgl. Id. IV 434/5) ; ferner ist Kürzung von a (ä) «< ei allgemein in
häsdbeijdr, in K hasdber Heidelbeere (vgl. Id. IV 1468 und § 109).
c) vor germ. h:
Die Behandlung des h ist verschieden nach den einzelnen
Gebieten und auch nach dem vorausgehenden Vokal. Nach i ist
es im östlichen Teile von K als palataler Spirant, im westlichen
Teile bis (schwankend in) Wald Reh. als Hauchlaut erhalten,
auf dem übrigen Gebiete geschwunden. Kürzung von i findet
sich in si(h)j (mhd. s'ihe) Sieb, f,)fsi(JO<i verzeihen, iiri{h),) ein-
weihen in V und H ; in I M ist in diesen Beispielen Diphthon-
gierung eingetreten (s. S. 85). Die zahlreichen Nebenformen zu
r}(}i)c> (mhd. r?^e) Rist des Fußes siehe Id. VI 795. Auf dem ganzen
Gebiete gilt b'ul (mhd. hihd) Beil.
Nur in K außer Heid. oOb. ist die Länge noch erhalten in
rüx rauh, rüxd schlechter werden (vom Wetter), gegenüber rux,
riiXD auf dem ganzen übrigen Gebiete, und nur in K außer Heid.
in süj^ scheu, süxa scheuen, gegenüber sonstigem süx, s(i(xp. Nur
-- 118 —
von alten Leuten in K hört man auch noch tsil^,) ziehen und
pn^o fliehen ; sonst gilt heute auf dem ganzen Gebiete die Kürze :
tsüxd, fliic.t in H I Ml und K, tsn(h)j, flH(Ji)d in Mi Vi.
Auch e ist nur in K außer Heid. erhalten : tseJi^ (bezw. fse/^)
,Zehe' und (nicht allgemein bekannt) siehj Schlehe; auf dem
übrigen Gebiete mit Kürzung und Schwund des h tsea, sied.
Auf einem weiteren Gebiete dagegen gilt die Länge noch in
hö.n Höhe, Anhöhe, nämlich in V M und I außer Haslen und
mit Schwanken in App. In Gonten und Urn. A\ärd teilweise Jiöi
für das Abstraktum .die Höhe', höxi für , Anhöhe, Hügel' ge-
braucht. Im übrigen H kommt nur Jiöi vor.
Nur in H und Gont. Teuf, sind gekürzt gäx steil und tsäx zähe,
Komp. f/äxjr, tsüxjv, während gäx, tsäx auf dem übrigen Gebiete.
Alte Leute in K brauchen noch föYi oder fölia (mhd. fähen)
fangen; die von T. 198/9 für das übrige Gebiet angegebenen
Formen weisen Kürze auf. Heute hört man auf dem ganzen
Gebiete fast nur noch faovj.
d) vor Liquida:
Die einzigen Fälle sind f/Jd f. (ahd. fila, f/hala) .Feile' in
I M Vi oOb. Reute und Hundw. Stein, gegenüber flh in H und K
außer den angeführten Teilen, und sjiirj f. (mhd. splre) ,Spier-
schwalbe' in Teuf. M> Vi Heid. Wolfh., gegenüber sonstigem spfra.
e) vor Nasal:
Die Kürzung ist verbunden mit Gemination des Nasals zwischen
Vokalen und Verschärfung im Auslaut. Allgemein ist sie in rutmm)
räumen, summ9 säumen, summd schäumen, sunwi Schaum, xumm
kaum, fimimlifg), in I neben tnmniol (zu mhd. (hinie) Daumen; bei
den Jüngern auf dem ganzen Gebiete auch pfliiuinu Pflaume, fhnnm
Flaum, während bei den Altern (namentlich in I und K) hier
die Länge noch erhalten ist. Allgemein gelten slmu scheinen;
xlimur kleiner (zu xlf), auch xlinnst, ferner xlinm kleiner werden;
Sönnar schöner, auch sonnst, ferner sömurj schöner werden (die
bei den Jüngern vorwegende Kürze in so schön ist wohl daher
übertragen).
Abweichend vom ganzen übrigen Gebiete hat K Kürzung in
§ond (mhd. schönen) schonen (vom Wetter) und dign^j dienen (vgl.
(n9nst § 107).
Zur Kürzung von ö <C "n vor in s. § 82, 2.
— 119 —
f) Vereinzelte Fälle von Kürzung sind icädli (mhd. weidelich)
schnell; mäm(g) Meinung (neben »läna meinen), häh(g) heilig,
säh(g) (mhd. scbUc) sehg.
§ 109. Anschheßend seien im Zusammenhang noch die Ände-
rungen behandelt, welche in der Zusammensetzung haupt-
und nebentonige Silben erleiden, wenn sie unmittelbar aufeinander
folgen. Vgl. dazu R. Brandstetter, ,Prolegomena zu einer urkund-
lichen Geschichte der Luzemer Mundart' S. 62 f., wo folgendes
Gesetz aufgestellt wird:
a) In der Silbe mit Hauptstarkton A\ird die Quantität der
Sonanten oder der Konsonanten oder beider zugleich reduziert.
b) In der Silbe mit Nebeustarkton tritt Schwächung ein;
dabei werden sämtliche Vokale zu .) oder /.
Es folgen zuerst die Beispiele, in denen nur die unter a)
genannten Veränderungen stattfinden (geordnet nach dem Vokal
der Hauptsilbe):
h'idicerd'.ij, in K kidtc. (-<, lädw-, lädic-) etAvas zul'eide tun;
hädampf, in K -a- Hitznebel (zu mhd. geh ei); gäsmihx Geißmilch
(nur in H. sonst gässni-) ; IkUös .heillos', Steigerungsadv. (vgl.
Id. III 1429); die Zusammensetzungen mit tsicä (in K tsivä) zwei,
zB. tsiräfaxx zweifach, tsiväspäm(g) zweispännig, und mit a (bezw. e)
,ein', zB. äsitti(g) einseitig, äfaltUg) emfAlii^ : mnäsamm gemeinsam;
pmündrod Gemeinderat: die Zusammensetzungen mit stä (bezw.
ste) Stein, zB. stähoiacdr Steinmetz, stählatt,) Steinplatte; hrädäks
,Breitaxt' der Zimmerleute; täghüffli Hagebutte (zu mhd. teic): häs-
lüs Kleiderlaus (zu ]^ss Kleid).
hornodlj (<^]iörn-) Haarnadel; hrodwörst Bratwurst; rodhüs
Rathaus ; föftsea fünfzehn (zu f5f fünf) ; hröbeipr Brombeere (mhd.
hrämher; s. Id. IV 1471); lioxmudt (<C höxm-) Hochmut; grossfatfor
Großvater, grosmuattsr Großmutter; stosivag,) Mistbenne (zu stössd
stoßen).
/ iröhad (-< ftrö-) Feierabend ; mcismälts Schweinefett ; dritsed
dreizehn; lintiox Leintuch, lilaxxd (mhd. llnlachen) Bettleinwand;
die Zusammensetzungen mit ivlss weiß, zB. wisspröd Weißbrot,
wismuds Brei aus Weißmehl, wisnaiJBn Weißnäherin, die Namen
wlsrok, icishoni, ivisnas.) für eine Kuh mit weißem Rücken, Hörn,
weißer Nase.
- 120 —
buxnahjl (<, hfa'u-) Bauchnabel; hmiastdr Baumeister (vgl.
S. 85) ; die Zusammensetzungen mit mül Maul, zB. mulörgh Mund-
harmonika; mit hnld Braut, zB. hnidivag,) Brautfuder; mit hüs
Haus, zB. hudör Haustüre, hnsröd Hausrat, husliöx haushoch. In I
allgemein und in K noch bei altern Leuten ist die Länge in nf-
bewahrt, während auf dem übrigen Gebiete durchaus Kürze ein-
trat, zB. nfmaxx,) aufmachen, iiflesa auflesen (dagegen ist üs-
,aus-' nirgends gekürzt).
hürötto (< mhd. *hiii,rdten) heiraten ; stüfmudttdr (< mhd. *stiilf^
Stiefmutter, niintsej neunzehn (neben ml neun).
fhrtse,) vierzehn (neben fbr vier); fuarmä Fuhrmann^ fm)'-
iverxxd fuhrwerken (neben fuoy Fuhre) ; sudUerdr Schullehrer (neben
Süd Schule); siidmaxxdr Schuhmacher (neben siid Schuh), sudsolcf
Schuhsole; XudStall Kuhstall (neben xiu Kuh), Xudivärm kuhwarm
(von der Milch); hugxstahd Buchstabe (neben hudx Buch); hlnsd-
wörät, auch weiter reduziert zu blodiv- Blutwurst (neben bhi9d Blut);
die Zusammensetzungen mit fsio ,zu', zB. tsudnaxtd zunachten,
tsudslö zuschlagen; trüdhaf't gedeihlich (zu trüdijd gedeihen).
Nach dem selben Gesetze erklärt sich wohl die Kürzung in fulentss
faulenzen (zu fül faul).
Nur Reduktion der Konsonanten bei etymologischer Kürze des Vokals
liegt vor in stadhältdr Statthalter (s. T. 405 b); sadhuat {<Z sath-) breitrandiger
Strohhut (der Schatten gibt); bolougj große, hervortretende Augen (vgl. Id. I
137); maslädifg) in K (mhd. masleidec) verdrießlich (vgl. T. 312 b); losam
(<; los-sam) ringhörig (zu losd), hosamm {<C*hof-sam) sachte (vgl. Id. II 860).
Auch die folgenden Beispiele für Seh wächung der neben-
tonigen Silbe sind nach dem davon betroffenen Vokal angeordnet
(die Hauptsilbe kann zugleich Reduktion erleiden).
Zu i geschwächt wird ahd. / und die übrigen Vokale vor g,
in K auch vor l (s.u.): xilht (mhd. kilwl, Mlchunhe) Kirchweih;
hösti(g) usw. (s. T. 277a) Hochzeit (mhd. MchzU); hleinus, in H
hliblsh (•< bliwiz) Bleistift; eine Ausnahme macht f'ildxt (mhd.
vil Witr) vielleicht. — ßrti(g) Feiertag, werxü(g) Wochentag, und
so auch sönti(g) Sonntag, mänti(g) Montag (heute allgemein an die
Stelle von gudnti(<i) usw. (s. T. 248 b) getrete«, das auf den
Dat. giiotem tage zurückgeht), tstMiCg) Dienstag, usw., nur alte
Leute in Ob.^ sagen auch noch metü(g) Mittag (sonst allgemein
mettäg; vgl. § 39); auch jsthfg) (mhd. imsl'it) Unschlitt (mit Suffix-
— 121 —
Wechsel). — Dazu kommen auf dem großem Teil des Gebietes
noch snedli (mhd. sniteloiich) Schnittlauch und xnoUi (mhd. hiobe-
loKch) Knoblauch, doch in H snedhx, xnohhx und an der Grenze
"geo;en Berneffo- in uOb. snedb), TiXnohh. — Vereinzelt steht häntsi
(mhd. hantsdinocli) Handschuh' in K, gegenüber häntsj auf dem
übrigen Gebiete (vgl. § 53).
Sonst tiitt Schwächung zu a ein:
llhdt (mhd. Unicdt) Leinwand, lisdt (mhd. linsäf) Leiusame,
ennmjl (mhd. amnal) Narbe : hostdt Hofstatt (s. T. 277 a), betsjt
(mh.([.heftestafYBettgestell. sn(r)st9l {<^SHst(dJ) Schweinestall (in H),
fasnd Fasnacht, lihuxt- (mhd. h't naht) heute nacht, ividnsxt, auch
wendxt (mhd. diu iv'the naht) Weihnacht (in I dafür li'pxt, icpxt),
hoffdrf (mhd. höchvart) Hoffart, uff ort (mhd. üfvart) Himmelfahrt,
^jaxdit {mhd. juchart) Juchart, honundrt (mhd. houmgarte) Baum\\'iese,
xäskdr (ahd. häsiTiav) Käsenapf, hexdr Bienenkorb (vergl. § 96),
hopmo Hauptmann, nähj, näbart, nähds (mhd. neizivanne, -wä,
neizu-'er, neisu-az) irgendwann, -wo, jemand, etwas. — seltsd
(mhd. seltscene) sonderbar,, mürrisch, erb^r (mhd, erhcere) ziemlich,
sthor (mhd. schinbcere) offenkundig, — ei (möglicherweise über ä, ä ;
vgl. § 80) : Srbät (mhd. arbeit) Arbeit, enusa in H, äbjs<> in I,
ämmessö in M V (mhd. ameize) Ameise, wollfd (in K -d) wohlfeil,
billig, f^td (in K -d) Vorteil, örtal Urteil, harfd Hälfte (siehe
§ 30, 1), xratÄ'Xjt Krankheit, TiU-ondt Gewohnheit. — näpj)jr
(mhd. nabeger) Bohrer; uionot (mhd. >Hf?«o^) Monat, hämnidt {mhd.
heimot, heimuote) Heimwesen, wonnot (mhd. irermuot) Wermut (mit
volksetym. Anlehnung an u-orni Wurm), senntani (<C senntuoni)
Senntum (Vieh ; vgl. T. 422 a), jumpf)i\^ (mhd. juncfrauwe) Jung-
frau. — hergot (nach T. 265) in I H für Herr Gott, födJj (<< fud-
loch) podex (vgl. Id. III 1023), bouu-3l (in I boul) Baumwolle, ärfdl
(in K -d) einen Arm voll, mumpfd einen Mund voll. — afjl
(<C als fil; vgl. Id. I 776) oder sofdl (in K -d) so viel, u-idfd oder
wefdl wie viel, nob^s (mhd. nd biz) nahe (vgl. T, 335 a). — nöxpdr
(mhd. uächgebür) Nachbar (dagegen nöxpür der benachbarte Bauer;
vgl, T. 335a).
Auch in unserer Mundart stehen diesen Beispielen zahlreiche
andere gegenüber, in denen trotz anscheinend gleichen Akzent-
bedingungen das Gesetz nicht wirkte (vgl. dazu R. Brandstetter,
aaO. S. 63).
— 122 —
4$ 110. Übersicht über die etymologischen Ent-
sprechungen der heutigen betonten Vokale.
Ganz vereinzelte Erscheinungen sind hier nicht berücksichtigt.
a = mhd. a § 46 — mhd. ci §§ 107. 108 bß. 109.
ä = mhd. a §§ 96 (an). 97/104 — mhd. ri §§ 80. 81« agi).
ü = mhd. ä (Sekundärumlaut von a) §§ 47. 49. 52 ff. — mhd. a
§ 46, 2 — mhd. ce §§ 108c. 109 — mhd. ei §§ 107. 108 bß.
109.
ä = mhd. « § 73 — mhd. ei §§ 80. 81 « cufi) — mhd. ä §§ 96
{(in). 97/104 — mhd. a § 46, 2.
e = mhd. e § 60, 1 — mhd. e §§ 93 a. 94 a — mhd. ä §§ 47.
95, 2 — mhd. i § 61 c — mhd. ei §§ 107. 109.
e = mhd. e §§ 97/105 — mhd. (e, ei § 95, 2.
e = mhd. e § 95, 4 — mhd. ä § 95, 2 — mhd. /. § 95, 5.
e = mhd. ä, cb, ei § 95, 2.
e = mhd. e (Primärumlaut von a) §§ 47/8. 50 ff. — mhd. e
§§ 60, 2. 93 b. 95, 3 b, d — mhd. ä § 95, 2 — mhd. i §§ 61/2
- mhd. e §§ 106. 108 c - mhd. ie § 109.
e = mhd. e § 74 — mhd. ? § 75, 2 — mhd. ie § 85, 2 — mhd. e
§§ 96 (e)?). 97/105 — mhd. e §§ 60, 2 d. 95, 3 a, c — mhd. i
§§ 96 (in). 97/104 — mhd. ü, ee, ei § 95, 2.
i = mhd. i §§ 63/4 — mhd. i §§ 106. 107. 108. 109.
i = mhd. ? §§ 75. 88 — mhd. i §§ 97/104.
3 = mhd. 0 §§ 65, 2. 93 a — mhd. ^f §§ 68 b. 93 a — mhd. a
§ 46, Anm. 1 — mhd. ö § 108e — mhd. ou § 82, 2 — mhd. ä
§§ 106. 107. 108 bß. 109. |
0 = mhd. ö § 95, 8 — mhd. ou §§ 82, 2. 95, 8 — mhd. no § 86, 2
- mhd. ä §§ 71. 72. 95, 8 — mhd. o §§ 95,8/96 {<m). 97/104
- mhd. u §§ 95, 8/96 {im). 97/104.
.9 = mhd. ö §§ 66. 93 a — mhd. // §§ 70,2 a. 107/09 (m^) —
mhd. e § 91 a, c, d, e — mhd. e § 91 b, e — mhd. / § 91 a, b —
mhd. Ö § 108 e — mhd. oü §§ 83. 95, 8 — mhd. iu § 70, 2 a.
3 = mhd. Ö § 95, 8 — mhd. oü §§ 83. 95, 8 — mhd. iie § 87, 2
- mhd. (B §§ 73, 2. 95, 8 — mhd. ö §§ 95, 8/96 {ön). 97/104
- mhd. ü §§ 95,8/96 (ün). 97/104.
p, ö = mhd. 0, ö § 95, 7.
^ o = mhd. '3 ö, rt «, ou oü, on ön, im ün § 95, 8.
0 = mhd. o §§ 65, 1. 95. 7 — mhd. h § 68 a, c — mhd. ö § 109 —
— 123 —
mhd. OH § 82, 2 — mlid. n § 108bß — mhd. tw §§ 106. 107.
108 ba. 109.
ö = mhd. ö §§ 76. 95, 8 — mhd. ou §§ 82, 2. 95, 8 — mhd. d
§§ 71. 95,8 - mhd. o §§ 95, 8/96 (o«). 97/104 — mhd. ii
§§ 95, 8/96 (mi). 97/104.
ö = mhd. ö §§ 66. 95, 7 — mhd. // § 70, 2 — mhd. e § 91 a, c, e
— mhd. / § 91c, e — mhd. Ö § 108 c.
Ö = mhd. Ö §§ 77. 95,8 — mhd. oii §§ 83. 95, 8 — mhd. (b §§ 73, 2.
95,8 — mhd. ö §§ 95,8/96 (ön). 97/104 — mhd. // §§ 95, 8/96
{im). 97/104.
ü = mhd. i § 91 e.
u = mhd. /< § 67 — mhd. o § 65, 3 — mhd. u §§ lo6. 108. 109.
ü = mhd. r, §§ 78. 88 — mhd. u §§ 96 {im). 97/9.
/( = mhd. /7 § 70 — mhd. / § 91 a, c — mhd. in §§ 107. 108. 109.
Ü = mhd. in §§ 79. 88 — mhd. // §§ 96 {iin). 97/9.
äi = mhd. ei § 80, 2.
ei (ei) = mhd. ei §§ 80. 81 i<,agi) — mhd. ? § 88 — mhd. f § 89, 1.
äi, ei siehe §§ 73 Anm. 80, 2.
Oll (ou) = mhd. ou § 82, 1 — mhd. die § 72 — mhd. d § 88 —
mhd. 0 § 89, 2.
öü (öii) = mhd. oü § 83 — mhd. (bw § 72 — mhd. in § 88 — mhd. Ö
§ 89, 4 — mhd. ö § 89, 2, 3 - mhd. ei § 91 c.
öii, oü = mhd. die, ceic § 72.
oi, iii siehe § 84.
ij -- mhd. ie § 85, 1 — mhd. ? § 92 — mhd. / § 94 b — < e
§ 94 b Amn.
/3 = mhd. ie §§ 107. 108. 109 — mhd. / §§ 92. 94 b — mhd. e
§94b.
Hd = mhd. HO § 86, 1 — mhd. u § 94 b.
U9 = mhd. HO §§ 107. 108. 109 — mhd. u § 94 b — mhd. o
§§ 65.4. 94 b.
Ü9 = mhd. üe § 87, 1 — mhd. itt § 92 — mhd. ü § 94 b.
üa = mhd. de §§ 107. 108. 109 — mhd. // §§ 92. 94b — mhd. i
§ 91 d — mhd. e § 91 d.
a^, 63, ej, Od, öa, Od, ÖV?, ad, es, es, od siehe § 94 c.
ddi siehe § 87, 1 Anm.
— 124 —
B. Die Vokale in unbetonter Stellung.
1. In vortoniger Silbe.
§ 111. Pi-cäfixe.
In mhd. ge- ist das e durchweg geschwunden, zB. kwenrid
gewinnen, Tifrögat gefragt, J^rixt Gericht, Jcsivind geschwind. Zur
Assimilation des /.;- an den Anlaut der folgenden Silbe vgl. § 31, 3.
Nur in einigen der Schriftsprache entlehnten Wörtern lautet die
Vorsilbe ge-: gediiU Geduld, gedäxtniss Gedächtnis, gedaohxd Ge-
danke, gehet Gebet, gchlüdt n. Menstruation, gehurt Geburt, gehörd
geboren.
Mhd. he- ist erhalten vor Verschlußlauten, in hedüttd bedeuten,
hegnffj begreifen, heJixant bekannt, usw., ferner in hefeh befehlen,
hefolitd bevormunden, heivisa beweisen, hewerhd bewerben, heurteih
beurteilen, helann Belang (vgl. T. 41.b), hcrüjffj berufen, heröttd
beraten, usw., wohl alles Wörter, die der Schriftsprache ent-
stammen. Vor Vokalen und vor l, r, s, s, h ist das e geschwunden
zB. in pavv bang (vgl. Id. IV 1369), päendd kränken (vgl. Id. 1 177),
pleg9 ,belegen' (vgl. T. 57 b), prudff Beruf, psond9n(g) besonders,
psäd Bescheid, phanno hangen bleiben (vgl. T. 49 b). Vgl. auch
§31.4.
Mhd. er- ist in der Form ar- in unserer Mundart noch ziem-
lich häufig (vgl. T. 170/2); doch wird es überall, wo die Bedeutung
es ermöglicht, bei den Jüngern durch ßr- ersetzt.
Mhd. ver- heißt fdr-, häufiger /'a-, seltener auch fr- (Beispiele
s. bei T. 180/19-1).
Mhd. e)it- entspricht dt-, das sich bei T. 162/3 noch findet
in dtsöttd schütteln, dtnokxd einnicken, dtivörffd mißgebären (vom
Vieh). Heute ist auch in diesen Fällen das Präfix fdrt- (bezw.
gesprochen /;?/-, frt-) eingetreten (weitere Beispiele dafür s. bei
T. 189/190). Seltener ist das Präfix drt-\ ^rtnokxd eiimicken,
artnäpfo ein übles Aussehen bekommen (vgl. Id. IV 776), Zur
Erklärung von ßrt-, drt- s. Id. I 353/4; vgl. aber auch Fischer,
Schwab. WB. II 1057.
— 125 —
§ 112. Präpositionen.
Mhd. ^uo (betont tsud, auch tsu9, vgl. S. 120) ist reduziert zu
tsu9 oder tso; mhd. ^e mit Verlust des Vokals zu ts, zB. tshüs zu
Hause, tskröss ^ groß, auch tsämmd zusammen, tsrok zurück, usw.
Mhd. hl ist gewöhnhch erhalten als i (oder i), zu <? ge-
schwächt dagegen in der Formel 9 gots nammj in Gottes Namen.
Mhd. an wird nur beim langsamem Reden als a ausgesprochen ;
sonst ist es geschwächt zu 3, zB. 9 demm ä ,an diesem an' =
nach diesem zu urteilen. Mit. dem Dat. des best. Artikels ver-
schmilzt es zu am, bezw. mi, zB. am morgd am Morgen, so auch
hüUdmmorgB heute morgen, dm sommar im Sommer (vgl. § 121 c,
Antn. 3); das a kann auch ganz schwinden, so daß nur sonantisches
m bleibt. Geschwächtes an- liegt auch vor in afanna , endlich'
(vgl. Id. I 718/9), Avohl auch in aweg (mhd. enivec) hinweg.
Mhd. durch erleidet Schwächung einzig in der Formel da(r)
gots iv'dla ,um Gottes willen' (vgl. T. 229b), und mhd. für nur in
farliah ne vorlieb nehmen.
Die aus gega ,gegen' (vgl. § 48 e) kontrahierte Form (mhd.
gein, gen) lautet in V Ma gi, auf dem übrigen Gebiete häufiger
ga (vgl. Id. II 322).
Mhd. hl ist gekürzt zu H oder hi. Geschwunden ist der Vokal
in tsom pandara selbander (vgl. T. 34 b; Id. I 308).
Die Kürzung in uff, uss (in K) ,auf, aus' ist schon alt, wie
die Senkung des u in off, öss außerhalb K zeigt.
§ 113. Zusammengesetzte Adverbien mit unbetontem
erstem Gliede.
Der Vokal wird zu a in asö {ahd. also) so; 9?a allein; fa(r)hl
vorbei, faross(a) draußen, im Freien (vgl. Id. I 560), farusi hinaus,
ins Freie; darher (<; ddr-hör) und dather (<; dort-h'er), jünger daher
, daher'; ferner in den übrigen zahlreichen Zusammensetzungen
mit mhd. da: dahämm daheim, dahl dabei, dahenna hinten, dador
dadurch, dagega dagegen, usw.
Der Vokal schwindet vollständig, wenn das zweite Glied
vokalisch anlautet, so in den Zusammensetzungen mit mhd. da:
doha oben, danna unten, dinna drin, dossa draußen, dena drüben;
mit mhd. dar: drenn darin, droff darauf, dramm darum, drandar
darunter, usw.; mit mhd. hie: hoha, honna, hinna, hossa hier oben,
unten, innen, au^en.
— 126 —
2. Mittelsilbeiivokale.
§ 114. Die alid, langen Mittelsilbenvokale sind als Kürzen
erhalten und zwar als i oder o.
i (vgl. § 9) liegt in seinem Lautwert im östlichen Gebiete (V M2) dem i
nahe, in K fällt es geradezu damit zusammen; im westlichen Gebiete (MiIH)
näliert es sich mehr dem Lautwerte des e, in das es auch ganz übergehen
kann (T. gibt es daher häufig mit e wieder, indem er dann für 9 schreibt a).
Zum Lautwerte des 9 vgl. § 9.
a) Ahd. i erscheint in Endstellung sowohl im gedeckten als
direkten Auslaut als i :
a) in den Femininabstrakta auf ahd. -i, zB. höxi Höhe, An-
höhe, grössi Größe, müh Mühle. — ß) in den Diminutiva auf
ahd. -Im oder -m; s. § 90, 2. — y) in den Stoffadjektiven auf
ahd. -hl-, vgl. §§ 57. 90, 5a. — 0) in Lehnwörtern; s. § 48 f. —
s) in zweiten Kompositionsgliedern; s. § 109. — Q in den Adj,
auf ahd. -liJi (doch vgl. im folgenden); s. § 90, 5b.
In der Mittelstellung dagegen, d. h. wenn noch eine Silbe
antritt, gilt in allen angeführten Fällen -j-; zB. hoxdnd Anhöhen
(PL); xinähnd Dat. PI. zu xindh Kindlein; xilbanj Dat. PI. zu
xübi Kirchweih; redhxs , redlicher' gegenüber redli(x) redlich.
Nur in H ist in letzterem Falle die Form der Mittelstellung in den
meisten Fällen in die Endstellung übertragen worden, so daß es
hier auch heißt redhx, ferner erphx erblich, moghx möglich, usw.
Das Vei'hältnis 9 in Mittelstellung: i in Endstellung gilt auch in allen
folgenden Fällen.
Unsere Formen werti Wirtin, xöxxi Köchin, wässdri Wäscherin, usw. (im
PI. wertdnd usw.) gehen wohl auf mhd. -in (gegenüber ahd. -m; vgl. Braune
§ 211) zurück. Sie sind also mit den Femininabstrakta zusammengefallen.
Sehr wahrscheinlich gehören hierher auch die Adjektiva auf
-i(y) (vgl. Wilmanns II 455 ff.); daß wir für unser Gebiet die Form
-ig voraussetzen dürfen, zeigt das ausnahmslose Fehlen der Synkope:
losti(g) lustig, flekt. lostogo-, trün(g) traurig, flekt. trür,)go; usw.
b) Alle übrigen ahd. langen Vokale und Dij^hthonge in Mittel-
silben erscheinen als ,>: ärhdt (ahd. arbeit) Arbeit, usw.; dann der
Ausgang des Part. Prät. der cn- und 6n-Verhen (ahd. -et, -öt),'
zB. Idaxxdt gelacht, Ixlopfd geklopft, x)adjt gebadet. Tifrög,)t ge-
fragt (doch vgl. § 116 c); ferner in den Feminina auf -dd (ahd.
-Ata oder -cto), zB. laxxotd, rexxndt) , wiederholtes, langes Lachen,
— 127 —
Rechnen', und den Maskulina auf -dt (ahd. -ot), zB. höüwdt, hlüdijd
,die Zeit des Heuens, Blühens'; s. außerdem die in § 109 an-
geführten Beispiele wie enidso, monot, häninut, /ronujt usw., ferner
mit als Mittelsilben behandelten zweiten Kompositionsgliedern Ubat,
fortdl, woUfjl, usw.
Ausnahmen sind didnst (ahd. dionöst) Dienst (unter schriftsprachlichem
Einfluß?) und ämt (ahd. ämdt) Grummet (vom Verb ämtd aus).
§ 115. Die ahd. kurzen Mittelsilbenvokale.
a) vor mehrfacher Kons.
a) Vor ahd. -ng erscheint heute in der Endstellung (, in der
Mittelstellung d, so in den Substantiva auf ahd. -nnga, -ing, -ling,
zB. >näm(gj Meinung, PL mänsgs; rexxni(g) Rechnung, PI. rexx-
njg3; hälsi(g) Strick, pfenm(g) Pfenning, silt(g) Schilling, gältU(g),
linrh(g), usw. (s. § 90, 7).
In ahd. Tcuning , König' und honang ,Honig' schwand das zweite n auf
dissim. Wege schon früh, und der Mittelvokal wurde dann synkopiert (vgl.
unter b), so daß heute gilt x'y)3(g), huv(g).
ß) Vor ahd. -sc erscheint / in Endstellung, a in Mittelstellung;
so in manchen Adj. auf ahd. -isc, zB. kxattöhss katholisch, flekt.
kxattuljssä. Meist wurde jedoch bei diesen Adj, der Vokal synkopiert,
wohl zuerst in der Mittelstellung und erst durch Ausgleichung
auch in der Endstellung; s. die Beispiele § 90, 5c. Synkope liegt
auch vor in ments (ahd. mennisco) Mensch.
y) Vor ahd. -st ist der Vokal synkopiert in herpst (ahd. herbist)
Herbst, heost (ahd. hengist) Hengst, avsf (ahd. angust) Angst, ernst
(ahd. erniist) Ernst; soweit im Superlativ der Vokal erhalten ist,
erscheint in der Endstellung /, in der Mittelstellung d (s. dazu
§ 116d), nur im westlichen Teile von H ist 9 auch in die Endstellung
gedrungen, zB. wittöst weitest.
5) Vor ahd. -ns erscheint vorwiegend /, so (vgl. zur Bildung
ZfdM. III 26 ff.) in fauois Fangspiel, fjstekxis Versteckspiel, jegarlis
Jägerspiel, pumpis Tracht Schläge (vgl. Id. IV 1264), fechrlesis
Federlesens, rilhis ont stühis mit Stumpf und Stil (vgl. Id. VI 76 f.),
dagegen gilt meist 9 in fagehas vergebens, brottds(s) Braten, auch
sf^gas(s) (ahd. segansa) Sense. Weil dort -ennes, hier -en(e)z zugrunde liegt?
Doch stimmt dazu segas(s) nicht.
e) Vor ahd. -tid erscheint heute 9, so in öbad (ahd. äband)
Abend, jugdd (ahd. jugutuT) Jugend, tugad (ahd. tugimd) Tugend.
ii
— 128 —
b) Vor einfachem Kons.
a) Vor r ist jeder kurze Vokal als d erhalten, sowohl in
Mittel-, als in Endstellung (auslaut. r schwindet gew.): sömnidr
Sommer, sönimjr^ sommern, sübdr sauber, sühdro säubern, bl5tt9r^
Blatter, xamnidrD Kammer, ivässdri Wäscherin; so auch im Kom-
parativsuffix -jr: grössdr größer, flekt. gross<iro\ sühdrdr sauberer,
flekt. s/ihjrjr,).
ß) Vor / ist kurzer Vokal in Endstellung in K als t, außer-
halb K als j bewahrt, zB. liimmd, -,)1 Himmel, fogd, -dl Vogel;
daneben findet sich außerhalb K ebenso häufig Schwund des Vokals
und sonantisches / oder auch ??, also himml(l), fogl(I,), usw. In der
Mittelstellung schwindet der Vokal immer, zB. d^ fögld den Vögeln,
s'ixh Sichel, tlsth Distel, xaxxh Kachel, wörtsh Wurzel; so auch
hwJcxJjr, fHokxUst (neben tim]cx(<))lst) Komp. und Superl, zu tunJix(9)l
dunkel. Zu den verbalen Weiterbildungen auf -(9)ld und zum
Dim. auf -(j)k s. § 116.
y) Kurzer Vokal -f- ahd. n oder m erscheint heute in End-
stellung als d, zB. ivagd (ahd. wagan) Wagen, regd Regen, hodd
(ahd. hodani) Boden, hesa Besen. In der Mittelstellung ist jedoch
der Vokal synkopiert, so zu troxxd , trocken' flekt. troxxna, Komp.
tröxxnar, Superl. fröxxmst, ferner tröxxna trocknen; zu den Ptc.
Perf. der starken Verben zB. psoffa ,besoffen', hstoh ,gestohlen' die
flekt. Formen iJSdffm, hstolm, usw. (nur nach nn ist der Vokal
oft erhalten, zB. kwonmmi ,gewonnene', doch auch zB. kronm müdX
»geronnene Milch |); ferner zB. ivagndr Wagner, rcgnd regnen;
brosmj Brosame, Usm9 stricken.
o) Vor den übrigen Konsonanten ist kurzer Vokal immer
synkopiert; zB. makt (ahd. niagad) Magd, fokt Vogt (ahd. fogat)
Vogt, Jiopt (ahd. houbit) Haupt, hext (ahd. hehhit) Hecht, held (ahd.
helid) Held, frönt (ahd. frcmidi) fremd, hemp (ahd. heniidi) Hemd,
xlektd (mhd. klegede) gerichtliche Klage, hlakxd (ahd. %latacha)
großes Blatt (vgl. Id. V 54/5); vgl. auch § 117.
c) Zur Behandlung des Vokals zweiter Kompositionsglieder
s. § 109 (S. 120/1). Ihren vollen Vokal haben bewahrt die adj.
Ableitungen auf -sam, zB. lanvsamm langsam, hosamm, hsamm
(s. § 109), nur selten etwa, hosom, hsdm; auf -haß, zB. swärhaft
ziemlich schwer; auf -läxt, seltener -läxti(g), zB. nassläxt, fToxt-
lüxt etwas naß, feucht. — Für das heute unter schriftsprachlichem
— 129 —
Einfluß zur Herrschaft gelangte -niss kann man von alten Leuten
noch etwa hören -7ims, bezw. -noss, zB. tsügnuss Zeugnis, ivild-
noss Wildnis.
§ 116. In den Bildungskategorien ist das lautgesetzliche
Verhältnis häufig durch analogische Ausgleichung und Neubildung
gestört.
a) -dli neben -Ji beim Diminutiv. Bei den Wörtern mit
heute einsilbigem Nominativ herrscht durchaus das Suffix -li,
zB. rädlt Rädchen, xüdh kleine Kuh. Nur in wenigen Fällen steht
daneben das (zum Teil stärker verkleinernde) Diminutiv auf -dli,
zB. strossdli neben strossh Sträßchen (zu ströss), gässdli neben
gässli Gäßchen (zu gass), höUsaJi kleines Wäldchen neben höltsh
Hölzchen (zu holts); zu kstell kommt nur kstelldh vor; in I und
H gelten stüdlML , Stühlchen' und imlldh ,Weilchen' gegenüber
sonstigem stiiali, ivtli. Häufiger findet sich -dli beim einsilbigen
Worte nur in der Kindersprache; s. § 90, 2.
Da nach § 115 b ß der Mittelvokal von ahd. -üin laiitgesetzlicli synkopiert
wurde (außer etwa nach II), so ist die Grundlage für -ah wohl in den Fällen
tekxali, sössdh, höddli, wägsU, bekxali zu sehen (s. im Folgenden).
Nach Ableitungssilben erscheint regelmäßig -Jt, so nach
-dn hriidddrh Brüderchen, usw., ferner ärhdth zu ärhdt Arbeit,
ür9sli zu ärds (ahd. araweis) Erbse, hämnidtU zu liämmot Heim-
wesen, usw. In Wörtern mit -dI ergibt sich nach Vereinfachung
von II ^ l (s. § 166) sekundär -dh, zB. tekxdli (<C* decJcelVin) zu
tekxdl Deckel, fögdU zu fogdl Vogel. Das selbe gilt für die Fem.
auf -h, zB. sössdli (<[* scliüzselUn) zu sössh Schüssel, xiigdli zu
xugh Kugel, nodsli zu nodld Nadel, daher auch wisdh ,Wiesel' zu
vjesh in I (s. § 62 d). Ahnlich bei den ma- und >?a-Stämmen:
h'öddh (<C *bödellm «< *bödemlin) zu bodd (ahd. bodam) Boden, fäddli
zu fadd Faden, besQli zu besd Besen, gäddli zu gadd Gaden (vgl.
T. 210b); wägdli (<^*ivägeUln << "^ivägenVin) zu ivaga (ahd. ivagan)
Waagen, öfdli zu ofd Ofen, häfdli zu liafd Hafen, regdU zu regd
Regen, tsaxdli zu tsaxa Zeichen, isdJi ,kleines Stück Eisen' zu isd,
Idäxxdh zu lilaxxa (ahd. Ihüalilian) Bettleinwand. Bei den Sub-
stantiven auf -L ergibt sich nach § 114 a ebenfalls sekundär -dli,
zB. xridSdli zu xridsi Kirsche, bekxdh zu bekxi Becken.
Bei den zahlreichen männlichen w-Stämmen mit -d im Nomi-
nativ ist -li durchaus die Regel, zB. brökxh (< %röckelin) zu broliXd
Vetsch, Appenzeller Mundarten. "
— 130 —
Brocken, grühU zu grdbd Graben, hoMi zu liökkd Haken, -dli haben
die mit U auslautenden Stammsilben: hölhU zu hoJh Knollen, tsölhh
zu tsoll) Butterballen (vgl. T. 460 b), in I jedoch auch tsöih. Die
Wörter mit )i im Wurzelauslaut schwanken: fän(j)h zu /äw9 Fahne,
hän(d)lt zu händ Faßhahn, stern(d)U zu sternd Stern und xern(9)h
zu xernj Kern, seltener hrönnU neben hronndh zu hronnd Brunnen.
Schwankend sind auch xär(d)ü zu xard Karren, hets(d)U Bißchen
(vgl. T. 40a), XHdx(9)U zu xudXd SchHttenkufe (vgl. Id. III 145).
dagegen nur xüdxU zu xudxa Kuchen. Ausschließlich gilt rexxdli
zu rexxd Rechen.
Auch bei den Femininen mit -d im Nominativ über\viegen
die Diminutiva auf -li, zB. näsU (<C *näselin) zu nasd Nase, söph
zu soppj Suppe, hübli zu hühd Haube, im Ganzen etwa vierzig Fälle.
Nur -dli weisen auf fälhli zu fcäh Falle, selhli zu seih Schelle,
xelhli zu xelh Kelle, rölhli zu rolU Rolle, usw.; ivüMi zu ivuh
Wolle, dann auch stüddli zu städa Staude, glöf'sli zu glofd Steck-
nadel, hörstdli zu hörstd Bürste, JiDÜwdli zu liouwa Haue, hrentdli zu
hrentd niederes Holzgefäß, stmuhli zu stand,) Holzzuber, halddli zu
häldd Halde, gfigäli zu gügd und hlosdli zu hlösd Blasinstrument,
brösmdJi zu hrosnid Brosame, tsüxdi zu tsüxj Schublade, hilxsli zu
hil(d)x9 Birke, liemidli zu henna Henne, nur in V M meist auch
pfänndli zu pfanna Pfanne, tänndi zu tann9 Tanne tsönnaU zu tsonns
Brei, während in H p)fännli, tännli, tsönnli und in I mit Assimi-
lation pfäih, fäfh, tsölh. Schwankend sind bonfaßi zu bona Bohne,
täs(d)li zu täsa Tanse, pfiff (d)li zu pfiffd Pfeife, srond(9)h zu srondd
Spalt, §teg(d)U zu stega Treppe, seg(9)U zu sega Säge, geU(d)U zu gelta
Waschzuber, xerx(d)lL zu xer(d)xd Kirche, dagegen in I x'i'Mxdh,
nach T. 131b auch tass<Mätt(d)U Untertasse,
Auf -dli ist auch gebildet der Vogelname bWbdli Blaumeise
(vgl. § 72). Zu den Diminutiven von Taufnamen s. Seite 92.
b) Die Verteilung von -h und -dh bei den verbalen Weiter-
bildungen ist aus der Anordnung von § 90, 6 ersichtlich, wo
auch auf die heutigen Bedeutungsunterschiede zwischen den beiden
Bildungsarten hingewiesen ist.
c) im Part. Prät. Bei den ja«- Verben ist Synkope auch in
der unflektierten Form die Regel (vgl. § 115b S), zB. ksudxt ge-
sucht, Txjokxt gejuckt, l"ropft gerupft, potst geputzt, kxösst geküßt.
lilienhxt gehängt, lixört gehört, hstellt gestellt, tMt geteilt; ebenso
— 131 —
meist nach t, zB. Jdüt geläutet, lisprät gespreitet, törsi gedürstet,
IcfÖrxt gefürchtet; nur selten hört man Tdüttat, Jcsprättst, usw.
Während es durchaus heißt tronimt geträumt, krümmt geräumt,
besteht Schwanken in l'sum>n(.))t gesäumt. l'5»u)i(j)t gegaumt (vgl.
§ 82) und überwiegen IxSömmdt gesäumt, Jcsionmat geschäumt.
Bei den schwachen Verben der 2. und 3. Klasse erwartet man
keine Synkope (s. § 114 b). Dessenungeachtet heißt es auf dem
ganzen Gebiete durchaus Tilept gelebt, kret geredet, ksat geschadet.
kxlakt geklagt, kjaM gejagt (in I und K auch kjagj), l'sjtiU ge-
spielt, kswätst geschwatzt, kscitst geschätzt, kxost gekostet, auch
pätst, tatst (s. § 49 e), und es besteht Schwanken (in der flek-
tierten wie in der unflektierten Form) in pmaxx(d)t gemacht,
kxol(d)t geholt, kspär(d)t gespart; nur in I gilt auch ksemmt
geschämt, Jcxäpt gehalten, sonst l'sämmjt, khäbdt, bezw. kxehdt.
Diese synkopierten Formen beruhen auf dem Anschluß an die
yaw-Verben (vgl. dazu § 49 e). Zum Part, von sägd und trag^
s. § 81.
Auch nicht in den flektierten Formen zeigen Synkope die
Verben auf -(d)h, zB. kspotJat gespöttelt, liäakJi^bt gestottert,
auf -119, zB. l'rexxnjt gerechnet, und auf -arj, zB. Ifuattjrdt ge-
füttert, pmagsrat gemagert.
d) Im Superlativ ist der Vokal des Suffixes beim einsilbigen
Worte gewöhnlich synkopiert: tikxst zu tikx dick, Jiöxst zu höx
hoch, türst zu tür teuer, xrömmst zu xromm krumm, sonnst zu
so schön, gröpst zu grob grob, usw. Häufig jedoch ist der Vokal
(in der unflektierten Form nach § 115 ay außer in einem Teile von
H als i, in den flektierten Fonnen nach § 114 a als o) erhalten
nach d und t, zB. l-sldist zu Jcsld gescheit, mttisf zu ivJt weit,
besonders auch, wenn noch ein Konsonant vorausgeht, zB. wildist
zu tvild wild, eltist zu alt alt, Jiertist zu hert hart, slextist zu slext
schlecht, ivüdsttst zu ivü3St häßlich; ferner nach s(s), Ss, ts, zB.
bösist zu bös böse, siidssist zu siioss süß, frisstst zu fri§s frisch,
xörtsist zu xorts kurz. Doch sind die synkopierten Formen ivlfsf,
eltst, böst usw. ebenso häufig, ja sogar tvuastst, xörtst nicht selten.
Nur mit Synkope kommt vor grost zu gross groß, ferner best best,
lest, bezw. letst letzt (vgl. § 29, 2).
Nach -dr besteht in den flektierten wie den unflektierten
Formen Schwanken, zB. sübor(i)st zu sidior sauber, ondor(i)st
— 132 —
Unterst, ossar(i)st äußerst, 9))i ]ienddr(d)std dem hintersten; ebenso
nach ->/, zB. tur)Jcx(d)W neben tunhxlist zu timlix(d)l dunkel, ferner
nach -ig, -hg (bezAv. nach § 114 a -hx), zB. lösttJcsi neben löstdgiM
zu losti(g) lustig, redhkM (bezw. redhxst) neben rcdhgist {redhxdst)
zu redli(g) (bezw. -hx) redlich. Erhalten ist der Suffixvokal immer
nach -an, zB. tröxxnisf, tröxxndstd zu troxxd trocken.
Ein vereinzeltes Beispiel für Elision ist bas Ä'nnd ,Base Anna' gegen-
über bäsi vor konsonantisch anlautenden Namen; vgl. dazu ondd(r)söhd(r)si
«^ onddrsi-öbdi'sO ,verkehrt' (s. § 29, 4).
§ 117. Svarabhaktivokale. Besonders häufig hat sich
ein D zwischen l -\- x (das in K als xx erscheint) entwickelt: földX
Volk, iroUx^ Wolke (jünger wolkxd), mehxd melken, pmohxd ge-
molken; hildxa (ahd. hirihha) Birke; Erhaltung des ahd. Mittel vokals
könnte vorliegen (doch kommen auch hier die Formen ohne Vokal
daneben vor) in mildx Milch, xildxa Kirche (nur noch selten), auch
in tswihx Zwilch. Zwischen r -\- x in der jüngeren Form xerdXd
Kirche und in mordx (ahd. moraha) Morchel. Zwischen r -\- g in
mordgd Morgen. In K auch etwa zwischen r -\- h, zB. hxordh Korb.
3. Endsilbenvokale.
§ 118. Die ahd. langen (gedeckten und ungedeckten) End-
silbenvokale sind ebenfalls als i oder d bewahrt.
i erscheint a) für ahd. i in der 2. Ps. Sg. und im PI. des heute
imr noch als Konditionalis gebrauchten Konj. Prät. der starken
A'erben (doch vgl. § 120a), zB. zu ne nehmen: nämmist, nämmid;
von da hat der Konj. Präs. der starken Verben das i übernommen,
zB. zu lesj lesen: 1. und 3. Ps. Sg. lest, 2. Ps. lesist, PI. Usid. Aus
dem Konj. Prät. der schwachen Verben (der heute in der Mundart
nicht mehr vorkommt) hat der Konj. Präs. der schwachen Verben
i übernommen, zB. zu siidXXd suchen: 1. und 3. Ps. Sg. sudxxi,
2. Ps. Sg. sudxxist, PI. sudxxid. Das t drang noch weiter auch in
die 2. Ps. Sg. und den PI. des Ind. Präs. der schwachen und starken
Verben; wenigstens ist diese Annahme nötig für den PI. (zB.
sudXXid), während das i in der 2. Ps. Sg. (so weit keine Synkope
eintrat; s. unten) sich nach § 115 aß, y auch auf den Einfluß des
folgenden s zurückführen ließe.
— 133 —
Nur im westlichen Teile von H herrscht in diesen Fällen ^y,
auch im Konditionalis und Konj. Präs. und im Sg. (außer der 1.
und 3. Ps.) sowohl vde im PI. : also )iemast, nemod (mit e für a
nach § 95, 2), nemdst, nenidd, usw. Auf dem übrigen Gebiete geht
das i in d über, wenn ein Pronomen sich enklitisch anschließt
(vgl. § 114 a), zB. maxxdd-dr macht ihr, nämmjst-a nähmest ihn.
b) für ahd. iu im PL stokxi (<; ^stuckiu) Stücke, ferner im
Nom. Akk. Sg. des Fem. und Nom. Akk. PI. des Neutrums des
starken Adjektivs: nur in M V findet sich selten und mehr bei
den Jüngern Übertragung des « auch in den Nom. Akk. PL des
Mask. und Fem.
Die übrigen Längen erscheinen als d, zB. onm) (ahd. nntamhi)
unten, tsivössd (ahd. zivisken) zwischen, auch in den Infinitiven der
en-, ow- Verben, zB. folgd (ahd. folgen) folgen, gehorchen, maxxa
(ahd. macliön) machen, ferner den obliquen Kasus des schwachen
Fem., zB. tsiwD,) (ahd. zunciün) Zungen.
Ob der Ausgang -9, der im Nom. Sg. der meisten schwachen Fem. er-
scheint, hiutgesetzlich auf ahd. -d zurückgeht (die wenigen Fälle ohne Endung
ließen sich durch Analogie nach den endungslosen «-Stämmen erklären) oder
ob ahd, -a zugrunde liegt, so daß die apokopierte Form die lautgesetzliche
ist (vgl. § 120) und der Ausgang -a auf Ausgleichung nach den obliquen Kasus
beruht, zu dieser Frage läßt sich von unserer MA. aus nicht Stellung nehmen ;
vgl. dazu Anz. f. d. A. XXI S. 28, PBB. XXYIII S. 98 ff. und Schatz, Die tirol.
Mundart S. 51 ff. und Altbair. Grammatik S. 12(3 7.
Sowohl in der 2. als in der 3. Ps. Sg. des Ind. Präs. der
schAvachen Verben der 2. und 3. Klasse ist der Vokal meist erhalten
(vgl, § 118); durchaus synkopiert ist er oder es besteht Schw^anken
in den selben Verben, die § 116 c als Ausnahmen aufgeführt sind.
Nie tritt Synkope ein nach ableitendem m, n, (j)l, jr, zB. Usmtst,
Usmot zu lisnu stricken, tröxxnist, tröxxnaf zu tröxxnd trocknen,
spötlist, spötht zu spDÜo spötteln, stoMdhst, sfaMabt zu MaJilidh
stottern, nmgdrist, magordt zu magoro magern.
§ 119. Kurzer Endsilbenvokal -{- n erscheint als ,y; zB.
seltd (ahd. seltcm) selten, em (ahd. inan) ihn, hlendd (ahd. stark
blintan, schwach Uintim, -on) blinden (Akk.), fagd (ahd. fagun, -on)
Tagen, les3 (ahd. Icsan) lesen.
Nur in xo ,kommen', Jcnö ,genommen', ne ,nehmen', ge ,gehen' und hä
,haben' ist Synkope des Vokals vor n anzunehmen (zB. körnen > komn usw.
> xd); doch lasse ich die Frage offen, ob diese nicht auch in den übrigen
— 134 —
Fällen eingotroten sei und das heute erscheinende -a nicht sekundär aus dem
sonantischen ti vokalisier^ wurde.
Die ahd. Pluralendung -ir erscheint als -jr, zB. hfisjr Häuser.
Kurzer Endsilben vokal vor andern Konsonanten wurde
synkopiert, soweit er nicht aus Gründen der Deutlichkeit bewahrt
blieb, wenn nämlich der vorausgehende Konsonant und der deckende
gleicher oder ähnlicher Natur sind oder wenn bei Synkope eine
schwer zu sprechende Konsonantengruppe entstünde; so
a) in der 2. und 3. Ps. Sg. des Ind. Präs. der starken und
der ^aw- Verben (vgl. § 118). In der 2. Ps. besteht Schwanken nach
den selben Lauten wie beim Superlativ (§ 116d), nach d, t, s, fs,
zB. sntd(i)st schneidest rit(ti)st reitest, hlösst neben hlosist blasest,
hisst neben hissist beißest, hotst neben hotsist putzest; nach s, ts
unterbleibt die Synkope immer, zB. JössiM löschest, rotsist rutschest.
In der 3. Ps. herrscht nur nach t ScliAvanken: es heißt vorwiegend
liittdt läutet, stntUt streitet, rlttdt reitet usw., aber durchaus gilt
,gilt', forxt fürchtet, torst dürstet; nach d tritt immer Synkope
ein, zB. lat ladet, mit schneidet.
b) In der starken Flexion des Adjektivs tritt Synkope ein
im Nom. Akk. Sg. Neutr., zB. röts rotes, t'üixs dickes, hlöm blaues,
xlis kleines. Nur nach s (ts), s bleibt der Vokal erhalten: MsdS
böses, grössds großes, xortsds kurzes, frissds frisches, iniräsds
bäurisches, usw.
c) Im Gen. Sg., soweit er vorkommt, findet immer Synkope
statt: fattdrs Vaters, tal's bei Tage, rexts rechts, iiiits nichts.
§ 120. Alle ungedeckten kurzen Endsilbenvokale wurden
apokopiert.
a) Beim Verb: Im Imperativ Sg. der schwachen Verben —
In der 1. und 3. Ps. Sg. des Konj. Prät., soweit er als KonditionaUs
nocli* im Gebrauch ist (so von den starken Verben ne nehmen, ge
geben, x5 kommen, Mo schlagen, g5 gehen, Mo stehen, l5 lassen, tu9
tun, hsb sehen, Jcsia geschehen, ferner von hä haben, ivöld wollen
und den Präterito-Präsentia); bei den übrigen starken und bei den
schwachen Verben wird das Konditionalis umschrieben. — In der
1. und 3. Ps. Sg. des Konj. Präs.; doch sind diese heute nur
noch endungslos bei den vorhin genannten Verben, zu denen noch
f'in Konj. Prät. erhalten ist; bei den übrigen Verben haben sie
— 135 —
analogisch -/ angenommen (vgl. § 118 a). — Auch in der 1. Ps. Sg.
Ind. Präs. wäre bei den starken und den y««- Verben kein Endungs-
Yokal zu erwarten: es ist jedoch -3 von den en-, ö«-Verben aus
übertragen worden: zB. / geh^ Mh. gebe', doch nicht vor Enklitika,
zB. i (jep-tcfr ,ich gebe dir', geh-i ,gebe ich.'
b) beim Substantiv: In der starken Flexion im Dat. Sg.
der mask. und neutr. «-Stämme : im -Nom. Akk. Dat. Sg. der ja-
Stämme; im Nom. Akk. PI. der mask. rt-Srämme und der ja-
Stämme; im Sg. der ö- und Jo-Stämme ; im Dat. Sg. der mask. und
im Gen. Dat. Sg. der fem. und Nom. Akk. PL der mask. und fem
/-Stämme. — In der schwachen Flexion im Nom. Sg. der Mask.
diese lautgesetzliche Form findet sich jedoch heute nur bei Sub-
^^tanti■^'en, die ein lebendes Wesen (Menschen oder Tiere) bezeichnen
(Ausnahmen sind hu3b3 Knabe, doch nur noch bei altern Leuten
und hasd Hase in H gegenüber has auf dem übrigen Gebiete)
bei den übrigen ist aus den obliquen Kasus -3 angetreten. —
im Nom. Akk. Sg. des Neutr.: zum Nom. Sg. des Fem. s. die Anm
zu § 118 b.
c) beim Adjektiv: In der starken Flexion im Dat. Sg. aller
drei Geschlechter, im Nom. Akk. PI. des Mask. und Fem. (vgl
^ 118 b); bei den ja-, _/()-Stämmen auch im Nom. Sg. — In der
schwachen Flexion im Nom. Sg. aller drei Geschlechter und im
Akk. Sg. des Neutr.
d) beim Adverb: so (ahd. scöno) schon, fast (ahd. fasto)
fast, usw.
e) isolierte Fälle: op (ahd. oha) ob (vgl. § l'Zöby); ivoU (ahd.
tvola) .doch', usw.
4. Satztoiiisclie Doppelformeu.
§ 121. a) Persönliches Pronomen: ^
Nom.
betont unbetont
l.Ps. Sg. f i (s. Anm. 1) i dg (s. Anm. 2)
2. Ps. du du tu (s. Anm. 3) du t (s. Anm. 3)
3. Ps. m. er er 9(r), auch r (zB. hed-r hat er)
f. si si si sd (enklitisch auch s)
n. fehlt (dafür seb) s S9 (s. Anm. 4)
136 —
betont unbetont
1. Ps. PL mSr mer (in K midr mid(r)) md(r) (in K auch niid(r)) mr
2. Ps. ör er (in K hr h(r)) d(r) (in K auch id(ij) r '
8. Ps. sü SU (zu sjüiv in I Mi s. § 88) sii si Sd (enklitisch auch s)
Dat.
1. Ps. Sg. nicr mer (in K mhr niid(r)) tm(r), seltener mr
2. Ps. der (Irr (in K di.yr did(r)) dd(r), seltener dr
3. Ps. m. n. emm
f. erd (in K ürd)
l.Ps. PI. US bezw. ÖS (s. § 96)
2. Ps. ü in H, sonst düiv (s. § 88)
3. Ps. cn9
9m(m), auch »^('»j^
drj
hS bezw. ö.s, meist is
L
ono
Akk.
1. Ps. Sg.
2.Ps.
3.Ps.
)><e mi
dl dl
m. e und
f. si si
n. fehlt
1. und 2. Ps. PL =
mi
dl
eiid D (im Hiatus jn)
S(
s js (s. § 29, 3)
den entsprechenden Dativformen.
3. Ps. = dem Nom. (ohne die Form sj); enklitisch auch s" ds
(s. § 29, 3).
Das Reflexivpronomen ,sich' lautet betont si, unbetont si.
Anm. 1. Zur Kürze neben der Länge in den betonten Formen s. § 106.
Anm. 2. Die Form dg, dann auch S9 im Nom. Sg. des Fem. und im
Xom. PI. finden sich nur, wenn noch ein anderes Pronomen sich enklitisch
anschließt (vgl. dazu § 114 a): ivenn-dg-i wenn ich euch, het-sd-si hat sie sich,
hent-sa-si haben sie sie. dg ist nur in Ma V gebräuchlich und wuchert hier
über das ihm eigentlich zukommende Gebiet hinaus: es heißt nicht nur zB.
denn wil-dg-i ,dann will ich euch', hin-dg-i ,bin ich euch', sondern auch i wibgi
,ich will euch', i handgd ,ich habe ihn', i söttdgd ,ich sollte (söt) ihn', ja sogar,*
wenn auch seltener, md wönddgi ,wir wollen (ivönd) euch', md töndsgi ,Avir tun
(tönd) euch'. In Mi I II heißt es dagegen ausschließlich loil-i, han-d, ivmd-i,
usw. Die Gaiser sagen daher, wenn sie ihre Trogner Nachbarn verspotten
wollen: i wibgi tiid dafor! ,ich will euch tun dafür!'
Anm. 3. t kommt nur enklitisch nach Konjunktionen und in direkter und
indirekter Frage vor, übereinstimmend mit Winteler S. 1.37; vgl. § 31, 2. Ist das
Pronomen in der selben Stellung betont, so ist seine Form tu, zB. xvia tu wit
,wie du willst', tca tu nüt sunt! ,was du nicht sagst!' (Ausruf der Vei'wun-
derung).
— 137 —
Anm. -i. Das auffällige S9 in der 3. Ps. Neutr. Xom. Sg. findet sich in
Verbindungen wie het-sa-si ,hat es sich*, xa-sd-si ,kann es sie', usw.
Anm. 5. Zur Erkläruifg» des Dativs der 3. Ps. Fem. (ahd. iru) vgl. d
Anm. 3 ?
b) Im Possessivpronomen tritt Kürzung ein im adj. Nom.
Akk. Sg. Fem. und Plur. mim, dini, siw, subst. m7m, äim, smt. Im
Nom. Akk. Sg. Mask. minn, dinn, sinn und im Dat. Sg. Fem. minndr,
dinmr, simidr, ferner in üsO}r)i (bezw. ös(jr)i) , unsere' herrscht
Kürze in betonter und unbetonter Stellung; dagegen unflekt. nn,
dl, si mein, dein, sein, üs (bezw. Ös) uns. Die Kürze kann in un-
betonter Stellung entwickelt und in die betonte übergeführt sein ;
doch vgl. § 108 e.
c) Beim Demonstrativ sind zwei unbetonte Formen zu unter-
scheiden, die eine als Demonstrativ, die andere (davon isolierte)
mit stärkerer Reduktion als bestimmter Artikel fungierend:
Demonstrativum bestimmter
betont (adj. u. subst.) unbetont Artikel
Nom. Sg. m. der de{r) de(r) (s. § 167) dj
f. dl) di9 (Anm. 2) di9 t \ di
n. da(s) da(s) da(s) (s. § 135, 3 c) s s. § 31, 1
Fl. did dia t di
Dat. Sg. m. n. demm (d)denim (d)dm(m)
f- (^erO) (D)der(d) (9)do
PI- dend (9)denj (jjdj
Der Akk. unterscheidet sich vom Nom. nur beim Mask. durch
die Formen des Demonstrativums de, de.
Der Gen. Sg. des best. Art. lautet s: s fatürs (s xiiidlis, auch
s mu9tt9rs) sm ,des Vaters (des Kindleins, der Mutter) Schuhe.' Der
Gen. Sg. f. betont der, unbet. dj(r) findet sich nur in d. niäm(g) se,
(nüd) dd tsit, dj wil hä.
Anm. 1. Zur Kürze neben der Länge in den betouten Formen s. § 106.
Anm. 2. did im Nom. Sg. des P'em. ist die aus dem Akk. übernommene
Form, während das (nur vor Adjektiven gebrauchte) dt regelrecht ahd. diu fort-
setzen könnte; ähnlich geht der PI. dia auf das ahd. Mask. oder Fem. zurück,
während di (vor Adjektiven) auf dem Neutr. ahd. diu berulien kann.
Anm. 3. Im Dat. Sg. Mask. und Neutr., im Akk. Sg. Mask. und seltener
auch im Dat. PI. tritt nach vokalisch auslautenden Präpositionen (tso zu, bi
bei, i in, /b von, a an) eine weitere Keduktion der angegebenen Formen ein,
zB. tsomm xend zum Kind, tsonn xendd zu den Kindern; analog biinm, Umu
subst.
adj.
Artikel
m. enn
enn
9n(n)
f. em
11. es
6
e
>> im Hiatus dn
9
m. n. emm
emm
am(m)9(nd) dm(m)9(nd)
f. ennor
ennjr
an(n)ard 9n(n)9rd
— 138 —
usw. Nur tso verschmilzt auch mit dem Dat. Sg. Fem., zB. tsor straff zur Strafe.
Aum. 1. Das im Dat. in den unbetonten Formen meist vorgesetzte a ist
die Keduktionsform von a ,an' (vgl. § 112).
Anm. 5. In der9, dend liegen wohl ähnliche Erweiterungen wie in der
Schriftsprache vor.
d) Der unbestimmte Artikel ist die unbetonte Form des
Zahhvortes ,ein':
Zahlwort unbestimmter
Noni.
Akk.
Dat.
Anm. 1. In K das Zahlwort entsprechend mit « a (vgl. § 80, zu e für
« s. § 95, 2) ; auch das a des unbest. Art. ist in K häufig nahezu = a.
Anm. 2. Die Dat. -Formen des unbest. Art. sind zusammengesetzt mit
a (d) ,an'; vgl. c Anm. 4. Mit den übrigen vokalisch auslautenden Präposi-
tionen entstehen die Formen tsomivDdCnd), tsonnO)r9 usw., mit so so, wonach:
somaoid), nomdCnd).
Anm. 3. Ist in den Dat. -Formen des unbest. Art. der auslautende Vokal
(ahd. einemo, einero) unter dem Einfluß des Nebentons erhalten geblieben (vgl.
mhd. eime<^ einemo)'^
Anm. 4. Die betonten Formen von ,kein' (vgl. § 31, 3 d) unterscheiden sich
von den für ,ein' angeführten durch Kürze im Nom. Akk. Fem. subst. und adj.
(J(xeni, kxe) und im Nom. Akk. Neutr. adj. (kxe); die unbetonten entsprechen
den angeführten P'ormen des unbestimmten Art., nur daß das auslaut. s etwas
entschiedenere Färbung nach e (bezw. ä, a) hin zeigt.
§ 122. Auch in den folgenden Wörtern tritt Reduktion (sei
es nur quantitative oder zugleich qualitative) ein, wenn sie satz-
unbetont vorkommen; oft ist die in unbetonter Stellung entwickelte
Form dann auch in die betonte Stellung übergeführt worden: Nur
Kürzung findet sich in no nach, (h da, so schon, do dann (bet.
dö), so so, glix gleich, icdl weil, sid seit. Qualitative Schwä-
chung zeigen nid man; j auch (bet. juic); wid oder ive wie (bet. ivh);
das Hülfsverb mösi) oder müdSO (mhd. miiezen) ,müssen' (auch bet.);
tu, tost, tod oder tu9, tndst, tusd 1. 2. und 3. Ps. Sg. des Ind. Präs.
von ttij ,tun'; dann die aus dem Verbum g5 gehen (mhd. gan) ab-
geschwächte Partikel go (neben gt, gn; s. § 112 und vgl. T. 216a;
Td. II 322 tf.); ferner h ,je' in o leovdr i me, d lennar i sönndr, usw.,
— 139 —
je länger je mehr (schöner): 9)(d ,uud' in tsiceij-a-fsicä)itsJi zweiund-
z-wanzig (usw.), no-^n-nö nach und nach; as ,als' in ds fil as niifs so
viel wie nichts, und in meosehd (<; me als eben) Ausdruck der Zu-
stimmung (vgl. Id. I 45): gitat (bezw. gad) ,gut' in gokhuhg ,gut
genug', betont (h gokl-niog maxxa .den Gutgenug spielen', ferner in
der Gruläformel got tak Jceb t got! ,guten Tag gebe euch Gott!'
In einigen Grußformeln findet vollständige Unterdrückung
einer Silbe statt, so in dem häufigen tnaxt! für gudt naxt! .gute
Nacht!' tskot! für gri'ots kot! .grüß Gott!' Auf den Gruß: gudtta tag!
,guten Tag!" kann mau von alten Leuten die Antwort hören: gross
tanlix -star [für a•^s-t^r^^ diuc jü giotta tag! ,groß Dank, wünsche
dir auch einen guten Tag!" oder auf den Wunsch: giot naxt sljffid
IV öl! ,gute Nacht, schlaft wohl!' die Antwort: -ti got [für phndt i
/p^] oinv d gud naxt, slöffid oiUv ivöl! ,behüte euch Gott, auch eine
o-ute Nacht, schlaft auch wohl!'
C. Die Konsonanten.
a. Geräuschlaute.
Die Labiale.
Urd. h.
§ 123. Im Anlaut: a) In den meisten Fällen entspricht h,
zB. : härn m. Heuboden, hokkal Buckel, hotsd putzen, hörtsld purzeln,
hodr) Boden, hlösd blasen, hronna Brunnen, hrögal Prügel.
b) Dagegen ^^^rd Fortis p gesprochen in pappah kauder-
welschen; pants(l)a, aixch. paids{l)a unanständig essen (vgl. T. 34b;
37/8), dsLZU pants(l)i, pauts(l)i m.; pätsa,päts,patsi., tolljyats (s.S.b'du.);
pört n. Rand; poss übermütiger Kerl, pössla Possen spielen, pössli
Uberstrümpfe; pötsa stoßen, pots Stoß; pumpa pumpen; püppa = pü
oder püp rufen, beim Versteckspiel (s. T. 84a); pupparli (s. S. 91 u.);
possal, jiossa m. Büschel, Bund, j^f^ssah spez. Reiswelle; j^K'^ss Buße,
piiassa büßen: plappa von einer Flüssigkeit, hin und her schlagen,
klatschen (vgl. T. 54b); plappara plappern; plämpd, plümpi , plänipld ,
faplämparh (s. S. 112 u.): plats, platsig, platsid (foU) zum Über-
— 140 —
flieläen (voll) (s. T. 55 b; Id. V 253/4); plütsj, pläts, plätsUg (s.
S. 53 u.), dagegen meist hläts Haufen, nur in H auch hier p-'i
plonddr Plunder; plo(hr))i'dx geronnene Milch; plumphosd Pluder-
hosen; j)n(ntsj zanken, keifen.
In den folgenden Beispielen kommt neben p auch die Lenis
vor, und zwar zum Teil beim selben Individuum (ich setze die
Form mit j) her): pampshwassor scherzhaft für ein , schlechtes
Getränk' (vgl. Id. IV 1256/7); pässoh tändelnd an etwas herum
arbeiten; pilgard das Zahnfleisch; pid(n.)st Biestmilch; poUldro
lärmen, poltern; pohhrj Pille (Id. IV 1204); poltsln-f'id senkrecht,
dagegen meist holts Bolzen; poxxj pochen, trotzen, poxil^rerul Trotz-
kopf; poppdr Schüttelfrost, poppdrd zittern, beben, pöppjrh schwach
klopfen, pDppjrJi Koriandersame; pot Bote; pots Ausruf der Ver-
wunderung (Id. IV 1996/9); pnmpis Schläge (vgl. Id. IV 1264);
(f^)pläddrd Flüssigkeit ausschütten, plüddr etw^as Ausgeschüttetes;
piläss (s. S. 48 o.); plöidi (s. S. 85 u.); phxx n. Sägeblock; prass(f)h
prasseln, knistern. Für I kennzeichnend ist <? hljr ,ein Glas Bier',
gegenüber a phr auf dem übrigen Gebiete; T. gibt für H plottdr
Kuhkot und für K prätsd (s. S. 53 u.) gegenüber sonstigem hlottdr,
brätsj; in K kommt vor pradahs, sonst hrädäJcs (s. S. 119 u.).
Der verschärfte Anlaut ist wohl aus dem Satzsanclhi verallgemeinert;
bei Neutren kommt vor allem die Verbindung mit dem best. Art. s in Betracht,
bei Fem. Anschmelzung des best. Art. (vgl. § 31, 1). In manchen Fällen mag
emphatische Intensitätssteigerung vorliegen (vgl. § 21).
$5 124. Anlautendes p ergab sich ferner a) in der Vorsilbe
bc- durch Verschärfung des Konsonanten bei Synkope des Vokals,
zB. platon,) (mhd. heJanf/cn) sich sehnen nach, prcJiixo beräuchern,
usw. Vor stimmlosen Konsonanten wie in pslö beschlagen, pseU9
besetzen, usw., mußte auch nach § 21 Verschärfung eintreten.
Einzig in hllh) (mhd. heiihcu) bleiben, öhorUeh m. Überbleibsel,
und hränid berußen, brämnur m. Rußfleck (vgl. Id. VI 884 fi".), wo
man sich jetzt keines Präfixes mehr bewußt ist, erscheint die Lenis.
b) durch Assimilation von Je (<C ge-) an folgendes b, m (s.
§ 31, 3b), so in pell n. Gebell (zu bellj bellen); pler n. Geheul (zu
bUrd weinen); prants m. Branntwein (eig. ,Gebranntes'); pur Bauer
(mhd. f/ehthr): püntd m. Bündel (vgl. Id. IV 1364); pot n. Auf-, An-
gebot, dazu die adv. Verbindungen aUpot jeden Augenblick, tscrsto-
— 141 —
jyots zuerst, usw. (s. Id. IV 1890/8); pess n. (in K piss) Gebiß (s. § 98),
ferner ,Keil (zum Holzspalten)' (vgl. Id. IV 1694 f. und 1696 f.),
dazu in K (nach T. 45a) p'issd einen Keil eintreiben, gegenüber
hessd auf dem übrigen Gebiete; in-estd m. Gebrechen (vgl. Id. V 843);
präxtd (s. S. 52 o.; mhd. gehreJiten); Avohl auch i)ask9 bewältigen
(Id. IV 1779).
§ 125. Im Inlaut und Auslaut: a) im allgemeinen ent-
spricht b, zB. nbr) reiben, tsahlj (mhd. zahelen) zappeln, nnb Weib,
foub erzürnt, halb halb.
b) p erscheint a) in ütpli erblich, lidph lieblich, iiapU üblich;
dagegen heißt es durchaus x'drbli Körbchen, büdbh Büblein, usw.
ß) nach § 21 in den Fällen, wo (nach Synkope eines Mittel-
vokals) ein stimmloser Konsonant folgt, zB. lierpst (mhd. kerbest)
Herbst; hö2)s (s. S. 96 u.); ops (mhd. obe^) Obst; xreps (mhd. hrebes)
Krebs; srlpt (mhd. schnbet) schreibt.
Y) Neben der gewöhnlichen Form der Präpositionen ab ,ab, von' und ob
,über' kommt vor ap tveg ,vom Wege (abliegend)', ap dm, ap 9r9, ap dud, ap
snand ,von einem, einer, ihnen, einander', noch häufiger di-a}) , davon, da-
rüber' (vgl. T. 148 b), und op 9m, op drd, op »wa ,über ihn, sie, sie (PI.)', drop
, darüber'. Es liegt hier wahrscheinlich eine verallgemeinerte Sandhiform vor:
ap 9m tiss «< ab b9m t. -< ab d9m t. usw. (s. § 138 d).
c) Schon im Urd. ist h (damals noch stimmhafter Reibelaut)
in /■ übergegangen vor unmittelbar folgendem l, r (vgl. dazu K.
von Bahder in Idg. Forschungen XIV 258 flf.), so in §ufl9 Schaufel ;
ivifh (s. S. 66 o.), wefdl (s. S. 61 o.); xißl Kiefer, xifld zanken; fräfdl
(s. S. 52 u.); nudfdr mutig, frisch (Id. IV 681), nudfdrd munter
Averden, sich erholen ; vielleicht auch in fddafdrdt närrisch verliebt
(T. 185 a; vgl. Id. UI 1108/9); xefor Käfer (vgl. Id. HI 160/1).
Für , Schwefel' gibt T. die Form sivebal noch als allgemein an;
heute dringt aus der Schriftsprache sivefdl ein.
d) Übergang in m:
a) Ib "> Im zeigt vereinzelt hvelm , Gewölbe', gegenüber hvelh
in K und bei den Jüngern (neben schriftsprachlichem kwölb) auf
dem ganzen Gebiete.
ß) Ahd. *obanän ,oben' wird über ohnd > obmo (vgl. Id. I 51)
>> ommd, so auch domnid ,da oben, droben'. Nach T. 349 a und
145 a galten diese Formen allgemein außerhalb H; heute sind sie
nur noch in I gebräuchlich und bei alten Leuten auch in K (sonst
— 142 —
ersetzt durch ohi). ZB.: off' j mm ofd, i do liöxi omm^ auf dem Ofen,
der Anhöhe droben, tsohanst ommd zu oberst oben. Vgl. nenn»
§139d.
Y) mh >> mm, (über die Reduktion >- m s. dieses)': mimd Bienen;
xromm krumm, xrömmd krümmen; tomm dumm; D)nm(a) um(her);
Stomm m. Taubstummer; xommdr Kummer; trommJd Trommel; fsom-
rudr,) (I) trommeln {mhii. sumhern); tsemmard (s. §61c); amm.n'
Eimer; siimmd Schimmel. Gegenüber sonstigem xämm f. hölzernes
Tragband (s. T. 94 a) hat I mit Schwund des m xöh, und T. 254 a
gibt für M an Jtalsxah Schlüsselbein ; neben allgemeinem xam(m)9 m.
,Kamm der Hühner, auch am Webstuhl' steht xaniml ,Haarkamm'.
Der Wandel fand eigentlich nur inlautend statt.
e) Geschwunden ist &: a) in a-i (<; ahliin) M V, ahi K (fast
ausgestorben) ,hinunter' (neben verbreitetem ahi) und veraltet in K
noch ahd (<C ahh'er) ,herunter' (neben allgemeinem ahd). — ß) in
ge geben, he gegeben, hü haben, hxä gehabt, indem h in der Folge
-ben nach Synkope des e (§119) an das folgende n assimiliert
wurde und der Nasal dann schwand.
§ 126. Die Fortis p erscheint im In- und Auslaut außer in
den § 125 angeführten Beispielen noch in zahlreichen Fällen, in
denen sie entweder auf urd. hh zurückgeht oder jüngere Verschärfung
von h ist; die Beispiele mögen nach dem vorausgehenden Laute
angeordnet werden.
Nach kurzem Vokal: rap Rabe (nur in I bekannt, dagegen
allgemein) rappd Rappen (s. Id. VI 1178); rappd raffen, zwacken
(T. 356 b; vgl. Id. VI 1185); lappo, slappd Flüssiges auflecken
(vgl. T. 288b), lappi alberner Mensch; xlapporo klappern; plapps,
plapp9r9 (s.S. 139 u.); hnappc) wackeln; happjx Habicht, großer
Kuchen (vgl. Id. II 936/7); slappd f. eine Mädchenhaube (s. T. 387);
Snappo schnappen; /a^;}9 unsicher gehen, to/)/;f täppischer Mensch ;
im trap im Trab (laufen); traph f. Brettstiege (s. T. 148/9); träppiff
brünstig, von Hunden (nach T. 149 a in H, neben träbc(g) in I K);
xrep Krippe; xUppdrd kleben (vgl. T. 108b); flippor Nachtfalter
(K) ; rip n. Rippe; hip m. Stoß, Schlag; Jiip2)3 f. eine Art Gebäck
(s. T. 267 a) ; f9rtsippdr(l)d fast aus der Haut fahren ; tsippdrU Name
eines kleinen Hundes (K), tsippi Kätzchen (K, in der Kinder-
sprache); pDppdr, poppdrd, pöppdrli (s. S, 140 o.): grop m. Kaulkopf,
— 143 —
groppd solche fangen; Moppar m. (nach T. 113a in Walz.) rülps-
süchtiges Pferd (vgl. Id. III 404); hoppa (auf einem Fuße) hüjjfen,
hoppar ein Tanz (s. T. 286 b); hoppdUpö m. lustiger Kerl (H),
hoppdliliö, hoppdriö m. einfältiger Kerl (V); soppd m. Schoppen
(Maß); sopp3 stoßen, stopfen; möppi, in K moppdrhöndU Mops
(T. 319 b); tsöpporh trippeln; xröppdl Krüppel; pnppddi, xluppa,
xlup, xluppdr und (t)supp<), suppol, supU, ferner tsapld s. S. 69 u.
Nach langem Vokal: gnippd f. Schusterkneif ; gröppa
herumtappen, tasten (bes. mit den Händen im Finstern etwas
suchend), grSph, groppah meist unpers. mit Dat. P., krabbeln, be-
sonders im Magen (vgl. Id. II 786/7); ommd-xlöppo, -xröph herum-
tappen (T. 349b), xlöppd f. Klaue, grob für Hand; töppd m. Pfote;
göppd, gouppa s. § 89, 4 ; söjjpa Männerrock (s. T. 396 b) ; hnppd und
püppd rufen, beim Versteckspiel.
Nach ? und /*: talpa schwerfällig gehen; (u9)ivälpdh auf-
rollen (zB. die Hosenstöße); holpdri(g) holperig; stölpord stolpern;
hülps hinken; slärpd und slerpa schleppend gehen; sörpdh meist
PL, Kopfschuppen.
Nach m: lämpd, slämpo, plämpd, plampld, gremphr, lempo,
slempjr s. S. 112u.; xampol (s. §125dY); trämp(dr)l3 trippeln
(s. T. 150a); gamp(i)rDSS Schaukelpferd; gimpjspe ,Gimpesbein%
fiktives Gericht (s. T. 221b und vgl. Id. IV 1299); hmpd Lumpen;
stompd Stumpen; romph rumpeln; hrömpdl , Gerumpel', Plunder;
tsömpjrlj (K) trippeln; gimipd hüpfen; pumpa pumpen (in K auch
gtimpd); pumpts (s. § 115 aS).
Wenn in J-Bildungen wie räbs f. weiße Rübe (vgl. Id. VI 20/1), rüdbh Rüb-
chen (zu ruobs, das in der MA. nicht vorkommt), globa glauben, xläbd kleiben,
läba übrig lassen (s. T. 288 a), ktvelb Gewölbe, einfaches b erscheint, so erklärt
sich dies durch Verallgemeinerung der Formen, in denen keine Gemination
eintrat. ;
Urd. p,
§ 127. Im Anlaut erscheint es als pf: pfamid Pfanne;
pffffd pfeifen; pfonä Pfund; pfludg Pflug, usw., besonders in vielen
lat. Lehnwörtern.
Anlautendes pf zeigen außerdem manche lautmalende Bil-
dungen, so pfinstD ächzen (s. T. 46 b und Id. V 1163); pfox(x)
pfui; pfüfd fauchen, von der Katze; pfüSQ zischen, brausen; pfötsd
vom Herausspringen einer Flüssigkeit (vgl. Id. V 1210); pfnaxs.
— 144 —
pfnäif 111. ächzender, stöhnender Laut, dazu pfnaxsd, pfnästd; pfnit-
tdrd, pfnottarj unterdrückt lachen; pfnösdl m. Katarrh; pfnoxsd,
pfnusa die Luft laut durch die Nase blasen, schnauben; pfränstd
ächzen, stöhnen (vgl. Id. V 1294). Vgl. auch Fischer, Schwab. Wb.
I 1075/6.
Nicht sicher zu urd. p (vielleicht zu § 131) sind zu stellen
pfütti (H), pfätf^n9, -dld, -dvj Dachkennel (vgl. Id. V 1201/2); pßt-
tord f. Durchfall (nach T. 47a in Her.; vgl. Id. V 1264).
fa.rt i. ,zugemessener Teil, Pensum' außerhalb K, gegenüber pfaxt in K
(ahtl. pfahta <; lat. pacta), ferner fluvwid, verbreitet neben pflummd, ,Pflaunie'
erklären sich durch irrtümliche Auflösung des pf'ia f'/" auf Grund von § 31, 1;
vgl. dazu § 131.
§ 128, Im Inlaut und Auslaut erscheint es a) als p in
der Verbindung sp bezw. sp.
b) als pf nach m, zB. ^rämpf, gigämpfo, Manipfd, tampf s.
S. 112 u.; fsimpfdr zimperlich (vgl. T. 458 a); strompf Strumpf.
c) als ff a) nach kurzem und langem Vokal, zB. trcffd treffen;
süffd saufen ; louffj laufen ; greff Griff; sloff Schlaf; in Lehnwörtern
wie pflffa Pfeife; pfiff i (s. S. 66 Mitte); pfaff Pfaffe.
ß) nach l in helffj helfen.
Y) nach r in iverffa werfen; dörff Dorf.
Schwächung von ff zu f s. § 173.
Geschwunden ist f (<; p) in «9 (<; ufher) ,herauf' in H (wo es auch
, hinauf bedeutet) und teilweise in I M, ti-i « ufhin) ,hinauf' teilweise in I M;
doch kommen m/s», ufi fast überall noch daneben vor.
§ 129. Urd. pp erscheint als pf a) nach kurzem Vokal, zB.
söpfd schöpfen; stopf d stopfen; stopf d stoßen, sto^if Stoß; ropfd
reißen; xropf Kropf; auch in dem Lehnwort xopfdr Kupfer.
b) nach langem Vokal: sapfd Seife; släpfo schleppen; sivapfd
gleiten (s. T. 401 b).
Einfaches p infolge Verallgemeinerung der Formen ohne Gemination zeigen
rüsffd rufen, touffd taufen, sträffa streifen.
c) nach r in sä)pf (doch immer mehr durch särff verdrängt)
scharf; sörpfd schürfen, sötpf m. Schürfung; sörpfd schlürfen,
sörpf m. was mit einem Mal geschlürft wird; s«ö>7?/b beim Nähen
zusammenziehen, pfuschen; iverpfd (s. S. 101 o.).
— 145 —
Urd. /.
§ 130. Seine Vertretung ist in allen Stellungen f; im An-
laut zB. /"o/feil; förhd wischen; //eA^^c^ Flecken; frürs frieren; im
Inlaut und Auslaut zB. Jiafd Hafen; ofj Ofen; rofa, glofd (s.
S. 70 u.) ; xefd Erbsen ; tift(g) schnell ; slifdrd schleifen, gleiten ;
xafld kauen; self3rD (s. S. 50 u.); höf Hof; älf elt; loft Luft. Nur
neben mtifd ,schnaufen' kommt auch mit Verschärfung vor snüffd.
Es fällt also mit dem Verschiebungsprodukt von urd. p nur bei Auslaut-
schwächung des letztern zusammen (s. § 173).
/' neben h findet sich in st ruf 9 , Schraube', inistrüfd ,hinein-
schrauben', veraltet in K, gegenüber sonstigem s(t)rübd (vgl.
Grimm, Wb. IX 1650).
Zum Schwund des f in hosamm s. S. 120, in Jostat S. 29 o.
^ 131. Eine Reihe von Wörtern, in denen nach Ausweis
anderer Mundarten (vgl. im Id.) anlautendes f zugrunde liegt,
zeigen den Anlaut pf (zum Teil noch neben f), so pfifoldar, pfi-
pfoldor, usw. (s. T. 46 a) m. Schmetterling (vgl. Id. I 820); pfinm(g)
finnig; pfiuh (H) f. hölzerner Abgußtrichter (vgl. Id. V 1054);
pfuts (nach T. 48 b in M H, während futs in I M V) kaput ; pfladard
im Wasser plätschernd schwimmen ; pflemnid (H) Kirschen brühen
(s. T. 47a und vgl. Id. I 1198); ptlümw weinen (vgl. Id. I 1199 f.);
pfhwlc f. unordenthche Weibsperson (vgl. Id. 11203); pfläts, pflots m.
(neben fläts, flots) Straßenschmutz.
In manchen Fällen kann pf aus dem Satzsandhi abstrahiert sein ; die Ver-
bindung ergibt sich hier sehr häufig nach § 27 a und § 31, 1 und 2 und außer-
dem nach jeder mit h oder p schließenden Silbe. Neben häufigerm 3 flatt»r9
,eine Ohrfeige' kommt auch vor a pflatt9rd, was sicher auf pß. <; f fl. zurück-
geht; a,uchpf5 Föhn (lat. favonius) ist möglicherweise so zu erklären, da das Wort
früher auch Fem. war (vgl. Id. I 844). Außerdem kommt in Betracht die Ver-
bindung von auslautendem m oder n (das zu m wird) mit anlautendem f, in-
dem sich hier als Gleitlaut p einschiebt (s. §174i); man hört häufig dmm
pflättdrU(g) (<< aww fl) ,ein Schlag mit der flachen Hand', und so kann sich
auch erklären zB. mim pflots ein Schmutz, imm pfl. in den Schm. oder i demm
pfl. in diesem Schm. Es mögen aber noch andere Momente (emphatischer
Gebrauch, Kreuzung mit andern Wörtern, usw.) im Spiele sein.
mäthpfötsldr ,Mädchennarr' beruht vielleicht auf Anlehnung an pfötsa
(s. 0. § 127), da in dem der Ableitung zugrunde liegenden Simplex {fots vulva)
nur anl. /"vorkommt (T. 197b; Id. I 1158).
Vetsch, Appenzeller Mundarten. lU
— 146 —
Die Dentale.
Urd. d.
§ 132. Die Vertretung im Anlaut ist a) gewöhnlich t:
tänndJj dengeln, tenn n. Tenne, tornm dumm, tost Dunst, si tökxd
sich ducken, tnmun Dünger, tunlcxdl dunkel, tür teuer, touh zornig,
trüoh trübe, usw.
Auffallend ist, daß in I Spuren für anlautendes d vorhanden sind. Ganz
alte Brülisauer sagen dobdl Tobel, däsd Tanse (wie sie auch in einigen Bei-
spielen d sprechen für urd. p, gegenüber t auf dem ganzen Gebiete; vgl. § 138a
Anm.). Die Erscheinung muß früher allgemeiner gewesen sein, da sie sogar
zum Gegenstande des Spottes gemacht wurde; die Bewohner des Dorfes Appen-
zell lachten früher die Oberdorfer (s. S. 4 u.) aus mit dem Neckverse (worin
sämtliche t durch d ersetzt sind): d obddoffä somb mid drs däsd fMmntx in?
dobdt abi döfhd (oder dröbd) ,die Oberdorfer sind mit einer Tanse voll Milch
in ein Tobel hinuntergefallen.' Vgl. auch die I Familiennamen dälhr Teiler,
döbhr, danndT, auch solddälbr Solentaler, gegenüber tälhr, tobhr, tanndr,
snbtälbr in A.
b) Die Verbindung die wurde zu tsic in tswerg Zwerg. Vgl.
§§ 135,2 a. 138 c.
§ 133. Im Inlaut und Auslaut erscheint a) gewöhnlich t:
wärtj warten, xnetto kneten, ritt^ reiten, mitti Mitte, niudttdr
Mutter; hct Bett, ivlt weit, Jiert hart, wort Wort, hart Bart, gört
Gurt. Zur Auslautschwächung vgl. § 173.
Zu gell für gelt, eig. 3. Ps. Sg. Konj. von geltd , gelten', darnach die 2. Ps. PI.
geltd, als Fragewort (s. T. 218 a) vgl. Id. II 276/7.
b) Dagegen erscheint d\ a) in der Verbindung nd, zB. ivendd
winden, ivendh Windel, lienddr hinter, ondjr unter, tsonddl Zunder,
sönd Sünde, grond Grund, auch die (schwachtonige) Endung des
Plurals, zB. sivnid singen, hend haben, gjnd gehen. Ausnahmen
sind 1) vor folgendem or: montdr munter. — 2) vor folgendem
(d)l (vgl. §§ 126. 148): j)ünt.)l Bündel (vgl. Id. IV 1364), dagegen
hendd binden, henddl Bändel; Am/aZ Klöppel, tänth klöjDpeln; wäntdh
Wanze, gegenüber ivand'W and', häntdU (s. S. 91 o.), dagegen in I
und Oh. ha ndidt und allgemein hand Hand; immer vor der Nach-
silbe -h(gj (vgl. § 125 ba): entli(g) endlich, fr'nntli(g) freundlich,
licmtU(g) und kxanth(g) (s. S. 96 o.). — 3) Vereinzelte Fälle : In
H Ml heißt es gent gehend, stent stehend, auf dem übrigen Ge-
biete gent, Stent neben gend, stend; vgl. dazu pfriunt in H neben
— 147 —
allgemeinerm pfrudnd Pfründe, kivent (bezw. -Ö-) n. Gewinde (einer
Schraube) findet sich auf dem ganzen Gebiete häufiger als luvend
(bezw. -Ö-). Allgemein gilt tsentomnid ,allenthalben' (s. Id. I 316),
gegenüber end Ende; ferner nünt neunte, auch xonnt könnte. In
mt Ente (vgl. S. 56) kam die Verbindung erst nach der Synkope
des Mittelvokals zustande. Vgl. § 139 b. — 4) Außerhalb I und
Gais (wo -sd; vgl. y) gilt werdt während, sterbdt m. Pest, sihdt
siebent, tse(]i)9t zehnt, s auch § 134 a.
p) Nach l findet sich d nur in geld Geld neben gelt, und in
dem der Schriftsprache entlehnten gedidd Geduld neben gedult.
Die übrigen Beispiele haben nur Jt, zB. hältd halten, mudlto Back-
mulde, weit Welt, silt Schild (vgl. T. 387 a). Zu Auslautschwächung
vgl. § 173.
y) In I und Gais (vgl. oben unter a 4) ist unbetontes -dt, -dtd
(so auf dem übrigen Gebiete) geschwächt zu -od, -dda; so beim
Verbum (wenn keine Synkope stattfindet) in der 3. Ps. Sg. Präs.:
laxxad lacht, fuattjrad füttert, fässtdd wird fetter, usw., und ebenso
im Ptc. Perf. : Maxxdd, hfudttdrdd, Ifässtdd, pmosdd voll Mosen,
Jixohd geholt, usw., beim Nomen zB. in mondd Monat, höütvad
Zeit der Heuernte, hemjd Heimwesen, auch ärhod Arbeit, xranhxdd
Krankheit; dann in den zahlreichen Femininen diui-dda, zB.fudssddd,
houttoda Fußende, Koj)fende des Bettes, trokxadd Drückerei, Ge-
dränge, hiidstdda Husterei, Gehuste, fildda ,Gefeile' oder konkret
,das Abgefeilte', usw.
o) nach § 109 zB. in hrodtvörst, rodhüs, hrüdäks, hrudivaga,
sadhot, stadhältar (s. S. 119/20), fredhof {s. S. 64 o.), snedU Schnitt-
lauch (doch kommt in Ob. noch snctli vor); auch in fi^dl m. Viertel
in Vi Mo Teuf., gegenüber fidtt(i)l in K und flarl (bezw. fidH) in
Gais, Bühl., HasL, füll in I, fialhr (bezw. fisllar) in H2 und ftdldar
(bezw. fiddor) in Hi.
c) Assimilation des d an die umgebenden Nasale liegt vor
in onna (<^ undenän über ^undiiPti) ,un|e*tf' und henna hinten; vgl.
§§i25dß. 139d.
■ Wi
§ 134. Es mögen hier die Beispiele für Epithese den-
taler Verschlußlaute angereiht werden.
t, d tritt (zum Teil schon ahd. bezeugt) an: a) an n, und zwar
a) in unbetonter Silbe {-od in I und Gais, -dt auf dem übrigen
— 148 —
Gebiete; vgl. § 133ba4): nebdt neben; tswössdt zwischen; m9mm9(r)t
niemand (neben nhmjr); iatsat je^Lt .^sgl. Id. I 630); in Zusammen-
setzungen: sammothaft insgesamt (zir ahd. .samaw^); sonndthalh auf
der Sonnenseite; ahthalbp allenthalben; mind-, dindt-, sindtivegd
meinet-, deinet-, seinetwegen; in einigen Fremdwörtern: härxdt
Barchent (vgl. Kluge 31); totsdt Dutzend; hismdt Bisam (vgl. Id.
IV 1700/1).
ß) vereinzelt auch an stammhaftes n(n) : sinnd (neben sinn.,
si) Sinn; hnnd I K (sonst hmni) Lünse (mhd. lun)-, nach T. 105a
in K auch Jc/innd Kinn (vgl. § 91b).
b) an /• (doch fehlt hier das t ebenso häufig): näbdr(t) jemand
(vgl. Id. IV 807); skl)r(t) seither {mhA^ siderjaehm^sidert); dann in
den Zusammensetzungen mit -halb: and9r(t)halh anderhalb, Dnddr(t)-f
ohjr(t)-, oss9r(t)-, inndr(t)Jialh unter-, ober-, außer-, innerhalb, auch
üs,)rtivc(j() unsertwegen .
c) an Spiranten (Avenn t auch fehlen kann, klammere ich
es ein): An s(s), s(s) in kfräss(t) n. schhschtes Fressen; pmess(f) n.
Maß (zB. 9 gudtspm.); Messt n. in K Geleise, Wagenspur; ksmöüsst n.
(s. S. 100 u.);- fdhärmst (s. S. 52 unter b); täst m. (mhd. deisch)
Rinderkot, dazu täst3 Kot lassen (nach T. 131a in K); träst m.
(K) das auf ein Mal gedroschene Quantum (mit Dehnung aus
^drasch); pörst m. Bursche; vielleicht auch in hriast m. Schrei
(s. T. 77 b und vgl. Briesch Id. V 824); andarst anders, und
en<>st (ahd. einest) doch, Avohl (s. T. 168 und vgl. Id. I 276/8, dazu
Wilmanns II 632). .
An X, Jcx in Mäxt n. (mhd. yeleich) Gelenk; kstäxt n. buntes
Durcheinander, Gelärme (T. 243 a); kxDx(t) n. Geköch (vgl. T. 114 a);
efax{t) einfach, tswäfax(t) zweifach (vgl. Id. I 637 if.); pheüJcx(t) n.
die beiden Angelbänder einer Türe; l'seiokx(t) n. (je?,Qhen^\ pstökx(t)
m. und n. Düngerkasten; ksmakx(t) m. Geschmack, Geruch; ver-
altet auch noch (jlökx(t) n. Glück.
An /", i/ in klöüff(t) n. Gelaufe; saß m. Saft; kstift regel-
mäßig (vgl. T. 243 b); kröpft n. verächtliche Bezeichnung einer
kleinen Person (vgl. Gnipf Id. II 791).
Bei den angeführten kollektiven Neutra fragt es sich, wie weit Bildungen
auf ahd. -idi vorliegen (vgl. Wilmanns II .350), wie zB. in pniäxt (s. S. 51 u.),
krüdff't Gerufe, küäfft Geschäft, Schaft an einem Gewehr, vielleicht auch in Ithakx(t)
{mhd. gehecke(de)) Gehäcksel von Fleisch, pmemekxt (in I) Gemeinmark (s. T. gSVa
— 149 —
und vgl. Id. IV 390/1), oder wenigstens Analogiebildung nach solchen oder auch
nach andern Neutra mit lavrtgeset^chem -t, wie zB. ksläxt, präxt, ktcäxst (s.
S. 51 u.).
kstift könnte von den schwachen Ptc. Perf. beeinflußt sein, wie dies wahr-
scheinlich ist für khasst (nach T. 220 a in H gegenüber sonstigem khass) ,feind-
lich gesinnt'.
d) nur vereinzelt an Verschlußlaut, so in der Wendung mep
fdrlopt mit Verlaub, und vielleicht auch in hivakt n. Hebevor-
richtung (T. 247 b), äkiväkt Hebebalken.
Entgegen der Schriftsprache kennt die MA. dagegen keine Epithese in
ops Obst, äks Axt, hoff Hüfte, sös sonst, mö Mond.
ürd. t.
§ 135. 1. Es ist erhalten als t: a) nach Spirans, zB. stä
Stein, gift Gift, slext schlecht, lost Lust.
Der Infinitiv und die Pi'äsensformen von farxxd ,fürchten' ohne t sind
wohl abstrahiert aus der 3. Ps. Sg. Präs. und dem Ptc. (k)förxt, nach dem Ver-
hältnis etwa von suaxxs suchen: (k)sioxt.
In niid, nüd (ahd. nnciht, neoiviht) ,nicht' ist in der unbetonten Stellung
(doch vgl. auch § 173) Schwächung zu d eingetreten; bewahrt ist t dagegen
in nünt ,nichts' (vgl. Id. IV 871).
Zu fasrwd Fasnacht in I und Gais gegenüber sonstigem fasjbt vgl. § 133 b y.
b) vor r, zB. trouwd trauen, tsettdvd zittern, hettdr bitter,
wmtdr Winter.
2. Es erscheint als Aifrikata ts: a),im Anlaut, zB. tsand Zeine,
tsahh zappeln, tser3 zerren, auch tsidgdl Ziegel.
Wahrscheinlich aus dem Satzsandhi abstrahiert ist der Anlaut ts in
tsöüfdrs (in K, sonst sMfara) von Geschwüren, sickern {T.31ßh);JsüS9 sausen
(neben silS9, nach T. 463 a intensiver als letzteres); tsommdrd (s. § 125dY);
unklar ist tsdjd schloßen (in H sld), mit ts auch bei Schmeller, Bair. Wb. 11'^
1070, mit s bei Schmid, Schwab. Wb. 489; angeschmolzenen Pluralartikel zeigt
in K tsantjohannsper bezw. tsantlhansper Sanktjohannesbeere.
Umgekehrt ist in tsärg f. (ahd. zarga) hölzerne Einfassung eines Mühl-
steins (vgl. T. 376 a) durch falsche Trennung in der Verbindung mit dem Artikel
{f tsärg) entstanden f sarg, a sarg.
b) im Inlaut und Auslaut nach 1, r und n, zB. ivärtsd Warze,
smertsd Schmerz, ivörtsh Wurzel, smälts Schmalz, sälts Salz, holts
Bolzen, liärts Harz, störts Sturzblech, hirts Hirsch (über das Ver-
hältnis zu der dafür eindringenden nhd. Form vgl. Heusler S. 94),
jcränts Kranz, sränts Riß, auch in pfläntss Pflanze.
Auf Zusammentritt von t und s geht die Affrikata zurück zB. in prants
(s. § 124 b), seltsd (s. S. 121), auch in nüts (s. § 108 aa).
— 150 —
c) im Auslaut nach Vok. (vgl, dazu Behaghel 730) in sots
Schuß, (jofs Guiä; auch I hcts n. ,Gebif3', in Brül. auch hefs m.
jBissen' (während auf dem übrigen Gebiet Formen mit s(s); s. § -98),,
allgemein im Dim. d hets(d)li ein bißchen, ein wenig (vgl. Id. IV
1986 ff.); f/rii.d,^ m. Gruß (doch könnte hier auch Übertragung des
ts aus (jrüdtsj vorliegen; s. § 136).
3. Nach Vokal erscheint außer in den vorhin genannten
Beispielen die Spirans: ?i} ss\ nach kurzem Vokal im Inlaut zB. in
Icress,) gerissen, Jcsossd geschossen, fressj fressen, im Auslaut zB. in
nass naß, ähss Schloß; nach langem Vokal im Inlaut zB. in rlss»
reißen, äüssi) schießen; zum Auslaut vgl. § 173.
b) geschwächt zu s: a) im Auslaut nach langem Vokal; s.
§ 173, wo auch die Beispiele für s im Inlaut infolge Übertragung
oder nachträglicher Ableitung aufgeführt sind. Auffallend ist
einzig sfosjl (doch in K sfössd) , Stößel' gegenüber stössj stoßen, da
Einwirkung des Substantivs stös ,Stoß' merkwürdig wäre. S)ii€fSJ
,schmeißen' ist nicht bodenständig (vgl. § 80), und in dem Lehn-
wort müs.) refl., ,sich mausern' (ahd. müszön) erklärt sich s durch
Anlehnung an mnsj zu müs Maus (vgl. Id. IV 482; Kluge 263/4-).
j3) in Wörtern, die vorwiegend in Schwachtönstellung vor-
kommen (doch kann hier zum Teil auch AuslautscEwächung zu-
grunde liegen): ncso (mhd. neizicä, -wän) , irgendwo, -wann' in I
und veraltet in Mi, gegenüber nähd (mit vollständigem Schwund
des Dentals) auf dem übrigen Gebiete ; niüdSd (Inf. und Part. Prät.)
müssen (vgl. § 122), nims 1. 3. Ps. Sg. Präs. Ind., niüdS, miosid
1. 3. Ps. Sg. und PL Konj.; lös, lösid 1. 3. Ps. Sg. und PI. Konj. von
Jö lassen, los laß (Imper.); bis (mhd. bis) bis; das das, auch Konj.
,daß' und ims was (vgl. c); auch os (mhd. cz) ,es' (Akk.); ferner
in Nebensilben, so im neutralen Pron. und Adj., zB. ivehs welches,
es (mhd. eines) eins, shdssos süßes; dann in näh^s (mhd. nelzH-as)
und öppds (mhd. etewas) ,etwas'; gams (mhd. gams <i ^gamuz)
Gemse; sinis {\n\idi. sinics) Sims; neben nohds (s. S. 121u.), ärds
(s. S. 52 u.) kommt auch nohjss, ärjss vor; zu enidSd, äbdSd neben
ämmessd s. S. 121.
Y) nach § 109 in gäsmlhx, häslüs, grosmusttdr, stoswago, ivis-
näipn (usw.), maslddi(g) (s. S. 119/20).
c) vollständig gescliAVunden ist der Dental in da das, tva was
(betont' auch da, ivä), Avelche Formen etwas häufiger sind als die-
— 151 —
jenigen mit auslautendem s; doch braucht die selbe Person in der
gleichen Wendung bald diese, bald jene Form,
§ 136. Urd, tt erscheint als ts: Nach kurzem Vokal zB.
in ivetsd wetzen, snetsU schnetzeln, xitsi n. Zicklein; xats Katze,
Mts Hitze.
Nach langem Vokal oder Diphthong zB, in ätsd ätzen
(Vögel speisen); rätsd reizen; hatso beizen; ßslatsd (zu mhd. sleisen)
verschwenden (vgl. T. 187a), slätsi(g) schnell, leicht (zB. go), slätsi.
in K (s. S. 108); vötsj Hanf rösten; flö(r)ts9 flößen, flö(r)ts^\o^\
snütsd (die Nase) schneuzen ; grüdtsd grüßen ; hüdsd flicken, nähen.
§ 137. Inlautend ts:tsh:U.
Dem verbalen Sufiix got. -atjan, ahd. -azzcn entspricht in der
Mundart mit Synkope des Vokals -ts9, zB. hnnts^ (-< hrunnezen)
das Wasser lassen, von Tieren und grob von Menschen (vgl. Id.
V 769/70); vielleicht auch brantsj keifen, schelten (s. T. 74 b und
vgl. Id. V 761); eine Nebenform des Sufiixes zeigt fulentsd faulenzen
(vgl. Wilmanns II 110/1).
In vielen Fällen ergaben sich beim Zusammentritt von ts mit
dem Stammauslaut sekundäre Veränderungen.
So wurde xts "> xs in jüxsd (mhd. jüchezen) jauchzen, groxsd immerfort
klagen, stöhnen (vgl. mhd. grogezen); äxss ächzen (s. § 96 c), in K mit regres-
siver Assimilation «sss; vielleicht' auch pfnäxsd ächzen, stöhnen.
Beim Antritt von -ts9 an einen gutturalen Stammauslaut ergaben
sich sonst die drei verschiedenen Lautverbindungen fs, tsk oder ts;
vgl. dazu Winteler S. 48/9, ausführlicher in PBB. XIV 455 fi"., auch
Gerland und L. Tobler in Kuhns Zeitschr. Bd. 21, S. 67 fi". und 22,
S. 133 fi'. und A. Bachmann, Gutturale S. 54/5. a) ts bei Schwund
des Gutturals; so in siväntsj (<^*swanJcezen) , schwänzen'; rentsdld
(Dim. zu rantsd <C *rang(g)ezen; vgl. Id. VI 1159) reizen, foppen
(vgl. T.361); vielleicht auch in stotsd {<i*stuckezen) zurückschneiden
(vgl. PBB. XIV 459) und tsivatsh, tsivitsh (<i*mvackezen, zivicTiezen)
blinzeln. S. auch im Folgenden. — b) tsh durch Umstellung aus Ms;
so in betsko (= helcxd) an etw^s herumhacken, -schnitzen (vgl. Id.
IV 1942), dazu hetslisr (s. T.^Ob), daneben hets^, hetsd (s. T. 40 a);
hlitshd blitzen (nach T. 58 b noch in K), heute allgemein hlits,^
und hlits Blitz, dagegen noch hlitsh f. flinke Weibsperson; wahr-
scheinhch auch in hitsTo schluchzen (vgl. Id. II 1829), gritsJcd (neben
— 152 —
gritsd) knirschen (mit den Zähnen). — c) ts aus tsk durch Wandel
von sTi «< s (vgl. § 144), so in rotsi) (-< riickezen) rutschen, rücken;
töt^d stoßen, tots Stoß (vgl. mhd. tue Stoß, Streich).
A n m. 1 . Die Verbindung tsTc findet sich außerdem noch in nätskd geräusch-
voll nagen oder essen (s. T. 328 a) ; retsks in lästiger Weise anhaltend bitten
(s. T. 360 b); snatsltd, snjtska schmatzend kauen (s. T. 394 a); statska stottern
(vgl. das sjn. stakkdh)-j steftskd (in K steftsa) m. Dorn einer Schnalle ; süftska
seufzen ; auch in hitski n. Kerngehäuse des Obstes (vgl. Id. IV 2038) und blotskdr
eine Scheidemünze (s. T. 60 a und vgl. Id. V 299/300). — Nebeneinander von ts
und ts zeigen noch flärts? -.flärtsd Schmutzfleck (s. T. 194 b); wats : ivats Schlag,
Stoß (s. T. 437/8).
Anm. 2. Weitere vermischte Beispiele für ts s. S. 53/4, dazu noch pantschs,
2)auts(l)9 (s. § 123 b); pöts9 stoßen, pois Stoß (s. T. 64 b. 143 b); ip)futs, {p>flots{s.
§ 131) ; kflötsat, in I klötsdt nachlässig gekleidet, dazu htst liederliches Weibsbild;
föüts f. Hündin; göts m. Hügel (s. T. 231 a und vgl. Id. II 563); h'öthh der Sache
den Lauf lassen (s. T. 271 a und vgl. Id. H 1800); hutsah (s. S. 69u.); lärtsd
schleppend gehen (vgl. Id. III 1386); löütsi m. Tölpel (vgl. Id. III 1533 ff.); löütsd-
hera Melonenbirne (T. 294 b); «jois Dickkopf (s. T. 320 b und vgl. Id. IV 598 ff.).
Anm. 3. Auf Synkope eines Zwischenvokals geht die Verbindung ts
zurück zB. in tüts deutsch, kföts (s. S. 96 u.), hentss Handschuh.
Ilrd. p.
§ 138. Im Anlaut: a) In den meisten Fällen erscheint t,
zB. tärm Darm, tenhxd denken (dagegen öfjdöxt m. subst. Part., Un-
besonnenheit; vgl. T. 345 b), terd dörren, tili f. Diele, tidxsh Deichsel,
tonn dünn, törst Durst, tüor dürr, tord dürfen, toh dulden, tüsi(g)
' tausend, tiwkx9 dünken, trössd dreschen, trokxd drücken.
In Brül. sagen alte Leute noch d5?"a dürfen, dar darf, daxx Dach, was
wohl auf sekundärer Schwächung von t^ d beruht; vgl. § 132a Anm.
b) Nur in den folgenden Beispielen entspricht d: dö dann,
deij dort, dö da, drö (mhd. daräne) ohne, drenn darin, drä daran,
dromni darum, ddfornj vorn, doha droben, donna drunten, dinnd
drin, dend drüben, denn dann, das daß (vgl. d), da(s) das, der ddr
dieser, der, du di diese, die, de (Akk.) diesen, deri(g) solche; döt
dort, dö)- durch, dddor dadurch, dörj hindurch; du du, dl dich,
dinn dein; drü, dreij drei, drissh dreißig; doxx doch; dinio Ding,
divua dingen, d'mios auf Borg; dienst Dienst, didud dienen; dorff'
Dorf; drekx Dreck, Kot, fsdrehxd beschmutzen; fdderhs verderben;
damni(d) m. Schatten (vgl. nhd. dämmern), danmid Schatten geben
(in K); donnsti(g) Donnerstag, dagegen oft tDnnst^n(g) Adj. ,vom
Donnerstag her', und durchaus tonddrj donnern, tonddr Donner;
— 153 —
dankx Dank, gegenüber tanhxd danken, doch nur in bestimmten
Wendungen gebräuchlich, zB. sägd duvkx ,ich sage Dank', pU mol
(lauJcx , vielmal Dank'; während das Adj. ,dick' durchaus tikx lautet,
kommt beim (gewöhnlich unbetonten) Adv. in der Bedeutung ,oft.
bald* daneben dikx vor. didh Dieb ist nicht echt mundartlich (dafür
selni); didntd Liebchen (vgl. T. 137b) ist aus dem Osterreichischen
herübergenommen. Seltener findet sich (wohl unter schriftsprach-
lichem Einfluß) d neben t auch in fdtn'issj verdi-ießen, f9trossYerdr\i&,
fjtrössi(g) verdrießlich; doch auch in tottdrd, töttarh aufdämmern
(vgl. T. 143 a), dagegen überwiegt d in dodsra, dodb ,undeutnch,
stotternd reden'.
Anlautendes d kommt ferner vor in den kindersprachHchen
Bezeichnungen für ,Huhn': didjJt, und für ,Hündchen': ddd3(r)li,
ferner für , Vater': dädä, dättä.
Anm. 1. Bei Synkope des Vokals in du ,du' und di ,die' wird der
Dental verschärft > t, zB. wi» t tcit wie du willst, t Anna die Anna, t epfdl
die Äpfel; t wird dann auch auf betontes du übertragen (vgl. § 121 a Anm. 3).
Aus der Wendung das ist t wäl das ist die Wahl, d. h. das Beste, wird ein
Adj. twäl abstrahiert und daher gebildet: das ist td twäbst ,das ist das beste'
(vgl. T. 438).
Anm. 2. Die anscheinend regellose Vertretung von p durch t neben d
erklärt sich wohl teilweise so, dafj t aus dem Satzsandhi (vgl. §§ 26 ff.) verall-
gemeinert ist; vgl. p neben h (§ 123). In einzelnen Phallen kann auch Assimi-
lation von fc {<^ge-) an folgendes d (vgl. § 31, 3) vorliegen oder mitgewirkt
haben, und für d kann auch Schwachtonstellung von Einfluß gewesen sein.
S. auch E. Schröder in AfdA. 24, 18 f. Über den Zusammenhang dieser Sandhi-
erscheinungen mit Notkers Anlautsgesetz vgl. Heusler S. 27, Schild ' S. 29 ff.,
- S. 306, ferner J. Schatz, Mundart von Imst S. 22 ff. und Wilmanus I S. 88 ff.
c) Die Verbindung piv wird über die, tiv zu tsiv: tsivivva
zwingen; tsiveris quer; tswagd, in K tswahd (got, ptvahan) den Kopf
waschen, dazu tsicähdli (s. S. 51 u.). Vgl. §§ 132 b. 135,2 a.
d) Geschwunden ist der Dentalanlaut in der unbetonten Konj.
üs ,daß' und beim bestimmten Artikel im Gen. Sg. Mask. und Neutr.
und Nom. Akk. Sg. Neutr. (.s), im Dat. Sg. Mask. und Neutr. {9m)
und ferner bei der Verschmelzung mit Präpositionen (s. § 121 c
Anm. 3). Doch kommt daneben noch häutig, besonders bei altern
Leuten, vor das, dam, zB. hört man nebeneinander: (d)as d xod
daß er kommt, / geha dam xend und / gebdn dm xend ich gebe dem
Kind, (d)dmsehj demselben.
örslaxt, örsthtd (mhd. durchslahi) ,Pocken' beruht auf falscher Trennung
in der Verbindung mit dem Artikel: t' törsl.^ t' örsL; vgl. § 135, 2 a Anm. »
— 154 —
§ 139. Im Inlaut und Auslaut erscheint: a) gewöhnlich d,
zB.: mil) scheiden, xnodd Knöchel, häldo Halde, hordi Bürde, cid
Eid, };sld geschickt, ivald Wald, herd Erde, auch öhad Abend, ji(g,'HJ
Jugend, tiKjjd Tugend, doch außerhalb I und Gais wohl unter dem
Einfluß der andern Bildungen auf -st (vgl. § 133b a 4 und by)'
daneben auch öhdt, usw.
b) Dagegen findet sich Verschärfung zu t in wert m. Wert
(vielleicht unter dem Einfluß der Schriftsprache), gegenüber iverd
Adj. und Adv. ,wert, beliebt' und in fort fort; ferner in front fremd
(vgl. S. 51 o.), frönts von Kindern, gegen Fremde scheu sein; emt
Emd, Grummet, emto Emd einsammeln; houp (mit Assimilation)
Hemd; dtivedar (mhd. eindeiveder) entweder; in H teilweise auch
imient Gemeinde (sonst pmend bezw. pmend). Zum Teil hängt die
Verschärfung wohl mit der Synkope eines anstoßenden Vokals
zusammen. Vgl. § 133 ba 3.
In den folgenden Ableitungen auf -o)r beruht die Nebenform mit t auf
Verschärfung von d (<ip): flattdrd flattern (von Vögeln), in gleicher Bedeutung
flachrd; flettdrmüs Fledermaus in I (zu ftettdra unbeholfen fliegen), gegenüber
fleddrnuts auf dem übrigen Gebiete; floutra f. fliegendes Band (nach T. 195a
in H), während fl'öiuhrJd im AVinde schweben, flattern, floudanCg) von Personen,
flattei-haft, leichtsinnig; flottar Ofenwisch der Bäcker in H, während sonst floddr
dafür gilt, auch flottdr-, floddrwettdr Schmutzwetter, flottdn(g) und floddr ig)
locker, schlotterig (s. T. 196) ; settdvis schräge, schief, neben seddris in gleicher
Bedeutung, scttars neben allgemeinerm seddr? von Instrumenten, unrein tönen,
dagegen nur settdr (s. S. 61 o.); snattdrd zB. von Holz, das sich spaltet, reißt,
mäddTd schnell, plappernd reden (vgl. T. 393/-1); smotUrxäs (neben smättdrxch)
Weichkäse, dagegen smodar Schmutz und Schnee auf der Straße ; süttdTd neben
si'uhrs f. morastige Stelle im Boden (T. 427 b).
c) Eine vereinzelte Erscheinung ist mords ;> morgs (nach
T. 323 a in H) ermorden.
d) Geschwunden ist der Dental in den Konjugationsformen
von iverdj werden, außer im Part. Perf. irördd, vielleicht ausgehend
von der 2. Ps. Sg. Präs. : Präs. Sg. wer, werst, wer, PI. wend, Prät.
Konj. Sg. icör, wörist, ivör, PL wörid (jünger mit Umlaut).
Intervokalisches d ist schon ahd. geschwunden in der 3. Ps. Sg. Präs. xit
,es tönt' (ahd. (iuit<^qiiidit zu quedan). Zu dieser I'orm wurde ein neuer Infinitiv
xla (so noch in II, in I M diphthongiert xeiJ9) gebildet. In V dagegen lautet
der Infinitiv xlda und in K vorwiegend kxitta, Neubildungen von xlt aus nach
snlt : smdd und r'it : rUta (vgl. Id. III 149 50). Vgl. auch hreija predigen (T. 75 b;
Id. V. 400 ff.).
— 155 —
Assimiliert an den umgebenden dentalen Nasal ist der Ver-
schlußlaut in nemid (<^ nidendn) unten (vgl. §§ 125dß. 133 c) in I»
veraltet auch noch in Mi (auf dem übrigen Gebiete dafür Dund),
zB. danemid ,dort unten', mit falscher Abtrennung von n auch
emid, zB. im xölhr emid im Keller unten.
§ 140. J] rd. pp erscheint als t: smettd Schmiede, lat i. Latte
(vgl. Kluge 237/8), vielleicht auch hlot ,Aveich, schlaff' (vgl. Id. V
215/6 Anm.).
Schon früh trat Vereinfachung ein in odsr oder (vgl. Kluge 286 7), das
in der Mundart nhUr (vgl. Id. I 187/8) verdrängt hat (s. T. 21 b).
Urd. s.
§ 141. Es ist erhalten als s: a) im Anlaut, zB. in soh
Sohle, sür sauer, senn Senne.
In einigen Ausrufswörtern tritt dafür auch h eiu: hö! quittierendes ,so',
hö du! ,so. du!'; he! neben se! (s. S. 115 u.), he dö! ,ninmi da!'; heb neben
seh aufforderndes ,laß sehen!' oder unwilliges ,laß mich gehen!', auch heb uns!
(vgl. T. 420b); hhst! neben Si»st! ,siehst du (nun)!' hianddr! neben Siatiddr!
jSeht ihr (nun)!'
b) im Inlaut und Auslaut, zB. in je>i^ gären, hosd Hose,
gras Gras, mias Moos, hrosnu Brosame, gäsh Geißel, auch in gräS9
(ahd. grmvisön) ekeln.
Verschärfung zu ss zeigen a) nach geschwundenem Nasal:
tressa auf dem ganzen Gebiete, hrässdd und hessd in K gegenüber
-s- auf dem übrigen Gebiete; s. § 96. Neben segas , Sense' kommt
auch vor segass (vgl. § 135, 3bß), dagegen meist fagebas ver-
gebens, usw.
ß) vor l das Lehnwort tstssU Zeisig in K, sonst tslsli ; neben
enasli ,Anis' kommt auch vor enasslt.
§ 142. Übergang von urd. .§ >> s findet sich: a) im Anlaut
vor p, t, {k s. § 144), m, n, l, iv, zB. in spöt spät, stadal Heuschopf,
smehxa riechen und schmecken, snahal Schnabel, swär sch^ver. In
etsa (veraltet noch in I H2) <C eteswä liegt wohl Übergang von
silbenanlautendem sw im Inlaut vor.
snugdli in der Kindersprache für , Brustwarze, Sauglappen' (T. •424 a; vgl.
Nuggel Id. IV 711) zeigt angeschmolzenen Artikel oder Kreuzung von Nug(g)dl
mit sugd.
— 156 —
b) im Inlaut und Auslaut a) allgemein vor ^, zB. most
Most, fast Faust, törst Durst, bist bist, herpst Herbst, auch in
den genitivischen Zusammensetzungen donnsti(g) Donnerstag, tsi-
Ui(g) Dienstag.
Wenn s erst sekundär, zB. durch Synkope eines Zwischenvokals, vor t
zu stehen kam, ist es erhalten; so in der 3. Ps. Sg. von Verben mit stamm-
aushiutondem s, zB. lest liest, waxst wächst (zur 2. Ps. Sg. vgl. § 29, 2), ferner
zB. in höxsti Hochzeit (vgl. § 177), Jcwäxst (s. S. 51 u.). Erhalten ist auch
«s <; t (vgl. § 135, 3) in samsti(g) Samstag (ahd. sambaztag).
ß) allgemein vor p, zB. haspdl Haspel, fisjrsrd wispern, xrö-
^p(d)ld f. Knorpel, hospdr munter, frisch.
y) vereinzelt vor h in fdbösks verunglimpfen (vgl. Id. IV 1725);
doch vgl. auch § 186.
S) nach r; s. § 29, 4.
s) nach l in hölsd (ahd. hidsa), auch hölssd, höUsd Hülse, kaum
auch in fäl(t)s, fal(t)s falsch (vgl. Kluge 103).
Q nach m vielleicht in hänisd (nach T. 259 b in K) an-
heimeln; vgl. Id. II 1304/5.
7]) nach p> in ripsd stark reiben.
%■) auch in I fasndd, in Egg. und Schw. auch fassndd Fasnacht,
gegenüber fasndt in A.
§ 143. Urd. SS ist als ss bewahrt, zB. xöhd küssen, ross Roß.
Schon alt ist ss in möss Messing; vgl. Kluge 267/8, Grimm WB. VI 2114,
Id. IV 505.
Urd. sk.
§ 144. Es entspricht ihm: a) im Anlaut s, zB. slbd Scheibe,
^oxxd Haufe, srä Schrei.
Unsicher ist die Herkunft des anl. ts in den auch sonst weitverbreiteten
Wörtern tsupps, tmppdr, tsuppdl (s. S. 69 u.).
b) im Inlaut und Auslaut ss, zB. wässd waschen, rüssd
rauschen, friss frisch. Zur Auslautschwächung nach langem Vokal
s. § 173.
Über s < s s. § 142.
— 157 —
Die Gutturale.
Urd. g.
§ 145. Es erscheint sowohl im Anlaut, als auch im In-
und Auslaut in der Regel als g, zB. : gäx steil, gött i Fa.te, grÜ9
grün, glofd Stecknadel; wegd wägen, nagdl Nagel, ägd eigen, xugh
Kugel, folgd folgen, görgh gurgeln; ivög Wage, tag Teig.
Bei den Altern gilt auf dem ganzen Gebiete auch noch märg n. (Knochen-)
Mark, gegenüber märx f. Grenzstein; jetzt dringt märx auch für ersteres ein.
swebalpflffd Holzpfeife (vgl. T. 403 a) ist entstellt aus sicegalpf., mit An-
lehnung an swehdl , Schwefel' (vgl. Id. Y 1074/5). Für legiloxx Futterloch aus
der Tenne in die Krippe (vgl. Id. III 1034) gilt in K teilweise ledihxx, was
auf Bedeutungsberührungen zwischen legt und ledi beruht (s. Id. III 1196/7 und
1074/5).
§ 146. a) Die ursprüngliche Verbindung vg erscheint im
In- und Auslaut als »o, zB. haotjd hangen, sprwvd springen;
r«ü» Ring, slavn Schlange.
Wenn dagegen n und g erst durch Synkope eines Zwischen-
vokals zusammentraten, so Avird nur in Hi und Um. überwiegend
UV gesprochen; in Hundw., Stein und I gilt meist ng, und in
M V hört man na nur ganz selten bei Jüngern. Die Beispiele
sind : XDvg König, Bienenkönigin, xöngdli Kaninchen (bezw. xtivu,
xÜTjnaU; s. S. 72/3); hiwg Honig, hiwgj Honig machen; meng»
mancher.
Zum nebentonigen ng s. unter n.
b) In K gilt (bei den Jüngern jedoch nicht mehr allgemein)
renvd regnen, gegenüber regno außerhalb K, seltener auch renndh
schwach regnen, neben regalj, dagegen auch in K durchaus reg»
Regen. Die Entwicklung ist gn ^ ng ^ vn.
c) Geschwunden ist g: a) in den § 81 aufgeführten Fällen
von ei <C ahd. agi, so auch in gi, g» (<; gein -< gegin) s. § 112.
ß) in mörn (mhd. morgene, morne) morgen.
Y) Kennzeichnend für das östliche Gebiet (V M2, nur selten
auch in Teuf.) ist der Schwund des g in der Nebensilbe -ig, und
zwar 1) im Adjektivsuffix ahd. -ig, zB. losti lustig, ledi ledig, ferti
fertig, auch vor der neutralen Endung s: lostis, usw. — 2) in -ig,
das nach § 109 entstanden ist: sönti, ftrti, usw. (s. S. 120 u.) —
3) in den Maskulina auf ahd. -(l)ing, zB. hälsi Strick, tummli, nääli.
— 158 —
usw. (s. S. 99 0.). — 4) in den Feminina auf ahd. -imga, zB. mäni
Meinung, rexxni Rechnung.
Das <7 erscheint dagegen vor vokalisch anlautender Flexions-
endung, zB. onn lostsyä ein lustiger, auch im Komparativ und
Superlativ löBtdgdr, löM9gist; a da firtdgd an den Feiertagen; mändgd
Meinungen.
o) zu lo, liij für log, luag s. § 106.
i^ 147. Anlautende Fortis h erscheint in den Fällen, wo der
Vokal von mhd. ge- synkopiert wurde, zB. kekkdt {<^ge-eTiket) eckig;
l'falld gefallen; Txhgj gelogen, hrottd geraten; liwä gewohnt; s. auch
§ 111 und vgl. § 31, 3.
In einigen Fällen fehlt jedoch die Verschärfung, und g wird
als zum Stamm gehörig empfunden; so auf dem ganzen Gebiete
in gachr (s.S. 74); gonnd gönnen; glökx Glück, gled Glied; gräd
gerade: grex (mhd. gerccli) fertig. Neben gewöhnlichem globd
, glauben' findet sich bei alten Leuien (besoiiders in I) noch Mobd;
neben allgemeinem glix , gleich' kommt in I vor Meij (vgl. S. 86)
und in I M öldlx (bezw. iwMfx), öMiUg , ungleich'; neben glimpf
(s. § 63 d) gilt ^uch noch Tdimpf, neben glor n. verwässerter Most
(s. T. 225b; Id. ill 1375) auch noch Id&r; in K findet sich auch
gläxt (mhd. geleich) , Kettenglied' neben häufigerm Idäxt.
Auch knagd iiagai, knägt n. Knochen, knappd und kicakh ,wackeln'
werden heute als piätigrcrte Bildungen empfunden; doch vgl. Id. IV 696. II 668.
Anlautendes k findet sich ferner in hcäkka quaken (von Fröschen) und
kicikka vom Ruf der Nachteule.
§ 148. Die Fortis k im In- und Auslaut geht in den
meisten Fällen entweder auf urd. gg zurück oder ist jüngere Ver-
schärfung von g, letzteres häufig vor ableitendem -(d)l, -Jr. Viele
Fälle sind etymologisch unklar; manches scheint onomatopoetisch
zu sein. Ich stelle im folgenden die Beispiele, nach dem voraus-
gehenden Laute geordnet, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft zu-
sammen.
Nach kurzem Vokal: hakicj m. Wange; kirakh wackeln;
Mdkk(d)h stottern; gäkkd die Notdurft verrichten (in der Kinder-
sprache), gäkkdliwär wertloses Zeug; näkk,jl j, &uch. täkkdh, nikkdld
um Kleinigkeiten zanken (vgl. T. 129 a. 334 a); mäkkoh stinken
(vgl. T, 310 a); itäkkah f. Stockspitze; §nek m. Schnecke; sek m.
— 159 —
Name eines gefleckten Tieres, lisehkdt gefleckt; l(^k,j legen (da-
—^ gegen plegt Stoffstück zum Unterlegen, i)lcgd{l9) unterlegen; vgl.
T. 57b), lihkd liegen; ivekkd m. Keil; ekn. Ecke; fel'lxj schürfend
reiben; hril'kdl^ schnell, undeutlich reden; örjniM'j], -nökJid Ohren^
geschwulst, Mumps (vgl. T. 347 a; Id. IV 706); nökkin. kleine Ziege;
lok locker; mok Mücke; hrok Brücke; tsrok zurück; hoj^kdl Buckel;
tokkdh (s. S. 98u.); enii)i)oli]i(d)h (s. S. 25o); rokko Rücken; okk3
Ausruf des Schmerzes (s. T. 346 a); glnkkjr m. Schluchzen, glukkdri
Gluckhenne; riikkässd kirren (von Tauben), einen rukküssdr singen
(vgl. T. 373 a; Id. VI 777); sukh) (Milch) saugen (neben suga; vgl.
T. 428 a).
Nach langem Vokal oder Diphthong: kwäkkd quaken
{von Fröschen) ; jäk (in K jäkx) Holzhähei ; gäkh(d)ld sich (auf
einem Stuhle) wiegen; gäkki m. langer Kerl; hlekkd (in der Kinder-
sprache auch bäkkd) weinen; /.•^«/r/ts vom Ruf der Nachteule ; tökkd
von Kindern, mit Wasser spielen (vgl. T. 144 a); hökkj Haken, hokh
häkeln; mdkkd Schnake; möükhiy^Yaelen; s^mZ'A',; schnüfl'eln, durch-
suchen (um zu naschen) ; göiikkdh und tsoükU (T. 453 a) Schnabel an
Gefäßen; höükkd und hröiiklori, s."§ 89, 4; bridhko "deinen; sidkkd
schief, schleppend gehen; widkko wackeln.
Nach n, r, l: ränkd hi* und wider reden, zanken; ntenkdJ,) (H)
durcheinandermischen; spevkd m. ein großes Stück (zB. Brot);
slenkd m, (nach T. 388 b in H slaukj, in K slenkxdr) Vorrichtung
zum Türschließen; tcnk langsam (s.T. 133 b), teuka langsam 'arbeiten :
lenk link; rinks m. Schnalle; tswkj m. Gabelzinken, ßergzacke;-
slwkd (die Arme) schlenkern (vgl. T. 389 b); ivivkd sich unruhig ver-
' 'halten, >^mit den Beinen) baumeln; hinkjh necken, quälen (T. 53a für
K); nmnkh unterdrückt reden; fjhimkh zerknittern (vgl. T. 181a);
liwkd Lunge, heute meist durch hwvd ersetzt, doch noch häufig
lunkdra für Viehlunge als Speise (vgl. Id. III 1342); shmki m.
liederlicher Kerl; grnnkdr Knauser (T. 239b für K); 2)fliwk f.
'liederliche Weibsperson; öyjkli'wkdr Ohrgehänge (T. 226a). —
törkdl Kelter; in H M storkdh (neben storgdh, stdrxali) Wäsche-
stange (s. T. 412 a); lörkd ,das /• velar aussprechen'. — talkot von
Mehlspeisen, ungenügend gebacken; tolkj Tintenklecks, neben tolxd,
in I toDkü (s. T. 144/5); tselk f. Zeige (s. T. 460 a), als Flurname
heute auch tselg (vgl. A. Bachmann, Gutturale S. 23).
— 160 —
Urd. A;.
§ 14-9. Nach dessen Vertretung im Anlaut vor Vokal' und
Kons, sondert sich der größere Teil von K charakteristisch vom
ganzen übrigen Gebiete ab; die Grenze deckt sich mit derjenigen
für ä : ä <^ ei (§ 80): K mit Ausnahme des Teiles von Ob. südlich
vom Dorfe zeigt mehr oder weniger affricierte Aspirata, das ganze
übrige Gebiet den velaren Reibelaut x (vgl. § 16). Im Dorfe Oberegg
überAviegt der Reibelaut bei weitem ; im Dorfe Heiden und dessen
Umgebung tritt er heute infolge des starken Verkehrs mit dem
j;-Gebiete bei Jüngern sporadisch auf. Die Affricierung ist in K
bei alten Leuten meist weniger stark als bei den Jüngern. Doch
findet sich nie (oder doch nur ganz selten) weder reine Aspirata
bei jenen, jioch reine Affrikata bei diesen; immer ist bei genauer
Beobachtung ein Reibegeräusch mit deutlich nachfolgendem Hauch-
laut bemerkbar. Das Reibegeräusch ist palatal vor palatalen
Vokalen und Konsonanten, mehr velar vor velaren Vokalen. Der
Hauchlaut tritt vor Konsonanten {n, r, T) mehr zurück als vor
Vokal. ZB.: /ur«^s Katze, Z';^e?Z3 Kelle, /•;^/6f^ Kiste, hxostd ^o^iexi,
k/nü Knie, Jiy^rot Kröte, l'^lehd kleben, gegenüber, xats, xelh,
xistj, usw.
Anm. 1. Das Gebiet von K hängt durch seine Aifrikata mit dem öst-
lichen Nachbargebiete zusammen. Vgl. auch Bohnenberger in Alemannia 1900,
S. 124 ff. (,Die Grenze von anlaut. k gegen anlaut. c¥) und in ZfhM. 1905, 129 ff.;
dazu A. Bachmann im Geograph. Lexikon der Schweiz Bd. VI, S. 71.
Anm. 2. Bewohner von K werden im iC-Gebiet ihrer Aussprache wegen
häutig geneckt, zB. mit dem Satze: i ddr ans Ic/u/yi l'xoxxit s k/utb ,in der
andern Küche kochen sie Kutteln (Kaidaunen)', in der Aussprache des a;-Ge-
bietes: i ddr ans xoxxi xoxxit s xotb. S. auch S. 31.
Anm. 3. In Icxennd ,kennen' gegenüber xenna (nur in I und Ob.), in kxannth
jkenntlich' neben xannth und in kxab ,gerinnen' neben seltenerm xal9 (vgl.
Id. III 192), in welchen Fällen also der Anlaut kx sich auch außerhalb K findet,
steckt die Vorsilbe ge- (vgl. § 111).
Anm. 4. gitsi, gitsb neben xitsi (ahd. kizzi(n)) ,Zicklein', xitsld ,von den
Ziegen, Junge werfen' erklärt sich durch Anlehnung an gäss ,Geiß, Ziege'
(vgl. Id. II 577,8).
Anm. 5. Zu ha se für xa se ,kann sein' (T. 257/8) vgl. § 141 a Anm.
§ 150. Urd. Ä; im Inlaut und Auslaut (zum vollständigen
Schwund s. § 151): a) Nach Vokal erscheint Reibelaut, und zwar
außerhalb K nur velares x(x), dagegen in K (außer oOb.) bei altern
*— 161 —
Leuten nach palatalen Vokalen palatales ^(^) (vgl. § 92) und oft
auch in den andern Stellungen ein weiter vorn gebildeter Reibe-
laut mit schwächerm Reibegeräusch, mehr oder weniger in starken
(geminierten) Hauchlaut übergehend.
a) Nach kurzem Vokal ist meist die Fortis (bezw. Gemi-
nata) bewahrt, im Inlaut zB. tnaxxd machen, Mexx9 stechen, soxxd
Haufen, woxxd Woche, xaxxh f. Kachel (vgl. Kluge 188), tröxxnd
(in K trüxxn^ bezw. trü3xxnd; vgl. § 92) trocknen; im Auslaut
zB. taxx Dach, frexx frech, hxx Loch, broxx Bruch. Vereinzelte
Schwächung zur Lenis ist auf dem großem Teile des Gebietes
(I M Vi) eingetreten in sixar sicher, weniger allgemein auch in
sixh Sichel, staxld (PI.) Stacheln, staxalbeijar Stachelbeere; nur
in I (und auch hier nicht allgemein) kommt vor sprox Spruch;
strex Strich, Dat. PI. strexd, strexwls strichweise, kstrexd gestrichen;
stix Stich (dagegen stexxa stechen, kstoxxd gestochen); kxroxa ge-
krochen; krox9 geraucht; dafotexa heimlich davongeschlichen; rexnd
rechnen. Bei den Partizipien hat vielleicht der Infinitiv mit x
nach langem Vokal (s. u.) eingewirkt.
ß) Nach langem Vokal überwiegt die Lenis: strlxj streichen,
xixd keuchen, gllxd gleichen, sllxd schleichen, ahivixa n. Durch-
fall, spixdr Speicher, xrüxd kriechen, rüx9 rauchen, lüxd ziehen,
rupfen, hrüxd brauchen, xüxd hauchen, hüX9 Wäsche laugen, stüxd
dünne Leinwand (vgl. Kluge 376), strüxh kränkeln (vgl. T. 416 b),
hröxdt Brachmonat, twäxd einweichen, hläxi Bleiche, tsäxd Zeichen,
tsäxnd mit einem Zeichen versehen, wettarläxd wetterleichen, rouxd
rauchen, pröüxd beräuchern, houxd m. Angelhaken (in K hioxxd),
JÖHX9 j&g&D.; im Auslaut (vgl. § 173): rzx reich, gltx gleich, xix m.
einraahges Keuchen, lix Leiche, UentsUx Blindschleiche, slüx
Schlauch, xüx m. Hauch, hrüx Brauch, sprox Sprache, ledwax
(mhd. lideweich) biegsam, hläx bleich, sträx Streich, roux Rauch.
Die Fortis ist erhalten auf dem ganzen Gebiete nach ud in
SU9XX9 suchen, fludxxQ fluchen, seltener auch in xudxxd Kuchen
(häufiger im Dim. gebraucht), hudxxd Buche, psiidxx Besuch, fhidxx
Fluch, tudxx Tuch, hudxx Buch, und deren Dim. xüdxxU, tüdxxli,
hüdxxli, namentlich in I auch in hrüxxd. Nur in K fehlt die
Schwächung inlautend auch nach i, ü, also k^l^^a, k^ri^xX^ usw.,
seltener nach den andern Vokalen.
Vetsch, Appenzeller Mundarten. 1 1
— 162 —
Y) In unbetonter Silbe kommt Fortis noch neben Lenis
vor in estrix(x) Estrich, rättjx(x) Rettich, happjx(x) (s. § 126),
seltener in den § 151 aS, £ angeführten Beispielen für das westliche
Gebiet. S. auch unter b.
o) In 9g für ,ich' (s. § 121 a, Anm. 2) hat sich unbetontes x
zu g entwickelt. Vgl. auch § 151 aS Anm.
b) Nach l und r entspricht ebenfalls die Spirans, und zwar
autäerhalb K Lenis nach l (zum Sekundärvokal vgl. § 117):
mil(9)x Milch, m€l(d)x9 melken, h'd(d)x9 Birke, xal(9)x Kalk,
xel(d)x Kelch, mol(9)xd m. Molke, fol(d)x Volk, strolx Strolch, und
nach r in xer(d)xd (für älteres xil(d)x9, in I noch xüllx^) Kirche,
snärxh schnarchen, örxo, örxi(g) rein, unverfälscht, märx Grenz-
zeichen, märxj Marksteine setzen, störx Storch, stärx stark, härxdt
Barchent, iverx veraltet für Flachs, fol(d)xiverx n. viel Volk, große
Menge Leute. Doch kommt nach r meist daneben (seltener) auch die
Fortis vor: örxxo, märxx, märxxd, storxx, stärxx, härxxdt, tverxx,
und die Fortis gilt noch ausschließlich auf dem ganzen Gebiete
in werxxj schaffen, sterxxar stärker.
In K, wo der Sekundärvokal meist erhalten ist, erscheint sowohl
nach l als nach r die Fortis, zB. meldxxa, bihxxa, h^idrdXXd (in
Ob. noch xilaxxa), auch im Auslaut, zB. f'ohxx, doch meist star(9)x
(flekt. starxj), stor(d)x.
Für jWolke' kommt in K bei alten Leuten noch vor wohxxd f., als n.
für das Beißen der Frostbeulen (vgl. T. 450 b) ; in Vi noch wolx9 n. für letzteres,
während tvolkxs f.; dagegen auf dem ganzen übrigen Gebiete, findet sich nur
wolJcxs f. und n. (ngl. dazu A. Bachmann, Gutturale S. 39/40, Stickelberger'^ 453).
halkxd jBalken' ist nicht gut mundartlich, dafür trömm (vgl. Id. IV 1188 f.).
Auf dem ganzen Gebiete dringt auch die Form folkx aus der Schriftsprache ein.
c) Nach n erscheint auf dem ganzen Gebiete die Affrikata:
trinkxd trinken, Tistanhx Gestank, tuvkxd dunkel, usw.
Ein ganz vereinzelter Fall ist xöxh (s. § 96 c).
§ 151. Geschwunden ist der aus urd. k entwickelte Reibelaut:
a) nach Vokal: a) in i ich, mi mich, di dich, si sich, betont
auch i, ml, dl (s. § 106). Ausgegangen ist der Schwund, wie auch
in den folgenden Fällen, von der unbetonten Form.
ß) in Diiiv, in K ö, unbetont auch o ,auch'.
Y) in gll, in HIM gleij .gleich' als isoliertes Adv., während
— 163 —
das Adj. unter dem Einfluß der flektierten Formen noch gltx
lautet (s. S. 86 und T. 223/4).
S) in der Bildungssilbe ahd. -Vih. Dieser entspricht heute
beim Adv., ferner beim Adj. in der unflekt. Form und vor der
neutr. Endung s im östlichen Gebiete (V Ms) -h, in Mi I und
teilweise in H -hg, in H vorwiegend -hx; in den flektierten Formen
gilt -hx- in H vorwiegend, auf dem ganzen übrigen Gebiete -hg-.
Also zB. für ,redhch' gilt in V Ma redli, redlis, redidgd, in Mi I
und teilweise in H redhg, redhJcs, redidgd, in H vorwiegend redhx,
redldxs, redldxd.
Schwund des auslautenden .r trat ein auf dem -//- und dem -%-Gebiete,
möglicherweise auch in ganz H, da -hx aus den flektierten Formen übertragen
sein kann (s. § 114 a). g für x in den flektierten Formen ließe sich in V Ms
durch analogische Ausgleichung nach den Adjektiven auf -< (<-«/; s. § 146 cy)
erklären, indem nach redU : losti gebildet -vrorden wäre redhga : lostdga (vgl.
ZfhM. IV 197 8); im Mi I H, wo die Endung -ig erhalten ist, könnte das -g
auf die Endung -li übertragen sein, worauf dann die selbe Angleichung der
flektierten Formen eingetreten wäre wie in Y M2. Doch ist wahrscheinlicher,
daß X in den flektierten Formen sich in g wandelte (vgl, Heusler S. 58), zumal
da wir in dg (s. § 150 a 5) ein sicheres Beispiel für diesen Wandel haben.
e) in den § 109 (S. 121) angeführten Fällen snedli, xnoUi,
bezw. snedld, Jcxnohh {xnohhx, snedbx gilt auch in H I Mi);
födb (neben veraltendem födldx in HI Mi); ferner in ässan m.
Aschentuch (vgl. T. 28 b, Id. I 567), thjri Bärenklaue (vgl. T. 283 a,
Id. I 48), häUdri und bömn Schmerbauch (vgl. T. 33 a. 64 a, Id. lY
1808. 1923/4) im östlichen Gebiete gegenüber ässdrox, ihdrdx im
westHchen, hättdng, höttang in IMi. Vgl. auch ostli (s. S. 120u.)
in V Ma gegenüber östlig in Mi I H und östhoMteilweise in H.
b) in iveh, iveli, ivehs welcher, usw. (vgl. § 154 d).
§ 152. Urd. M erscheint auf dem ganzen Gebiete als AfiPri- ■ » "-
kata lix: a) nach Vokal zB. hekx Bäcker, stolix Stock, tihx dick, ♦.
wakxdr wacker, strekxd strecken, slokxd schlucken.
ß) nach r, l: merkxj merken, sterJcx9 stärken (doch nicht gut
mundarthch), ivörJcxa -wirken, tcörJcxh(g) vrirklich (beide nicht recht
mundartlich), auch lymenwrlxX , Gemeinmark" (s. T. 227 und vgl.
Id. IV 390/1 mit Anm.). Zu ivolkxa, balJcxd s. § 150 b.
Y) nach n: tenliXd denken, heiolxxs hängen, usw., also mit
dem Produkt von nk zusammenfallend (vgl. § 150 c).
— 164 —
Urd. X (h).
§ 153. Im Anlaut ist es geschwunden vor folgendem Kon-
sonanten, zB. wJsfi weiß, laxxd lachen, rö^td rüsten, napf Napf;
dagegen als schwacher Hauchlaut erhalten vor Vokal, zB. häs9r
heiser, henn Huhn, hof Hof, hüt heute.
Prothetisches h (vgl. Heusler S. 77) erscheint in hampfdrd
(neben ampfdrd) f. Sauerampfer; heltexs Eidechse (s. T. 261a);
liDÜMa heischen; helffahe Elfenbein (s. Kluge 93); hofdmeijd ,Ave-
maria', Feierabend (s. T. 271b); hassiar Polizist (vgl. Id. I 469/70);
hürdspidgal (s. § 165). In entdheijdr ,Himbeere' ist gegenüber höntd-
(lOheißr (s. T. 273) das h geschwunden, wohl auf Grund volks-
etymologischer Anlehnung an ent(d) Ente (vgl. Id. IV 1467).
Häufig nicht artikuliert wird der Hauchlaut in den unbetonten Formen
von hä ,haben' als Hülfszeitwort, zB. i a fil ,ich habe viel'; i an am s ksäd
ich habe es ihm gesagt; 9 ek kessa er hat (hed) gegessen; ma evk knudg wir
haben (hend) genug; sü ent s ksäd sie haben es gesagt.
Der Hauchlaut schwindet auch meist im Anlaut zweiter Kom-
positionsglieder (besonders nach einem Spiranten), so in liontsödd
(,Hundslioden') die Samenkapseln der Herbstzeitlose (vgl. Id. II
994), rekxolddr Wachholder (neben rekxholddr; s. Id. II 1189 Anm.),
dxornli Eichhörnchen, auch etwa /Vet^j/" Friedhof ; ferner in xranhxdt
Krankheit, ivorat Wahrheit, hwandt Gewohnheit, usw. In den mit
,-hin, -her' zusammengesetzten Richtungsadverbien ist h auf dem
ganzen Gebiete geschwunden, wenn ein vorausgehender Konsonant
erhalten ist, zB. för9 hervor, abd herab, ommi herum; nur in K
kommen bei altern Leuten noch vor: ihd herein, ihi hinein, aho
herab, tsudhd, tsudhi her-, hinzu, außerhalb K noch etwa iiohd,
noJu (neben nod, not) nach (-her, -hin) (vgl. §§ 125 ea. 128 Anm.
154 c. 161b).
ph^pf s. § 31, 4; Schwund des h in puet is, hend s. ebd.
§ 154. Im Inlaut und Auslaut: a) Die Verbindung xt ist
auf dem ganzen Gebiete bewahrt, zB. ks'ixt Gesicht, lidxt Licht, next
gestern abend, rixtd richten, ferner in der nebentonigen Adjektiv-
silbe -läxt(ig), zB. füdxtläxt(ig) etwas feucht (s. T. 289 a). So
auch in der 3. Ps. Sg. Präs. tsüxt zieht, flüxt flieht, in K auch
shxt sieht, älaxt schlägt (vgl. b).
In förxx9 (s. dazu § 1 35, 1 a Anm.) wird meist Fortis gesprochen, nur
selten -x- (vgl. § 150 b).
— 165 —
Geschwunden ist x bei vollständiger Unbetontheit der Silbe in famidt
Fastnacht (häufiger als fasndxt, dagegen ausschließlich hindxt,ti-endxt, s. S. 121),
auch in örstht9 (s. S. 153 u.); daraus erklären sich durch falsche Analogie-
bildung wyrdxt Wahrheit, Jzwandxt Gewohnheit, neben icordt, Tcivanat. Der
Reibelaut ist auch geschwunden in den unbetonten Formen nüd, nüts ,nicht,
nichts' (ahd. nin-iht).
Die Verbindung xs ist außerhalb K erhalten, zB. sexs sechs,
böxs Büchse, axsh Achsel, ivixsa gellend schreien — auf dem
Gebiete von K aber zu hs gewandelt, also seks, hiiks, aksh, iviksd,
wakst wächst, usw. Dagegen gilt bei sekundärer Berührung auch
in K lioxst höchst, näxst nächst.
Geschwunden ist der Reibelaut in ässd in K (sonst äxsd; s. § 137), jus
(nach T. 287 a in H) m. Jauchzer (vgl. § 137), auch in hössti neben hörs(t)i
(in K höhst) Hochzeit (s. § 30, 2 b).
b) Im Inlaut zwischen Vokalen ist urd.h heute außerhalb
K in vielen Fällen geschwunden (zur Kürzung vorangehender
langer Vokale s. § 108c), so in hlaa (auch bla-i) Wagentuch; tse9
zehn; swcdr Schwiegervater; ksea gesehen, kses geschehen und den
Infinitiven (k)sid, kMd (Präs. (k)sid(n3), (k)sidst, (k)sidd, (k)shnd, usw.,
vgl. u.); tsed Zehe, sied Schlehe; sid, fdtsb, iwid, ria s. S. 117 u.;
hö9l, auch hol ,Bühel', Hügel; tseni zehn (s. § 60,2a), tsenndr Zehner,
Zehnrappenstück, auch in K in ividfiaxt (s. S. 121), hidl (s. S. 117 u.),
ß3 (s. S. 118).
Sonst steht in K Bewahrung des Lautes gegenüber; er er-
scheint vorAviegend als deutlicher Reibelaut x, bezw. ;/(vgl. § 150a),
doch auch nur mit ganz schwachem Reibegeräusch und, namentlich
im westlichem Teile (und bis Reh. und Wald), im übrigen K mehr
bei Jüngern, auch als reiner Hauchlaut; so zB. in slaxa schlagen,
Präs. slaxd, slaxst, slaxt, slaxid (gegenüber slö, slöd, slond auf dem
übrigen Gebiete); se/a sehen, Präs. sis^^, si9xst., sb^t, se^id; tse%d
oder tse^d; hü^d usw. Der Hauchlaut kommt bei altern Leuten
auch auf dem Gebiete außerhalb K in einzelnen der oben für
den Schwund angeführten Fällen noch etwa vor, so zB. in swehdr,
tsehd, tseJid {tsehdh sich auf die Zehen stellen), ksehd, höhdl; T.
führt noch an ähdr, tsivähdli (s. S. 51 u.), farsioJia Schuhe an etwas
machen (s. T. 203 a); drflohd (zu flö) mit Akk. P., durchprügeln.
Der Reibelaut findet sich außerhalb K noch in veraltetem foxd
(neben fohd) fangen (s. S. 118) und in tsüxs, fliixj (s, S. 118 o.),
ferner unter dem Einfluß der unter c (s. d.) aufgeführten Auslaut-
— 166 —
formen noch allgemein in den Kompgirativen gäxor, tsaxor, usw.,
den Femininabstrakten gaxi, noxi, usw., in säxd scheel sehen, ruxd
(s. S. 117 u.), räxjh ranzig sein; neben süxd , scheuen' kommt auch
äü(h)a vor; zu höxi und höi s. S. 118.
tsu'agi) ,(lon Kopf waschen' (nach T. 473 a), neben tswahd in K beruht
auf grammatischem Wechsel, indem das g aus dem Ptc. Prät. in das Präs. über-
tragen wurde.
c) Im Auslaut nach Vokal erscheint auf dem ganzen Gebiete
in den meisten Fällen x (zur teilweisen Kürzung vorausgehender
langer Vokale s. § 108 c), so in gäx^t^W; tsäx zähe; räx von einer
Krankheit des Rindviehs (s. T. 357 a; Id. VI 90/1); ivax schön
(gekleidet); säx scheel (sehen); den Konj. lisäx sähe, hsäx ge-
schähe; ^re:r fertig; fex (auch fex) Vieh; nöx nahe (auch nöxpdr
.Nachbar); höx hoch; rfix rauh; süx scheu; den Imperativen flüx'
flieh, fsüx zieh; auch (hx doch, fludx(x) Fels (T. 196b) und akxdr-
fli^x(x) ,groi3es Steingeröll in einer Wiese' (T. 14 a) ist, vne das
mask. Geschlecht ausweist, angelehnt an fludx(x) Fluch.
Geschwunden ist urd. h auf dem ganzen Gebiete in sud Schuh,
no noch, bei den Jüngern auch in flö Floh, re Reh; nur in K
kommt bei altern Leuten noch vor f^öx, rex, letzteres auch noch
in dem Namen der Gemeinde JRextohdl ,Rehetobel.' Fjir Präp. und
Adv. ,nach' gilt auf dem ganzen Gebiete n5 oder no, so auch nöxilhi
Nachkirch Aveih, usw.; f/^(r^w5 darnach, no(h)d (s. § 153), nobds (s.
S. 121 u.); doch findet sich seltener auch nox, zB. nox Ur neben
110 der ,nach dir', nox om seho neben no dorn s. ,nach demselben.'
d) Nach r und l ist urd. h geschwunden (doch wohl nach
Entwicklung eines Svarabhaktivokals) : ford Föhre; fori Furche;
dor durch, dön hindurch, (t)örslaxt (s. S. 153 u.); merd Stute
(s. S. 52); tsicens quer; ferono Forelle (s. S. 35 u.); färh Ferkel —
befeh befehlen; sib schielen.
§ 155. Urd. hh erscheint als xx in laxxd lachen. Nach langem
Vokal liegt es vielleicht noch vor in xudxo, in H auch xuoxxd, in K
(durch Kreuzung mit houx.j; s. § 150 aß) hudxx.i Schlittenkufe,
femer in flöxo, tsoxj (s. § 77 Anm.; vgl. dazu auch Heusler S. 73
Anm.: darnach liegt in flöüxo, tsöüxo urd. Je vor, vor dessen Ver-
schiebungsprodukt öü nicht zu Ö kontrahiert wurde; dazu stimmt
nach § 150 aß die Aussprache flöüxx^, tsöüxxo in K).
— 167 —
b.« Sonorlaute.
Urd. tn,
§ 156. 1. Im Anlaut ist es in allen Fällen als Lenis erhalten.
nü9xt9h « m-) ,schimmlig, moderig riechen oder schmecken' beruht auf
Anlehnung an nüdxtdr ,nüchtern' (s. T. 338 b und Id. IV 71.664).
2. Im Inlaut:
2b) Intervokalisches m erscheint in V M ausnahmslos als
Gemiiiata: nammo Name; r ämm9 Uahmen-, sämmo- schämen; tsämnid
zusammen; lämnu(g) ,leimig', lettig; nemnid nehme (1. Ps. Präs.
Ind.), nemmid nehmen (PI. Konj. Präs.), namnud nähmen; xemnu
,Kamin' und ,Kümmel' (vgl. S. 72u.); ximmd m. Keim; s5mmd
Samen; xrömmo kramen; xommd komme (l.Ps. Präs. Ind.), xönmud
kommen (PI. Konj. Präs.), xamnud kämen; r'ummd Riemen; hhonwid
Blume — samnidt Samt; sammothaft ,samt und sonders'; hämmat
Heimwesen; xommjt Kummet; nidmmd(r)t niemand — xammdr(9)
Kammer; hamnidr Hammer; xlammQVd Klammer; sommor Sommer;
xrommor 'Krämer-, j5nim,)rci ]am.vaeY\\', nimimdrd Nummer — himnidl
Himmel; «MmmsZa anheimeln; /mmmaZ Hummel ; so auch das an-
lautende m enklitischer Wörter nach vokalischem Auslaut: bimnidr
bei mir; nommdr nach (no) mir; Uminidr tue mir; ivammd(r} was
(wa) man; gimmi (lioh) ,gen (gi) mich (holen).' usw.
Auf dem übrigen Gebiete (IH) gilt die Geminata fast aus-
nahmslos vor den Ableitungssilben -dr und -dl, also hammor,
xa}nm9)-(d), Jiimmd, himmor, usw.; nur nach langem (bezw. ge-
dehntem) Vokal erscheint seltener auch Lenis, so neben sömnidr,
xrommdr auch sönidr, xronur, usw. In den übrigen Fällen jedoch
gilt in Hl durchaus die Lenis, also nani9, sema, nemo, sönid, henidt,
ridnid, usw.; nicht ausnahmslos dagegen in Hg I, wo es fast all-
gemein heißt nemmd, xomm9, seltener auch in andern Fällen nach
kurzem Vokal: xomnidd, xemnii, während auch hier allgemein nam9,
semd, sönid, hludnid, usw. Vgl. dazu §§ 157. 159. 163. 165.
Vereinzelt ist der Übergang von silbenanlautendem m "^ h
in äbdsa Ameise in I und Gais, gegenüber em9S<j in H, ämmessd
in MV.
In ne ,nehmen', knö ,genommen', xö ,kommen' ist m nach der Synkope
des a (s. § 119) an n assimiliert worden und der Konsonant später ganz ge-
schwunden (s. § 160).
— 168 —
m für lat. n in (pjflumma bezw. ii))flümd ,Pflaume' ist ^hon ahd. ; vgl.
Kluge 297.
b) Nach 1(1), r wird m mit mittlerer Intensität gesprochen,
so zB. in halni.) Dat. PI. zu halm Hahn, wärmi warme; bei VokaH-
sierung des ;• (vgl. § 94 c) erscheint Geminata: wadmmi,, usw.
" c) Vor folgendem p wird m m I meist nicht mehr artikuliert ;
s. dazu S. 108. Zu xäb s. § 125 dy.
d) In den folgenden Fällen, wo m sekundär vor ein t oder st
zu stehen kam, ist es zu n assimiliert (vgl. § 30, 1); ofarsant un-
verschämt; sant samt; xont nent ,kommt, nimmt' und xonst, nenst
,kommst, nimmst' (im östlichen Teile des Gebietes xöd, ned, x5st,
nest); auch in dem Namen des Berges Sänfis(s) (in I Setis, bei ganz
Alten auch noch SemtLs) <C Sünipüs (s. dazu W. Götzinger, Die
romanischen Ortsnamen des Kantons St. Gallen, S. 74).
3. Im Auslaut: a) Es ist in den meisten Fällen bewahrt
und zwar nach kurzem oder gekürztem Vokal als Fortis (s. § 34),
nach l, r, zB. in halm Halm, ivorm Wurm, ivärm warm, in einem
mittlem Intensitätsgrade; nach langem oder sekundär gedehntem
Vokal Avird in I H vorwiegend Lenis, in M V (unter Einwirkung
der Inlautsform) häufiger Fortis gesprochen, so in Xiipm(m) (bezw.
-Ö-) Kram, läm(m) lahm, lem(m) ,Leim', usw.
Das isolierte ha (s. u.) deutet darauf, daß wenigstens nach langem Vokal
Verschleppung des m aus dem Inlaut vorliegt.
Zu torn gegenüber nhd. ,Turm' s. Kluge 402.
b) Geschwunden ist m (nach dem Übergang in n): a) in be-
tonter Silbe in hä (bezw. he) heim (doch in K neben hä auch
hamm; auf dem ganzen Gebiete aber ddhem(m) , daheim', mhd.
däheime); auch in prefoU(d) neben prem(m)9foll(9) ,voll bis zum
Rande' (s. T. 75 a und Id. V 598/9), und in pfri9 Pfriem (T. 48 b;
v^. jedoch Id. V 1283/4 mit Anm.).
ß) in unbetonter Silbe in b9d9 Boden, hes9 Besen, fads Faden,
gadd Gaden, 5tf9 Atem, hios9 Busen (T. 87 a).
Zu brös9li <C hrösdlli <, brösdmh, Dim. zu hrosmd, hrosh ,Brosame', auch
hrüs^h (s. T. 80b) vgl. Id. V 802 ff. 806. 811 Anm. Vgl auch böddJi, fäddh usw.
§ 116a.
Das erst sekundär in den Auslaut getretene m der Dativendung ist be-
wahrt^ zB. jedo}m(m) jedem, ahm(m) allem, näbdirito)m{m) jemandem.
4. Silbisch wird m häufig durch Synkope des Vokals in
enklitischem dm ,ihm', zB. geh m gib ihm, und in dem best.
— 169 —
Artikel (d)dm ,dem', zB. los m fattdr ,laß dem Vater', ferner in
der Dativendung jedm usw. (s. o.), hi ruxni ivettdr ,bei schlechtem
Wetter, usw. S. auch § 24.
§ 157, Urd. mm erscheint, wie nach § 156, 2 a zu erwarten,
im Inlaut in V M als Geminata, also swimmd (bezw. nach § 102
-?-) schwimmen, Jcäwommd geschwommen, swemms schwemmen;
fdgremmd erbittern; llmmd leimen, dazu llmmi f. Leim; xmimd
keimen, gömmd (s. § 82,2); trommd träuijien; rmnm,d räumen; summd
schäumen; summd säumen; rüdmmd rühmen; damit stimmt überein
die Erhaltung von mm in stimnid stimmen, ferner von mm <C wib
in immd, omm9, xrömmd, xommdr, ammdr, tsemmdrd, sümmdl (s.
§ 125 dy), von mm -< va in tummd, tummi, xnumm^l, hummdr
(s. § 164), auch in hemmar, hemmi, usw. (s. § 27 b), tammd (s.
§ 30, 3), usw.
Nur bei vollständiger Schwachtonigkeit kommt neben ämmsl ,einmal,
wenigstens' (s. T. 167 b) auch üm(9)l vor, ferner neben ammdind), imm9(nd), fom-
mdina), usw. (s. § 121 d) ,an, in, von einem', auch amstnd), imacn»), foind(nd), usw.
In I H erscheint nach langem oder sekundär gedehntem Vokal
Lenis: swlms, hsivömd, swenid, llmd, xmid, gömd (I), rüamd, imd,
auch hemor (I), emdr neben emmdr. Nach kurzem oder sekundär
gekürztem Vokal jedoch ist die Geminata auch auf diesem Gebiete
fast immer bewahrt, also swimmd (jünger), fsgremmd, gommd (H),
trommd, rummd, stimmd, ommd, xommdr, tsömmdrd, sümmdl, tummd,
usw.; nur sporadisch (häufiger in Hi) erscheint fdgremd, rimid, omd.
Für die Intensität im Auslaut gilt das § 156,3a Bemerkte,
also zB. swumm Schwamm, xromm krumm; stim(m) Stimme.
Urd. n.
§ 158. Im Anlaut ist es als Lenis bewahrt.
Durch falsche Trennung im Satzsandhi haben das auslautende « ein-
gebüßt of(f)9rthe ,ilunforthin', nun einmal (in I noch noffsrthe; s. T. 346 a und
Id. II 1347); ewell (in H) neben neivell , einige' (s. Id. IV 807); wohl auch üts
,nichts', das Id. I 83 für unsere MA. angegeben wird (wohl aus der häufigen
Verbindung mit der l.Pers. : ivässdn' üts, globan üts, usw.; vgl. jedoch auch
Id. IV 871/2 Anm.).
Umgekehrt ist n aus dem Satzsandhi (vgl. unten) angetreten und Kum
festen Anlaut geworden in nast (in K, seltener in I, sonst ast) Ast, dazu PI.
nest, Dim. nästli, Verb nastd, abnasta abasten; nakx Geschmack (s. Id. I 163),
— 170 —
Dim. näkxh, Verb näkxdb einen schlechten Beigeschmack haben; nougäli (nach
T. 30 a in der Kindersprache) Äuglein; nistrukx m. (in K; s. T, 162 b) Wieder-
käuen (vgl. Id. I 603,4); madard, nitdsri, «iadsrs jeder, jede, jedes; «wm (in V,
sonst ünig) überaus groß (vgl. Id. I 298/9); vereinzelt auch nörxi(g) ,urchig, un-
verfälscht'; hierher wohl auch naticedsrd {-dri, -9rs) , einer (eine, eins) von beiden'
in K (gegenüber stwedsra usw. auf dem übrigen Gebiete; mhd. eintweder).
§ 159. Im Inlaut:
1. a) Intervokalisches n ist (im Gegensatz zu m; s.
§ 156, 2a) auf dem ganzen Gebiete als Lenis erhalten: niand
mahnen, liicand gewöhnen, send Schiene, fand m. Fahne, händ Faß-
hahn, s5na (in K sond) schonen, swind abnehmen, didtid (in K
(Ihyhi) dienen, grudnj grünen. So auch das n (aus den Formen
verallgemeinert, in denen keine Gemination eintrat) in mäna meinen
{niäni(g) Meinung), län9 lehnen, trans. (Jäni Lehne), tsand Zeine,
ferner in den flektierten Formen der adjektivischen ja-jöSiämme
mit langem Stammvokal, zB. grihnd (<C *gi'uonner) grüner.
Dagegen ist in sinn3 , scheinen' (vgl. Schild^ 378), xlimid
jkleiner werden^, auch xlinni, xlimid, den flektierten Formen von
xli ,klein', die Kürzung des Vokals (vgl. § 108 e) mit Gemination
des n verbunden außer in Hi, wo sind, xUna gilt; in K heißt es
auch trenna (mhd. trene) Drohne. Ferner erscheint die Geminata
auf dem ganzen Gebiete (also auch in Hi) vor der Ableitungs-
silbe -dr: xämidr Rinne, Kanal (ahd. Jcanali); tsemidr Zehner (gegen-
über tseni^ zehn)', ännsr m. Einer: den fem. Dativen ännar einer,
minnar, dinndr (usw.) meiner, deiner (gegenüber den Nom. am,
rntni) ; den Komparativen xlimidr kleiner, somur schöner, gri'unndr
grüner, hrfinn,»- brauner, usw. (gegenüber söni, grüsni, hrüni),
auch sömurd, grimindrd schöner, grüner werden, ferner xann-dr
,kann er', tonn-dro ,tue ihr', ann-jro ,an ihr' (gegenüber xan-i
,kann ich', ton-jmm ,tue ihm', an-omm ,an ihm'), früannor, hl-nn-drd,
ica-nn-dr usw. gegenüber früdni, bl-n-dm, wa-n-dm (s. § 161b); sogar
ennsrt (mit eingeschobenem r) neben endt jenseits. — Seltener sind
die Fälle vor -dl, wie zB. ivinndh nach Wein (ivl) riechen oder
schmecken; doch nicht im Dim. zB. fäiidli, tsändli (vgl. § 116a).
In I wird in der Verbindung (betontes) i oder e -\- n ^ 9 die
Artikulation des n preisgegeben in h'pxt, iv'^jxt (s. S. 121), häufig
auch in edst für endst (s. § 134 c) und ed für end , drüben' (mit
starker Nasalierung).
— 171 —
An Stelle der Ableitungssilbe -ond tritt häufig -oh, so in
lägdh (s. S. 54, unter, f); xettdh neben xettjnd, in I auch xett9rd
Kette; iDÜwdl) neben löüw^md Lawine (s. T. 294b); agh f. (mhd.
agene) Hanf-, Flachssplitter (vgl. Id. 1 127/8); pfättdnd, -dra, -dh
(s. § 127). '~"
Neben send (ahd. senu) auffordernde oder abwehrende Partikel (vgl.
T. 420/1) findet sich (in V ausschließlich) seh (vgl. dazu Id. VII 4 fi". mit Anm.).
b) Vor Konsonant : a) Zum Schwund des n vor Reibelauten,
in I auch vor ^, s. § 96.
äs eins, kxäs keins, mls, dts, sls (neben im, dl, si) Nom. Akk. Sg. Neutr.
von ,mein, dein, sein', xlis kleines, s5s schönes, usw. (mhd. einez, minez, usw.)
können von den Formen mit im Auslaut geschwundenem Nasal (s. § 160, Iba)
beeinflußt sein (vgl. dazu Heusler S. 108).
ß) ns erscheint als ms in hemsdl in I (s. S. 107 o.) und in
hiomst in I Mi (s. unter 2).
Y) In I kommt eintd ,Ente' vor (vgl. § 50).
Die selbe Erscheinung zeigen die Fremdwörter gamt n. ,Gant', gamts
,ganten' (heute noch allgemein in I, veraltet auch in Mi, sonst gant, gantd).
Es liegt in diesen Fällen mit -mt vielleicht Restituierung des unrichtigen Nasals
(ät > ämt nach äp^cwip; s. S. 108) vor, während in den beiden Beispielen
unter ß Assimilation an den Anlaut anzunehmen ist (vgl. Id. IV 1393). Ein
anderer Fall ist Ifittdnamt (jünger -ant); s. Id. III 1527.
5) Zur Assimilation von n >► m vor h, p, f und >* n vor g,
Je, X siehe §§ 27. 28.
e) In neben- oder schwachtoniger Silbe ist n geschwunden
vor s(s)'. famjis, fd^ekxLS, hröttds, segas, usw. (s. § 115a6); ferner
vor d, t: ohat Abend, iverdt während, nebdt, tsicössdt, sonndtltalb,
mindtivega, bärxat, usw. (s. § 134 a), en-dd-axtsk (vgl. § 122) , ein-
undachtzig'; ferner in der verbalen Pluralendung -id, zB. maxxid
machen, usw. (s, § 118 a); auch in der Vorsilbe at- ,ent-' (s. § 111).
Erhalten ist ein solches (übrigens durch falsche Rekonstruktion sekundär
eingetretenes) n, weil durch Kontraktion in die Tonsilbe geraten, in nünt
,nichts' (<^*niuivent, mhd. niuwet; vgl. Id. IV 868/71).
c) In postkonsonantischer Stellung wird u mit mittlerer Inten-
sität gesprochen, zB. rexxna rechnen, allua allen, xerna Kern,
Warna warnen ; bei Vokalisierung des r (vgl. § 94 c) erscheint Gemi-
nata: xeanna, ivaanna, usw./
Zu wägdli <iicägenlm s. § 116 a.
2. Einschub eines n liegt vor in lls'^lins, woraus nach
§ 96 les ,ungesalzen' (s. Id. III 1422), vgl. auch die Bemerkung zu I
— 17*2 —
töfdl S. 78; ferner vielleicht in K sprüntsd Gitter, sj^rüntsd-
k/ernd Obstkern (s. T. 380 und Id. III 468); xranfsd (bezw. -e-)
neben xrats.) Rückenkorb (vgl. Id. III 924/6; Grimm WB. V 2144);
hhmt (in IMi bismst; s. Ibß) Biestmilch (vgl. Id. IV 1795/6); hovJcd
neben höMa , verdickter Nasenschleim (vgl. Id. IV 1083/4); ändd
in Ml, neben sonstigem ä(r)äd ,immer' (s. § 166).
*^ * »-
§ 160. Im Auslaut: 1. In betonter Silbe.
a) Nach r ist n mit mittlerer Intensität bewahrt; bei Vokali-
sierung des r erscheint Fortis, zB. gconn Garn, geann gern, feann
vergangenes Jahr, auch niodun morgen (vgl. § 146 cß); in I tritt
bei gedehntem Vokal und geschwundenem r auch Lenis auf: gen,
mgn, usw.
b) Nach Vokal ist n: (x) geschAvunden (zur Nasalierung des
Vokals s. § 95, zur Dehnung § 97). Im ursprünglichen Auslaut
zB. in stä Stein, nä nein, se sein, tvt Wein, hrü braun, nü (viel-
leicht aus mhd. ninne) neun, stö stehn, tu9 tun; Tiwä gewohnt,
ä an, tsä Zahn, he hin, i in, hi bin, nach Apokope eines mhd. e
zB. in mö Mond, s5 schon, m f. in K (T. 335/6) Zusammenkunft
junger Leute zur Belustigung (lat. nona sc. hora; vgl. Id. IV 763;
Kluge 284); so auch bei denja-Stämmen xli klein, so schön, Mhöhn,
pmä gemein, grüd grün, rä (in K) rein; außerdem in den Fällen
Pe geben, ne nehmen, xö kommen, lö lassen, sl5 schlagen, usw.
Vor der Diminutivendung erscheint ebenfalls kein w, also tsali
Zähnchen, usw., auch hihli Hühnchen, zu dem das Grundwort
der MA. heute fehlt ; ferner in I M V auch tsali Dim. zu tsänd
,Zeine' (in H I M auch tsenli). Älteres hwöU ,gewöhnlich' weicht
heute schriftsprachlichem JcwonU. Neben Itbdt, lisdt (s. S. 121 o.),
Ulaxxd (s. S. 119 u.) mit geschwundenem n weist sich linntudx
,Leintuch' als Lehnwort aus der Schriftsprache aus. Es heißt
auch spafärli Spanferkel, xuordd Konrad, groholts ,Grunholz' (Flur-
name). Die Vorsilbe ,un-' erscheint als ö- (in K «-); nur vor
folgendem Guttural finden sich die Formen mit geschwundenem
und bewahrtem Nasal nebeneinander, zB. ökivä neben unluvä un-
gewohnt, öhför neben nvlför , ungefähr'. Die Vorsilbe ,an-' lautet
dagegen immer ä-.
änn ,einer', unbest. m. Art. dnn (gegenüber f. und n. 9), kxänn ,keiner',
viinn, dinn, sinn ,meiner, deiner, seiner' (gegenüber j/jI, d%, sl), sind die in
— 173 —
den Nora, übertragenen Akk. (ahd. einan, minan, usw.) mit Synkope des Mittel-
vokals (vgl. Stickelberger''' 397/8). Dagegen heißt es e ,ilin' (unbetont 3) neben
ena (vgl. spätahd. in neben inan Braune § 283 Anm. 1 e).
Wenn es in I heißt xlinn für alle drei Geschlechter: d» xlinn, di xlinn.
s xlinn der, die, das kleine (gegenüber xli außerhalb I), so liegt wohl Ein-
wirkung der Formern xlinn» kleiner, xlinni kleine usw. (vgl. § 159,1a) vor.
ß) In einem Falle ist nach u für den dentalen Nasal der
labiale eingetreten (vgl. § 164): hmm (mhd. hm) Lünse (in K 1
hnd; s. § 134 ajS).
2. In unbetonter Silbe ist auslautendes n ebenfalls ge-
schwunden (außer vor einem vokalisch anlautenden Wort; s.
§ 161); so in der Infinitivendung, zB. j'endd finden, hlösd blasen,
in den Flexionsendungen, zB. hlendd (ahd. Uintan) Akk. Sg. zu
hlend blind, im Diminutivsuffix -U, -i (ahd. -lln, -in), usw.; s. auch
im Folgenden.
§ 161. a) Dem Schwund im absoluten Auslaut steht beim
gleichen Worte Bewahrung des n vor vokalisch anlautender
Silbe gegenüber. So immer vor Flexions- und Ableitungssilben,
zB. (zu oben für den Schwund angeführten Beispielen) iönd schöner,
grüdm grüne, tsänd Zähne bekommen, nünndr m. Neuner, hrünndr
brauner, wmndh, sönndrd, usw. (s. § 159, la), und ebenso zu hoxi
Anhöhe, xindli Kindlein der Dat. PI. höxdnd, xindhnd usw. (vgl.
§ 114 a). Fast ebenso regelmäßig erscheint das n in unbetonten
Silben und Wörtern nach 9, zB. dnv grösson öpfdl ,einen großen
Apfel', soppdn essd Suppe essen, lesdn ont srlhd lesen und schreiben,
ohdn ahd oben herunter, i lerndn dxll ich lerne ein wenig, dn ür
eine Uhr, dn älti eine alte, hxsn ärmd keine Arme, i geh dn all ich
gebe ihn (d) immer, usw.
Dagegen vermeidet die MA. in den übrigen Fällen den Hiatus
durchaus nicht immer. Bei a ,an', i ,in', fo ,von', ferner den
1. Personen Sg. Präs. ha, bi, tu?, st3, gö, 15, slö erscheint n nur vor
enklitischen Wörtern fast regelmäßig, zB. hin-dm bin ihm, lön-i
lasse euch, stön-i stehe ich, slonn-drd schlage ihr; in den übrigen
Fällen seltener, so zB. dra(n) and daran; fD(n) ah von allen, sl5(n)
dniol schlage einmal, xa(n) öüiv kann euch, tud(n) üs tue uns, da-
gegen meist fo isd von Eisen. Bei den Substantiven und Adjektiven,
auch in so , schon', tritt n nicht ein, es heißt also xlt onlc hröss
klein und groß, grüd öpfdl grüne Äpfel, usw. ; ebenso ist der Hiatus
- 174 —
nie getilgt nach der Vorsilbe ö- ,un-', zB. öässi(g) ,keinen Appetit
habend', hxdn öer ,keine Unehre', ferner nach auslautendem -i.
b) In vielen Fällen tritt n hiatustilgend ein,' ohne daß es
etymologisch berechtigt ist. So nach tsua zu, hl bei, tvia wie,
ivo ,als*, in dem selben Umfange wie nach a .an' usw. (s. o.), zB.
hi-n-dm, hi-nn-dro bei ihm (ihr), ivid-n-i wie ich, tsud-n-a herzu,
hl (-n-) iis bei uns, ivo-nn-dr als er, auch nach iva was (vgl.
§135, 3c): wa-n-dm was ihm, iva-nn-dr was er; dagegen nicht
nach so so, no nach, ni9 nie. Nach dem Vorbilde von in9, im
,her-, hinein', anj, am ,her-, hin(an)' heißt es in I M V auch mid,
um ,her-, hinauf neben ud, ui (vgl. § 128).
Nur selten hört man etwa omm h Tixüd-n-ommd um die Kühe
herum, d xud-n-drgäntdd eine Kuh ergantet, / ha t siid-n-äMäd ich
habe die Schuhe angezogen ; dagegen gilt fast allgemein ommdsiidna
,immer (in den Schuhen) umherwandern' und die Dat. PI. sudnd
Schuhen und xiidud Kühen. Zu früd lauten die flektierten Formen
frihnd, usw., der Komp. früdnnar, das Subst. früani (seltener ohne
n oder mitj; vgl. § 170); zu twe ,wehe' kommt der Komp. wenndr
vor (häufiger iversdr, s. § 168aAnm,).
In den Fällen wie sudna, xüdnd, früdna, früdnndr usw. liegt Analogiebildung
nach Paradigmen vor wie stä Stein: Dat. PI. s^d«» oder grüd grün: grüdnd,
grüännar. »
§ 162. In silbischer Funktion erscheint n nur in der
reduzierten Fonn des unbestimmten mask. Artikels, zB. ivit n öpfdl
, willst du einen Apfel', vor Labialen als m: liest m fofar ,hast du
einen Fünfer', vor Gutturalen als v : geh » xnopf gib einen Knopf.
§ 163. Urd. 7171.
a) Während es im Inlaut auf dem ganzen übrigen Gebiete
als Geminata bewahrt ist, erscheint es in Hi (vgl. dazu §§ 156, 2 a.
166) als Lenis, so in ta7ia Tanne, pfan,) Pfanne, 7na7i9 Männer,
tse7id (s. S. 53), hrend brennen, trmo trennen, kxefid kennen, fdrt-
wend entwöhnen, Ama Hennen (PL), sp'md spinnen, räwa rinnen,
psind besinnen, di7id drinnen, pfinig finnig, goTia gönnen, tsond Brei,
hr3>ia Brunnen: .das selbe gilt für 7m<^ml: Jiena, 97id (s. § 133c).
Dagegen erschÄnt auch in Hi wie auf dem übrigen Gebiete die
Geminata vor der Silbe -dr (vgl. § 156, 2 a), zB.: jenndr Januar,
tömidr dünner, tömidrd dünner werden.
4,
— 175 —
Unter dem Einfluß der Schwachtonigkeit ist die Gemiuata
auf einem größern Teil des Gebietes vereinfacht in xi>)iid können
(doch in I und teilweise in Ha xönnd), xan-i kann ich, usw. ; ferner
in ivans ,(von) wannen' (seltener wamia), wen-t, -dm ,wenn ich,
ihm' (neben wenn-i, -dm). Auffallend sind spand spannen, tsivä-
späni(g) zweispännig (seltener -nn-) und spini (s. S. 111 o.).
Assimilation von mi an folgendes l zeigen reih (mhd. rennele)
Mahlgang zur Enthülsung von Körnerfrüchten (s. T. 361a und
Id. VI 969 ff.), spilU (mhd. spinnele) Spindel, ferner in I tälhy pfäiii,
tsölli Dim. zu tamid, lifamid, tsonno (vgl. § 116a).
b) Im Auslaut ist Schwächung und Schwund des nn, ver-
bunden mit Vokaldehnung, eingetreten (doch s, u.); zB. mä Mann,
spä Streit, Zerwürfnis (T. 376 b), hä in bäivärt Bannwart, si Sinn,
Jcirö (I) Gewinn, auch xa kann (vgl. o.). Vgl. § 160 b.
Erst durch Apokope des mhd. e in den Auslaut getretenes
nn ist jedoch bewahrt, zB. icenn wenn, kenn Henne, fönn dünn,
auch hebann (ahd. hevianna) Hebamme (so bei den Altern noch
allgemein; heute dringt der schriftsprachliche Auslaut ein). Da-
gegen heißt es nach langem Vokal (p)ß (ahd. fönno, fönna) Föhn
(vgl. Kluge 120; Id. I 843/4).
Neben spimimok (bezw. spimmok) Spinne (T. 379 b) kommt auch die Ent-
stellung spiUmok vor (vgl. Id. IV 131).
Der velare Nasal (o).
§ 164. Er erscheint vor folgenden Gutturalen nach § 28,
im Auslaut und im Inlaut zwischen Vokalen nach § 146 a, b; außer-
dem noch in folgenden Fällen: kspevst in Schwellbr. und Schön,
(s. S. 107 o. und vgl. F. Staub in Frommanns Deutschen Mund-
arten VII S. 192); als mundartliche Aussprache für nhd. ,finster'
(mundartlich dafür tuiÄ'Xdl) gibt T. 179b an fimtjr und 193a
für M H fiastjraiväklb (s. S. 37 o.). Auffallend ist xHtdo bezw.
xöw, in M V auch xöüg (s. §§ 91 b. 146 a); Jcswing in I (App.,
Haslen) für sonstiges Jcsivind , geschwind' (vgl. § 63 c) ist wohl
eine aus den häufigen Verbindungen ksiviDk Jcö, xd, usw. ,ge-
schwind gehen, kommen' verallgemeinerte Sandhifot-ra.
Für jRheintal, Rheintaler' gilt (und zwar durchaus nicht in verächtlichem
Sinne) im Sand (bei Trogen) Rivgl (<; llindl; vgl. § 133 bS), Ewgbr, in I Riagh,
— 176 —
Rivghr, in Bühl., Gais, dem östlichen Gebiete von Wald BwUl, Eivkbr, gegen-
über RintOil, Rintbr auf dem übrigen Gebiete (in K mit Nachahmung der
rheintalischon Aussprache verächtlich auch Riantbr). Die Formen mit ».lassen
sich kaum durch lautlichen Übergang erklären; die Annahme absichtlicher
Entstellung, ursprünglich (vielleicht zur Zeit der Feindseligkeiten im 15. Jahr-
hundert) in verächtlichem Sinne, liegt nahe.
aa (nach § 146 a <C üc/) ist nach ii teilweise in mm übergegangen
(kaum Dg >- mb >► mm; vgl. § 125dy); die Erscheinung ist jedoch
auf wenige Beispiele beschränkt: auf dem ganzen Gebiete gilt
einzig tummi Dünger, tnmma düngen; nur in I und V auch xnum-
iud (s. § 67 aa); nur in K noch bei alten Leuten nimm n. ,Rung',
Anlauf (vgl. T. 373 b), Dim. riimmli, dann fs rümmd wls ,in Rungen',
stoßweise, sonst riinn, rüvvli, ts rümod ivts; und nur noch in Ob.
veraltet liimimsr Hunger und hummsrd hungern. Vielleicht gehört
hierher auch strümmivts {<^sprünnwis; vgl. § 175) ,in Anfällen,
Unterbrüchen', <ias T. 416 b für K angibt.
Der Wandel ist jünger als die Senkung von it > o vor m (vgl. § 68 b).
In neben- oder schwachtoniger Silbe ist der Nasal der Ver-
bindung ng geschwunden (vgl. § 146 a): hälsi(g), mäni(g), rexxni(g),
usw. (s. § 115aa); gältli(g), nädli(g), usw. (s. § 90, 7); auch in hefig
(<C hifang) ,eingezäunte Wiese'; gegenüber lipti(g) m. (mhd. lipdinc)
jLeibesrente' aufsei-halb K gilt nach T. 297 b in K noch Uptivn n.
Urd. L
Siehe über dessen Artikulation § 18 und deren starke Einwirkung auf
vorausgehende Vokale §§ 89,2. 91 e. 93. 103.
§ 165. a) Im Anlaut ist es immer als Lenis erhalten.
b) Intervokalisches l ist meist als Lenis bewahrt, zB. mah
mahlen, tnöh malen, xioh kühler werden, söh sollen.
Nur vor ableitendem -i)r erscheint auf dem ganzen Gebiete
meist Geminata, so in den Komparativen, zB. gelbr gelber, xüdlhr
kühler, ivolhr , wohler', dann in ffdhr m. Faulenzer, südlhr Schüler,
(älldr Fehler, tälhr Teiler, spilhr m. Spieler, usw., auch xolhrU (K)
Kohlmeise; seltener sind die Fälle vor -9?, zB. olhU nach Ol riechen,
dann auch etwa im Dim., zB. tölhli zu toh Vertiefung, sölhli zu
soh Sohle, in I und H stitdldi, wühlt (s. S. 129). Vgl. §§ 156, 2 a.
159,1a.
\
— 177 —
xalh , gerinnen' (vgl. Id. III 192) in I gegenüber (Ji)xald auf
dem übrigen Gebiete ist auffällig; Ulli ,Zimnierdecke' (nach T. 138a)
in K gegenüber sonstigem tili kann auf Kreuzung mit tili m.
(s. S. 34 o.) beruhen.
In hürdspbgdl für tlbsp. ,Eulenspiegel' (s. T. 280 a) liegt volksetymologische
Entstellung vor (vgl. § 153).
c) Vor Konsonant wird ? in I von altern Leuten nicht
artikuliert in wökxd Wolke (vgl. § 150b Anm.), kwökx Gewölk.
Ferner ist l infolge Schwachtouigkeit auf dem ganzen Gebiete ge-
schwunden in as ,als', as9 (auch betont), und jsö ,also' (vgl. Id. 1 200 ff.
VII 30^.), in (auch in die betonte Stellung eingeführtem) seh ,selb,
jenes', ddseh jener, sebdweg auf jene Weise (gegenüber selb selbst),
im Konj. Prät. von ,sollen' und , wollen': sät, sött(i)st, söt, söttid;
ivet, ivett(Ost, ivet, icetftd, von , wollen' auch in der 2. Ps. Sg. und
im PI. des IndyPräs. icit (1. und 3. Ps. will), wand, woneben im Sg.
die Formen des Konj. Prät. mit Präsensbedeutung stehen: 1, und
3. Ps. wot, 2. Ps. trotst: ferner in fits (<C ß t-s) ,viel zu', zB. fits
kröss viel zu groß. Vgl. auch § 176 a.
d) Im Auslaut erscheint nach bewahrter Kürze Fortis (s.
§ 34); nach langem gedehntem Vokal dagegen meist Lenis, zB.
Öl Ol, ivöl wohl, stil Stil, hijl Beil, xiid kühl, usw. Doch wird
vereinzelt auch nach langem Vokal deuthche Fortis gesprochen,
also Öll, ivöll, usw.; es bestehen hier individuelle Unterschiede.
e) Silbisch wird l bei Synkope des Vokals in der Ableitungs-
silbe -dl (s. § 115 b ß).
§ 166. Urd. IL
a) Inlautend ist es außerhalb Hi meist als Geminata be-
wahrt, zB. halh m. Ballen, falh fallen, bolla Bollen, xnolh Knollen,
selld Schelle, xelb Kelle, stelb stellen, tselld zählen, auch tvelU
wählen und vereinzelt kxwelh quälen (doch außerhalb I nur noch
bei altern Leuten, jünger unter schriftsprachlichem Einfluß weh,
kxwdd, auch kxwäld, dafür echt mundartlich blögd plagen).
Nach langem Vokal erscheint durchweg 7, zB. täld teilen,
hold kastrieren, wiiah wühlen, auch in den Dim. »lidi, stüdU zu
mid jMaul', stiol .Stuhl', usw., nach gedehntem Vokal in elend
elend. Nach kurzem Vokal gilt Lenis auf dem ganzen Gebiete
in wula Wolle, wuli(g) wollen, in Mi I H in wih m. Willen, in
Vetsoh, Appenzeller Mundarten. 12
— 178 —
IH in tsoh Butterballen (in VM und teilweise in Ha tsolh); zu
bohugd, ßdxt s. S. 120.
Aus der häufigen Schwachtonigkeit im Satze erklärt sich
wohl die Lenis auf dem ganzen Gebiete in iveh ,wollen', ah ,alle',
dazu ahwild panmer', ferner in tekxdli, §össdli, höddU, wägdli usw.
(s. § 116 a).
In Hl dagegen ist außer vor ableitendem -dr und dem Dimi-
nutivsuffix -'di immer Schwächung zur Lenis eingetreten (vgl.
§§ 157. 163), also bah, seh, hold, usw., während (wie auf dem
übrigen Gebiete) meist hralhr Prahler (neben hrab prahlen), trölhr
,Dreher' (neben tröh drehen), tselhr Zähler (neben tseh zählen),
xelhr Keller, und vorwiegend hälhli (zu hah), hölldli (zu hold),
tsölldU (zu tsold), xelhli (zu xeh), usw.
Geschwunden ist II infolge Assimilation an r in xer ,Keller' im
östlichen Gebiete, gegenüber xelhr im westlichen (mhd. Tcelre >►
Icerre).
äda ,immer* (vgl. §§ 159,2. 168 a) geht wahrscheinliot auf all tag zurück
(vgl. Id. I 85. 188).
b) Für den Auslaut gilt das § 165d Bemerkte; es heißt also
foll voll, ksell , Geselle' usw., dagegen in den wenigen Fällen von
Dehnung des Vokals (s. § 98) auch mit Lenis fäl, fei, usw.
Vereinzelt ist der Übergang von ly> r in I kiver (s. S. 31).
Urd. r.
§ 167. Im Anlaut und im Inlaut zwischen Vokalen ist r
bewahrt (zur Aussprache s. § 18).
Geschwunden ist es in xöül (neben xröül) ,jähe Felswand'
(s. T. 101a; Id. III 921/2), ferner unter dem Einfluß der Schwach-
tonigkeit in gad ,nur', neben gräd , gerade' (vgl. Id. VI 497 ff.
mit Anm.).
Zu (p)flummd , Pflaume' vgl. Id. V 1248. Entstehung von fliU f. , Frist,
(s. T. 196 a und vgl. Id. I 1236) aus frist ist unwahrscheinlich.
Daß inl. r vor Konsonant in I geschwunden (also äwats
schwarz, stebd sterben, usw.), auf dem übrigen Gebiete vokalisiert
worden ist, wurde schon § 94 c bemerkt. Es lassen sich außer-
halb I sämtliche Schwächungsgrade beobachten; ein Unterschied
— 179 —
nach der Art der folgenden Konsonanten besteht nicht. Mehr
vereinzelt findet sich auch außerhalb I Fortfall des r mit bloßer
Dehnung des vorausgehenden Vokals (vgl. § 104), am häufigsten
nach a, zB. ivämnid wärmer werden, ämnid Arme, ivättd warten,
näxti(g) (s. S. 94 u.), fdrnäxta vernarren, Jam(m)äst-'i<^ lam-arsi)
fauler, langsamer Kerl (vgl. Id. I 467), doch auch etwa ehd neben
erha(r) (s. S. 121), kstöhj gestorben, pöst Bursch, ferner est erst,
niest mehrst, die aber unter dem Einfluß von e, tue (s. u.) stehen
können. In den auch weiter verbreiteten Fällen Bäb3 ,Barbara',
Puppe (vgl. T.31b), moddrj ,morden, plagen, schinden', foddr ,vorder',
foädra ,fordern' liegt dissimilatorische Einwirkung des folgenden r
vor. hedöpfdl (neben herdö-) ,Kartoffel' und eppen , Erdbeere' (vgl.
aber auch Id. IV 1464) erklären sich nach § 109. Unterm Schwach-
ton geschwunden ist r in hofiddt hundert, nähdt jemand (neben den
Formen mit r). Hieher auch donnsti(g) Donnerstag.
Übergang von r >► Z zeigen xil(d)xd Kirche (vgl. § 150 b) und
hil(d)xd Birke. *
Im Auslaut betonter Wörter wie wör wahr, wer wer, mer
mir, tör ,Türe' findet außerhalb I ebenfalls Vokahsierung des r
statt, also icöd,jve9, med, töd, doch nicht so häufig und allgemein
wie vor Konsonant; in I ist auch hier das r meist ganz geschwunden,
also ivo, ive, usw. Auf dem ganzen Gebiete geschwunden ist das r
in e eher, me mehr, tvö wo, dö ,da' mit Zusammensetzungen (s.
§ 113), hh ,hier' in den § 113 angeführten Zusammensetzungen.
In unbetonten Wörtern und Silben wird nach a das r im
absoluten Auslaut und vor Kons, gewöhnlich gar nicht oder nur
schwach artikuliert, also md mir, dd dir, die Vorsilben fj- ,ver-',
9- ,er-', ferner fatta Vater, iventd Winter, m5Ud Maler, usw.; vor
vokalischem Anlaut dagegen zB. gesj) nur ouir , gibst mir auch',
fdrisrd , verirren', dd fattdr esst ,der Vater ißt', usw. Durchaus
geschwunden (vor vokalischem Anlaut erscheint dafür n) ist das
r in nidfiB (mhd. niener) nirgends, nomniQ nicht mehr (vgl. Id. IV
753/4), ferner in ,her' als 2. Glied von Richtungsadverbien, zB.
ahd , herab', ind ,herein', usw.
Ira,Nom. des stark flektierten männlichen Adjektivs würde man erwarten
vor Kons. zB. grössa, vor Vok. grösssr; nun heißt es aber vor Vok. gleich wie im
Akk. grösssn, also: 9W gröss9 mä ,ein großer (einen großen) Mann, dxm grössdn
öpfdl ein großer (einen großen) Apfel. Ygl. dazu Schild '^ 383 ff.
• — 180 —
§ 168. Auf dem teilweisen Schwund des >• und dem Schwan-
ken in dessen Aussprache beruht der Einschub eines r in .ent-
sprechenden Stellungen.
a) Zwischen betontem langem Vokal und Kons, (meist Dental) :
ärdd neben ädd ,immer' (vgl. § 166); ertrokx (in Mi ; vgl. T. 162 b) m.
Wiederkäuen (vgl. Id. I 603/4); glrt (neben glt) Geiz, gzrti(g) geizig;
florts Floß, flörtsj flößen (T. 196 a); hörtst (in K vereinzelt für
hötsi, neben häufigerm höhst ; vgl. § 154a Anm.) Hochzeit; örsfU(g)
Unschlitt (vgl. S. 107 u.); fdgörst (vereinzelt in H, sonst ohne r)
Mißgunst; sürstd (in H) Schweinestall; — äsärpfa (nach T. 28 a
in K) anseifen; störß (in K) mit Misthäufchen belegter Teil der
Weide; — lorxd die Markzeichen an den Waldbäumen auffrischen
(vgl. Id. III 1001). S. auch § 190 c.
wersdr, das heute als Komp. zu u'e ,wehe' gefaßt wird, ist mhd. wirser.
b) In unbetonter Silbe (meist an Stelle eines geschwundene;!
n): eiindrt (neben endt) jenseits, nidmnidr(t) niemand (doch vgl. '
Id. IV 290 Anm.); auch stohorta (neben stobatd) Zusammenkunft
(in der stoha; vgl. T. 409 a); auch in den Fremdwörtern dexdrt (H)
Dechant (T. 132 b), hoffjrt Buffett (s. T. 65 und vgl. Id. IV 1047/9);
mosÄ^r^woss Muskatnuß ; auch in ottdrlös (<^cUetnlös) fade (T. 344 b).
Der Nom. des best, männlichen Artikels -lautet daher vor konsonantischem
Anlaut da, vor vokalischem dar. fm Akk. würde man erwarten vor Kons, da,
vor Vok. ddn; nun lautet aber der Akk. vor Vokal (wohl untei« dem Einfluß
des Nom.) auch dar, also; da mä der (den) Mann, aber dar öpfal der (den)
Apfel, dar andar der andere (den andern). — Ganz den gleichen Vorgang zeigt
mar ,man' vor Vok., gegenüber m» vor Kons., zB. msr esst ,man ißt'; es könnte
hier Einfluß von ma mar ,wir' (vgl. § 171, 1) vorliegen (vgl. dazu Behaghel in
ZfdW. X [1908] S. 31/2).
c) Hiatustilgendes r erscheint in kJäjng (s. § 88), ferner in
ivia-r-ds ,wie er es' (nur bei alten Leuten); doch liegt i;ii letzteren
Falle vielleicht nur Umstellung des r (<C ivia drs) vor.
§ 169. Urd. rr ist in allen Fällen vereinfacht; vgl. § 18
und s. die Beispiele § 104 a.
Auch in den Zusammensetzungen mit far- -f anl. r wird nur Lenis ge-
sprochen, zB. farötta erraten, farüa)-a zerrühren.
X • •
— 181 —
Urd. i.
§ 170. a) Im Anlaut ist es als j erhalten, zB. jacp jagen,
jesd gären, jett^ jäten, jeg9r Jäger, jomnidr Jammer, javn jung.
Nhd. jetzt', entspricht noch vorwiegend ids, auch ets; dagegen überwiegt
heute jedd Jeder' für älteres iadd, so noch in maddrd usw. (s. § 158).
Auf dem ganzen Gebiete gilt enat (bezw. ennart) jenseits; nur in K noch
em, eni, ends ,jener, jene, jenes' (vgl. Id. I 265/6), sonst wird dafür ddseh, diseh,
seh gebraucht.
Neben endsh ,Aniskörner' erscheint auch jenssh.
b) Im Inlaut erscheint j (bezw. jf/; s. § 22):
a) nach altem ei in den § 80, 2 angeführten Beispielen.
Altes jj, wie es zB. in eijar ,Eier' vorliegt, ist also in dieser Stellung mit
altem einfachem j zusammengefallen.
§) auf dem östlichen Gebiete in den Verba pura mäijd, saijd,
Uüdijd, triÄdijd, usw.; s. dazu §§ 73.87.
y) besonders häufig in K in früdijdr früher, früdiji Frühe;
xüdijd ,Kühen' (Dat. PL), gegenüber sonstigem früdnndr, früoni,
ximid (vgl. § 161b).* tsivoiJQ, der Dat. zu tswö zwei (f.) ist wohl
von tsweijd (s. § 80, 2) beeinflußt.
5) außerhalb H in deü 'Fällen von Hiatusdiphthongierung,
vde sneljj; s, § 88.
Das außerhalb I (wo da) gebräuchliche deij ,dort' könnte atis deijena
,dort drüben', (-< da-jenent; vgl.» ,da jänet' bei Morgant der Riese in der Ausg.
von A. Bachmann S. 269) und den darnach gebildeten deijohd ,dort oben', deij-
onnd ,dort unten' usw., abstrahiert sein (vgl. dazu Id. I 285/6).
Übergang in g zeigen : a) in H die Formen des Konj. Präs.
slgdd (PI.) seien, sigdst (2. Sg.) seiest, sig (1. und3. Sg.; mhd.
sije) sei; auch außerhalb H die entsprechenden Formen von tiia
,tun': tüjgjd, tibgjst, tüdg (neben töüir, töüwist, usw.).
ß) das ahd. Lehnwort ilgd Lilie (ahd. lilja) und das mhd.
Fremdwort metskor Metzger (vgl. Kluge 268). S. auch § 189, 1 c.
c) Im Auslaut erscheint j mehr oder weniger ausgeprägt
nach altem oder durch Diphthongierung entstandenem ei (vgl. § 12).
Geschwunden ist es dagegen in hriid Brühe, müo Mühe (mhd.
hrüeje, müeje).
Urd. w.
§ 171. 1. Im Anlaut ist es in den meisten Fällen als w
bewahrt. — Dagegen erscheint es als m in muntsi(g) ,winzig'
— 182 —
(vgl. Kluge 426); nur ,wir' (vgl. § 168 b Anm.), betont mer\ ^omoll
(neben tvowoll <C ivolwol) doch ; in I auch nj^^ä gegenüber sonstigem
ivend PI. Ind. Präs. von , wollen'. Vgl. auch mäm für wärm ,warm'
in der Kind'ersprache. — Vereinzelt gilt 6, so in I hälnid , Heu-
boden' gegenüber wälmd auf dem übrigen Gebiete (doch s. Balm2
Id. IV 1216), und in (auch weiter verbreitetem) be, beh, öe&e leichte,
Wunde (<; (we-)we)\ dagegen ist bis Imperativ von ,sein' (ahd.
wis, mhd. auch schon bis) einfach nach hl bist ausgeglichen.
Im Anlaut eines zweiten Komposijtionsgliedes erscheint
IV (meist infolge Assimilation) als m in liirmmÜ9tti(()) (mhd. liirn-
wüetic) toll; spiminok , Spinne' (volksetymologisch entstellt aus
spinn-wiip', s. Id. IV 131); auch in amtg (nach T. 24 a in K) ,doch,
jeweils' {<^allweg; vgl. Id. 1208/1 0), und in fabnid, tamnid (s. § 30,3)
— dagegen als b in xilbi (s. S. 33 u.), blibish (s. S, 120 vl.)^ libdt
(s. S. 121 0.), näbd, näbjrt, näbjs (mhd. neisw,an, -wä, -wer, -was)
irgendwann, -wo, jemand, etwas, öpi),) etwa, goppdl (-< gott well)
jdoch, gewiß' (vgl. Id. II 515/6), impjr Ingwer. — Geschwunden ist
10 in etsj (s. § 142 a) und in nesj (in I und veraltet in Mt) = näbd (s. o.)
2. Im In- und Auslaut.
a) Nach Vokal, a) Nach alter Kürze: Die Verbindungen aiv
und eiv erscheinen als oiiw und öüw\ s. die Beispiele §§ 82. 83.
Anm. 1. Über wtn im Inlaut, w im Auslaut s. §§ 12. 22.
Anm. 2. frö ,froh' (ahd. vrö, gen. *ffaices) beruht auf dem gleichen Vor-
gang wie strö; s. § 82.
Gegenüber rDuivemss ,ungemein, sehr' (vgl. Id. VI 1870) gilt
in K mit Übergang von w >> b robeniss (zu oh >► ö vgl. § 82, 2).
In xrol, nöra (s. § 83) ist w geschwunden.
ß) Nach langem Vokal und Diphthong: äw erscheint nach
§ 72 auf dem ganzen Gebiete als öuiv (bezw. outv) in xlouivd Klaue,
löuw,^ pföuw; nur in V M2 auch in blöuw, blouwd, gröuw, gröuwd,
usw., in H I Ml wurde in diesen Fällen das intervokalische w >> 6,
das dann auch in den Auslaut übertragen wurde, also blöb, Usbo,
usw. (doch s. S. 74 o.) — cw erscheint im Auslaut als e: sne
Schnee, se See, xle Klee, irii Inlaut als b\ ebi(g) ewig, webdrd (zu
ahd. wewa) vor Schmerz wehklagen, wimmern. — iw, im, iuw
erscheinen nach § 88 in H im In- und Auslaut als «, ii, ü, auf
dem übrigen Gebiete (zunächst im Hiatus) als eij, ouw, öüiv (bezw.
eij, ouw, öiiw), so smd schneien, bli Blei, bfu bauen, sü Sau, xnii^
— 183 —
knieen, xnn Knie (ahd. hiiu, nach obl.* hiimves usw. mit Laut-
substitution für *hiioives nach dem Nom. knlo): sneijd, hleij, homvd,
somv, xnoüwa, xnöilw. In ibdtannd Eibe (ahd. Iwd) ist iv'^b ge-
wandelt. — uow erscheint im Inlaut als udb in rudbd ruhen, rüdbi(g)
ruhig, gegenüber riid Ruhe (seltener mit Übertragung des b aus
dem Inlaut riob).
b) Nach /• erscheint im Inlaut immer b: färbd färben, gärba
gerben; närbd Narbe; smirbd, in I smeba schmieren (jünger snibra;
vgl. § 94 b); serbd (mhd. seriven) kränkeln (s. T. 423 a); ärps Erbse
(dagegen in I H mit Schwund ärss). Im Auslaut ist iv geschwunden :
gär gar, mör (mhd. murive) neben mär (mhd. mar(-ives)) mürbe
(s. T. 322 b); in färb Farbe ist b aus dem PI. färbd oder dem Verbum
färbd übertragen.
c) Nach l erscheint a) m in swälmd Schwalbe (bei den Jüngern
jetzt durch swalbd verdrängt); wälnid (s. unter 1); elm gelblicher
Thon in K (s. T. 16Ga; Id. I 186/7). — ß) & in helba (doch in K
lielmD) Haferspreu (s. T. 261a; Id. II 1244); pfolbd Pfühl; gilbli m.
Übername eines mürrischen, verweint aussehenden Menschen (s.
T. 221b; Id. II 296); selb (mhd. schelwe) schief. — y) w ist im
Auslaut geschwunden in gel gelb (flekt. geh, usw.), mel Mehl.
§ 172. Urd. iviv.
Die Verbindung aww erscheint in houiva hauen, frouw Frau. —
eww (ahd. inw; vgl. Braune § 30, Anm. 2) liegt zugrunde in xüd^
rüd, bliia (s. S. 84 u.) in H, xomvj, röüwd, blöüwj auf dem übrigen
Gebiete. — - iww enthalten nü neu, trü treu, flekt. nüd, trÜ9 in H,
nöüw, tröüw, nöüwd, tröüivd auf dem übrigen Gebiete. Vgl. § 88.
Zusammenfassende Darstellungen.
Auslautscliwächuiig.
§ 173. Die Schwächung auslautender etymologischer Fortis
nach langem Vokal (gegenüber Bewahrung im Inlaut) findet sich
nicht auf dem ganzen Gebiete in allen Fällen. Fast regelmäßig
in I, wenigstens bei altern Leuten, weshalb ich in der Darstellung
von diesen Verhältnissen ausgehe. Ich gebe also vorerst die Bei-
— 184 —
spiele für I, nach dem betroffenen Konsonanten geordnet: t "^ d
(vgl. § 133) in den Mask. röd Rat (gegenüber rottd raten), xod Kot,
f//-5f/ Berggrat, tröd Draht, §tröd{<i*strät; vgl. § 175) dünner Strahl
von Flüssigkeit, fljd und öflöd ,(Un)flat' als Schimpfname (vgl.
Id. I 1225), Mnd Streit, auch städ Staat; den Neutr. rbd Moor-
boden (doch vgl. Id. VI 1732), bhidd Blut, xrüd Kraut, hröd Brot,
auch ]iDud (s. S. 81 o.); den Fem. &rw(/ Braut, /m(? Haut, nöd Not,
tsld Zeit; den Adj. hräd breit, ivtd weit, röd rot, töd tot, gudd gut. —
SS >■ s (vgl. § 135, 3) in den Subst. stös Stoß, ästös Anbau, ambös
Amboß, flls Fleiß, fuds Fuß; lös Los; grids Gries (echt?); gas Geiß;
den Adj. häs heiß, wis weiß (auch hlekvis Bleistift, eddlwu Edel-
weiß), gros groß, ferner hlös ,nur', üs aus (Adv.). — ss'^ s (vgl.
§ 144) in fläs Fleisch (dagegen rüss Rausch). — /f>» / (vgl. § 128 c)
in räf Faßreif, slöf Schlaf, sof Schaf, üf auf (Adv.). — Die Aus-
lautsverhältnisse beim gutturalen Spiranten vgl. § 150, bei den
Sonoren §§ 157. 163 b. 166 b.
Außerhalb I ist die Lenis noch allgemein in strod, flöd, öflöd,
lös, gridS, ambös, hlekvis, üs, üf; wenigstens bei altern Leuten noch
vorwiegend in röd, xöd, gröd, tröd, städ, ridd, bludd, bröd, brüd,
nöd, stös, gas, blös, fläs, (bezw. fleis; s. § 80 Anm.), räf, söf, da-
gegen nur selten noch in strtd, xrüd, hüd, tsid (dafür tsit), flis,
fudS, slöf und fehlt ganz bei den meisten Adj.: brät, ivit, röt, imss,
gross, gegenüber noch vorkommendem gudd (jünger gudt), häs und
vorwiegendem töd. In H ist die Lenis im allgemeinen noch seltener
als in MV.
Diese Verhältnisse lassen den Einfluß der flektierten Fonnen und Ab-
leitungen mit Fortis deutlich erkennen.
Auf dem östlichen Gebiete (M V) ist auch allgemein Schwächung
eingetreten in den Partizipien ksäd gesagt, träd getragen, Idäd ge-
legt (bezw. kseid, usw.; s. § 81), und in der 3. Pers. Sg. Präs. säd,
träd, lad (bezw. seid, usw.), lld liegt, ged gibt (in K gld), (k)sidd
sieht, löd läßt, göd geht, stöd steht, usw. In I kommt neben der
Lenis seltener Fortis vor, während in H allgemein Fortis gilt.
ivempläs ,dem Winde ausgesetzt' (zB. d w-i hämmdt ein solches
Heimwesen) beruht auf * ivind-blasisch mit synkopiertem i und
Schwächung im Auslaut (vgl. Id. V 149).
Daß die Auslautschwächung älter ist als die e-Apokope,
zeigt die auf dem ganzen Gebiete bewahrte Fortis in äpöt (mhd.
\
— 185 —
späte) spät, lüt (mhd. lüte) laut (Adv.), lut (mhd. Uute) Leute;
ströss (mhd. sträse) Straße, piiDSS Buße (neben fuds), söss Schürze,
häss n, (mhd. liceze) Kleid (unterschieden von liäs heiß), kfräss n.
(mhd. gevroßze) Gefräß, räss (mhd. rceze) scharf; außerhalb I auch
in stroff (mhd. strafe) Strafe, rtff (mhd. ufe) reif, dagegen in I
teilweise mit Schwächung rif reif, und so auch rif m. (mhd. nfe)
Reif, gefrorener Tau (gegenüber rlffd auf dem übrigen Gebiete).
Daß hier die Fortis nicht wohl aus den danebenstehenden Inlautsfonnen
übertragen sein kann, ergibt sich deutlich aus dem verschiedenen Verhalten
dieser Fälle und der früher besprochenen.
Gegenüber röss ,Teich zum Hanf, Flachs rösten' in K kommt auf dem
übrigen Gebiete auffälliges rös neben häufigerm rösd vor (vgl. Id. YI 1407).
Die Form tsiff9 m. , Streifen' in V hat auf dem übrigen Gebiete tsifd neben
sich, was auf einen Nom. Hstf zurückgehen wird; T. gibt 457 a für I tsiff an
als Name einer Ziege mit Streifen in der Nähe des Auges.
Die wenigen von der Ausgleichung nach den obliquen Kasus
verschont gebliebenen Reste von Auslautschwächung, die mit der
Dehnung kurzer Vokale verbunden ist, s. § 98, wo zu berichtigen
ist es m. in I gegenüber esss f. auf dem übrigen Gebiete; spissd
(mit dem gedBhnten i des Nom. und der Fortis der obliquen Kasus)
gilt in V, spisd in M I H, spis daneben in I H. Nachzutragen ist
noch riss in K (neben riss), res (seltener ress) auf dem übrigen
Gebiete , zusammengehöriges Spiel Kegel, Karten' (s. T. 360 b;
Id. VI 1379 ff.).
In der Verbindung U zeigen auf dem Gebiete, wo Dehnung
eintrat (s. § 103) Schwächung des t die Beispiele äld, xäld, gäld,
kiväld, auch kstäld ,Gestalt', bei rt (vgl. § 104) bäd in I, außerhalb
I bärd neben bärt Bart, bei nt (vgl. § 101) in K Jcxönd kommt
(vgl. oben). Neben 2^ü>-ss , bäurisch' ist häufiger mit Schwächung
pürs.
Übertragung der Lenis in den Inlaut:
a) Nominale Ableitungen: Die Übertragung ins zugehörige
Dim. ist in I ziemlich häufig; doch kommen auch außerhalb I
zB. vor brödli Brötchen, stös(j)U (zu stös) Pulswärmer, kstäldU
(zu hstäld) ,Leibchen'. In I gilt gäldlig (zu gäld) gegenüber
gältUg außerhalb I (s. S. 91).
ß) Häufiger findet sich die Lenis in verbalen Ableitungen, zB.
räß9 ,den Reif (raf) schlagen'; sivasdld neben -ss- nach Schweiß
{siväs, doch heute nicht mehr recht mundartlich) riechen, auch
— 186 —
§ivnsj (nach T. 402 b) in K ,von undichten Gefäßen, Wunden,
sickern' gegenüber Sivässj auf dem übrigen Gebiete; in I eddlwiss
, Edelweiß sammeln' und rlfj vom Fallen des Reifes; hä(r)dd (zu
bä(r)d) rasieren.
Hervortreten von Grleitlauten.
§ 174. a) nl >> ndl in manndh Männchen, tvörslndU wahr-
scheinlich, sporadisch auch in midU(g) ähnlich, hwondli(g) ge-
wöhnlich (vgl. § 160 b) und den Dim. fändU Fähnchen, äxörndli
Eichhörnchen, in H (vgl. § 116 a) auch in pfenndU Pfännchen,
tenndU Tännchen, tsönndU kleiner Brei, ferner auch etwa in höfndld
mit dem Hörn blasen.
b) nr^ndr in mendor (mhd. minrc) minder; tonddr Donner,
tonddfd donnern; lantsfänddn ,Landesfähnrich' (s. T. 291/2); morn-
d(d)ri(g) vom folgenden Tage; fernd(9)ri(g) letztjährig; sporadisch
auch in sondBr schöner, enddr eher (vgl. Id. I 10/1 mit Anm., doch
auch Haldimann 1903, S. 311 Anm.), imm Indjrs im innern, auch
etwa ivenn-d-(d)r wenn ihr.
c) Ir^ldr in holdjrD (mhd. hollern) lärmen, ,poltern' (s. T.67a);
tsiholddrd (V) neben tsibolh leicht hageln (T. 456 b); xolddrd (zu
mhd. Icolre) den Koller haben (vgl. dazu xolddrd f. Cholera); bllddrd
(nach T. 53 a in Walz. ; mhd. hilern) Zahnfleisch ; kxöldarU (nach
T. 115 b) ,Tannenmeise' in K gegenüber xolldrh, xölhrh auf dem
übrigen Gebiete; boldQn f. (V) Pille (vgl. Id. IV 1204).
In bilgdr^, der allgemeinen Form für obiges bilddra, ist g wohl nicht
primärer Gleitlaut, sondern aus d entstanden (vgl. Id. IV 1170, auch_&% <
hild Id. IV 1197).
d) ml >> mhl sporadisch in K sämhh sammeln, zB. i ha hlüdmli
hsämhldt ,ich habe Blümchen gepflückt'.
e) n§ >> nts in mciits Mensch ; mentst ,meinst' ; ivimts Wunsch,
ivüntsd wünschen (für älteres woss, ivossa; s. § 96); mentst mindest
(vgl. unter b); söntst schönst; auch renntslettj , Rennschlitten' (T.
153 a).
f) Is >- Its in holts neben hols Puls ; auch in Fällen wie ivill
ts Tiot ,will es Gott' (s. S. 39 u.).
g) U >> lt§ in ivSlt^ welsch, fält^ falsch, xölts ,kölnischer Stoff',
auch hiiltsd neben hüUd (s. § 142 bs).
— 187 —
h) sl >» stl in Dsth (mhd. unslit) Unschlitt; örsthdd f. (I,
Gais) Kinderpocken (vgl. § 138dAnm.). Zu trösth Drossel vgl.
Kluge 83/4.
i) mf'>mpf in hampf, fjrmimpft (s. § 96 b); auch in trompf
Trumpf (vgl. Kluge 401). S. auch § 131 Anm.
Assimilation.
§ 175. a) Mehr oder weniger vereinzelte, im Worte fest^
gewordene Fälle (vgl. §§ 26 ff.) sind : luid, phouttd, houttota und
lioppota (zu mhd. hmihet) s. S. 81 o.; hemp Hemd (vgl. § 139 b);
tübdhcikx (s. S. 54); hlaJcxd (mhd. Uat(e)che) großes Pflanzenblatt
(vgUId. V 54/5); fekxd (zu mhd. väache) Flügel (vgl. Id. I 728/9),
in K (nach T. 178 a) dafür flekxa (das wie allgemein gebräuch-
liches flettaxxd eine Kontamination von mhd. vetache mit dem An-
laut von flattars darstellt; vgl. Id. I 1228); pask9 (-< *bastegen)
bewältigen (vgl. Id. IV 1779 ff.); matt Magd; fott neben fokt Vogt;
hötspjf (neben Jiökspjr) s. § 177; fyrnemmd (zu ahd. nemnen, schon
altalem. nemmen) .sich versprechen', wozu auch luammt n. be-
stimmtes Quantum, dagegen ökuannt n. eine Krankheit (s. T. 346 b
und Id. I\'747); fjrtsivant {<^-nt) verstärkendes , sehr' (T. 191a);
cUpfrents (zu ahd. frenhisc) altvaterisch; spr- >- str- in strötsd
spritzen und vielleicht auch in strümmwts (<C spriwmvts; vgl.
§ 164) stoßweise (nach T. 416 b in K); so erklärt sich wohl durch
den Übergang von sJir >> str auch die alte Doppelheit in strübj
Schraube und in ströd (s. § 173; zu mhd. schrät, wie mhd. strcejen
neben schrcejen).
Nachzutragen wäre noch zu §27c: affdl neben afäl {<Casfdl) ,als viel',
d. h. so viel ; — zu § 30, 2 b : I trättrokxs («< träg-tr.) ,Kiste mit zwei Stangen
zum Austragen von Mist in den Alpen', brottstlg (< brok-ts.) vom Lager (brok;
vgl. Id. rV 542 0.) des Kleinviehs weggenommene Streue (die man nachher den
Kühen nochmals unterlegt); nach T. 127a auch tätsatsig neben täpsatsig
(<C täg-s.) ,Tagsatzung': — zu § 30, 5 : botvell (<C bdum-^c.) n. abgerundete Kante
eines Balkens (vgl. T. 72; Id. IV 1945).
Hier seien auch einige Fälle von Erleichterung von Kon-
sonantengruppen angeschlossen : süssl (in H) neben süstl Schweine-
stall ; tissb (in I) neben tistld Distel ; auch sts >► ss § 29, 3 ; melstdr
bezw. möUtar {<imelxstar) Melkhütte (vgl. Id. IV 210); häufig öhar-
naxst neben öharnaxtst ,übernachtest'; hetsdt ,Bettstatt' (auch Dis-
— 188 —
sim.); wolil auch ivÜ9sänd (-< ivüdstnd?) refl., sich beschädigen (nach
T. 452 a in K); ferner örm) ordnen, 3rm(g) Ordnung. — xts^xs
s. § 137, auch in Jiöxsi Hochzeit (vgl. § 177). — Us^ls in bols
(I und H teilw.) gegenüber sonstigem holts Bolzen; höls (I), bels
(H teilw.) gegenüber sonstigem helts ,Pelz' (auf der Milch); sne-
ivalsdr m., sneivälsara, -ivelsdh (neben -weltsjh) durch , Wälzen'
hergestellte Schneewalze, auch walsdr m. Walzertanz. — nts >> ns
in xräsj (s. § 96, das xransd <C xrantso voraussetzt), fräsisä (mhd.
fransisch', s. § 96), und in ons, hisons (mhd. tinz) ,bis' (heute außer-
halb I veraltet); s. auch § 188, 2 Anm.
b) Fernassimilation zeigen mesniDr {mhdi. ynesnwre) Sigrist;
gägor (nach T. 211 a) in H neben gachr (s. § 73); wahd (nach
T. 437a) neben ivadd Wade; vielleicht auch tnorps {<Cmorts) Adv.
gänzlich (vgl. T. 322 b; Id. IV 433).
§ 176. Dissimilation liegt vor a) zwischen l und r in
liärtdl neben hältdl (s. S. 28u.), härth halbieren; lierMeltdr (Mi)
neben lierMeittdr, in H kerkkciiQr (s. S. 87 u.); lidstdrd neben ridstdr
(vgl. Id. VI 1519) s. § 85; mit Schwund des einen Kons, in ilgd
«lUge) Lilie (vgl. Id. I 179/80); ivowoll «ivolhvoll) s. § 171, 1;
Bäba, moddrd und foddr(d) s. § 167. ,
ß) zwischen n und l in xnohU (mhd. MoheloucJi, auch schon
hl-) Knoblauch; xmimnidl (s. § 67 aa).
Y) Vereinzelte Fälle: sehdrt (nach T. 423b) in H neben seddrt
, seither'; xäsl'ar (<C xäsxdr) Käsenapf (vgl. Id. IH 420); näb9S
{■<.neizwas) s. § 135, 3b ß.
tsentir ,Zentner' ist schon mhd. bezeugt (Lexer III 1059).
§ 177. Umstellung von Konsonanten zeigen höxsü
(<; höxtsi) Hochzeit (vgl. § 175); hohspdr und höhspdr neben
hopskdr, höpskdr Frosch (vgl. Id. II 1495); siehe auch andirid^
amand § 121 d Anm.; ferner kts'^tsJc § 137, und gn^vg^nv
§ 146 b.
Zur Gliederung der Mundart.
§ 178. Keine Lautgrenze folgt genau der Kantonsgrenze
in ihrem ganzen Verlaufe, d. h. keine Erscheinung ist dem ganzen
Gebiete eigentümlich zum Unterschied von allen angrenzenden
st. ffallischen Mundarten. Am ehesten trifft dies zu für das offene d
(<; u) vor Nasalverbindung (s. § 68 b), das sich auf dem ganzen
Gebiete findet und nur nördlich ein wenig über die Kantonsgrenze
hinausgreift nach st. gallisch Grub und Eggersriet, während die
übrigen Nachbarmundarten dafür geschlossenes o oder a (bezw. u)
haben. Dagegen gilt das breite a (<C ei) «nicht im ganzen Kanton
(s. § 80) und findet sich auch außerhalb desselben (s. die Anm.
S. 79 u.).
Wie zahlreich die mundartlichen Unterschiede innerhalb des
Gebietes sind, erhellt bei einem Blicke auf die synoptische Karte
(s. Karte II), auf der uns sechs Gebiete (Hi, H2, I, Mi, M2 Vi, K)
entgegentreten, die, in sich verhältnismäßig einheitlich, durch eine
große Zahl von Lautgrenzen von einander getrennt sind (vgl.
dazu das in § 4 Bemerkte). Suchen \dx zunächst eine Übersicht
zu gewinnen über die Eigentümlichkeiten dieser Teilgebiete:
Nicht nur nach der Zahl der Grenzlinien, sondern auch nach
deren Bedeutung sondert sich K am stärksten vom ganzen übrigen
Gebiete ab (vgl. dazu das § 7 über die Artikulationsbasis Bemerkte).
Die auffallendsten Erscheinungen (für ganz K oder doch den größern
Teil; Näheres, auch über den Verlauf der Grenze, s. unter den bei-
gefügten Paragraphen) sind beim Vokalismus: Bewahrung von
h u, ii (§§ 6-- 68. 70) — ei > « (§ 80) — ei, ou, öü mit geschlos-
senem ersten Komponenten, teilweise ö, 0 (§§ 81. 82. 83. 88) —
id, iid, iid vor Nasal >> e, 3, 3 (§§ 85. 86. 87) — si usw. (§ 75, 2) —
i und e, u und 0, ü vor r {-\- Kons.) >- id, ua, ü9 (§ 94 b) —
— 190 —
f, /, n vor X (-{- Kons.) >► ia, id, üd (§ 92) — vorwiegende Be-
wahrung der Kürze von e, o vor r- Verbindung (§ 104) — häufige
Bewahrung der Länge (§ 108) — Nachsilbe -il (§ 115 bj3); beim
Konsonantismus: Jcx im Anlaut (§ 149) — palatales ^, auch
nach t, ü Fortis ^^ (§ 150) — Bewahrung von urd. h (§ 154 b) —
xs <C ^'•5 (§ 154a). Erscheinungen, welche nur in einzelnen oder
wenigen Wörtern gelten, siehe unter göh, hröh (§ 89, 2), nod
(§79), wüss usw. (§ 96 a), re^md (§ 91b), lamm, tsamm (§34),
ret>v9 (§ 146 b), nimm usw. (§ 164).
Nur für einen kleinern Teil von K gelten: u vor 7np, mpf
(§ 67 bß) — brüst usw. (§ 96 a) — 13 vor r- Verbindung nach u'
> «3 (§ 91 ä) — e,e für ä, a (§§ 47. 73).
Noch in das Gebiet von Vi hinüber reichen: ei (bezw. ei)
<i agi (§ 81) — öpfdl (§ 91 a) — Fälle mit lautgesetzlicher Bewah-
rung von ?, ü oder ü im Auslaut (§ 88) — analogische e-Plurale
(§51c).
Mit Grub, ferner dem größern Teile von Hi fehlt K der
Wandel er "> eir (§ 89 a).
Die M durchziehenden Linien betreffen zum größern Teile
Unterschiede zwischen dem ganzen östlichen Gebiete (Ma V) und
dem ganzen westlichen (Mi I H). Auf die verschiedene Artikulation
des l (s. § 18) gehen zurück e, 0 gegenüber e, 0 vor l -\- Kons.
(§ 93) — auf den Einfluß der Nasale 5, 0:0,0 vor Nasal (§ 95, 8),
e .- t vor Nasal (§ 95, 3. 4. 5), hennd usw. : hömid (§ 91 b), ferner
ents, Snts, önt, ävhx, enkx : ents usw. mit Kürze (§ 101). — Außer-
dem hlöuiv, grouiv usw. : hloh, grob (§ 72) — flöüxd, tsöüx3 : -0- (§ 77)
— hebd : häbd (§ 49 e) — foJd : foU (§ 65) — i : ig (§ 146 cy).
M2 geht auch noch mit dem westlichen Gebiete (H I Mi)
gegenüber ganz V zusammen in xrants(d) (bezw. -ä-) : xräs(d)
(§ 96 a) und fönch^ bondd usw. : fendo usw. (§ 91b). Dem Gebiete
von M2 eigentümlich ist einzig germ. e >» e vor l (gegenüber e
auf dem ganzen übrigen Gebiete (§ 93 b).
Ml hat keine ihm allein zukommende Erscheinung. Es schließt
sich noch ans östliche Gebiet (M2 V) gegenüber I H an durch die
ausnahmslose Geminierung des m (§ 156, 2 a) und durch bäijd,
blihjd usw. (doch teilweise auch in Hi) gegenüber bä,i, bim usw.
(§§ 73, 1 Anm, 87), nur Bühl, und Gais auch durch färb usw.
(doch auch in Her.) gegenüber färb usw. mit Kürze (doch auch
— 191 —
m K) (S. 115 o.), nur Gais durch ä, ä gegenüber e, e (bezw. e, e) vor
und nach Nasalverbindung (§ 95, 2). — Mit I hat es gemeinsam söüw
und gleij (§ 88); nur Gais und I haben -dd, -dda gegenüber -at,
-dtd auf dem übrigen Gebiete (§ 133 b y), ferner ähdsd (§ 156, 2 a).
Mit I H2 geht es in oul, öül < ol, öl (§ 89, 2). — Mit H (gegen-
über I M2 V) zeigt es e (<C e) vor r- Verbindung (§ 94 a) und Be-
wahrung der Kürze in einigen Fällen vor n -f- Kons. (§ 101) und
vor m -\- Kons. (§ 102).
Die meisten Eigentümlichkeiten von I bestehen in der Aus-
sprache der Sonorlaute und deren Einwirkung auf umgebende
Vokale, so des l (s. § 18) : i, e >► il, ö vor Z- Verbindung (§ 91 e) —
des r, das vor Kons, schwindet (§§ 94. 167) — und ganz be-
sonders der Nasale (vgl. § 95), die vor Kons, schwinden (§ 96,
S. 108): «, ä ^ e, e vor und nach Nasal (§ 95, 2), ern >> enn
(§ 95, 3 c), e >* e nach Nasal (§ 95, 3d), 0, ö, ö, 8 (bezw. o, ö, 5, S)
nach Nasal (§ 95, 7 und 8). — Aus dem Konsonantismus sind zu
erwähnen die vorwiegende Auslautschwächung (§ 173), die Lenis x
gegenüber xx außerhalb I (§ 150 aa) und die veraltende Lenis d im
Anlaut (§§ 132 Anm. 138aAnm.). — Die übrigen Erscheinungen
betreffen mehr vereinzelte Fälle, so es (bezw. eis) (§ 89, 1 b), sneij
(§ 89, 1 c Anm. 2), gDÜfti (§ 89, 3), iüu9U (§ 65, 4), töfdl (§ 79, S. 78),
Länge in den Vorsilben ab-, üf- (§§ 99. 109, S. 120 o.), Assimi-
lation des nn in tülü usw. (§ 163 a).
Mit Ml und H2 hat I gemeinsam dkI, öül <^ ol, öl (§ 89, 2) —
mit Ml allein söüw, gleij (§ 88), nur mit Gais -dd, -dds (§ 133 by),
ähdSD (§ 156,2 a) — mit H2 allein sönidr (§ 100). — Mit Mi V
(gegenüber Mi und H) zeigt es e vor (geschwundenem) r -\- Kons.
(§ 94 a) und Dehnung vor (geschwundenem) n, m in einigen Fällen
(§§ 101. 102). — Nur vereinzelt bei alten Leuten finden sich
heute auch außerhall) I noch nesd (§ 171, 1), ets3 (§ 171, 1), ommd
(§ 125 dß), nemiD (§ 139 d).
Das ganze Gebiet von H unterscheidet sich vom übrigen
Gebiete durch eine wichtige Erscheinung, nämlich durch das
Fehlen der Hiatusdiphthongierung (§ 88; vgl. die Anm. 2 S. 87).
Dazu kommt (teilweise gemeinsam mit Mi) Bewahrung der Kürze
vor l- und Nasalverbindung (§§ 101. 102. 103), gemeinsam mit
Ml e (<C e) vor r- Verbindung (§ 94 a); außerdem einige Einzel-
heiten, so Kürze in romm, gomma usw. (§ 82, 2), der Diphthong
— 192 —
in tseij (außer Stein) (§ 89, 1 b) und in feistdr (§ 96), a >► ö in
tsöm (§ 71), ferner die Nachsilbe -bx in vielen Fällen (§ 114 a).
Hl unterscheidet sich von H2 und dem ganzen übrigen Ge-
biete besonders durch das Fehlen der Geminaten tmn, nn, II außer
vor ableitendem -9r, -d (§§ 156,2a. 157. 159a. 163. 166), dann
durch die Öffnung von e, 0 "^ e, o vor einfachem / (§ 93 a), durch
die Bewahrung der Kürze auch in falts usw. (§ 103), endlich durch
die Endung -od gegenüber -id auf dem übrigen Gebiete (§ 118 a).
§ 179. Was läßt sich nun zur Erklärung dieser uns heute
entgegentretenden mundartlichen Gruppierung anführen? Was für
Verhältnisse haben die Verkehrsgemeinschaften hervorgerufen,
welche den heutigen Mundartgebieten zugrunde liegen, und wie
alt sind diese Verkehrsgemeinschaften?
Die heutigen geographischen Verhältnisse (vgl. Karte I)
weisen nur im Süden gegen das Toggenburg und gegen das Rhein-
tal von Gams bis Rüti eine fast absolute Verkehrsgrenze auf,
nämlich den Säntisstock mit seinen Ausläufern. Innerhalb des
Gebietes können wir heute nicht einmal von größern Verkehrs-
hindernissen sprechen; am ehesten könnte als solches noch ge-
nannt werden das Urnäschtobel zwischen Her. und Stein. Keinem
unserer Linienbündel liegt also heute eine natürliche Grenze zu-
grunde.
Inwieweit früher solche Verkehrsgrenzen bestanden haben zu einer Zeit,
wo die Flüsse Urnäsch, Sitter, Rotbach und Goldach noch nicht oder nur
spärlich überbrückt waren und noch unwegsame Wälder sich ausdehnten, läßt
sich allerdings nicht ausmachen.
Wenn wir die heutige politisch-kirchliche Einteilung
auf Karte I (vgl. dazu § 1) mit der synoptischen Karte vergleichen,
so ergibt sich: 1) daß der politischen und kirchlichen Trennung
zvdschen I und A auch starke mundartliche Unterschiede ent-
sprechen — 2) daß die rein politische Einteilung von A in die
drei Bezirke H, M und V mit der mundartlichen Gliederung nichts
zu tun hat — 3) daß in A die Linienbündel überall mit heutigen
Gemeindegrenzen zusammenfallen, daß aber immer eine Zahl Ge-
meinden ein verhältnismäßig einheitliches Mundartgebiet bilden.
Das Gebiet von I wurde schon im Jahre 1597 durch die
sog. Landesteilung nach langen Kämpfen zwischen Reformierten
und Katholiken politisch und kirchlich vollständig von A getrennt.
Der konfessionelle Gegensatz, I katholisch, A reformiert, hob fast
— 193 —
jeden Verkehr zwischen den BeM^ohnern auf; Handel und Wandel
zwischen den beiden Landesteilen waren durch Gesetze verboten
oder doch sehr beschränkt. Gegenseitige Heiraten waren voll-
ständig ausgeschlossen; wer sein Bekenntnis änderte, mußte sofort
in den andern Landesteil übersiedeln. Erst die neue Bundes-
verfassung von 1848 führte auch in I gewaltsam -wieder freiere Zu-
stände ein. Während in A sich schon früh eine blühende Industrie
und reger Handel vor allem mit der Stadt St. Gallen entwickelte,
blieb I durch seine Lage auf sich selbst angewiesen ; auch in der
Schulbildung stand es bis in die neueste Zeit hinter A zurück.
Dies^ dreihundertjährige Abgeschlossenheit genügt wohl voll-
kommen, die heutige sprachliche Sonderstellung von I zu er-
klären; mundartliche Eigentümlichkeiten und Ansätze zu lautlichen
Verschiebungen, die zur Zeit der Trennung vorhanden waren,
konnten sich in I ungestört erhalten und weiter entwickeln, viel
eher als in A, das fremdem Einflüsse und Zuzüge offen stand.
Aber schon lange vor der Landesteilung hatten die ,inneren Roden',
wozu damals auch noch ein großer Teil von Gais gehörte, in der im 11. Jahr-
hundert unter dem st. gallischen Abte Nortpert gegründeten Kirche zu Appen-
zell (der „Abbatis cella") ein Zentrum; unter der Herrschaft des Klosters
St. Gallen im 12. bis 14. Jahrhundert bildete das um die Kirche erstandene
Dorf Appenzell den Mittelpunkt der äbtischen Verwaltung, und nach dem
Befreiungskriege im Anfang des 15. Jahrhunderts wurde es zum Hauptort des
ganzen Landes. Für das Nähere verweise ich auf J. C. Zellweger, Geschichte
des Appenzellischen Volkes, 3 Bde. Trogen 1830/40.
Von den Rätoromanen, welche I vor der Besiedlung durch die Alemannen
bewohnten (vgl. dazu Anzeiger für Schweiz. Geschichte 1871, Nr. 2; Appenz.
Jahrb. 1906, 226 ff.) finden sich in der Lautgebung der Mundart keine Spuren.
Auch für urd. k in den Verbindungen nk und kk gilt nicht die reine Fortis,
wie auf dem größten Teil des ehemals rätischen Gebietes, sondern die Affri-
kata kx; s. dazu A. Bachmann im Geograph. Lexikon der Schweiz, Bd. V 61/2.
Verfolgen wir die Geschichte der einzelnen Gemeinden von A,
so sehen wir, daß die engere Verbindung zu einer selbständigen
politischen Gemeinde meistens erst eintrat mit dem Bau einer
eigenen Kirche, worauf die Ablösung von der nächsten Kirch-
gemeinde, zu der das Gebiet bisher meist auch politisch gehörte,
und die feste Abgrenzung der heutigen Ausdehnung erfolgte. Die
HL der beigegebenen Karten gibt eine Übersicht über die Gliederung
unseres Gebietes nach der kirchlichen Zugehörigkeit im XIV. Jahr-
hundert und die allmähliche Ablösung der einzelnen Gemeinden
Vetsch, Appenzeller Mundarten. 13
— 194 —
bis ins XVIII. Jahrhundert (vgl. die beigefügte Erklärung). Diese
Verhältnisse stimmen in auffallender Weise überein mit der Glie-
derung der heutigen Mundart, die uns die synoptische Karte zeigt:
Auf dem Gebiete von H begreift sich leicht das Zusammen-
gehen von Her., Schwellbr. und Waldst. (zu Schön, vgl. § 3)
und ebenso von Hundw. und Stein, dann auf dem Gebiete von M,
das bis tief in die zweite Hälfte das XV. Jahrhunderts ganz nach
St. Laurenzen in ^^r^allen pfarrgenössig war, die Übereinstimmung
von Teuf. Bühl. Gais einer- und Speich. Trog, anderseits. Das
ganze Gebiet von K gehörte bis tief ins XVII. Jahrhundert hin-
ein kirchlich nach dem Rheintal hinunter; die Gemeinde Lutz,
ist heute noch mit Thal vereinigt. Politisch hatte sich das Gebiet
im Laufe des XV. Jahrhunderts nach den Appenzeller Freiheits-
kriegen allmählich dem Lande Appenzell angeschlossen. Der durch
die Lage gegebene Verkehr mit dem Rheintal blieb jedoch nach
wie vor sehr rege und ist es heute noch.
Besiedlungsgeschichtliche Momente zur Erklärung der heutigen Mundart-
grenzen geltend zu machen, geht nicht an. Es bleibt aber die Möglichkeit,
daß sich in der starken Sprachgrenze zwischen K und dem übrigen Gebiete
. gestützt durch die bis heute unveränderten Verkehrsverhältnisse, eine alte Gau-
und Stammesgrenze erhalten habe, indem das Gebiet von K im IX. Jahrhundert
zum Rheingau gehörte, der Arbonerforst dagegen, der sich über Vi, M und
den nördlichen Teil von I erstreckte, zum Thurgau. Die Zeit der Besiedlung
unseres Landes durch die Alemannen steht nicht fest. H. Wartmann nimmt
(Appenz. Jahrb. 1890, 51 ff.) an, daß zu Beginn des VII. Jahrhunderts in dem
Gebiete des Arbonerforstes am Oberlaufe der Steinach, der Goldach und (Jer
Sitter sich noch keine alemannischen Niederlassungen befanden, wohl aber
hinter der Sitter im Gebiete der Glatt. Aus dieser Gegend sind nämlich schon
in der ersten Hälfte des IX. Jahrhunderts in Schenkungsurkunden an das
Kloster St. Gallen mehrere Orte erwähnt; das Gebiet gehörte damals zur
Goßauer Mark. Im Jahre 921 erscheint Hundwil urkundlich als Niederlassung,
und im XL Jahrhundert hören wir von der oben erwähnten Kirchengründung
in Appenzell. Erst im XIII. Jahrhundert treten in den Einkünfterödeln des
Klosters St. Gallen auch die Höfe Trogen, Urnäsch, Teufen und Gais auf.
Im XIV. Jahrhundert gehörte das ganze Gebiet von H I M zum Kloster
St. Gallen,
Zu den allgemeinern Fragen der Sprachgeogi-aphie läßt sich von unserm
beschränkten Gebiete aus unter den vorliegenden geschichtlichen Verhältnissen
nichts Sicheres bemerken; es wird dies erst möglich sein, wenn einmal das
ganze umliegende Gebiet des Kantons St. Gallen in die Betrachtung einbezogen
werden kann.
Beigaben.
I. Die Fremdwörter.
Das Folgende will keine Abhandlung über den Gegenstand sein, sondern
lediglich feststellen, wie die Fremdwörter mit Bezug auf Akzent und Laut-
körper in der Mundart erscheinen. Für das Allgemeine verweise ich auf
W. Wackernagel ,Die ümdeutschung fremder Wörter' (Kleinere Schriften III
252 ff.), L. Tobler ,Die fremden Wörter in der deutschen Sprache' (Kleine
Schriften 241 ff.) und R. Brandstetter ,ürei Abhandlungen über das Lehn-
wort' (Luzern 1900).
Nach dem Vorgang von L. Tobler (aaO.) bezeichne ich als ,Fremdwörter'
nur diejenigen entlehnten Wörter, die noch als fremd empfunden werden, weil sie
erst seit kürzerer Zeit in Gebrauch gekommen sind und darum ihr fremdes
Gepräge noch mehr oder weniger beibehalten haben, im Gegensatz zu den ,Lehn-
wörtern', die schon früh in die Sprache eingedrungen sind und ihren fremden
Charakter ganz preisgegeben haben, so daß sie durchaus als einheimisches Gut
gelten. Letztere sind daher, soweit eine Bemerkung nötig war, bereits oben mit
dem germanischen Sprachgut zusammen behandelt worden. (Vereinzelt wurde
auch etwa ein Fremdwort schon oben als Beleg für eine Erscheinung angeführt.)
Daß eine scharfe Grenze zwischen Lehn- und Fremdwörtern nicht zu ziehen
ist, darauf hat auch schon L. Tobler hingewiesen.
Wörter, welche nur bei gesucht fremd sprechenden Personen oder Familien
im Gebrauch sind und die fremdsprachliche Form genau beibehalten haben,
sind im Folgenden nicht berücksichtigt; ebensowenig ganz individuelle, nur
auf LTnkenntnis des richtigen Lautbildes beruhende Entstellungen, wie zB.
kxamalitä't für Kalamität, icamph für Lampe, resoär für Reservoir. Das Fol-
gende gibt also ein Bild von dem Fremdwörterbestand einer Mundart.
Mit der beigesetzten Ursprungsform soll nicht immer gesagt sein, daß
die Mundart das Wort direkt dorther bezogen hat.
Der Akzeut.
§ 180. In den meisten Fällen liegt der Hauptton nicht
auf der ersten Silbe.
Ich führe die Beispiele in alphabetischer Reihenfolge an (jp unter b) und
versehe sie fortlaufend mit Zahlen, um in den folgenden Paragraphen statt
einer Wiederholung der Definition nur die betreffende Zahl setzen zu können.
— 196 —
^ adrcssj f., in I ätressd u. Adresse: frz. adresse, — ^ af(f)d-
rdxtiss m. Tadel, Verweis: frz. affront, gekreuzt mit hxaffdldntiss^^.
« — ^ aldiuij f. Altan : ital. altana. — * aU f. Allee : frz. allee. —
^ altärm. Altar: lat. altäre. — ^ appärti(g) sehr, ausnehmend (schön,
usw.): lat. a parte (vgl. Id. I 361). — ''" app9ttek f. Apotheke. —
'*' äppetse n. Alphabet. — ^ assil Asil, Krankenhaus. — ^ hadmsxtli
n. Gartenprimel (s. T. 33 a): lat. betonica (vgl. Id. IV 1805/6). —
^° badigjJi n. kleines Fäßchen (s. Id. IV 1017): zu ital. bottiglia. —
^' hagäsi n. Gepäck, Plunder (vgl. T. 34a; Id. IV 1052): frz. ba-
gage. — *^ bantoffd m. Pantoffel (vgl. Kluge 290). — '^ bapptr n.
Papier. — ^^ parädi Schaustellung (vgl. Id. IV 1436): frz. parade.
— ^'^ parjdis Paradies. — ^^ parokl^ f. Perücke: frz. perruque (vgl.
Id. IV 1446). — ^"^ partil, pertu, perda durchaus (vgl. Id. IV 1626):
frz. par tout. — ^^ hasdlist m. Ungeheuer (vgl. T. 37 b): Basilisk. —
^^ häsilgd f. Basilienkraut (vgl. Id. IV 1663). — ^" hinäts m. Spinat:
dial. franz. epinache, ital. spinaci (vgl. Id. IV 1308). — ^^ histÖld f.
Pistole. — ^^ holitsist m. Polizist. — ^^ homadd f. Pomade: frz. pom-
made. — ^^ homdräntso f. Pomeranze: ital. pomarancia, mlat. pomar-
ancia. — '^'^ pompdlnsDr m. Spottname, ponipdlusiss seltsam, kauder-
welsch (T. 68): rätorom. ponn palüs oder paun palüs (vgl. Id. IV
1262/3). — '^^ po(r)fo§(t), auch fofost, in I pdfost mit Gewalt,
durchaus: frz. par force. — -"^ hotisda Porzellan: ital. porcellana.
— ^^ pjttdnoMor m. Rosenkranz: lat. paternoster. — ^^ hrisilld Bra-
sihenholz zum Eierfärben: mlat. brisillum (vgl. Id. V 798/9). —
^^ brodikxöl n. Protokoll: frz. protocole. — ^^ prokxdrättdr m. Ad-
vokat (T. 78 b): lat. procurator. — ^^ brots/ss Prozeß: lat. Pro-
cessus. — ^^ xappilläri f. Frauenhaarzuckersaft: frz. capillaire (vgl.
Id. III 399). — ■'* eksähxt exakt. ^— ^^ eksäm(m)d n. Examen. —
^^ el'sl'iiSL excusez! — ^"^ elifänt m. Elefant. — ^^familii. Familie.
— ^^ fabrikx {. Fabrik. — ^'^ famos famos. — ^^fattal fatal. —
*^ fidel lustig: lat. fidelis. — ^-^ fideli PI. Fadennudeln: dial. ital. fidelli.
— *^ fisJcdriss in I in der Redensart : t saxx isp (oder das ist idts)
/"., die Sache ist nicht so herausgekommen, wie man gemeint hat,
sie ist verloren: wohl aus fiskalisch (dem Fiskus verfallen?) —
^^foflibdrm. Fünffrankenstück: zu frz. Hvre. — ^^frantsös Franzose,
frantsosisS französisch. — *'^ galänddr m. Walze zum Appretieren
des Tuches, Vb. galändorj (nach T. 211 a in H): frz. calau^re,
calandrer. — *^ gaUp m. Galopp: frz. galop. — *^ grandios, auch
— 197 —
-los großartig: frz. grandiose. — ^^ granium (auch kurz -a-) Ge-
ranium: lat. geranium. — ^' grimässj f., meist PL, Grimasse: frz.
grimace. — ^'' kragol n. Krakel, Lärm, kragoh lärmen (seltenei*
gr-), aus dem Niederländ. — ^^ krampöl n. Gepolter, Lärm,
krani2)dh poltern: frz. carambole (vgl. Id. II 739). — '^^ Jiistöri selt-
samer Vorfall (T. 268a): lat. historia. — ^^ idc f. Idee: frz. idee. —
^^hxahüt Adj. zerschlagen, verdorben: frz. capot (vgl. Id. III 402).
— ^'^kxabütm. Soldatenmantel: frz. capot. — ^^ /i'a;a&H^Sc> f. Winter-
kopfbedeckung für Mädchen, nach T. 91 a kxappotsU nur bis zur
Herzgrube reichendes Weiberhemd: ital. capuccio. — ^^kxappdtstnnsr
Kapuziner. — ^" kxaffjJäntiss m. = affdräntiss ^ : Ptc. von lat. cavil-
lari (vgl. Id. III 158). — ^^ kxalmddrm. Kalender: lat. calendarium
(vgl. Kluge 190). — ^- kxalfäkxfdr m. verschmitzter Schmeichler
(vgl. T. 93 b) : lat. calefactor. Dazu kxalfdkxtjrd, kxalfdkxld
schmeicheln. — ^^ kxamSl iw Kamel: lat. camelus. — ^^kxa(r)milh
neben gramilld Kamillenblüten : mlat. camomilla. — ^^ kxanond
Kanone. — ^^^ kxappiftol Kapitel, kxappHJa mit Dat. F. tadeln. —
^^^ kxappittäl Kapital. — ^' kxanärifogdl, auch kxardinalfogdl Ka-
narienvogel. — ^^ kxarfYwkxd m. Geschwür: lat. carbunculus (vgl.
Kluge 196). — ®* kxattöliss katholisch, kxattolikx Katholik.' —
''^kxomedi f. Aufsehen erregender Lärm, Auftritt: lat. comoedia (vgl.
Id. III 291/2). — '^^ kxomfekxt IS^onieki. — '^'- kxmnöd he({Vi&m\ frz.
commode. — "'^ kxümmh i.^ovLVCL\odie: frz. commode. — '^^kxurios
sonderbar: lat. curiosus. — ^^latternd Laterne: lat. laterna. —
"^^latwän f. Latwerge: spätlat. electuarium (vgl. Kluge 238). —
'^'^ leher Scherzreim auf die Frage wer?: frz. Je pere. — "^^lefiüj, in
emm tl. lesa eine Strafpredigt halten: Leviten (vgl. Id. 1111150). —
"^ ^ lokxdmottif L Lokomoti\e. ■ — ^*^ ma<:?rd/s9 f. Matratze : mlat. ma-
tracium. — ^' makxrond PL Nudeln: ital. maccheroni. — ^- maläss,
malässar unwohl, schwach (T. 310b): wohl frz. malaise (vgl. Id.
IV 166). — ^^ fdnnahdlH (zB. so, gross) sehr: Ptc. von mhd.
maledien maledicere. — ^* mahfits begrififsverstärkend, zB. dm m.
kxärlt, m. so: lat. maleficium (vgl. Id. IV 167). — ^'° wand utn. Mandat
(T. 310/1): lat. mandatum. — ^"^ ?H«ros eigensinnig (T. 312 a): lat.
morosus? — ^'^ marttnt Martinstag (als Termin): lat. Martini. —
^^ masstnd f. Maschine: frz. machine. — ^^ matten f. Eiter (vgl.
Id. IV 552/3): lat. materia. — ^^ mexxanikx Mechanik, mexxänikxdv
Mechaniker. — ^^ milittär n. Militär: frz. militaire. — ^^ moUst f.
— 198 —
Beschwerde: ital. molestia. — ^^ ordlnan n. das Gewöhnliche (vgl.
Id. 1442): frz. ordinaire. — ^^ rahdrhjr(d) Rhabarber: ital. rabar-
baro (vgl. Kluge 317). — ^^ rabät Rabatt: ital. rabbatto. — ^ ''^ rattt f.
schwarzer Wollstoff : frz. ratine. — ^'^ reg(9)rütKQkr\xi: ital. recruta.
— ^^ regilattor m. Regulator(uhr) : frz. regulateur. — ^" registdr Ver-
zeichnis, registdra zanken (von Kindern). — '"" rösamari (-cij)
Rosmarin: mlat. rosmarinus (vgl. Id. VI 1444/5). — ^°^ rosin(d)h n,
Rosine: frz. raisin (vgl. Id. VI 1443). — ^"^ rosöh n. ein Likör (vgl.
Id. VI 1445/6): ital. rosolio. — ^'^^ rumor d rumoren, lärmen, dazu
rammors mürrisch (T. 358 b) <C ,rumorisch' (vgl. Id. VI 929/30. —
^^^ silftstar m. Silvestertag. — ^^^ spaniol m. Spanier: frz. Espagnol,
ital. Spagnuolo. — ^^^ spettäkxal m. Spektakel. — ^^"^^spiöfn) Spion,
spiond spionieren. — ^°^'' spiftol Spital. — ^^^ stadiiUd Statuten. —
^^^ strabätsd PI. Strapazen: it. strapazzo. — ^^'^suppcrt neben süpperh
prächtig (T. 4.27b): frz. süperbe. -- ^^^ taf(f)crd f. Wirtshausschild:
frz. taverne. — ^^^ thcättjr n. Theater. — ^ ^^ tiskxänt Diska,nt. —
^^^tom(nOol, tomor n. Tumult, Lärm (T. 145b): frz. tumulte? (vgl. ^*^).
— ^^^ tD(r)nistdr m. (Schul-)Tornister. — ^^^ (apJtresäJckd kuranzen:
ital. giocare i tre sciacchi (vgl. Grimm Wß. II 1420). — ^^'^ tribimcd
n. richterliche Behörde (T. 152 b), heute m. ,lärmendes Treiben':
frz. tribunal. — ^^^tiimm' m. Aufwallung, Entrüstung: lat. tumor.
— ^^^ iventüssd f. Schröpfkopf: frz. ventouse.
* Folgende Ausgänge tragen immer den Hauptton:
-ähdl in ^^^ nüsarähd miserabel. — ^^^ passähal passabel. —
^^^ rcntcihd rentabel.
-ant, -and in ^'^^ fabrikxant Fabrikant. — ^~^ ßgalant lebhaft,
gewandt: lat. vigilans, -tis. — ^^^ Int ressant interessant. — ^^^kxjm-
/s»»m«f? Konfirmand. — ^-^ kxomidcott Komma,ndant. — ^-^ miisi-
kxant Musikant. — ^^^ prcppdrandFräparand. — ^^^ pressant pressant.
-cnt in ^^* hadcnt n. Patent. — ■'^^ president Präsident. —
^^^ Student Student. — ^^* retsent frisch, pikant (im Geschmack):
lat. recens, -tis (vgl. Id. VI 1921/2).
-incnt in ^^^ faliment n. Bankerott. — ^^^ fonddment n. Fun-
dament. — ^^^ /c^r^m^Zimen^ n. Kompliment. — ^^^ justdnient Adv.,
gerade, richtig: frz. justement. — ^^^Uhsramcnt Adv. ganz und gar,
durchaus: frz. librement. — ^^^losamcnt Belustigung, Gelage (T.
306 b) : frz. logement (vgl. Id. III 1449/50 und Grimm Wb. VI
— 199 —
1175), — ^^^ sakxdrdment Sakrament (als Fluch). — ^^^ testdment
Testament.
-ät (bezw. -öt), -äd in ^*^ appdrät Apparat. — ^** apfokxät (auch
afß-) Advokat. — ^^^ paräd bereit: lat. paratus. — ^^^ prifät privat.
— '^"^ rabiat rabiat. — ^^^ salöt (-öd) Salat (vgl. Kluge 326). —
^^^ Soldat Soldat. — ^^^ spinät Spinat (jünger für hinäts^^). — in
der verbalen Ableitung -ättd in ^^^ prälättd mit den Entstellungen
prälakhd, prelihxd, pr6d(e)lckxd viele Worte machen, prahlerisch
reden: zu , Prälat'.
-ats (<C lat. -atio) in ^^-feksats m. Spaß, Scherz: lat. 'vexatio. —
^^'^ purgats f. (neben piirghng) Abführmittel.
-eil, -elld (in M2 -ell(d)) in ^^^ haMdttell m. Kleinigkeit: frz.
bagatelle. — ^^^ flanell m. Flanell: frz. flanelle. — ^""^hottell n.
Hotel. — ^^'^ biidelh f. Flasche: frz. bouteille. — ^^^ rondelb f. von
Bäumen umgebener, runder Platz (vgl. Id. VI 1043 ff.); frz. rondelle.
— ^^^ stahelld f. Stuhl mit Lehne: lat. scabella. — ^'^^ tromelld f.
Trichter in einer Mühle, zu lat. tremodium (vgl. ital. tramoggia).
-et in ^^^ heijdnet (in I, sonst -et oder -et) n. Bajonett. —
^^^hageppodd Parkettboden: frz. parquet. — ^^^pJiakxet n. Paket:
frz. paquet. — ^^^ prifet n. Abort: afrz. prive(i)t (vgl. Id. V 433/4).
— ^^^ dreijet f. , gewürzhafte Tragee' (T. 151 a) : aus einem grch.
xpaYVjta (statt Tpayrjp.aTa) ? — ^^^ fatsdnetli Nastuch: ital. fazzo-^
letto (vgl. Id. I 1144 ff.) — ^^"^ sekxret n. Abtritt: lat. secretum. —
^^^tabetn., in der Redensart offst.brlüüd, vrie nhd. (vgl. Kluge
389). — • in der verbalen Ableitung ^^^ apTiXonidfetta, in I äpkxjuta-
feijd abmalen, abzeichnen: zu frz. contrefeit (vgl. Id. III 375/6).
-ettd in ^'^^bastettd Pastete. — '^'^^ boletio f. schriftHche An-
vreisung, Schein (nach, T. 67 a): mlat. bolleta, ital. bolletta (vgl.
Id. IV 1182). — ^'"^ ragetti) f. Rakete: ital. racchetta. — ^'^ tabettd f.
Tapete: mlat. tapeta.
-i (bezw. außerhalb H -eij) in ^'** bolitsl {-eij) Polizei. —
^^*'' fottsgrafl Photographie. — ^'^ kxompdm (in I auch -eij) Kom-
pagnie. — ^'^^ kxopisribdr (in M -ei-) Gemeindeschreiber (T. 113a).
— ^" kxantsU {-eij) Kanzlei. — ^'^ htton Lotterie. — ^"^^ menassdrl
Menagerie. — ^^'^ parti: Partie und Partei (nur in letzter Bedeutung
außerhalb H -eij). — ^^^ spetsdrUada {-ei-) Spezereiladen. — Auch
an deutsche Stämme angefügt, zB. ^^^ spinnort {-eij) Spinnerei. —
— 200 —
^^"^weharl (-eij) Weberei. — ^^^ k§ert (-eij) n. viel Wesens, Auf-
hebens.
-U (neben -if) in ^^^ apjidttU m. Appetit. — ^^^ profit m. Profit.
— ^^' hxreäit Kredit.
-5 (bezw. -ö H I Ml) in ^^^ faso Art, Form : frz. fa9on. —
^^'■^ Iwanto Kanton: frz. canton. — ^^'hnas9r5 m. Majoran: rätorom.
masaron (vgl. Id. IV 446). — ^^'^ pherso f. Person. — ^^"^ priso f.
Gefängnis: frz. piison.
-iö (bezw. -iö) in ^^^ aprentsio f. Abneigung (nach T. IIb selten
in IM): lat. apprehensio, frz. apprehension. In I SLUch. appdrents m.,
zB. i han snn a. doß(r)!, ferner als Adj.: dnn apporentsd mä ein
unangenehmer SonderUng. — ^^* kxam(m)issio f. Kommission. —
^^^ miliö f. Million. — ^^^ portsiö f. Portion. — ^^"^ hxivestions PL
Schwierigkeiten, Beschwerden (vgl. Id. V 1312). — ^^^ rehgiö f.
Religion.
-nr in ^^^ frisür f. Frisur. — -^^ garnittür Besatz, zB. an einem
Rocke. — ^"^^ mondür Montur, Uniform. — -°^ nattnr Natur, hiattürt
von Natur begabt (T. 228 a). — ^°^ iJ?6;5Si*r Verwundung.
-hr in ^^^ halior m. Vorarbeiter (vgl. Id. IV 1155): frz. parher.
— ^^^ plessidr f. Vergnügen: frz. plaisir. — -^^ fisidr n. Visier: ital.
visiere, frz. visiere. — ^°^ Jiassidr m. Polizist: ital. arciero, frz. archer
(vgl. Id. I 470). — -^^Tixlafidr Klavier: frz. clavier. — ^^^ manidr f.
Manier: frz. maniere. — ^^^ offifshr m. Offizier: frz. officier. —
2^* kxwaffidr n. Quartier: frz. quartier. — ^^^refisru. Revier, Gegend:
frz. riviere. — ^^^ sa(r)nidr n. Scharnier: frz. charniere.
-iard in ^^^ aprdtidrd (Stoffe) walken. — -^^ eksistidrd existieren.
— ^^^ eksitsidvd exerzieren. — ^^'^ es/j^/^-s/^ra explizieren. — ^^^ esti-
m'idrd estimieren. — '^^^ fahr/tshro fabrizieren. — -"^^ (onimd)fagidrd
herumvagieren. — '^-^ faliQrcf fallieren. — ^^'^ fdrekskusidra ent-
schuldigen. — -^^ /'.jr/a&oW^ra verschwenden, vergeuden. — ^-* fdr-
tusäbrd verlästern, verleumden. — ^^^ flattidrj flattieren. — ^^^fottd-
grafi^rd photographieren. — ^^^ frisidra frisieren. — ^^^ gahpphrd
galoppieren. — '-^^ garnidra garnieren. — ^^^hantidrd hantieren. —
^^^ Jcxarisidrd karessieren. — ^^^ hxomfdnidrd konvenieren, passen. —
^^^hxomidiord kommandieren. — ^'^^Tixuriars kurieren. — ^^^lahxidvd
lackieren. — ^^^ Jaksidrd laxieren. — ^^'^ lanuntidrs lamentieren. —
^^^ Zaw&wra» plombieren (s. T. 304 b). — '^^^ losdmentidr9 sichs wohl
— 201 —
sein lassen (T. 306 b). — ^*° waw^isra >mangeln (zu frz. manquer;
vgl. Id. IV 330). — ^*^ ma(r)ssidrd marschieren. — ^^^'' mattdridrd
eitern. — '^^^^' monährd montieren (eine Maschine). — ^^'^ jjaridrd
gehorchen, sich fügen; aushalten (vgl. Id. IV 1444). — ^^* pJanidra
planen. — ^^^ polidrd polieren, glätten. — ^^^ preppdridrd präpa-
rieren. — ^^"^ presshrd pressieren. — -*^ presthrd aushalten (vgl.
Id. V 835). — ^^^^ro&/c?;-a probieren. — -^'^ profittiard profitieren. —
^^^ protsessidvd prozessieren. — ^'^^ purgidrd abführen. — "-^^ (tsemmd-)
ramisidrd zusammenrafi'en (vgl. Id. VI 895 6). — ^^^ ransi^rj meistern.
— ^^^ rasiarj rasieren. — ^^'° regidra regieren. — ^^^ reglidrd regu-
lieren (zB. eine Uhr). — -'"^ rendiard rentieren. — ^^^ reppittidrd
repetieren. — -*'° resaniara räsonnieren. — ^^^ riskiara riskieren. —
^^'^ ruiniara, auch fanmiara ruinieren. — ^^'^ seniara genieren. —
^^* silikanhrd schikanieren. — ^^^ spatsiara spazieren. — ^^^ spekxa-
liara spekulieren. — ^^' (üs)staffiara ausstaffieren. — -^^ straha-
tsiara, außerhalb I auch strablitsiara Strapazen durchmachen. —
^^^''sfndiara studieren. — ^**^'' föti?#sw>-9 tapezieren. — ^''^ tiskariara
plaudern, diskutieren über etwas: frz. discourir. — ^'^^ toniara
schimpfen und fluchen: frz. tonner. — ^^'^ traJcxtiara traktieren. —
^^^ ^re55/c»*a dressieren. — ^"^^ tr'thuliara lästig drängen, nötigen: lat.
tribulare, frz. tribouler. — -"^'^ tromphrd sich täuschen. — -"^^tsentiard
zanken, (mit Worten) streiten: lat. certare. — ^^^ tsittiara zitieren.
— An deutsche Stämme angefügt in ^'^ husiara hausieren. —
^^^ hasaliara schimpfen (vgl. Id. II 1674). — ^^^ giiMidiara Versteck
spielen (T. 246 b). — Nur im Ptc. kommen vor ^^^ JcxompUtsiart. —
^^'H'Hras(s)ia)i. — '^^^ padentiart patentiert. — ^^^ refd(r)miart re-
formiert (im kirchlichen Sinne). — Nur als Adj. ^^'^ affrantiariig
schimpflich (vgl. -).
Wie in der Schriftsprache werden betont ^^® okxtobar, -^'^ sep-
temhar, ^"^ nofembar, ^^^ detsenibar.
In balan m. , Einfaltspinsel* (vgl. Id. lY 1145), standä'ri (in der Redensart
st. hältd (T. 406 b) , Stand halten', und latson (nach T. 295 a in H auch lalsorc m.)
,Tagedieb' liegen wohl deutsche Stämme mit fremdklingender und darum be-
tonter Ableitungssilbe vor. In galö'n m. , Dummkopf ist der zweite Teil wohl
-(5r< (vgl. Id. III 1375. 1417); sicher ist lamasi (seltener läm(m)äsi) ,langsamer
Kerl' eine Zusammensetzung von läm ,lahm' und ärs podex (s. Id. I 467).
« - 202 -
§ 181. Seltener gilt die deutsche Betonung mit dem Akzent
auf der ersten Silbe. Die Beispiele sind:
'^^^ dg raff j f. Agraffe: frz. agraffe. — ^^^ älbord f. Weißpappel:
ital. albero, lat. alberus. — ^^^ ämmdUmel Stärkemehl (T. 24 a): lat.
amylum. — ^^^ äppah ein gewisses Kartenspiel machen, äppdli m.
eine bestimmte Kartenkombination in diesem Spiel (s. T. 9 a): viel-
leicht frz. appeller, appell. — ^^* äppdlomss verschmitzt (vgl. Id. I
362). — ^^^baltö m. Paletot. — ^^^bännor f. Banner: frz. banniere. —
^^"^ pdndnr Name eines Kartenspiels (vgl. Id. IV 1341). — ^^^ päntU
m. dicker Kerl (s. T. 34 b): Pantaleon (vgl. Id. IV 1397/8). —
^^^bän(t)sdr m. weiße Jacke von Wollstoff: ital. panciera. — ^^^pdrh
scherzh. für , reden': frz. j)arler. — ^^^pdstdr m. Bastard (von Tieren).
— 3o2 Jjfyla^jijg ein gewisses Kartenspiel machen : afrz. berlenc, brelenc
(vgl. Id. IV 1592). — ^^^pcsh m. Bestie, von Menschen (s. Id. IV
1792/3).- lat. bestia. — ^^^ bätddiV eiersiMe: lat. petroselinum. —
^^^buffdrtm. Büffet (s; T. 65): frz. buffet. — ^'"' bombö Bonbon:
frz. bonbon. — ^'^'' böttind Bottine: frz. bottine. — ^^^brddi(g) Ka-
lender: mlat. practica, frz. pratique (vgl. Id. V 570/3). — ^°^ büdikx
Werkstatt: frz. boutique. — ^^^ bdl^M w. Bouquet. — '^^^büro n.
Bureau. — ^^- d{xxd(r)t Dechant (s. T. 132 b). — ^^' dreijavvdl drei-
eckiger Riß : lat. triangulum (vgl. Id. I 329). — ^^* ekstdrd extra.
— ^^^etti(g) m. krankhafte Eßlust (s. T. 162a; Id. I 599 ff.): lat.
hectica. — ^^^fiöli, fiCgph Veilchen: lat. viola. — ^^'^ füsi n. Gewehr
(T. 208 b): frz. fusil. — ^^^ gemnidli (I), gemmdrU in Stein, ,kleine
Alphütte' (vgl. T 218 a): zu rätorom. camonna (vgl. Id. II 299). —
^^^ ghidre, in der Verbindung dör s g. im Durchschnitt: lat. genere
(vgl. Id. II 327). — ^^° gölbr n. Hemdkragen : frz. coUier. — ^^^ gitk-
Icummdrd f. Gurke: ital. cocomero. — ^^^^ gnmpis Eingemachtes
(s. T. 246 b; Id. II 317/8): lat. compositum, ital. composto. —
^"" giisind f. Base: frz. cousine. — ^^^ gimer n. Briefumschlag: frz.
couvert, — ^'^^ hdliwk m. Halunke: böhmisch holomek (vgl. Kluge
160). — ^-^jokxobe Pflanzenname (s. T. 286 a): lat. jacobaea (vgl.
Id. III 33). — ^^^lixdfi n. und m. Kaffee. — ^^'^ lixanappe n. Kanapee:
fi'z.canape. — ^'^^llMorlAkör. — ^^^ I6mmdr9, in I auch nur hmmi.
Messerklinge: frz. lamelle, lame (vgl. Id. III 1266). — ^-^^luttd-
nand m. Lieutenant. — ^^^ mdrj f. die größere eßbare Kastanie (vgl.
Id. IV 353) : zu ital. marrone. — ^^^ mdriäsd ein gewisses Karten-
spiel machen (s. T. 312a): zu frz. mariage. — ^^'^ mässdr m. Milch-
— 203 —
keller: rätorom. masser (vgl. Id. IV 446). — ^^^ mäsksrj f. Maske:
ital. maschera (vgl. Id. IV 508). — ^^^ mössi, mössiö verächtlich,
bequemer Herr: frz. monsieur. — ^'^^ möskdtnoss Muskatnuß. —
^^"^ miisiCg) Musik. — ^^^ninsslt Mousseline. — ^^^nöttdheni wohlver-
standen (vgl. Id. IV 366): lat. notabene. — ^^^nihnmdrd f. Nummer.
— 341 yQ^f)ig^ ein gewisses Kartenspiel machen, rams Spielausdruck
(s. Id. IV 954): frz. ramasser, ramas. — ^^^ remisd n. Remise. —
^^^ rettür retour. — ^^^ ridiMill m. Arbeitsbeutel: frz. reticule, ridi-
cule (vgl. Id. VI 589). — ^^^ rnlo Rouleau. — ^^^ sdh9(r)t m. Kinder-
rock: zu frz. chaperon (vgl. Grimm, Wb. VIII 2170). — ^^"^ säffdrdt
Safran. — ^^^ sämnidt Samt (vgl. Kluge 327). — ^*^ sämixhus
St. Nikiaus (vgl. Id. in 687 ff.). — ^^^ säntim m. Rappen: frz.
Centime. — ^^' sdntimettdt\ Centimeter. — ^'°^ sdppjl Brautkranz
(s, T. 382 a): afrz. chapel. — ^^^ schx(d)rittär m. Kasten mit Schreib-
tisch: frz. secretaire. — ^^* sirup Sirup. — ^^^^ sökhdlädd f. Schoko-
lade. — ^^^^ tälhr Teller (vgl. Kluge 392). — ^^^ tämhür m. Tam-
bour. — ^^^ tdkxtdr m. Doktor, — ^^^ treijoks ,Triaks', Theriak-
latwerge (T. 151a). — '^^^trottoär n. Trottoir. — '"^^^ tsdlldpßdbor
Scharlach(iieber): mlat. scarlatum. — ^^^ tselhrs f. Sellerie: frz.
celerie, ital. selleri. — -^"^ tsigärd Zigarre. — ^^^ tsilenddr Zylinder.
— ^^^ tülippänd Tulipane. — ^^^ tussür immer: frz. toujours.
Ferner alle Beispiele auf -e^^a : ^''^ ämalettd f. Eierkuchen: frz.
Omelette. — ^^'^ kx6(r)nett9 f. Weiberhaube (vgl. T. 115 b): frz.
cornette. — ^*^^ rösettd f. Rosette. — ^^^ strwiett3 f. Serviette. —
^""^smisettd f. Krause am Hemde. — ^'^ tösettd, in K ttisettd f. Weiber-
haube (s. T. 148): lomb. tosetta, tosa ,Mädchen'?
§ 182. In manchen Fällen schwankt die Betonung oder
stehen zwei auf verschiedene Betonung zurückgehende Foraien
nebeneinander :
^'^ ädid (in der Kindersprache ädd) neben (mehr scherzhaftem)
adis adieu: frz. ä dieu. — ^'^^ dldfants m. mutwilliger, auch wunder-
licher, hinterlistiger Kerl, dhfäntsig Adj., neben fants, fänfsig
(vgl. § 186): ital. all' avanzo (vgl. Id. I 171/2. 877). — ^''^ äm(9r)U
Sauerkirsche (s. T. 24 a) neben anidrüld, marilh Art kleiner Apri-
kosen: frz. amarelle, -ille (vgl. Id. I 214/5). — ^"^^ ahrill m. April,
nur in I abröll. — ^'^^ dproppö ä propos, auch m. ein Häklein (zB.
s ist halt dnn a. ddhenddr), daneben mit Entstellung appolippö. —
— 204 —
^" äpsdlüt absolut, durchaus, neben aps.i^Jtd. — ^^^ dssür ä jour,
neben assih- (zB. dö war l nnd a.). — ^'^^ pärU m. Barometer (selten
in M; T. 36 a), sonst hancttdr (bezw. -m-) m. und n, — ^^'^ pfUh-
mattiäs phlegmatisch, neben pflebmättiss. — ^^' bUet n. Billet, neben
bilet. — ■'**^ brassdJHU n. Armband, neben brdssdrU n., brässh f.
(s. T. 75a): frz. bracelet. — "^^^ eMsio Enzianlikör (vgl. T. 169b),
neben intsiö. — ^^* grawäffj f. Krawatte, neben gräivattd. —
^^^ guräsi n. Mut, neben güräs: frz. courage. — '^^^ Tixäf(f)ittidrd f.
(in K nach T. 138a lixäfittidr n.) Kaffeekanne, neben tidrd: frz.
cafetiere. — ^^'^ mälädor müde, abgespannt, neben maladdr (bezw.
-öddr): frz. malade (vgl. Id. IV 166). — '^^^ refoJfdr Revolver, neben
refolfdr. — Aus der Schriftsprache ist ^^^ lixappcll , Kapelle' ein-
gedrungen für älteres xdppjh, das noch als Bezeichnung bestimmter
Kapellen vorkommt; ebenso nimmt jetzt der Monatsname ^^^ ougüst
überhand gegenüber echt mundartlichem oulistd.
Die Beispiele auf -e^ verhalten sich nicht gleich: Der Akzent
liegt auf -et in ^^^ plant sct n. Blankscheit (vgl. T. 56a): frz. plan-
chette, und ^^^ hxadit m. Kadett, außerhalb I auch in '^^^ bo(r)-
t(d)r('t n. Porträt, in I dagegen bottdre. Dagegen ist durchaus die
erste Silbe betont in '■^^^ gorset n. Korsett, und -^^^ säkket n. Jackett.
Beide Silben sind ungefä,hr gleich stark betont (vgl. § 40)
in den begriffsverstärkenden Wörtern ^^^ nmU!) {so, usw.) ungemein
(schön, usw.): frz. million (vgl, § 183) und gleichbedeutendem ^^"^ifam
(so, usw.): frz. infame.
Unbekannt ist mir die Betonung in den von T. angeführten
Beispielen ^^^ Ixxonstäbhr ,wer alles verstehen will und sich in
alles einläßt' (Walz.): lat. comes stabuli (s. Id. III 366/7), und
^^^meijör n. Mehrheit (selten in K; s. T. 314 a).
Die einzelnen Laute.
§ 183. Über die kurzen Vokale ist folgendes zu be-
merken :
1. a, dessen Artikulation der Ruhelage am nächsten liegt,
erscheint öfter in erster vortoniger Silbe für andere Vokale höherer
Zungenstellung: badendxth ^, badigdli ^", lafidr, in der Redensart
np tjr J. xö aus dem Geleise kommen (T. 290 a) <C refijr'^^^ (vgl.
Id. III 1110. VI 649/50), rammörs ^^^, — und, wenn auch heute
die betreffende Silbe betont -wird, in maJio ^^^ und amdUttD ^'''^.
— 205 —
In I friüiöU gegenüber sonstigem flanell ^^^ liat sich vortoniges
a zu u entwickelt.
2. ä erscheint für roman. a in Jäfs Schleife (s. T. 289 b) <
ital. laccio (s. Id. III 1531) und in hinäts ^°, wohl durch Laut-
substitution für das helle roman. a (vgl. dazu Hörn, Beiträge zur
deutschen Lautlehre S. 15 if.). — In häsilgj ^^ liegt wohl Ein-
wirkung des folgenden / vor. — äninurh, bezw. amh und nach
§ 95 em(a)li ^^*, sowie gemmdli ^'^ (mit e <C ä vor Nasal), auch xätsL
(s. § 49 b), zeigen den Umlaut des Diminutivs. — T. gibt neben
molest ^^ auch moläst an.
3. e erscheint in den Ausgängen -ell(9) i^i-'^o und -ef(fj) ^«ö-'i^
39i-9o^ ferner in haupttoniger Silbe in: aäressa^, berlannj'^^^,
pesti ^^^, hrofsess ■^^, dexxart ^''^ ekstard ^'*, fest n. Fest, hxomfekxt ",
molest ^^, nell Trumpfneun (ndl. nel; vgl. Id. IV 715), restj m. Rest,
silfestdr^^*, suppert^^'^, thekstText, tselldra^^^, tsic€(t)s]c3 Zwetschge,
ivests f. Brusttuch (frz. veste).
In nebentoniger Silbe in: perdü ^', plessiar ^°^," ^^Ze^sro* ^°^,
pressant *^°, eksal-xt ^■*, elsämma ^^, eJcsistbra -^^, eJcsitsiara -^*', eJcs-
Jciist^*^, esplitshra^^'^, feksats^^-, intressant^^^, Jcxivestiönj ^^"^ , tres-
siara ^'^.
4. e (vor Nasal in H IMi e: s. § 95, 4) findet sich in haupt-
toniger Silbe in den Ausgängen -eut "^^^'^^^ und -mcut^^'^^^^,
ferner in badenaxth^, detsembar^^^, entsiö^^^, €tti(g)^^^, genare^^^,
Ixxalendar^^, Jcxomedi'^^, nofemhar^^'^, refolfar^^^, remisa'^^'^, rettür^^^,
sckxarlttär ^^^, sent Centime (in der Redensart kxenn sent), trenta
eine Art Kartenspiel machen: zu frz. trente.
In nebentoniger Silbe in aprentsiö '^^, elifant ^^, esti-
miara ^*^, kxredU ^^', lefttta "^, mexxänikx ^°, menassan ^'^, prep-
parand ^^^, president ^^\ refiar ^^^, regilattör (in K auch rig-) ^\
regiara ^^^, registar ^®, regliara -^', regrüt ^^, rendiara "^^, reppit-
tiara ^^^, resaniara -'^^, retsent ^^"*, sekxret ^^'', seniara -'^^, spekxa-
liara ^^^, spetsareilada ^^\ spettakxal '"", testament ^^-.
5. i ist nur in einem einzigen Falle (in nebentoniger Silbe
vor ?i- Verbindung) zu e gesenkt (vgl. §§ 61/2): tsilendar^^^.
6. In haupttoniger Silbe erscheint o (ö) in bottma ^''^, gofara
(frz. coffi*e) Koffer, göUar ^-° (mit /-Umlaut), liiston ^^, kxotfohss (in
M2 V, sonst -0-) *^, mossi(Ö) ^^'^ — gegenüber d in bantoffal '-, gahp ■^*,
— 206 —
moddl Model, j^^^t f- Post, postd m. Posten, pdrfo(r)st ^*, roddl Rodel,
In nebentoniger Silbe o in molest^^, okxtöhdr^^^, pro-
hxarättdr '^^ hrotsess ^^ — gegenüber o in httsri "^, b3(r)tret ^®^,
portsiö ^^*', oräinän ^^.
Schwanken zwischen o und 3 besteht in foUdgraf'l^'^'^^, gorset^^^,
lökxdmottif (bezw. hkx-) '^ und in den Fällen vor Nasal, zB. hxo-
medi '^°, kxoniididrd ^^^, Jcxomissiö ^^*, kxmnöd ^-, kxomödd '^^, Jcxoni-
fdnidrd ^^^, Jcxomplitsidrt ^^', apkxontdfettd ^''^, mondür -^'^, pmnpd-
lüsdr ^', ^(W>?(5Z ^^^, tonidrd ^''^
Erhöhung des o >• if zeigen gumpis ^"^"^'\ nur in K pruppdr
wacker, sauber (frz. propre) gegenüber sonstigem j^^'oppdv, ferner
lusament ^*° gegenüber los- außerhalb K, und vielleicht tusettd ^^^.
Auch in tusrtd Torte, tuarhd Torf in K, törtd, törhd auf dem übrigen
Gebiete ist wahrscheinlich ii (von frz. tourte, tourbe) zu Grunde
zu legen (vgl. §§ 68. 94).
7. u (ii) ist (außerhalb K; vgl. §§ 67 f.) in weiterm Umfange
^o(ö) gesenkt, als i>»e; so in haupttoniger Silbe in hoffd(r)t^^^,
holfdr Pulver, hol(t)s Puls, goUdr (afrz. coultre) Bettdecke (s. T. 232 a;
Id. II 285), gross Kleie (vgl. Id. II 817), jo2)p3 (ital. giuppa) Frauen-
rock (vgl. Id. III 53/5), moskdtnoss ^^*', mosi (in Vi und H teil-
weise) ^^', parökka ^^, tohld f. Doublone T. 91 a gibt auch an kxap-
pötsli, gegenüber kxahutsd}^ — In nebentoniger Silbe in hodölh in
I, sonst i?<^e??a '^', kxdlidrd m I (sonst kxuridrd^^*), kxoriös (neben
Vor Nasal -|- Kons, geht die Senkung bis zu o (vgl. § 68):
hontj (lat. puncta) Faßspund (vgl. Id. IV 1399), fonddment ^^^, rond
rund.
§ 184. Die Längen (Dehnung und Kürzung).
1. ä erscheint in den Ausgängen -äbdl 120-122^ _^^ ua-isi^
ferner in aldänd ^, pär n. Paar, parädi ^*, bomädd ^^, hortsdlä ^',
hräf brav, prokxdrättdr ^\ dam Dame, eksämnid ^^, fattäl *^ fis-
käriäS **, gräno (lat. granum) Grad (vgl. Id. II 741), giiräsi ^®^,
hxappittal ®^'', kxanärifogdl ^^, niariäsd ^^^, mexxänikx(dr) ^°, sokkd-
lädd ^^^'', äpätsi(g) f. Raum (lat. spatium), städ Staat, Pracht, stra-
bätsd^^^, Mrätsa f. Entwurf, Brouillon (T. 413): ital. straccio, the-
nttdr ^^^, (ap)tre§äkkd ^^*^, tribunäl ^^'', tsigärd •''^^, tidippänd ^^*.
— 207 —
Neben der Länge kommt auch Kürze vor in äbröll in I gegen-
über sonstigem abrill ^^^, ütre'ssd in I, sonst adressd \ häl neben haU
Ball (Tanz), gränium ^°, mässa f. Masse in I gegenüber sonstigem
massd, säl neben soll Shawl.
In einer Anzahl A^on Fällen ist der Wandel >» 5 eingetreten
(vgl. § 71): altjr, veraltet, heute -är^, pottdnostdr'^^, pöpst Pabst,
entsio ^^^, maloddr ^*^ und -o- mit Kürze (neben -ä-), mandöt (ver-
altet) ®^, salöd ^*^, spittöl ^^'^j mit nachheriger Kürzung in hofdmeijd
Feierabend {<i ave Maria; vgl. Id. IV 356), jolxxohe^-^.
2. ä findet sich in ämli ^^*, fcüd fehlen, gurasi veraltet neben
guräsi ^^^, xappillän ^^, lärmd Lärm, müittär ^S ordinän ^^, selcxd-
rittär ^^^, Jativari ^^, daneben mit Kürze lativän und latwen.
3. e ist immer Dehnung aus e: güiver (neben giiicert)^-^,
latternd '^, leher ^^, nerfs m. Nerv, serp9 (frz. echai-pe) Schleife,
taf(f)er9 ^^^ «er&a PL Spässe, Schwanke (lat. verba).
4. e tritt auf in den Ausgängen -et, -etta ^^i-^^^. 3S2^ ferner in
ale^, appdtteh ^■', äppetse^^', banettdr^^^, het(l)d eine Art Karteuspiel
machen (frz. bete; vgl. Id. IV 1809), hettdrli ^^^ hottare (I) ^''\ pre n.
das Erste (lat. prse; s. T. 75a; Id. V 301), huUe^'\ fidel ^\ fideh^^
ide^^, jokxobe^-^, lixamel^^, Jcxanappe ^'^^ , mettdr Meter, sesd Chaise,
the Tee.
Die Kürze kommt neben der Länge vor in beijdnet ^^^ in I,
sonst -et oder -et — TxXDm(m)edi '° in I, sonst -edi — matten ^^,
daneben -eri, vereinzelt auch en — nöttdhem ^^^.
5. 1. erscheint, im Ausgang -i i74a-is4^ ferner in asstP, parddts^^,
hlpli Zäpfchen am Butterfaß (nach T. 51a in Walz.; rom. pipe),
hottlnd ^'^'^, hriS3 Prise (frz. prise), foflihar ^^, giisind ^"^\ Txxappd-
tsmndr ^^, lokxdmottlf '^^, tnartmi ^^, miissli ^^*, riffivi Wein von La
Vaux (frz. rive; vgl. Id. VI 660), rosi(nd)h ^^'^.
Die Kürze findet sich (mehr bei den Jüngern) neben der
Länge im Ausgang -U '^^i^?^ ferner in Uhdrdment ^^^, Und (älter
Uvold) Linie, Izttdr in I und K, sonst littar Liter, masslnd ^^.
6. 5 (3) findet sich auf dem ganzen Gebiete in den oben
unter 1 angeführten Beispielen für 5 <C «. nur in M2 V (vgl.
§ 95, 8) auch in den Ausgängen -5, -iö i^a-iss. sss. 396^ ^jj^j jjj a2)pd-
Wniss^^^, l-xan3n3^'^, mal~xr5na^^. — In Mi I H gilt in diesen Fällen
ö, welches auf dem ganzen Gebiete erscheint in baltö ^^^, bröb Probe,
famös^^, frantsös*^, Jcrampöl^^, T^xomöd"'^, kxomödd'^^, Jcxuriös'^^,
— 208 —
nöUdbSni^^^, ohxtöbdr^^^, röd Rode (zu lat. rota; s. Id. VI 597), rösd
Rose, rosöh^^^, rumöra^^^, spamöl^^^, tumör^^^.
Die Kürze kommt neben der Länge vor in hrodihxöl (-oll) ^",
möris(s), in der Redensart m. ler,^ zur Ordnung weisen (vgl. Id.
IV 380/1).
Ö kommt vor in floh ■^'*', glör (lat. löra) Obstmost vom Nach-
druck (vgl. Id. III 1375), kragöl ^'^, likhor ^^^, maros ^^ rammors ^''",
regilattor^^, tomöl, -Ör^^^. — Neben grandios ^^ findet sich auch
grandios.
7. II erscheint im Ausgang -fir ^"'■'-^os^ g^ auch in pandur ^®^,
gii Geschmack (frz. goüt), gütsa Kutsche, Jcxür Kur, rettür ^'^^, tam-
bür^"^, tür Tour, wentüssj ^'^.
Die Quantität schwankt (die Kürze ist jünger) in apsdlüt ^'',
reg(9)rüt ^', stadiittd ^°*.
ü kommt vor in hri'iss Adj. ,von Plüsch' (s. T. 82 a), zu frz.
peluche (vgl. Id. V 830) — hrüssU f. (nach T. 82 a in K) eine Art
Pflaumen, aus *hrilnessle (vgl. Prünessli Id. V 652/3) — ffist ^^^ —
neben jüngerer Kürze in lüttanand ■^■^°.
§ 185. Von den Diphthongen verlangen besondere Erwäh-
nung :
1. ei in gureisi^^^ und (öp)hxontdfeiJ9^^^ in I, laüveijdr"'^ in
K; ferner in meilenddrksijr unechtes Porzellan (Mailändergeschirr),
wofür in K (vgl. § 80) malandor-.
Als Diphthongierungsprodukt aus l erscheint ei im Ausgang
-ey ^'*'"'^*, ferner in einigen schon §88 angeführten Beispielen;
außerdem in fdrmalddeit ^'^ treijohs ^^^. — In dreijannal ■^'' liegt
zugleich Anlehnung an dreij ,drei' vor.
2. 19 in adio '^ '-, hidssli (frz. piece) Sechskreuzerstück (veraltet),
kxaßttidrd'^^^ und den Ausgängen -idr^^^'-^^ und -iard 2i4-2s5_ ]N^eben
der gewöhnlichen Form trüdgh f. (zu lat. trochlea, frz. trueille)
, keilförmiges Holzstück zum Festmachen des Heuseils' gibt T. 157 a
für H an triägh.
§ 186. 1. Aphärese:
a) vokalisch anlautender Silben in fants, fäntsig ■^^•', gänt Gant
(frz. encant), lärm9 (frz. alarme) Lärm, latwän ^**, mariUd(U) ^'*,
§erp9 (frz. echarpe) Schleife.
— 209 —
b) konsonantisch anlautender Silben und Wortteile in hahx
Tabak (vgl. Kluge 388) — Ixist (nach T. 105 a in Wolfh.), sonst
selten Tixattexismuss, -a^isw» Katecbismus — l'xäntU (nach T. 94 b
in K) Konfirmand (<; Kommunikant) — ment in hots ment usw.
für ,Sakrament' — nostjr neben pottdnostdr ^^ (vgl. Id. TV 845/6)
— terhrj neben mattariarj eitern (vgl. Id. IV 553) — tidr(d) ^^^ —
tüsd (nach T. 159 b selten in M) für icetitüssd ^^^.
Ausnahmsweise mögen hier auch eine Anzahl Taufnamen, bei denen sich
die Erscheinung besonders häufig findet, angeführt werden: DU Judith; Ents
Lorenz; Fjnsdh (nach T. 199 a in Gais) appell., schlimmes Bürschchen, eig. der
Name Alfons (vgl. Id. I 871); Gnätsi oder Gnätsc Ignatius; GreUln Margareta;
Hann Johanna; Xhiis Nikiaus; Leh Magdalena; Toni oder Tum Antonius; Tri
Katharina.
2. Reduktion des zweiten Wortteils infolge Zurückziehung
des Akzentes liegt vor in miU ^"*, hanndr ^^^, han(t)sdr ^^^, parli ^'^,
pastdr '"^ hrassld ^**2, gölldr ^^°, mossi ^^^, tälhr ^^^^.
3. Die schwachbetonten Vokale im Wortiunern sind meist
reduziert, entweder zu j, so zB. in ahfants ^'^, appdloniss ^^^^
appdttch ^*, apsdlüt ^^'i prepjjdriara ^^^, prokxdrättsr ^^ fHgP^i' ^^^i
foUdgrafi ^''*^, hxaffdlantLSS ^", kxomfdmand ^^^, lokxdtnottlf '^, nöttd-
bem ^^^ refdmidrt ^^*, sikkdnidrd ^^*, spekxdlidrs ^^^ tisJcdridrd ^'"j
oder zu l (bezw. i), so zB. in affikxät ^**, eksüsiord ^^^, hxari-
sidrd ^^^, ranüshrd ^^*. — Oft besteht Schwanken zwischen i und
d, so in hrodikxöl ^^, elifant ^^, estimidrd -^*, faliment ^^^, kxomi-
didrd ^^^, kxomidant ^^', regilattör ^^, religio ^^^, reppittidrd -^^, resi-
»^^^r9 ^^°, strahlitsijrd neben (in I) strabdtsidra ^^^.
Synkope trat ein zB. in ^aw^Zi ^^^ &r^??c? Brille (griech.-lat.
beryllus), gränium ^", kxalfakxtdr ^^, kxamilld ^*, oukstd ^^°, ajraZ?^
Koralle, Perle, rams, ramsd ^^^ rf??5 in V für reldgiö ^^^.
4. Der Svarabhaktivokal a erscheint häufig zwischen Kons.
+ r, zB. aff(d)rantiss'^, hort(3)ret'^^^, ekstara^^*, fah(d)rikx '^^, gofard i.
Koffer (frz. cofiPi-e), libdroment ^'^^, mad(d)rats9 ^°, reg(d)rüt "', saf~
fdrot ^*', sakx(d)rdnient ^*^, sekx(d)ritta,r '^^'^.
5. Das Endungs-e der französischen Wörter erscheint meist
als d, zB. grawattd ^^*, bistoh ^^, remisd ^*^, massa Masse.
6. In manchen Fällen ist Erhöhung von e zu -i eingetreten,
so in bagäsi ^\ parädi^ *, giiräsi ^^^, kxaf(fjt, ^'^^, ferner in eksküsi ^*,
Vetsch," Appenzeller Mundarten. . l"i
— 210 —
appartt ^, nöttdheni ^^^, auch ßtsi(-hopmd usw.) Vize (-Hauptmann
usw.) (vgl. Kluge 408).
-es > IS zeigen lixaffdantiss ^^ und möns(s) (s. § 184, 6).
Konsonantisches.
§ 187. Die Labiale.
1. b : p. a) Anlautendes ?; ist bewahrt in pajdd Pappel,
pantU ^^^, pär n. Paar und unbestimmtes Zahlwort, pexx Pech, pre
(s. § 184, 4), presthrd '^*^ — außerhalb I (wo häufiger h) auch in
panclür ^^', paräd ^*^, parädi '*, pardcUs ^^, paridrd ^*'*, ^^-^r/a ^^''j
parökhd ^^, j?ar^e ^^*^, par^it ^'', pikkd heimlicher Groll (ital. picea,
frz. pique), planidrd ^'^*, plessidr ^°^, poliard ^*^, pompdlüsdr ^^, pD(r)-
forst -'^, portsiö ^^^, pas^ Post, ^as^a Posten, poUdnostar -*, präläUd ^^\
preppdrand^^^, preppdriorQ ^^'^, pressant "^^^^ pressidrd ^^"^ , prifäf-^^,
prif&t ^**, ^m5 ^"^j prohidfd^^^ , profit^^^, profiUbrd^^^,proJcx9rättdr^^,
proppdr (s. § 183, 6), 2^urgats ^^^, purgidrj -^^.
Schwanken zwischen j; und ö zeigen auf dem ganzen Gebiete
(in I fast nur h-): hadent ^^\ bageppodd^^^, ha(x)stett9^'^°, bantoffdP^^,
ban(t)s9r ^ö», bappfr ^^ bettddi ^"^ biossli (s. § 185,2), Ustoh^\ blats
Platz, bol(t)s Puls, bomädd ^•', boniorardsd ^*, fow^9 (s. § 183, 7,
bortret *^^, bortsdlä ^', breijo, jünger breddgo predigen, bresidcnt ^^^,
^röft Probe, brodikxöl ^°, brotsess ^^, und auf dem ganzen Gebiete
vorwiegend oder nur mit b kommen vor: halidr'^^^, baltö^^^, ba-
nettdr ^'^, belts Pelz, binäts -°, besd usw. (s. S. 107 o.), blog Plage,
bolfdr Pulver, bdlitsist ^^, bns Preis, 6r«Sc? Prise.
Inlautend p wurde geschwächt in sabdH ^*®.
b) Anlautendes b erscheint meist als Lenis, zB. badenaxtli ^,
badigdU^^, bagäsi,^^, bid'ke^^^, brassjletU^^'^, bäsilg»^^, betß)d (s.
§ 184,4), boff3(r)f^''\ bilBt^^\ bottmd '^"^^ . — Verschärfung zu
p weisen auf imnnsr -^'^ neben b-, pass Baßstimme (ital. basso),
parh^'^^, pastdr '^^^ neben b-, pesti^^^, plessUr-^^', in I kommen
auch vor pdkkddöll ^^* und peijdnct ^*^
Nach m ist b verschärft in hrampöl ^^, tampür ^^^ neben -mh-.
Nur in I gelten auch septempjr, nofempdr, detsempdr. Erwähnt
sei hier auch äppetse "''.
2. Lat.-rom. /' und v erscheinen meist als /'.
— 211 —
Verschärfung zu ff zeigen lärff9 Larve, taffero ^^^ (nach T. 128 b
neben -/"")> Jcxaffslantis ^" (doch vielleicht durch Einfluß von affj-
rantis). nffict (s. § 184, 5) beruht auf Anlehnung an rlff' reif.
In I kommt vor hofdd gegenüber sonstigem hoff9(r)t ^°'^, und im
östlichen Gebiete (M V) gilt liafi ^^'^ und Mfdh Kafife trinken,
gegenüber Jixaffi,, hxüffdld in I H und M teilweise.
In hröh Probe (ital. prova ; vgl. Kluge 304) und fofltbdr ^''
erscheint' dagegen h.
§ 188. Die Dentale.
1. d:t. a) Im Anlaut erscheint d einzig in c^äm Dame und
dexxdrt '^^~. — In allen andern Beispielen gilt durchaus t, so
auch in neuesten Entlehnungen aus der Schriftsprache, wie zB.
tialeJixt m. Dialekt, tiskänt Diskant, tisshüss Diskurs.
b) Schwächung von t^ d liegt vor im Auslaut nach langem
Vokal in appdttid ^^^ teilweise in I, paräd **'^, salod ^*^, städ Staat,
Pracht — nach n in lüttjnand ^^" (neben -t), prepparand ^-^ (in
K teilweise -t), hxomfsmand ^-".
Schwächung im Inlaut zeigen haldö teilweise in H gegenüber
sonstigem haltö ^*^, fats9nedli in I für sonstiges -etU ^^^, seJcxjri-
där ^^^ in I (sonst -t-).
In dreijamjdl ^'* und dreijet *^* liegt Anlehnung an das Zahlwort dreij vor.
c) Vereinzelte Verschärfung von d^t im Inlaut findet sich
in I ätressj ^.
d) Angetreten ist t außer in den schon § 134 aa angeführten
Beispielen in porfost ^*^, dexxdrt ^^^, sabdrt ^*^, saffdrdt ^*'.
e) Auf et beruht t (zum Teil schon romanisch) in hontj (s.
§ 183, 7), hnüti(g) ■^o^ neben -d-, etü(g) '^^^, latwän ^^ märt Markt,
mudltd Backmulde (vgl. Kluge 275), t'mtd Tinte, spettaJcxdl ^°^.
2. Beispiele mit ts, die dem Nhd. fehlen, sind: dhfcmts^'^^,
fats9netU^^\ fexats^^^ lats Stück Tuch zum Überlegen (s. T.290a;
Id. III 1546/7, wohl afrz. laz), malafits ^*, retsent ^'^^, spätst, (s. §
184, 1), strätsd (s. § 184, 1), tsentiard ^'^^ — mit ts: hinäts -^, läts
(s. § 183, 2), mats im Spiel (ital. marcio; vgl. Id. IV 597), tsinha
Spottname der Italiener (von cinque).
In tselhvd (tsölhli I) ^** und tsalhpfidbar '^^ ist der Feminin- bezw. Plural-
ärtikel t angeschmolzen (vgl. § 135,2 a). Zu bolts Puls s. § 174f. Neben ban-
tgQf299 gjj^ namentlich in I auch hansdr] s. auch § 175.
— 212 —
3. a) s ist a) verschärft zu ss in assU **, plessidr ^^^, wen-
füssc)^^^^ — ß) in ^ übergegangen in den Verbindungen slc^sh:
ßsJiäriss**, mashrr»'^'^^, moshdtnoss '^^^ , tiskorbro '^''^ — stt>st:
ekätdrd neben eJcst9rj ^^^, tehst Text — sp >• sp: esplitshrd -*' —
rs >« rs: (vgl. § 29, 4): f3rs(a) <. fors(j) Stärke (frz. force) — auch
sl >- sl in slips m. Halsbinde (engl, slips).
b) Schwächung zu s findet sich in hidsli nach T. 52 a in K für
hidssli (s. § 185, 2) und in masjr nach T. 312 b in H für massdr ^^^
— ferner stets im Anlaut: santim''^^^ — santimettdr ^^^.
4. a) s erscheint zB. in hagäsi ^^, guräsi ^^^, mariäsd '^■^^, ran-
^hro^^*, senidTd^^'^, saMcet^^^, säl(l) m. Shawl; vereinzelt ist der
Übergang in s in losdment ^*°.
Verschärfung trat ein in menassdri^"'^, assür'^'^^, tussür^^^.
b) s§ zeigen zB. liasshr ^*'', masstnd ^^, ma(r)ssi9rd ^*^.
Schwächung zu s trat stets im Anlaut ein, zB. sappol ^^',
sarniar ^^"^ sesd Chaise, smisettd ^'^, sokhdlädd ^^^''.
§ 189. Die Gutturale.
1. (j erscheint a) für rom. //.
b) für rom. h: anlautend in galanddr ^"^ \, gänt (s, § 186,1),
gemmdli •*^*^, gamfbr Kampfer (frz. camphre), gofdrd (s. § 183, 6),
gölhr ^^", goltjr (s. § 183, 7), gorset ^"*^, gramilh ***, graimttd ^^*,
gross (s. § 183, 7), giilikummdrd ^^', gumpis ^^""j gusmd ^^^^, güts9
Kutsche (vgl. Id. II 565), guiver '^^'^ — inlautend in hadigdU ^^ —
auslautend in hra(h(g) ^°'*, etti(g) ^^^, musi(g) '^'^'^.
c) für j in häsilgo ^'\ fujdi '^^^ (in V). S. noch § 170.
d) in trüdglo (s. § 185, 2). <
2. h erscheint im Anlaut in Jcragöl ^^, hrampöl '^^ — im In-
und Auslaut in appditeh"'^, parökJcj^^, piMd (s. § 187, 1 a), hulike'^^^,
ghJcJc9 Glocke, gukkummoro ^^^, halimh ^^*, lil^Mr ^^**, ridiJchül ^**,
saJcJcet ^®^, SiMdni9r9 ^***, sokhaläd,) ^^^'', förka , Türken', Mais, (op)-
treMkkd ^^", tsivkd (s. § 188, 2), nach s, s (vgl. § 21) in eksküsi ^''
(in I auch ekskxüsi), fiskänss ^*, maskdra ^^^*, moskdtnoss ^■^^, ris-
kidrd ^"^
Aus g verschärft in I pakkadöU ^^^.
3. kx erscheint a) anlautend in kxahut ^^""'^ ^\ kxahutsd^^^
kxappetslnndr ^^, kxadet ^^^, kxaffjlantiss ^°, kxaf(f)i ^^^, kxafittiaro ^^*,
— 213 —
kxalenddr *^, kxalfal^xtdr ^^, hxamel **, kxamilh ^*, Jcxanappe ^^',
kxanöna ^^, kxantö ^^^, kxäntU (s. § 186, 1 b), kxappell ^^^, Ä-a;aj?-
^i^^c^^ ^^% hxappittäl ^^^, Txxanärifogal ^', kxrofuüJcxjl "**, kxarishrd ^^*,
kxassd Kasse, kxattoliss^^, kxauss rein, frisch, von Speisen (jüdisch;
vgl. Id. III 531/2), kxisi (s. § 186, Ib), kxlafiar'^^^, kxlass Klasse,
kxomedi '°. kxomfekxt '\ kxomfdmand ^^*^, kxomßnbra ^^^, kxomi-
dant^^"', kxomididrd-'^^, kxomöd'-, kxomödd '^^, kxompUment^^'^ , kxon-
stähhr'^^^, apkxontdfetta^^^, kxoppeisnbdr^''^, kxo(r)nettd^^'^ , kxredU^'^'',
kxür f. Kur, kxurhrd -^*", kxuriös '^, kxtirss Kurs, kxwatthr ^^'.
So auch in deutschen Wörtern, die aus der Schriftsprache eingedrungen
sind: kxleid (neben a?-) Kleid (mundartlich Icivand, hdss); kxreis (auch x-) Kreis;
kxeisdr Kaiser (vgl. S. 79o.); kxarfrlttitg) (auch x-) Karfreitag; kxunst Kunst
(veraltet xöst; vgl. § 96); kxönig König (veraltet xövg-, vgl. S. 72 u.); kxlär klar;
willkxomm willkommen (ganz veraltet tvillxa); kxwelb bezw. kmveh (s. S. 111 o.)
quälen; kxwell Quelle.
b) im In- und Auslaut in apfokxät ^**, hudikx ^*'*, eksakxt ^*,
fahnkx ^^, jokxohe ^^^, lakx Lack, lakxidrd ^^^, lokxamotttf ''^, niärkxd
Marke, makxnnd ^\ phakxet ^*^, phiwkxt Punkt, prokxdrättdr ^S
sakxdrament ^^^, sekxret ^^'', sekxdrittär ^^^, tokxtor ^^'^.
4. a; erscheint außerhalb K (vgl, § 149) im Anlaut in xappil-
läri ^■^, xapp.Ai ^^^, xütsi (s. § 49 b), xärta Karte (frz. carte), xommdt
(auch kx-) m. Kummet (vgl. Kluge 231), xrallo (s. § 186, 3), (sami-)
xlous ^*^.
5. Prothetisches h s. § 153.
§ 190. Zu den Sonoren ist wenig zu bemerken.
a) n ist geschwunden in den Ausgängen -5^^^^^^und-/5^^'^~^^^,
ferner zB. in homhö '^^^, mussll ^^^, rattl ■**^ — auch in ifäni ^^^, roslli
neben rosm(d)U ^"^ und tn fräsiss (s. §§ 96. 175).
Eingeschoben ist w nach langem Vokal in pöntdnostdr (nach
T. 69 a in M) für pöttmosür ^\
Für linnh Linie (frz. ligne) kommt jetzt Und (bezw. -i-) auf;
dagegen gilt noch livnhr neben lineal Lineal.
n >> ni s. § 159, Iby-
b) l wurde vertauscht mit r in hrüss (s. § 184, 7) neben
plüss, morest (nach T. 323 a) neben molest ^^, ßskäriss **.
Ein seh üb von 7 zeigen strablitsiard ^^^ (wohl in Anlehnung
an strabh strampeln) gegenüber (I) strahdtsisrd, und tahJitsidrd
neben tahitsiord ^^^^.
— 214 —
c) r ist geschwunden (wohl meist dissimilatorisch ; vgl.
§ 193,2) in hacjpppoch i«^, halior^'^^ bDtret'^''\ po(r)fost 2«, hassidr ^^',
apl'xontjfrtt,)^*^^, lixonettd'^^'^ , mats (s. § 188, 2), masährd^^^, kxwat-
tidr ^", §ab9(r)t **®, äaniar '^^^. Ualhxtfidhdr ^^",
eingeschoben m port.inost,))' (nach T, 69a in K) neben ^'S^^^-
noMdr ^^, kxa(r)milb *** (mit Umstellung gramilh). S. auch § 168 b.
In tsentidrd^'^^ (in andern Mundarten wirklich tse(r)tidr9) erscheint
auffälliges n für r.
d) j erscheint für g in Jemf Genf (T. 284 a). Vgl. auch § 170.
e) IV erscheint in icerb,) (s. § 184, 3), iventüssa ^'^, westd (s.
§ 183, 3), f/uiver •^^*, grawattd •^^*, serwietta ''^^^.
§ 191. Aspirierte Aussprache der Konsonanten zeigen
durchaus the Tee, pJialcxd packen, phakx und phakxet Paket, phettdr
Peter, phoul Paul, phousd Pause, phuvkxt Punkt, vorwiegend auch
theättar Theater, pher per, pherh Perle, phersö Person.
§ 192. Konsonantenschwächung beim Übergang von un-
betonter zu betonte]' Silbe liegt vor in ahrill '^^^, aldänd ^, als *,
appddet in I bei altern Leuten (für sonstiges apxjdttek '°^), appadU ^^^
(bei altern Leuten), hadendxtli^, hadent^^^, badigdh^^, bageppodd ^^'^ ,
jKikkodjii^^^ (inl), perdn^'^, bihUodekx Bibliothek (vereinzelt), bilei^^^,
bolettj ^'\ proftdiard ^^° (doch meist -^-), budelh ^^", fcdhrd -^\ fali-
ment ^'^^ faso ^^^, kxabut öß""^57^ kxabutso^^ (seltener -p-), kxanabe^^'^
(häufiger -p-), kxarisidrd ^^^, kxomöd '^ und kxomöda '^ (neben -mm-),
Über ", hkxdmodlf '" in I (vereinzelt), madratsd ^^, tnanghrd -^°,
milidär ^^ {neben -t-), miliö^'-^^, mondhra^^^^', mondür^'^^, ragettd^"'-,
ramisidrd ^^^, regrid ", rendidrd ^^^ (neben -t-), resdnidrd ^""j sta-
düttd l''^ strabätsd i"», tabf-t l«^ tabettd ^''\ tahitswrd 2«»^ tsidiara 2"
(selten, gew. -t-). In budikx *^^ und bradtg -^"^ (vgl. § 188, 1 e) trat
später Verschiebung des Akzentes auf die erste Silbe ein.
In abottek "^ (selten) und brodikxöl ^^ liegt der geschwächte
Konsonant nicht unmittelbar vor der betonten Silbe.
§193. 1. Die § 26 ff, erwähnten Fälle von Assimilation
gelten auch für die Fremdwörter ; besondere Erwähnung verdienen
(ff(f)ikxät neben apfokxät^**, sOmubulj f. für Somnambule, sk > st
zeigen stabelh ^'^^ und basdliät ^^.
- 215 —
Fernassimilation: apjyodef, appadettdr {■<, appddek '^'') in I
bei altern Leuten — pulippänd (nach T. 87 b) selten für tulippänd '^^^
— fatsdnetsli in I neben fatsdnedli ^^^ — fo(r)fo(r)st ^^ — latwali in
H teilweise, -< laticän ''^ — UkkÖl, älter lUtkoül (in I) <C UkkÖr ^^^
(doch vgl. § 194).
2. Dissimilation: appdttlk neben appdttit^^^ — halhidrdr
neben barbidror Barbier — - fatsdnetU ^^^ <C ital.fa^^oleUo — frunöii
in I für flanell ^^^ — kxoUara in I für kxoridrd ^^* — kxoligidrd
in I für kxorigidrd korrigieren — lafidr <C refidr (s. § 183, 1) —
lomHdrd plombieren (s. T. 304 b) — reppdrand <C prepporand '^'^^ in
K teilweise — suppert ^^° <C supperh — tiskdlidrd in K teilweise
für Uskdridro '^'^^ . Vgl. auch § 190 c.
§ 194. Volksetymologische Entstellungen.
baxstettd neben hastetta ^"° mit Anlehnung an baxxd backen —
bettdrli'^'^^ durch Anlehnung an den Namen Peter (vgl. Id. IV 1842/3)
— fUsUtsä Zahnfistel (T. 193b; vgl. fisth < lat. fistula Id. I 1123)
— xappdxlän (nach T. 91 a) selten für xappillärt ^^ mit Anlehnung
an xappd Kappe und xlän Wäschestärke — kxafittiar n. (nach
T. 138 a in K) für kxafittijra ^^^', mit scherzhafter Anlehnung an
tidr Tier — kxarfimkxdl ^^ <C kxarb- durch Anlehnung an ,Funke'
— kxardinälfogdl *^' mit Anlehnung an Kardinal — likköiil in I
neben UkkÖl ^'^^ (vgl. § 193, 1) mit Anlehnung an öiil Öl — num-
mdr^ in V für lomnidrd '^'^^, wohl etwa in der Redensart an älü l.
an nimimara ,Nummer' angelehnt — ■ rebolfar in I für refolfar ^^^,
wohl mit Anlehnung an holfar Pulver (doch vgl. reboldar Id. VI 48)
— rösamareij neben rösaniarl ^°°, mit Anlehnung an rosa ,Rose'
und mareij Marie.
II. Mundartproben.
S. auch S. 44 ff. (für I). — Die Nasalierung der Vokale bleibt hier un-
bezeichnet; vgl. dazu § 95. Zur Aussprache des r, das hier als Kons, ge-
schrieben ist, vgl. § 167.
§ 195. Wi9 i ha mösd höhst hä.
Wie ich habe müssen Hochzeit haben.
(Mundart von Wolfhalden in K.)
fo hämm üs pin i ridxii dnn ärnid pudsk ksl: i ha 9 an hxranJcxnd
Von heim ans bin ich richtig ein armer Barsche gewesen: ich habe einen kranken
elendd hrüdddr kxä, ond hed nidmmdrt nümp fddisndt as t mit dm
elenden Brnder gehabt, nnd [es] hat niemand nichts verdient als ich mit dem
bouivdlwebd. dö han i fast ts tob mösd tvebd, bimwidr no havJc
Banmwollweben. Da habe ich fast za Tode müssen weben, bis wir nnr haben
Tcxönon esss. dia mäth sömnur halt ö ok^h liib wördd; üsar drei
können essen. Die Mädchen sind mir halt auch ein wenig lieb geworden ; unser drei
sönd a s MidX ort herd tsor spmi tso drei sivöstdrd. uff ämol
sind an das gleiche Ort hin znm Eiltbesnch za drei Schwestern. Inf einmal
hässt s, dd Bärtlime mos höhst hä. dö han i kseid: ds nep m,i
heiBt es, der Bartholomäus müsse Hochzeit haben. Da habe ich gesagt: es nimmt mich
gad ivondjr, uHd-r-d s pmaxt heij, i ha all pmänt, mo seijib mitt-
nnr wunder, wie er es gemacht habe, ich habe immer gemeint, wir seien mit-
dnand hä. do liant s kseid, ms wdik kad alt drü park mittdnand
einander heim. Da haben sie gesagt, wir wollen gerade alle drei Pärchen miteinander
höhst hä. dö han i halk kseid: j5, wia tvet idts i kxönd höksi hä,
Hochzeit haben. Da habe ich halt gesagt: Ja, wie wollte jetzt ich können Hochzeit haben,
ive7i i kxa geld lia? no, sil hand halt all pmibdjt, bis i kseid ha,
wenn ich kein Geld habe. Nun, sie haben halt immer angehalten, bis ich gesagt habe,
i ivell lujgd, ivw i s kxö maxxd.
ich wolle sehen, wie ich es könne machen.
i ha grät tsivä stükxlt fidrti hxä; dö hxomm i fom fabrikxantd
Ich habe gerade zwei Stücklein fertig gehabt; da bekomme ich vom Fabrikanten
tsehd frankxdn übdr omp fof fravkxdn i t hüsstür; dö han i
zehn Franken and fünf Franken in die Aussteuer; da habe ich
— 217 —
pmänt, i sei ridx Jcnudg. dö gön i mit dm gärn ond ividpfj im
gemeint, ich sei reich genug. Da gehe ich mit dem Garn und Wirpfen im
slössakx innd tsomm pfardr ond ha ehd s höksi äkke ond ha hseid
Schlafsack drin zum Pfarrer nnd habe eben die Hochzeit angegeben ond habe gesagt
tso-n-dmm, l kxön omm o gots namnid niwk he. er heb mo dö
zn ihm, ich könne ihm in Gottes Namen nichts geben. Er hat mir da
glühx ont sega hwüsst fast ts töd. dö hin i fo döt oiveg i hopmd
Glück nnd Segen gewünscht fast za Tode. Da bin ich von dort weg zu Hanptmann
Tobias ai gi hosa, hrusttuax ond hemp tinios hxouffa; dö heb ma
Toblers hinanter Ilosen, Brnsttnch nnd Hemd anf Kredit kaufen; da hat mir
s ta snida Luis ptnaxt, eban o divvs. da frakx han l fo amm
sie der Schneider Lutz gemacht, eben auch auf Kredit. Den Frack habe ich von einem
fatlilia onip foman andara da k^iara^^^ahuat.
entlehnt nnd von einem andern den Kirchenhut.
dö sömmar eban all drü pärli mittanand i h ^Xidra^^^a. fo
Da sind wir eben alle drei Pärchen miteinander in die Kirche. Von
döt aiveg sömmar gi tsmittag essa i tokxta Hölas, ont t hera sönt
dort weg sind wir ,gen' Zumittag essen zu Doktor Hohls nnd die Herren sind
tö 0 mit ond hand als tsallt. danö sömmar i s sönabUallar bad
da anch mit nnd haben aUes bezahlt. Darnach sind wir in das Schönenbühler Bad
iisi ont tüatta han l tsice frankxa fü9 s essa mösa tsala ont ta wt
hinaus und dort habe ich zwei Franken für das Essen müssen bezahlen nnd der Wein
heb mi nüvk kxost; srnnit han i mit tswe frawkxa höhst kxä. —
hat mich nichts gekostet; somit habe ich mit zwei Franken Hochzeit gehabt. —
i ha dö no kxöna ann läp prök kxouffa omb niel ont smälts ont
ich habe da noch können einen Laib Brot kaufen und Mehl und Schmalz und
ta srlnna Bäntsaga heb ma mösa a k/u/xikxästli maxxa, o dlnns
der Schreiner Bänziger hat mir müssen ein Küchenkästchen machen, auch auf Kredit
ri^xti.
richtig.
§ 196. Zum Vergleich gebe ich die Sage von der Vertreibung des
Burgvogts in der Schwendi, wie sie T. (XXIX ff.) in vier Mundai-ten anführt,
in genauer Transskription wieder.
a) Mundart von K (Walz.).
i äivendi, a Mond hendar Äppatsell, ist amöl a sloss ond im
In Schwende, eine Stunde hinter ÄppenzeU, ist einmal ein Schlofi nnd im
sloss ann eddmä ksi. der ist tenn allpop fua sinn tudnn am ksessa.
SchloS ein Edelmann gewesen. Der ist denn häufig (allpot) vor seinen Turm hin gesessen.
am budb ist tö ftl fobikkanaa i p perk kt sotta hola. da budb het
Ein Bube ist da viel vorbeigegangen in die Berge (gen) Schotten holen. Der Bube hat
— 218 —
sibj Mwüstdrni l~xä ond isk l:ad » hröJcxU mp fom shss fdhämmd
sieben Geschwister gehabt and ist nur ein Bröcklein weit vom Schloß daheim
ksi, im Raxxdtohd hässt s ; dd fattor het top pmahn omp paxx». —
gewesenem Rachentobel heiBt es; der Vater hat dort gemahlen nnd ijebacken. —
idts i§t juiol dd huah am shss fohlkkaons ont tdr eddmä hed dn
Jetzt ist einmal der Bnbe am iSchloB vorbeigegangen nnd der Edelmann hat ihn
äkret, was td fattdr omp p mudttd tüdid. ds hugb hed dm tsdr
angeredet, was der Vater nnd die Mntter tun. Der Bnbe hat ihm znr
antworh l^e: „dd fattd haxt ckkessds pröd omp p mudttd maxp pös
Antwort gegeben: „Der Vater backt ehgegessenes Brot und die Mntter macht Bös
uff' pös." dor eddmä hed o ivolo wisso, ivas t red i si heij, ont tö
auf Bös." Der Edelmann bat auch wollen wissen, was die Rede in sich habe, und da
ist dr imid tvördo, das tdr alt tas mel, ivo-nn-o fohaxxi, not tsallt
ist er inne worden, daß der Alte das Mehl, wo er verbacke, nicht bezahlt
heij ont ti älp plets in o fosrentsts piJcxli häss püotsi. ivis dö dsr
habe nnd die Alte Lappen in ein zerrissenes Stück Gewand nähe. Wie da der
eddmä Jcfrögot hed, us wosso gront si das tüoid, het to hudp Jcseid:
Edelmann gefragt hat, aus wessen Grund sie das tun, hat der Bnbe gesagt:
„ehd doromm, das t üs als keld nest!" dor eddmä hed om dö tröüt,
„Eben darum, daS du uns alles Geld nimmst.'' Der Edelmann hat ihm da gedroht
d icöll t hönd an d rätsd. — dd hudp höd he omp fotselU tö als
er wolle die Hunde an ihn reizen. — Der Bube geht hin nnd erzählt da alles
mittdnand. no, simm fattd gid omm d rotlt ä, d soll gad dn andds
miteinander. >iun, sein Vater gibt ihm einen Rat an, er solle nur ein anderes
möl t täsd onddsühdsi trägd ond o hxats trltö. dd hudb niaxt s asd
Mal die Tanse verkehrt (nnterübersich) tragen nnd eine Katze dareintun. Der Bube macht es so
onli kot tö end iveg om shss tsuo. dor eddmä stellt d widd ts red:
und geht da so jenen Weg dem Schloß zu. Der Edelmann stellt ihn wieder zur Rede :
,yno, du witsnasd, seh kxäsp md sägo ivedds, hant t agdstd me wiss
„Nnn, da Witznase, kannst mir sagen (weders), haben die Elstern mehr weiße
odd swarts fedord?" dd hudb seid: „me swarts." „ivoromm?"
oder schwarze Federn?" Der Bube sagt: „Mehr schwarze." „Warum?"
„will halt t tiifd mit td tsivinnherd nie ts saffid hand as t enud."
„Weil halt die Teufel mit den Zwingherren mehr za schaffen haben als die Engel."
dö löt tdr eddmä t hönd ab. dd budh lök k kxats nsd; t hont
Da läßt der Edelmann die Hunde ab. Der Bube läßt die Katze heraus; die Hunde
äprivnit td kxats nö, ont td hudb Jied amig o mögo laxxd; abdr o
springen der Katze nach, und der Bube hat auch mögen lachen; aber er
het SI dd knöttd ivek s tohd ahi pmaxt. ddr eddmä, nöp ffd, ist
hat sich dann schnell das Tobel hinunter gemacht. Der Edelmann, nicht faul, ist
dm mit dm spidss not, hed d donno ühokxö ont tö ts tök kstoxxd.
ihm mit dem Spieß nach, hat ihn unten bekommen und da zu Tode gestochen.
— 219 —
ma kxa si, s teüJcxd, dd fatta fom hudbd het tö fo rox fölli Jcirdt
Man kann sich's denken, der Vater vom Bnben hat da vor Rache völlig geknirscht
ont ü gänts pürsami tsämnidtö. ds sönt tom eddmä dö füdss pmaxt
nnd die ganze Banernsame zasammengatan. Es sind dem Edelmann da FäSe gemacht
wördd, Diid d lied nöb mögo uff td Fännardspits ul l'xo, so hed d
worden, nnd er hat nicht mögen anf den Fähnernspitz hinauf kommen, so hat er
SO kseJid s für fsuam shss üs flakxd.
schon gesehen das Fener znm Schlofi ansflackern.
b) Mundart von Mi (Teuf.).
l sivendt, a stond liönddr Äppdtsell, ist dniöl 9 shss ond im
shss dnn edlmä lese, der ist tenn allpop for sinn törn ana Isessa.
am hiidh isp fil dö förkavaa i p perk ka sotta hola. da hudb het
siba kswüstarik kxä ond isk kad a brökxli wJp fom shss dahemma
kse, im Baxxatobal liasst s; da fatta het tei pmalan omp paxxa. —
iats ist amöl da budp pim shss daför dörakahva ont tar edlmä hed an
äkret, was ta fattar omp p inuatta tiiagid. da busb hed am tsor
antwork ke: „da fatta baxt ekkessas pröd omp p niuatta maxp pös
off pös." dar edlmä hed ou tvöh ivössa, was t red i si heij, ont tö
ist ar inna tvördo, das tar ölt tas mel, ivo-nn-a fabaxxa tüa, nilt tsallt
heij ont ti älp plets in a fasrentsts pikxü häss püatsi. ivid dö dar
edlmä kfrögat hed, os ivess krönt si das tüagid, het ta budP ksäd:
„eba deiromm, das t Ös alls keld nest." dar edlmä hed am dö tröüt,
d wöll t hönd an a äratsa. das tivn isk kuad, da buap köd he omp
fatsellt tö alls mettonand. no, simm fatta ged amm a rotli ä, a soll gad
an andas möl t täsa ondasöbasi träga ond a xats tretua. da budb maxt s
asa onk köt tenaweg am shss tsua. dar edlmä stellt a ivida ts red:
„no, du ivitsnasa, sena xäsp ma säga tvedas, hent t ägasta me wtss
oda swarts fedara?" da budp säd: „me swarts." „woromm?"
„will halt t tüfal me m,et ta tswiwvhera ts saffa hend, as t ennal."
dö löt tar edlmä t hönd ab. da budb lök k xats usa; t hont
sprivvid ta xats noha, ont ta budb hed enast ou möga laxxa; ahar a
het si da knötta ivek s tobal äp pmaxt. dar edlmä, nüp fid, ist
am met ama spiass noha, hed a donnan öbaxö ont tö ts tök kstoxxa.
ma xa sc s tevkxa, da fatta fom budba hep fo röx tö fölUk kirat
ont ti gants pürsami tsemmatua. as sönd am edlmä dö fudSS pmaxt
wörda, ond a hed nüb möga off ta Fennaraspets una kxö, so hed a
SO kseha s für tsoni shss üs flakxa.
— 220 —
c) Mundart von I.
i äwendi, o Mond hönddr Äppdsöii, ist dmöi 9 sioss ond. im
§hss onn edhnä kse. der ist tenn ailpop fb sinn tön am ksessd.
dm hudb i§t dö füll fökavnd i j^ P^k ho sottd lioh. dd hudh het
sibd ksivüstdrik hxä ond isk Jcad j hrökxh wip fom sloss ddhemd
kse, im Raxxdtohl hässt s. do fattd het tep pmahn omp paxxd. —
idts ist dmöl dd budp pim sloss ddfö dördkanna, ont tor edhnä hed
9n äkret, tvas td fattdr omp p muattd tüdid. dd huab hed dm ts
antwok ke: „dd fattd haxp fökkessds pröd omp p mudttd maxp pös
off pos." dar edlmä hed oii wöld ivessd, ivas t red i si heij, ont tö
ist dr Inno tvödd, das tdr äU s mel, wo-nn-d fdhaxxi, nüt tsaltt
heij, ont ti älp plets in d fdsretsts pikxli häss püdtst. ivid dö ddr
edhnä kfrSgdd hed, os was krönt st das tüdtd, het td hudp ksäd:
„ebd doromm, das t Ös s köld alls nest." ddr edlmä hed am dö met
td höndd tröiit, d ivöl-dm s ärätsa. dd budp köd he omp fdtsöllt tö alls
mettdnand. no, simm fattd ged dmm d rotli ä, 9 soll dn anddä
mal t täsd onddsöbdsi trägd ond d xats tretud. dd buab maxt s asd
onk köt teiveg om sloss tsiid. ddr edlmä stölU d widd ts red:
„no, du witsnasd, seh xäsp mo sägd tvedds, het t agostd me wtss
abd me swats feddrd?" dd budp sad: „me sivats." „ivoromm?"
„wüll halt t tofl me met td tswivvherd ts saffid hed, as t evvl."
dö lot tdr edlmä t hönd ab. dd budb lök k xats iisd; t hönd
spritJDit td xats nohd, ont td budb hed est ou mögd laxxd; abdr d
het si dö dd knötto ivek s tobl äp pmaxt. ddr edlmä, niip fiil, ist
dm met omd spidss nohd, hed d donno öboxö ont tö ts tök kstoxxd.
md xa si s tenkxd, dd fattd fom budbd het tö fo röx fölhk kirod
ont ti gq,ts piirsami tsemotud. ds sönt tom edlmä dö füdss pmaxt
wödd, ond d hed nüb mögd off td Fenndrospets um kxö, so hed d
so ksehd s für fom sloss üfflakxd.
d) Mundart von Hi (Her.).
i swendi, o stond hönddr Appdtsell, ist dmöl d sloss ond im
Moss dnn eddlmä kse. der i§t tenn ailpop for sinn törn and ksessd.
dm budb isp fll dö förkanidd i p perk ko äotto hold, dd buab het
sibd ksivüstdrik khä ond isk kad d brökxli unp fom sloss ddhemo
kse, im Baxxdtobdl hässt s; dd fattd het tei pmähn omp paxxd. —
iats ist dmöl dd busp pim äloss ddför dördkavvd ont tdr eddlmä het
— 221 —
dn äkrdt, was td fattdr omp p mudtto tüdgdd. dd hudb het 9m tsuar
antworh ke: „dd fattd haxp förhessds pröd omp p muattd maxp pös
offpös." ddr edalmä het ou iveh ivössa, was t red i si heij, ont tö
ist dr ind wördd, das tdr alt tas mel, ivo-n-9 fdhaxxi, nüt tsallt
heij ont ti alp plets in d fdsrentsfs pikxU hass püdtsi. ivis dö ddr
eddlmä hfrögdt het, os ivas krönt si das tüdgdd, het td buap ksät:
„ebd doromm, dass t üs s keld alls nennst." ddr eddlmä het dm dö
met td höndd tröüt, d wel dm. s ärätsd. dd hudp kot he ont tudt tö alls
mettdnand fdtseld. no, simm fattd get dm d r'dtli ä, d sei dn andds
möl t täsd onddsöhdsi trago ond d xats tretud. dd hudh maxt s asd
onk köt teweg m sloss tsud. ddr eddlmä tudt d widd ts ret steh:
„no, du ivitsnasd, send xasp md sägd wedds, hent t ägdrstd me wtss
odd me swarts feddro?" dd hiiop sat: „me swarts." „woromm?"
„will halt t tüfdl me met te tsw'woherd ts saffd hend, as t envdl."
dö löt tdr eddlmä t hönd ab. dd budb lök k xats usd ; t hont
spriwdt td xats nohd, ont td budb het endst on mögo laxxd; abdr o
het st dd knöttd wek s tobdl äp pmaxt. ddr eddlmä, niip fiä, ist
dm met dmd spidss nohd, het d dond öbdxö ont tö ts tök kstoxxd.
md xa si s tenkxd, dd fattd fom budbd het tö fo röx folik kirot
ont ti gants pürsami tsemotud. ds sönt tom eddlmä dö füdss pmaxt
wördd ond d het nüb mögo off td Fendrdspets ufd kxö, so het d
so ksehd s für fom sloss ufflakxd.
Wörterverzeichnis.
Vorbemerkung. Aufgenommen sind sämtliche in der Arbeit vor-
kommenden mundartlichen Beispiele und zwar soweit möglich in schriftsprach-
licher Form. Wörter, die in der Schriftsprache keine Entsprechung haben,
sind in der mundartlichen Form angeführt, doch mit der Modifikation, daß
mundartliches o (< «), e {<ii), ä oder ä {<^ei) durch m, bezw. i, ei ersetzt ist.
Durchsichtige Ableitungen, so auch das Dim., sind unter dem Grund-
wort aufgeführt.
Die Zahlen beziehen sich auf die Paragraphen.
ä(ä) 24
a-ba (-pa) 24
ab 125
ab- 99
abasten 158
Abdörrung 89
Abece 180. 184.187
Abend 73. 115. 139. 159; -äberig 90, 5
aber 24
aber Adj. 71
Aberwillen 38
abfertigen 28
abgeben 33
abher, -hin 25. 125. 153
abkontefeten 180. 183. 185. 189. 190
abmachen 33
abrahmen 82
abscheulich 90, 5
abschneiden 38
absolut 182. 184. 186
abtreschaggen 180
Abtritt 99
abwaschen 30
Abwaschlumpen 30
Abweichen 150
Achsel 22. 33. 154
achsen 96. 137. 154
Ack s. Nack
Acker 53
Ackerfluh 154
Adam 90, 2
ade s. alitag
Ader 71.73
adieu 182. 185
Adresse 180. 183. 184. 188
Advokat 180. 186. 189. 193
afel s. alsviel
Afferantiß 180. 186
afl'rantierlich 180
Ägeste s. Elster
Agle 159
Agrafi'e 181
ähnlich 174
Ähre 49. 154; äheren 49
ajour 182. 188
Albere 181
alder 140
Alefanz 182. 186. 188; alefänzig 182.
Alfons 90, 2. 186 [186
Ali 90 2
all(e) 37. 49. 98. 103. 156. 159. 166
Allee 180. 184. 192
allein 113
allenthalben 134
allmächtig 39
allpott 124
alitag 159. 166. 168
all weg 171
all weil 33. 166
als 122. 165
— 223
also 113. 165
alsviel 109. 175
alt 56.91.93. 103.116.173
Altane 180. 184. 192
Altar 180. 184
altfränkisch 48. 90, 5. 175
am 112
Amarille 182. 183. 184. 186
Ambos 76. 173
Ameise 49. 109. 114. 135. 156
amig s. allweg
Ämli s. Amarille
Ammelimehl 181
Ampfer 153
A TV) Cpi ''J *-^
an 112. 121. 157. 159. 160. 161
an- 99. 160
ander 29
anderhalb 134
anders 134
Angewägt 134
Angst 115
anheimeln 156
anher, -hin 161
Äni 49. 100
Anis 48. 141. 170
Anmal 27. 38. 53. 109
Anna 22. 90, 2
anseifen 168
Anstoß 173
Anton 90, 2. 186
Antonia 90, 2
Antrauf 82
anzeichnen 80
aparte 180. 186
Apfel 50. 91
Apotheke 180. 184. 186. 189. 192. 193
Apparat 180
appelen 181 ; Appell 181
appelönisch 181. 184. 186
Appenzell 91
Appetit 180. 188. 192
appretieren 180
Aprention 180.183; Apperenz 180
April 182. 184. 192
apropo 182
Arbeit 49. 104. 109. 114. 116. 133
ardlich 56. 90, 5. 104
aren s. eren
Arfel s. Armvoll
arg 56
Ärger 56. 104
arm 56. 104
Arm 104. 167
Ärmel 48. 94. 104
Armvoll 30. 90, 6. 109; arflen 90, 6
Arsbacken 29
Art 104
Asche 22. 46
Äscherich 151
ase s. also
Äser 71
Asil 180. 184. 188
as(l)ig 49
assen s. achsen
ässig 90, 5
Ast 50. 158
asten 158
Atem 156
atemlos 168
Ätti 49
ätzen 48
Au 82
auch 82. 122. 151
auf 122. 173
auf- 109
aufbäumen 83
Auffahrt 38. 109
auf her, -hin 25. 128.161
aufmachen 38
aufnehmen 33
aufschlagen 33
auf tun 33
Auge 33.82.90,2.158; äugen 83
Augenbraue 72
August 82. 182. 186
aus 112. 173
aus- 109
auslassen 33
außen 90,4.116.
außerhalb 134
ausstaffieren 180
ausstehen 29
auswendig 38
Avemaria 88. 153. 184
Axt 52. 134
äzen 73. 136
b- s. auch p-
Babe s. Barbara
Bach 50.54
Back 90, 6. 186; bäcklen 90, 6
Backen 148
Bad 51; baden 33.114
Badenechtli s. Betonika
Badigeli 180. 183. 187. 189. 192
Bagage 180. 186. 187. 188
Bagatell 180. 187. 189. 192
bäggen 148
bähen 73
Bajonett 180. 184. 187
Balari 180
bald 27. 103
— 224 —
Balg 52
Balicr s. Parlier
Balken 150. 152
Ball 184
Balle 31; bälleleu 90,6
Ballon 16G
ballig 57
Balmen s. Walmen
Bändel 48. 133
bang 111
Bank 50. 95. 101
Bann 98; Bannwart 98.163
Banner 181. 186. 187
bar 97
Barbara 31.90,2. 167. 176
Barbierer 193
Barchent 104. 133. 150. 159
barmherzig 39
Barn 104. 123
Barometer 182. 184. 186. 187
Bart 104. 133. 173; harten 173; Bartli
Bartholomäus 90, 2 [90, 2
bas 90,3,4.98; Basi 90,3
bäschelen 123
Base 49.116
Bäsilge 180. 183. 187. 189
Basilisk 180. 193
Baß 186
Bastard 181. 186. 187
Bätterich 151
Batzen 90,2; batzig 90,5
Bau 88; bauen 80. 171
Bauchnabel 109
Bauel s. Baumwolle
Bauer 78. 90, 2. 124
bauernmäßig 29
Bäugge 89
bäuggen 89. 148
Bauherr 88
baulos 88
Baum 33. 34. 82. 90,1; bäumen 82;
bäumig 90, 5
Baumeister 88. 109
Baumgarten 32. 109
Baumwell 175
Baumwolle 30. 109; baumwollen 90, 5
bäurisch 90,5.119. 173
be(be) 171
Beck 48. 152
Becki 31.48.116
bedeuten 111
Beecher 96. 109
beelenden 111
Beere 48. 89 ; beeren 48. 89
befehlen 60. 111.154
Befig s. Bifang
begreifen 31.62.111
behab 56. 89
behalten 103
behangen 111
behaupten 82. 175
Behebi 89
behend 31. 48. 153
Behenk 134
Behick 31
behüten 27.31. 122. 153
bei 25. 27. 88. 106. 112. 121. 159. 161
beid 80
beielen 88
Beige 75 ; beigen 62
Beil 108. 154. 165
Bein 95
Beisäß 88
Beispiel 88
beißen 29.62. 119
beizen 136
bekannt 111
Belang 111
belegen 111.148; Belegi 148
Bell 171
bellen 93
bend s. behend
Bengel 48
beraten 111
beräuche(r)n 124. 150
Bere 100
beren 100
Berg 104
Bergbirne 30
berlangen 181. 183
Beruf 111; berufen 111
besaufen 115
Bescheid 111
bescheißen 62
Beschiß 62
beschlagen 124
beschließen 79
beschoppen 90, 2
beschußlich 90, 5
Besen 115.116. 156
besetzen 124; Besetzi 48
besinnen 163
besonderig 90, 5. 111
besser 56
best 29. 56. 116
Bestie 181. 183
Bestück 134
Besuch 90, 1. 150
Betbuch 27
Betglocke 28
bet(l)en 184. 187
Betonika 180. 183. 187. 192
Bett 48. 133
betteln 22
— 225 —
Bettstatt 109. 175
betzen 137; Betzel 137
betzgen 137; Betzger 137
Beule 79
beurteilen 111
bevogten 111
beweisen 111
bewerben 111
bi 64
Bibel 64
Bibeli 64
biberen 64
Bibliothek 192
Biene 88
Bier 85. 123
Bießli 185.187.188
Biest 85. 107. 123. 159
bieten 79
Bifang 164
Bild 63.91
Billet 182. 187. 192
Binätsch 180. 183. 187. 188
binden 33. 61. 68. 91. 133
binggelen 148
Binse 96. 141
Bipli 184
Birke 63. 116. 117. 150. 167
Birne 62. 94. 100
bis 27. 64. 135
Bisam 62. 134
bisons 175
Biß 62. 98. 135; Bißchen 62. 116. 135
Bisse 124; bissen 124
bitten 64
bitter 62. 134
Bitzgi 64. 137
Blacke 115.175
Blähe 154
Bläling 90, 7
blan 90, 4, 7
Blankscheit s. Plantschet
Blase 116; blasen 119.123.160; blä-
Blaß 123 [seien 73
Blasse 46
Blaßkopf 46
Blast 71
Blätsch 49
Blatt 50. 54
Blatter 115
blau 72. 119. 171; blauen 72. 171;
Bläueli 72. 116
bleggen 148
Blei 88. 171
bleiben 62. 124
bleich 150; Bleiche 150
Bleiweiß 109. 171. 173
blenden 48
Vetsoh, Appenzeller Mundarten.
bleren 74
Blesfeuer, -holz 46
bleuen 88. 172; Bleuer 88; Bleuli 88.
Blick 64; blicken 64 [123
blind 119. 160
blindenmüslen 39
Blindschleiche 150
Blitz 64.137; blitzen 64.137
blob usw. s. blau
Bloch 123
blöde 77
bloß 76. 173
blühen 87.170; Blühet 114
Blume 86. 156
Blut 86. 109. 173; bluten 87
blutrösch s. -rünstig
blutt 68. 140
Blutter 173
Blütt(er)ling 90,7
Blutwurst 109
Blutzger 137
Boberli 90, 2
Bocher 90, 2
Boden 65. 115. 116. 123. 156. 166
Bogen 23. 65. 90, 1 ; böglen 66
Bohne 90, 6. 95. 116; böhnelen 90, 6
Bohnenfeieli 88
bohren 65. 100; Bohrer 90,2
Boldere 174
Bolete 180. 192
Bollaugen 33. 109. 166
Bollen 93. 116. 166
Bolzen 123. 135. 175; bolzgrad 123
Bommert s. Baumgarten
Bonbon 181. 190
Bö(n)gge 89. 159
bopperen 90, 6 ; böpperlen 90, 6
Bord 104. 123
Borste 104
borzen 104
bös 29. 77. 116. 119; Bösewicht 76
Böser 82. 90, 2
Bote 65. 123
Bottine 181. 183. 184. 187
Bouquet 181. 184. 187. 189
Bowell s. Baumwell
Brächet 150
Brachmonat 71
brämeu 124; Brämer 124
bränselen 96. 141
branzen 137
Brasselet 182. 186. 187
Bratens s. Gebr-
Brätsche 49; brätschen 49.123
Brattig s. Praktik
Bratwurst 109. 133
Brauch 150; brauchen 31. 150
15
— 226
Bräuggerin 89. 148
bräulen s. Brölen
braun 78.159.160.161
Braut 109.173; bräutelen 90,6
Brautfuder 27
Brautwagen 109.133
brav 184
brechen 65
breit 80. 89. 90, 8. 173; breiten 27;
Breite 89
Breitaxt 33. 109. 123. 133
Brera(s)e 94. 100
brennen 48. 95. 163
Brennessel 48
Brente 94. 101. 116
bresten 60
Brief 85
brieggen 148
Briest 134
briggelen 64. 148
Brille 186
bringen 73. 107
brisen 62
Brisille 180
Brocken 90, 6. 116; -bröcklen 90,6
brölen 89
Brombeere 109
Brosame 33.65.90,6. 115.116.141.156;
brösmelen 90, 6
Brösle 156; bröselen 156
Brosli 65
Brot 76. 90, 2. 173
Bruch 150
Brücke 22. 69. 148
Bruder 90, 1. 116
Bruggzeug 175
Brügi 70
Brühe 87. 170; brühen 87
brummlen 90, 6
Brunnen 68. 90, 1. 116. 123. 163
Brunst 96; brünstig 96
brunzen 68. 101. 137
brüsch s. Plüsch
Brüßle 184
brütig 90, 5
Bube 33. 90,2. 108. 120. 125; bübelen
90,6; bübisch 108
Bubeli 90,2
Buber 90, 2
Buch 109. 150
Buche 150; buchig 90,5
buchen 150
Büchse 154
Buchstabe 109 [90,6
Buckel 68.90,2,6.123.148; buckelen
Buder 90, 2; budern 37; buderig 90, 5
budlen 67 .
Bueti 90,2
büezen 29. 87. 136
Büffet 168. 181. 183. 187
bügeln 33
Bühel 154
Bühne 70
Bündel 37. 70. 124. 133
Bunten 101. 183. 187. 188
Bürde 69. 94. 104. 139
Bureau 181
Bürge 104
Bursche 134.167
Bürste 94.104.116
bus 67; Bus 67.90,2
Busch 68; Buschen 123
Büschel 70. 90,6. 123; büschelen 90,6
buslen 68
Busen 156
busper 68.142; busperig 90,5
Buße 108.123.173; büßen 123
Buteille 180.183.192
Butike 181. 189. 192
Butte 69.90,6; buttelen 90,6
Bütterich 151
buttern s. budern
c- s. auch g- und k-
Cent 183
Centime 181.188
Centimeter 181. 188
ch- s. auch k-
Chaise 184.188
Cholera 174
Christ 62
christenmöglich 62
chutz 67
Courage 182.184.185.186.188; cou-
ragiert 180
Cousine 181. 184. 189
Couvert 181. 184. 189. 190
d- s. auch t-
da 122. 138. 167. 170
dabei 88.113
Dach 51. 138. 150
dadurch 113. 138
dagegen 113
daheim 34. 113. 156
daher 113
dahinten 113
Dame 184.188; dämlen 90,6
Dämmen 138; dämmen 138
Dampf 102. 128
Daniel 90,2
Dank 138; danken 101.138
— 227
dann s. denn
daran 138
darauf 113
darin 61.91.113. 138
Darm 51. 104. 138
darnach 154
darum 113. 138
darunter 113
das 29. 98. 121. 135. 138
daß 135. 138
Dätta 138
Daumen 78. 90,6. 108. 146
David 90,2
davorn 138
Dechant 168. 181. 183. 188
Deckel 48. 116.166
decken 48; Decker 48
dei 25. 138. 170
Deichsel 33. 92. 138
dein 121. 138. 159. 160
deinetwegen 134
dem 34. 95. 121. 138. 156
den 95. 106. 121. 138. 168
dene 113. 138
denen 95. 121
dengeln 90, 6. 152
denken 48. 101. 138. 152
denn 48. 138
der 106. 121.138. 168
derig 138
derselbe 165. 170
des 121
desto 60
deutsch 79. 108. 137
Dezember 180. 183. 187
Dialekt 188
dich 64. 121. 138. 151
dick 64. 116. 119. 138.152
Dideli 64. 138
die 21.31.121. 138
Dieb 138
Diele 63. 138. 165
dienen 31. 85. 108. 138. 159; Dienst
85. 107. 108. 114. 138
Dienstag 75. 109. 142
Dientel 138
Ding 63. 138; dingen 138; dings 138
dinne 113. 138. 163
dir 62. 121. 167
Diskant 180. 188
diskurieren 180. 186. 188.193; Diskurs
Distel 64. 115. 175 [188
do 122.138
dobe 118. 138
doch 138. 154
Dodeli 90,2. 138
doderen 138
dodlen 138
Doktor 181. 183. 189
Donner 138.174; donnern 138.174
Donnerstag 138. 142, 167; dönnsteri
90,5.138
doppelt 65
döre s. durchher
Dorf 104. 128. 138
Dorn 104
dörren 48. 89. 104. 138
dort 138
Draht 173
dräuen 83
Dreck 60.138; -drecken 138
drehen 73
drei 88. 138; Dreier 88
Dreiangel 181. 185. 188
Dreiet 180. 188.
drein 75
dreißig 88. 107. 138
dreizehn 88. 109
dreschen 60.91. 138
dressieren 180. 183
dritt 62; Drittel 62
dro 138
Drohne s. Trenne
Drossel 76. 174
drücken 21.69.138; drückerig 90,5;
Drückete 133
Drüse s. Truesse
du 31.106. 121.138
ducken 132
dulden 138
dumm 68. 125. 132
düngen 67. 157.164; Dungi 67. 90,3.
132. 157. 164
dunkel 67. 101. 115. 116. 132. 150. 164
dunkelmüslen 39
dünken 69. 138
dünn 70.138.163; dünnern 163
dünne 113. 138
Dunst 96. 132; dunstig 96
durch 112. 138. 154
durchher, -hin 138. 154
Durchschlacht 38. 138. 154. 174
Durchzug 38
dürfen 66. 138
dürr 94. 138
Durst 104.138.142; dürsten 116.119
dusse 113
Dutzend 134
eben 60
Echarpe s. Scherpe
Ecke 46. 148
edel 48
— 228 —
Edelweiß 173; edelweißen 173
efange 112
Ehe 74
eher 74. 167. 174
ehrbar 109. 167
Ehre 74
Ei SO. 170
Eibentanne 75. 171
Eichhörnchen 33. 153. 174
Eid 139
Eidechse 81. 153
eigen 80. 145
Eile s. Erle
Eimer 95. 125. 157
ein(er), -e, -es 34. 121. 135. 159. 160.
161. 162; Einer 159
einäugig 83
einest 134. 159
einfach 134
einfältig 57. 109
einmal 157
einnehmen 38
einseitig 109
einundachzig 159
einweichen 88. 108. 150. 154
Eisen 108. 116
eitel 75
Elefant 180. 183. 186
elend 48. 166
elf 24. 80. 107. 130
Elfenbein 153
Elias 88
Elle 48
Elm 171
Elster 49
Emd 95. 114. 139; emden 139
Emdbuggle 27. 148
Emmel s. Anmal
Ende 48.133; endlich 133
ender 174
ene s. jener
enen(t) 95. 159. 168. 170
Enesli s. Anis
eng 48
Engel 48
ennen s. nidnen
ent- 159
Ente 21. 50. 133. 159
Entenbeere s. Himbeere
entnucken 111
entschütten 111
entweder 139
entwerfen 111
entwöhnen 163
Enzian 182. 183. 184
er 106. 121
er- 167; s. auch ver-
erbärmlich 90, 5
Erbe m. und n. 48. 104 ; erben 48. 94.
104; erblich 114.125
erb er s. ehrbar
Erbse 49. 116. 135.171
Erbsstiegel 29
Erdbeere 167
Erde 104
eren 48. 89
erflohen 154
erlauben 82
Erle 89
Ernst 104. 115
erst 74. 167
ertnäpfen 111
E(r)trock s. Itruck
erwellen 48
es 29. 121. 135
Esche 46. 89. 98. 173
Esel 48
eso s. also
essen 29. 73
Essig 48
estimieren 180. 183. 186 '
Estrich 48. 150
etlich 60
etsche 91. 142. 171
Ettich 181. 183. 188. 189
etwa 60.91.171; etwas 135; etwer 60
etwedere 158
euch 88. 121
Eulenspiegel 153. 165
Euter 78. 90, 1, 2
ewel s. neißwel
ewig 74. 171
exakt 180. 183. 189
Examen 180. 183. 184
exerzieren 180. 183. 186
existieren 180. 183
exküsi 180. 183. 186. 189
explizieren 180. 183. 188
extra 181. 183. 186. 188
f- s. auch pf-
Fabrik 180.186.189; Fabrikant 180;
fabrizieren 180
Fach 51
Facht 126; fachten 49
Faden 51. 54. 116. 156; fädlen 90,6
Fahne 100.116. 159.174
fahren 100; Fahrt 104
Fall 98. 166; Falle 116; fallen 21. 103.
147.166; fällig 90,3
fallieren 180. 192; Falliment 180. 186.
falsch 46. 103. 142. 174 [192
falten 21; fältlen 103
229 —
Familie 180
famos 180.184
fangen 108.154; Fangens 115.159
Fanz, fänzig s. Alefanz, -fänzig
Farbe 33. 104. 171 ; färben 49. 104. 171
Färli s. Ferkel
Fasnacht 109. 135. 142. 154
Fason 180. 192
Faß 51
fast 120
fatal 180. 184
Fatzenetli 180. 188. 193
faul 78. 90,6. 109. 165; Fäule 90,3;
faulenzen 33. 109. 137; fäulelen
90,6; Fauler 165; Faulheit 31
Faust 142
Fecke 175
Feder 60; Federlesens 115
fehlen 27. 184; Fehler 165
Fehr 48
Feierabend 109
feiern 75
Feiertag 109. 146
feil 80. 130
Feile 108.154; Feilete 133
Feind 107
feißt 89; feißten 133; Feißte 89
Fell 98. 99. 166
Felsen 60.93
Fenster 89. 96
Ferkel 60. 104. 154
fern 60. 160; fernen 60; fernerig 174
Ferse 29. 60. 104
fertig 57. 94. 104. 146; fertigen 94. 104
feslen 96
fest 48
Fest 60. 183
feucht 92; feuchtlächt 115. 154
Feuer 79; Feuerschau 82
Feutsch 137
Fexaz 180. 183. 188
fidel 180. 184
Fideli 180. 184
Fieber 85
figelant 180
figgen 62. 148
finden 61.91.95. 160
Finger 63
Fink 63
finnig 63. 130. 163
finster 164; finsterwäldlen 39. 164
Fiöli s. Viola
First 62. 91. 94. 104
Fisch 64.98
Fischlizahn 194
Fisel 64; fislen 64
fiskalisch 180. 184. 188. 189. 190
fisperen 64. 142
Fitz 64; fitzen 64
Fitze- 186
Fladen 51
fladeren 131. 139
Flanell 180. 183. 193
Flare 104
Flartsche, Flarze 137
Flasche 46
Flaschenzug 46
Fiat 173
Flätsch 49. 131 ; flätschen 49
Platteren 131; Flätterlig 131
flattern 139. 175
flattieren 180
fläuchen 77
flauderig 90, 5. 139
fläuderleu 139
Flaum 108
Flautre 139
Flecke 175
Flecken 130
Fledermaus 60. 139
Fleisch 80. 173
Fleiß 173: fleißen 62
flennen 49. 131
Fletsche 49
Fletschlig 49
Flettache 60. 175
flettern 139
flicken 64
Fliege 79; fliegen 79
fliehen 65. 79. 108. 154
fließen 79
flink 34
Flipper 126
Flitsch 167
flöchen 77. 155
Floh 76. 154
Floß 136.168; flößen 136.168
Fluch 150; fluchen 86. 150
flud- s. flutt-
Flügel 70
Fluh 154
Flutsch 131.137
Flutter 139; flutterig 90, 5. 139; Flut-
terwetter 139
Födle s. Fudloch
Föhn 131. 163
Föhre 65. 104. 154; föhren 90, 5
folgen 31. 118. 145
Fonseli s. Alfons
Force 188
Förderlig 90, 7
fordern 167. 176
Forelle 37. 154
Form 65. 94. 104
— 230 —
fort 65.94.104. 137
fose(r)len 90,6; Fose(r)li 90,6
fragen 30. 90,6. 111. 114; fräglen 90,6
Franken 101
Fransle 96; franslen 96
franzisch 90, 5. 96. 175. 190
Franzose 180. 184; französisch 180
frasisch s. franzisch
fräßig 90, 5
frattig 90, 5
Frau 25.82. 172
frech 150
frei 88; freiem 88
freilich 44. 75. 88
Freitag 75
fremd 48.91.115.139; fremden 139
fressen 135
Freude 83
freuen 22. 83
Freund 70. 79. 107
freundlich 22. 37. 131
frevel 49.' 125
Frieden 62
Friedhof 62. 133. 153
frieren 79. 130
frisch 64. 116. 119. 144
frisieren 180; Frisur 180
froh 76. 171
fröhlich 77.90,5
fromm 34
Frosch 66
fröstelen 60.90,6
fruetig 86. 90, 5
früh 25. 87. 159. 161. 170; Frühe 161.
Fuchs 68 [170
Fuder 86
Fudloch 109.151
fueren 86.90,5; fuerig 90,5
Fug 86
Fuhre 109
Fuhrmann 109
fuhrwerken 109
Füllen 70
Fundament 180. 183
fünf 96; fünft 107; fünfzehn 109; fünf-
zig 107
Fünfliber 180. 184. 187
für 29.112
fürben 104. 130
Furche 68. 104. 154
Furcht 65. 104; fürchten 104. 116. 119.
135. 154
Furggle 104
fürher-, hin 153
furzen 104
Füsil 181. 184
Fuß 90, 1. 108. 173; Fußete 133
Fußwasser 51
futsch 130. 137
Futter 108; füttern 90,6. 116. 131;
fütterlen 90, 6.
Futz 131
gahlen 90,2; Gabli 90,2
gäch 73. 89. 108. 145. 154; Gächi 89.
gächschützig 90, 5 [154
gad s. gerad
Gaden 116. 156
Gäder 73. 147. 175
Gäggeliwar 148
gäggelen 148; Gäggi 148
gäggen 148
Galander 180.189; galanderen 180
gallig 57
Galopp 180.183; galoppieren 180
Galöri 180
galt 103. 173; Galtlig 90,2,7. 103. 115.
Gampiroß 126 [164. 173
Gang 50
gänig 90, 5
Gant 101. 159. 186; ganten 22. 101. 159
ganz 35. 96
gar 49. 171
Garn 104. 160
garnieren 180; Garnitur 180
Garten 53. 104.
Gasse 116
Gast 50
gätsch 49
Gäu 83
Gauch 82
Gäuggel 83. 148
gaul- s. gol-
gaumen 82.95. 116.157
gaup- s. gop-
ge, gi s. gegen
Gebell 124
geben 27. 29. 30. 95. 97. 119. 120. 125.
Gebet 111 [160. 173
Gebiet 31
Gebiß 98. 124. 135
Gebier 124
Geblüt 111
geboren 111
Gebot 124
Gebrannts 124. 135. 159
Gebratens 115
gebuckelt 31
Geburt 111
Gedächtnis 111
Gedanke 111
gediegen 31. 62 '^
Geduld 111. 133 ^
— 231
geecket 147
gefährlich 90, 5
Gefährt 48. 104
gefallen 27
Gefängnis 49
Gefell 48; gefellig 57
Gefieder 64
geflatschet 137
gefölgig 90, 5
gefötsch 90, 5. 137
Gefräß 90,8.134. 173
gefräßig 73
gefrieren 100
Gefrörlig 90,7. 115
gegen, gen 28. 48. 112. 122. 146
Gegend 48
Gehäck 134
gehalten 31 ; gehältig 90, 5
gehand 31
gehaß 134
Gehei 88; geheien 80; geheiig 88. 168
gehen 27. 31. 90, 5. 95. 120. 133. 161. 173
Gehirn 64
gehörig 90, 5
Gehorsame 90, 3
gehuftig 90, 5
Geifer 80
Geiß 80. 173; Geißmilch 33. 109. 135
Geißel 80. 141
Geist 80
Geiz 168; geizig 75. 168
Geknötter 90, 8
Geköch 134
gelächerig 90, 5
gelatschet 137
Geläuf90,8. 134; geläufig 83
gelb 93. 165. 171
Geld 91. 93. 133
Geleise 134
gelieben 85
Geliger 64
Gelinde 63
gelingen 67
gell 133
Gelte 48. 91.93. 116
gelten 93. 119. 133
Gelüeg 90, 8
gelüsten 69
Gemächt 49. 134
Gemälde 73
gemein 31. 160
Gemeinde 31.95.107,139; Gemeinde-
Gemeinmark 134. 152 [rat 109
gemeinsam 109
Gemeß 134
Gemmeli 181. 183. 189
gemoset 31. 133
Gemse 135
Gemüse 87
Genannt 175
genatürt 180
genau 72
Genere 181. 183
Genf 190
geng 48
genieren 180. 183. 188
genießen 79
genot 76
genug 30; genüegelen 90, 6
Geprächt 134
gepudelt 67
gerad 25. 35. 56. 89. 99. 147. 167 ; greden
48.89; Gredi 55.89.99
Geranium 180. 184. 186
gerben 49. 104. 171; Gerbi 90, 3
geren 100
Gericht 64. 111
gerieselt 64
gerinnen 115
gern 95. 104. 160
Gerste 104
Gerte 48
Gertel 104
Gerufe 134
Gerumpel 70. 126
Geschäft 134
gescheckt 60. 148
geschehen 120. 154
gescheit 116. 137
Geschenk 48. 134
Geschichte 64
Geschirr 94; -geschirren 94
geschlacht 46
Geschlecht 49. 134
Geschmack 134
Geschmeiß 91. 134
Geschwei 88
geschwind 63. 111. 164
geschwinden 91
Geschwister 91
Gesell 48. 166
Gesetz 48
Gesicht 64. 92. 154
gespässig 90, 5
Gespenst 48.91.91. 164
gesprächig 73
gesprügelet 70
gestabig 90, 5
Gestäch 134
Gestalt 173; Gestaltsame 90,3.
Gestank 150
Gestell 48. 116
gestern 33. 60
gestift 134
232
gestrub 108
Gewächs 49. 134. 141
gewägig 90, 5
Gewägt 134 ,
gewahren 100
Gewalt 103. 173
Gewand 80
Gewehr 89. 97
Gewell 31. 98. 166
Gewett 48
Gewicht 64
gewieset 62
Gewinde 133
Gewinn 163; gewinnen 61. 68. 91. 111.
gewiß 91.98; Gewissen 91 [115
Gewitter 64
gewöhnen 159; s. auch wennen
Gewohnheit 46. 109. 153. 154
gewöhnlich 90, 5. 160. 174
gewohnt 46. 56. 59. 147. 160
Gewölbe 48. 103. 125. 126
Gewölk 165
Gicht 64
gießen 79
Gift 64. 135; giften 33
gigampfen 102. 128
gigi 64; gigs 64
Gilbli 171
Gimpesbein 126
gimpfen 63
Gipfel 64
Gispel 64
Gitter 64
Gitzi 149
Gitzschudli 90,2
Glanz 101; glänzen 48.101
glaren 104; glarig 90,5
Glas 51.54.97; gläsern 57
Glätte 55; glätten 48
glauben 21. 29. 82. 126. 147; Glauben
82. 90, 1 ; gläubig 90, 5
Gleich 80. 134. 147
gleich 88. 92. 122. 147. 150. 151; glei-
chen 150; gleichlig 88
gleichgültig 88
gleitig 80
Glesti 48
Glied 62. 147
Glimpf 63. 147
glinzeln 63
glitzen 64
Glocke 189
Glör 147. 184
Glück 134. 147
Glucker(in) 148
Glufe 68. 116. 130.145
glühen 87
Glunse 95.96
gnagen 147; Gnägi 49. 147
gnappen 126. 147
gnendig 57
Gnipe 126
Gofen 31
Gold 68; golden 68.69
Goldblümchen 27
golig 89. 90, 5
Göller 181. 183. 186. 189
Gompeß s. Guntbiß
gönnen 147. 163
gopen 89. 126; göpisch 89. 90, 5
goppel 171
görpsen 66. 104
Gotte 31
Götti 66. 89. 145
gottlob 39
gottserbärmlich 40
gottwell s. goppel
Gout 184
Grab 50. 99 ; graben 99
Graben 51.99.116
Gragöl 180.184.189; gragölen 180
Gramille s. Kamille
Grampol 180. 184.187.189; grampolen
grandig 90, 5 [180
grandios 180. 184
Grane 184
grapen 71. 126; grapelen 126
Gras 46. 51. 97. 141
grasgrün 40
Grat 173
grau 72. 171 ; grauen 72. 171 : gräuelen
grausen 78. 141; grausig 79 [72
grech 97. 147. 154
greifen 62
Grempel 48; Grempler 96. 102. 126
Grenze 101
Griebe 79
Gries 85. 173
Griff 62. 128
Griffel 62
Grimasse 180
Grind 61
gritzen 62. 137; gritzgen 137
gi-ob 65.97. 116; Gröblig 66
grochsen 137
Grop 126; groppen 126
groß 29. 115. 116. 119. 167. 173; Größe
Großmutter 33. 88. 109. 135 [114
Großvater 27. 109
Grübe s. Griebe
grübeln 90, 6
grün 25. 87. 145. 159. 160. 161; grünen
86. 159
Grund 133
— 233 —
Grungger 148
Grunholz 160
grünsäcklen 90, 6
Grüpft 134
Grüsch 70. 183. 189
Gruß 86. 135; gi-üßen 135. 136
grüßgott 122
Gscherie 180
gucken 67; Gucker 67.90,2
Güdel 70
Guentig 109
Guge 116
Gugel 67; Gügeler 70
guggägglen 67
Guggere 67
guggulieren 180
Guggummere 181. 189
gugs 67
Gülle 70
Gulter 90, 2. 183. 189
gumpen 67. 126; gumpig 90,5
Gumpis 181. 183. 189
Guntbiß 27
Gunte 101
gurgeln 68. 145
Gurt 104. 133
Guß 135
gut 108. 122. 173; Guteli 90, 2
Gütsch 137
gwiggen 147. 148
ha-a 24
Haar 71 ; haarig 73
Haarnadel 109
haben 27. 29. 31. 49. 119. 120. 121. 125.
133. 153. 161
Habicht 49. 126. 150
Hafen 33.51. 116. 130
Hag 51. 54
Hahn 53. 100. 116. 159
Haken 22. 71. 73. 90, 1. 116. 148 ; häklen
73. 148
häl 73
halb 46.125; Halbdutzend 39; Haib-
ell 39 ; Halbjahr 39 ; Halbstund 39
Halbteil 30. 109. 176; hartlen 176
Halde 33.103.116.139; halden 103;
haldig 90, 5
Halm 53. 156
Hals 34. 53
Haischab 125
Hälsig 37.49.115.146.164
halsstark 29
halten 133
Halunke 181. 189
Hammer 22. 53. 156
Hampfle s. Handvoll
Hand 46. 50. 90, 2. 95. 133; Handbube
27 ; Handschuh 53. 96. 101. 109. 137 ;
Handvoll 27. 34. 102
handeln 90, 6
handlich 90, 5. 101. 133
handum 40
Hanf 96. 174; häufig 90, 5. 96
hangen 146
Hans 90,2.96
Hanteli 90, 2. 101. 133
hantieren 180
Happech s. Habicht
Häre 49
hart 48. 60. 94. 104. 116. 133; Härte 55
Hartel s. Halbteil
Harz 94. 104. 135; harzig 90,5
Haschier 153. 180. 188. 190
Hase 97. 120
Häselbeer s. Heis-
haselieren 180
Haspel 142; hasplig 90,5
Haß 73. 80. 109. 173
Häßlaus 109. 135
Haube 116
Hauch 150; hauchen 78. 155
Haue 90,6. 116
hauen 22.82.172; hauig 90,5; häue-
len 90, 6
Haufen 108
Haupt 82. 115. 173. 175
Haupteten 82. 133. 175
Hauptmann 27. 109; höpmelen 90,6
Haus 119; haushäblich 90,5; Haus-
hälterin 103; haushoch 33. 109;
hauslich 90, 5;.Hausrat 109; Haus-
türe 38. 109
hausieren 180
Haut 79. 90, 1. 173
he 141
He s. Hien
He-ja 25
Hebamme 163
Hebel 48
heben 49. 116
Hecht 48.49. 105. 115
hecken 48
Heer 48
Heft 48; heften 48
Hegel 48
hehr 74
Heidampf 109 ; heidampfig 90, 5
Heie 80; heien 80
heikel 80
heilen 166
heilig SO. 108
heillos 109
— 234 —
heim 80. 95. 156
Heimat 109. 114. 116. 133. 156
heimschen 142
Heimweh 38
heiraten 109
heischen 80. 91. 153
Heischi s. Herschi
Heiselbeere 108
heiser 153
heiß 89. 173
heißen 29
Hektik s. Ettich
Helbe 171
Held 48. 115
helden 48. 103
hele 141
helfen 22. 31, 34. 91. 93. 128
hell 91.93
Heller 49. 103
Helme 171
Hemd 21. 22. 48. 95. 115. 139. 175
Hengst 48. 115
henken 48.95. 101. 116.152
Henne 48. 116. 153. 163
-her 153. 167
Herbst 48. 94, 104. 115. 125. 142
Herd 139
Herdapfel 167
Herdgertel 87. 176
Herr 94
Herrgott 21. 109
Herschi 89.96
Herz 104
Herzeschaberli 90, 2
Heu 84; heuen 31. 83; Heuet 114. 133
Heublumen 86
heuer 79
heute 79. 108. 153
Hexe 49
Hien 85
hier 85. 167
Hierig 85
hiest 141
Himbeer 91. 153
Himmel 21.63.100. 115.156
hin 61.97.160; hin- 99; -hin 153
hinecht 109. 154. 159
hinne 113
hinten 61.91.133.163
hinter 29.61.91.116. 133
hinterlegen 37
hinweg 99. 112
Hipp 64. 126
Hippe 126
hirnwütig 90, 5. 171
Hirsch 64. 135
Hirt 64
hischt 64
Historie 180. 183
Hitze 64. 136
hitzgen 64. 137
hm 24
ho 141
höbe 113
Hobel 65; hobeln 90,6
Hobeten s. Haupteten
hoch 77. 116. 154
hochauf 40
Hochdonnerstag 39
Hochmut 109
Hochzeit 30. 90, 1. 109. 142. 154. 168.
175. 177
hocken 90,6; höckelen 90,6; Hocker
Hof 97. 130. 153 [90, 2
Hofemeie s. Avemaria
Hoffart 30. 109
hoffen 65
höflich 90, 5
Hofstatt 30. 109. 130
Höhe 108. 114. 154. 161
hohl 89.97; Höhle 89
höhn 95. 160
hoi, hois 84
holen 31.34.93,100. 116. 133
Hölle 48.91.93
holperig 90, 5. 126
Holunder 37
Holz 37.93. 116; hölzern 90,5
Holzschuh 29
Honig 65. 115. 146; hungen 146
Höntelibeer s. Himbeer
Honzen 80
hoppen 126; Hopper 126; Hoppelipo,
Hopperio 126
Höpsger 175, 177
hören 31. 116
Hörn 65. 104; hörnlen 174
Horner 90, 6. 104; hornelen 90, 6
hosam 109. 115, 130
Hosen 65. 141 ; Hösi 66. 90, 2
hot 65; hotten 65; Hottoli 90,2
Hotel 180
hötschelen 137
Hötzber s. Höpsger
hü, huscht 70; huschten 70
hübsch 90, 5. 125
Huechen 150
Huff 134
Huheler 67
Huhn 87. 160
hui, huien, Huihu 84 ; Huier 90, 2
hülpen 70.90,2.126; Hülpi 90,2
Hülse 70. 142. 174
Hummel 156
235
Hundert 167
Hundshoden 153
Hunger 67. 157. 164; hungrig 90, 5
hunne 113
hupen 126
Hürespiegel s. Eulenspiegel
Hurlia 67
huß 67
husse 113
Husten 107; Husteten 133
Hut 108
hüten 108
hutschelen 67. 90, 6. 137
ja 21. 24. 35. 44. 71. 106
Jackett 182. 188. 189
jagen 116. 170; Jäger 48. 170; Jägeriis
Jägg 148 [115
Jahrhundert 39
Jakob 90,2
Jakobäa 181. 184. 189
Jammer 170; jammern 156
Januar 48. 163
jäten 170
jauchen 77. 83. 150
jauchzen 78. 137
Iberich 151
ich 106. 121. 150. 151
Idee 180. 184
je 122
jeder, -e, -es 156. 158. 170
jener, -e, -es 170
Jeremias 88
jesen 60. 141. 170
jetzt 134. 170
Igel 64
Ignatius 186
ihm 34. 61. 156
ihn 61. 112. 119. 121. 160
ihnen 61. 121
ihr 62. 121.
Ilge s. Lilie
im 112
Imb 63. 102. 125. 157
impfen 63
in 63. 121. 157. 160. 161
infam 182. 190
ingründig 90, 5
Ingwer 30. 63. 171
inher, -hin 33. 153. 161
innen 63
inner 174; innerhalb 134
interessant 180. 183
inwendig 38
Joachim 90, 2
Johanna 186
jopp 24
Itruck 158. 168
Juchart 109
jucken 69. 116
Jude 97
Judith 186
Jugend 115. 139
jung 67. 170; jünglen 70. 90, 6
Jungfrau 30. 67. 109; jümpferlen 90, 6
Juppe 183
justement 180
k (ch)
Kab s. Kamm
käbislen 90,6
Kachel 115. 125. 150
Kadet 182.189
Käfer 60
Kaffee 31.181.187.189; käffelen 187
Kaffetiere 182. 185. 186. 189. 194
Kaffelantis 180. 186. 187. 189
Käfig 48
kaflen 90, 6. 130
Kaiser 80. 189
Kalb 21. 52. 90,2,6; kälblen 90,6
Kalch 150
kalen 149. 165; kaiig 90,5
Kalender 180. 183. 189
Kalfakter 180. 186. 189; kalfaktern 180;
kalfäcklen 180
kalt 31. 103. 173; kälten 22. 48; Kälte
Kamel 180. 184. 189 [55
Kamille 180. 186. 189. 190
Kamin 48. 70. 95. 156
Kamm 125. 156
Kammer 115. 156
Kampel 125. 126
Kampfer 189
Kanapee 181. 184. 189. 192
Kanarienvogel 180. 184. 189. 192
kand s. gehand
Kaninchen 70. 146
Känner 159
kanntlich 90, 5. 133. 149
Kanone 180. 184. 189
Kante 101
Käntli s. Kommunikant
Kanton 180. 189
Kanzel 101
Kanzlei 180
Kapelle 182. 189
Kapital 180. 184. 189
Kapitel 180.189; kapiteln 180
Kappe 22
Kappiläri 180. 184. 189. 194
kaput 180. 189. 192
— 236 —
Kaput 180. 189. 192
Kaputze 180. 188. 189. 192
Kaputziner 180. 184. 189
karcssieren 180. 186. 189. 192
Karfreitag 39. 189
Karfiuikel 180. 189. 194
Karl 104
Karren 104. 1 IG
Karst 104
Karte 104.189; kärtlen 90,6
Käse 73
Kiisger 109. 176
Kasse 189
Katecliismus 186. 189
Katharina 186
Katholik 180; katholisch 90,5. 115.
180. 183. 189; kathölischlen 90,6
Katze 136. 149
Kätzi 49. 183. 189
kauen 88. 172
kaufen 22.82; Käufer 83
kaum 108
kausch 189
keck 60
Kefen 130
Kegel 48
kehren 74
Kelch 150; keichen 150
keien s. geheien
keien 88. 139
Keim 156; keimen 75. 157
kein(er), -e, -es 31. 34. 121. 159. 160
keintweder 29
Kelch 48. 150
Kelle 48.91. 116. 149. 166
Keller 91. 93. 166
kennen 48. 149. 163
Kerl 49. 104
Kern 104. 116. 159
Kerngert 89
Kerze 48. 94. 104
Kessel 48
Kessi 48
Kett 48
Kette 48. 159
Ketzer 49
keuchen 92
Keul 167
kiben 75
kiden 75. 139
Kiefer s. Kifel
Kienholz 85
Kies 62
Kifel 64.91. 125; kiflen 125
Kilbi s. Kirchweih
Kind 31. 61. 62. 95. 114. 134. 161
Kindbett 27
Kinn 91. 164
Kirche 62. 104. 116. 117. 150. 167
Kirchweih 34. 109. 114. 171
Kirsche 85. 116
Kissen 70
Kiste 64. 149
Kitt 70
Kittel 28. 64
kitzeln 70. 90, 6
Kitzi 64. 136. 149
Klafter 71
klagen 116; kläglen 58; Kläger 48
Klammer 156
Klape 126; klapen 126
klappern 126
klar 73. 189; klären 73; Kläre 73
Klasse 189
Klaue 171
Klaus 82; klausen 82
Klavier 180. 189
Kleb 97; kleben 60.149
Klee 74. 171
Klegte 48. 115
kleiben 126
Kleid 80. 189
klein 108. 119. 159. 160. 161; kleinen
klepfen 48 [108. 159
klippern 64. 126
Kloben 65
' klocken 90,6; klöcklen 66.90,6
klopfen 65. 114
klüben 65. 79
Klüngel 67. 69. 90, 7. 157. 164. 176
klüpfig 90, 5
Klupp 126; kluppen 67. 126; Klupper
knätschen 49 [67. 126
Knebel 48
Knecht 95
kneten 95. 133
Knie 88. 149. 171; knieen 88. 171;
knielen 88; knieig 88
knittern 64
Knoblauch 65. 109. 151. 176
Knöchel 139
Knoden 95
Knollen 166
Knopf 68
knotteren 90, 8
Knummel s. Klüngel
Knüpf 68; knüpfen 70
Knüppel 68
Knüsi 90,2
knüsten 70
kochen 37.65; köcheln 90,6; Köchin
Koffer 183. 186. 189 [114
kögelen 90, 6
Kohl 77
— 237 —
Kohle 89. 100; Kohlbrenner 89; kohl-
schwarz 89
koldern 174
Koli 90, 2
Kollerli 90,2.165. 174
kölsch 89. 174
Kommandant 180. 186. 189; komman-
dieren 180. 183. 186. 189
kommen 27. 29. 31. 34. 119. 120. 156.
160. 173
Kommission 180. 183
kommlich 90, 5
kommod 180. 183. 184. 189. 192
Kommode 180. 183. 184. 189. 192
Kommunikant 186. 189
Komödie 180. 183. 184. 189
Kompagnie 180
Kompliment 180. 189
kompliziert 180. 183
Kompost s. Gumpis
Konfekt 180. 183. 189
Konfirmand 180. 186. 188. 189
König 70. 115. 146. 189
können 27. 133. 149. 159. 163
Konrad 90, 2. 160
Konstäbler 182. 189
konvenieren 180. 183. 189
Kopf 65 ; köpfig 90, 5
Kopieschreiber 180. 189
Kopper 126
Korb 94.104.117.125
Korn 104
Kornette 181. 189. 190
korrigieren 193
Korsett 182. 183. 189
kosten 65.116.149; köstlich 90,5
Kostgänger 48
Kot 173
kotzen 65
Kraft 50; kräftig 57
Kragen 51
krähen 73
Kralle 186. 189
Kram 90, 6. 95; kramen 156; krämlen
90, 6; Krämer 156
Krampf 102. 128
krank 56. 101 ; kränklich 57 ; Krank-
heit 109. 133. 153
Kranz 96. 101. 135; kränzen 96. 101.
kraplen 126 [175
Kratten 51
Kratz 50; kratzen 22
kraus- s. krus-
Kraut 78. 173; krautig 90,5
Krawatte 182. 186. 189. 190
Kräze 73. 159
Krebs 60. 125
Kredit 180. 183. 189
Kreide 108
Kreis 80. 189
Kres 60
kretzen 48
Ki-eul 83. 167. 171; kreulen 83
Kreuz 79
kriechen 79. 150
Krieg 85
Krippe 62. 126
Kröl s. Kreul
Kropf 128; Kropfli 90,2
Krös 77
kros(l)en 90, 6
Kröspel 142
Ki-öte 149 ; krötig 90, 5
Krücke 69
Krugel 90,6; krugelen 90,6
krumm 116. 125. 157; krümmen 125.
Ki-üppel 126 [157
Krusle 108
Kruslen 91,2. 108; Krusli 90, 2; Krus-
haarli 90,2
Kübel 70
Kuch 150; kuchen 78. 150
Küche f. 116. 155
Küche 69; Küchenkasten 38
Kuchen 90, 6. 116. 150; kücheln 90, 6
Kugel 67. 90, 6. 116. 145; kugeln 90,6
Kuh 86. 90,1. 109. 116. 161. 170; Kuh-
reihen 80; Kuhstall 109; kuhwarm
kühl 87. 165; kühlen 86. 165 [109
Kühni 90,2
Kümmel 70. 156
Kummer 68. 125. 157
Kummet 156. 189
Kunkel 96 [96
Kunst 96.189; künsteln 96; Künstler
Kupfer 68. 128; küpfern 90,5
Kur 184.189; kurieren 180.183.189.
Kürbis 104 [193
kurios 180. 183. 189
Kurs 189
kurz 29.68.94.104. 116. 119
küssen 116. 143
kutig 90, 5
Kutsche 184. 189
Kutteln 68. 149
Kutzimuserli 67.90,2
lachen 37. 114. 133. 153. 155; Lacheten
37. 114
Lack 189; lackieren ,180. 189
laden 119
Laden 51
Lafier s. Revier
— 238 —
Lägele 49. 159
lahm 34. 156
Lalle 49; lallen 49
Lamarschi 167
lamentieren 180
Lampe 96. 102
lampen 102. 126; lampig 90,5
Land 46. 51 ; Landammann 27. 33. 38;
Landsfähnrich 174
lang 56; Länge 55
langsam 38.56.90,4.115; Langsame
55. 90, 3
langw'eilig 38; Langweile 39; Lang-
wilegi 55
läppen 126; Lappi 126
larchen 168
Lärm 184. 186
1 arischen 137
Larve 104. 187
lassen 27. 29. 120. 135. 160. 161. 173
lästlich 90,5
Laterne 180. 184
Latsch 137
Latsch 183. 188
Latschi 49 ; latschig 49. 90, 5
Latte 46. 140; -lättig 90,5
Latwerge 180. 184. 185. 186. 188. 193
Latz 188
Latzori 180
lau 72. 171
Laub 82; Läubli 83
laufen 65.82.128; läufig 90,5
Lauge 82
Laune 78
Laus 78. 90, 1
laut 173
läuten 79.116. 119
Läutschi 137
Läutschibirne 137
Lawine 83, 159
laxieren 180
leben 116
lebendig 21.37
ledig 60. 146
leer 73
legen 48. 81. 148
Legiloch 145
Lehne 159; lehnen 159
Lehrer 74
Lei 80; leiig 80
Leibding 164
leiben 126
leibhaftig 40
Leiche 92. 150
leicht 92
leid 80
Leid 80; leiden 62
leidwerken 109
Leim 156; leimig 156
leimen 75. 157; Leime 157
leinen 75
Leinlachen 109. 116. 160
Leinsaat 109. 160
Leintuch 34. 109. 160
Leinwand 109. 114. 160
leise 33
Leiter 80. 90, 8
Lempe 102. 126
Leper 180. 184. 192
lernen 95
les 159
lesen 29.33. 118. 119.142
letz 60
Letzi 48
letzt 29.56. 116
Leute 79. 173
Leviten 180. 183
liberement 180. 184. 186
Libet s. Leinwand
Licht 85. 154
Lid n, und m. 62
Lidlohn 62
lidweich 62. 150
lieb 79.85.108; Liebe 85; lieblich 108.
Lied 85 [125
liegen 64. 148
Liegplatz 30
Liestere s. Riester
Lieutenant 159. 181. 184. 188
Likör 181. 184. 189. 193. 194
Lilie 170. 176
limpfig 63
lind 63
Linde 61
Lineal 190
Linie 184. 190
link 148
Liptig s. Leibding
lismen 64. 116. 118
List 64
Liter 184
Lobe 90,2
Loch 90, 1. 150
locken 65
Löffel 48. 91
Logement s. Los-
Lokomotive 180. 183. 184. 186. 189. 192
lombieren s. plomb-
Lomm(ere) 181. 194
Lorenz 90, 2. 186
Los 76. 173
losam 109. 115
löschen 60.91.119 [180
Losement 180. 183. 188; losementieren
239 -
losen 65
lösen 77
löten 77
Lotterie 180.183
lotterig 90, 5
Löwe 83
lüchen 150
Lücke 69
Ludwig 90, 2
luegen 21. 30. 86. 90,6. 106. 146; lüe-
gelen 90,6; Lueger 90,2
Luft 68.130; lüften 70; luftig 90,5
Lüge 21. 68. 90, 1 ; lügen 65. 79. 147
lugg 69. 148
Luggmilch 30
lullen 70
Lumpen 34. 67. 68. 126
Lun 68. 134. 160
Lunge 148
Lunggere 148
Lünse s. Lun
Lupf 68; lupfen 27.69; lüpfig 90,5
lurggen 148; lurggig 90,5
Lust 68. 135; lustig 37. 90,5. 114. 116.
[146
machen 116.118.150.159; mächelen
mächtig 57. 60 [90, 6
Mad 58; mädlen 58
Mädchen s. Meitel
Magd 52. 115. 175
Magdalena 186
Magen 51
magern 116.118; Megeri 55
mäggelen 148
mähen 73. 95. 170
mahlen 100. 165
mahnen 159
Mähre 49. 104. 154
Mai 80
Mailändergeschirr 185
Makrone 180. 184. 189
malader 183. 184
malaß(er) 180
malefitz 180. 188
malen 31. 73. 95. 165; Maler 167; Mali
Malion s. Million [90, 3
Mammeli 90, 2
Mämmi 90, 2
man 27. 122. 156. 168
mancher 22. 48. 146
manchmal 48
Mandat 180. 184
mangeln 90, 6; -manglig 90, 5
mänggelen 148
mangieren 180. 192
Manier 180
Mann 46.90,2.98. 163. 174
Mantel 96. 101
mar 171
March 104. 145. 150; marchen 150
Mare 181
Margareta 186
mariaschen 181. 184. 188
Marie 88
Marille s. Amarille
Mark 104. 145
Marke 104. 189
Markt 104. 188
marösch 180. 184
marschieren 180. 188. 190
Martha 90,2
Martin 90, 2
Martini 180.184
Martinssommer 90, 2
März 48. 104
Märzensprügeli 70
Masche 46
Maschine 180. 184. 188
Mase s. Mosen
Maser 46
Maseran 180
Maske 181.188.189
Maß 95; -mäßig 90,5
Masse 184. 186
Masser 181.188
maßleidig 109. 135
Maßstab 29
mästen 31.48; mastig 90,5
Materie 180. 184; materieren 180. 186
Matratze 180. 186. 192
matsch 188. 190
Matthias 88
mäuggen 148
Maul 109. 166; Maulharfe 104; Maul-
orgel 109
Maus 90,1; mausen 135; Mauserin
37; maustot 40
mausen 135
measebe 122
Mechanik(er) 180. 183. 184
Meer 48
Megen 51; megen 51
Mehl 97. 99. 171 ; mehlig 99
mehr 74. 122. 167
Meijor 182
mein 37. 121. 159. 160
meinen 31. 80. 108. 159. 174; Meinung
37.80. 108. 115.146. 159.164
meinetwegen 134. 159
Meiße 80
meist 167
Meister 80; meistern 80; meisterlos 80
Meitel 81.90,1.95
240
Meitlepfützler 131
Mel(ch)ter 175
melken 91.93. 117.150
Menagerie 180. 183. 188
menge s. mancher
Menner 48; Menni 48
Mensch 48. 115. 174
merken 48. 104. 152; merkig 57
Mesner 48. 175
messen 95
Messer 60
Messing s. Mösch
Meter 184
Metzger 48. 170
mhm 24
mich 64. 121. 151. 156. 157
Mieder 85
Mies 85. 141
Miet 85
Milch 63.91.117.150
Militär 180. 184. 192
Million 180. 182. 183. 192
Milz 63
minder 21.61.91. 174; mindest 174
mir 27. 62. 97. 121. 156. 157. 167
mischein 64
miserabel 180
Mist 62
mit 62
mitfahren 38
Mittag 39. 62. 109; -mittägerig 90, 5
Mitte 62. 133
Mittel 62
mittler 62
Mittwoch 28. 62
Model 183
mögen 33. 66
möglich 90, 5. 114
Molch 89
Molest 180. 183. 190
Molke 150
Monat 109. 114. 133
Mönch 70
Mond 95. 134. 169
mönig 90, 5
Monsieur 181. 183. 186
Monster 96
Montag 95. 109
montieren 180.192; Montur 180.183.
Moiiperhiindchen 126 [192
Möppi 90, 2. 126
Morchel 117 [167.176
Mord 104; morden 139; mörderen 104.
Morgen 33.95.104.117; -mörgerig 90, 5
Moris 184. 186
morn 104. 146. 160; mörndrig 90,5. 174
morps 175
Mörser 29. 104
Mösch 48. 91. 143
Mosen 108
Most 90,6.95.142; möstelen 90,6
motten 95
Mousseline 181. 184. 190
Mücke 69. 148
müde 87
muderig 90, 5
müechtelen 156
Mues86; Mueser90, 2; Muesueli90,2
Mühe 70
Mühle 70. 114
Mulde 107. 133. 188
Müller 70
Mumpfel 109
munkeln 148
munter 68. 90, 4. 101. 133
Münze 101
munzig 90, 5. 171
murb 69. 171
murren 104
Musik 181. 183. 189; Musikant 180
Muskatnuß 168. 181. 183. 188. 189
müssen 27. 29. 87. 122. 135
Mutsch 137
Mutte 90, 2
Mutter 22. 29. 108. 133; mütterlich 90, 5
na-a 24
nähe, -ert, -es 80. 109. 134. 135. 166.
167. 171. 176
nach 121. 122. 154. 161
Nachbar 109. 154
nacheinander 29
nachher, -hin 153. 154
Nachkirch weih 154
nachsüchig 90, 5
Nacht 52
nacht 49. 60. 95. 154
nachtig s. narrchtig
Nachtwächter 49
Nack 158; näckelen 158
nackig 90, 5
Nadel 33.95.116
Nädlig 90,7.95. 146.164
Nagel 50.54.145; nageln 90,6
nagen 30
näggelen 148
nahe 73. 89. 154; Nähe 89. 154
nähen 73
Naht 21. 95
Name 53. 100. 156
Namenstag 38
Napf 153
Näpper 32. 49. 95. 109
241
Narbe 104. 171
narrchtig 90, 5. 167
närrisch 90, 5
Nase 116; näseln 90,6
naß 46. 135; Nässe 55; nässen 48;
naßlächt 115
Natur 180
nätzgen 49. 137
neben 95. 134. 159
nehmen 27. 29. 30. 34. 95. 118. 119. 120.
156. 160
nein 21. 25. 44. 80. 95. 160
neißwann s. näbe, nese
neißwelch s. newell
Neil 183
nennen s. nidnen
Nerv 104. 184
nese 135. 171
Nest 60
Nestel 48
Netz 48
neu 88. 172; Neu 88; neuen 88
neubacken 88
Neujahr 39. 88
neun 79. 160; Neimer 161; neunt 107.
133; neunzehn 109
neuwaschen 88
newell 158
Nibel 64
nicht 27. 79. 135. 154
nichts 107. 108. 119. 135. 154. 158. 159
nichtsnutzig 90, 5
nidnen 139
nidsich 62
nie 25. 85. 161
nieder 62
niemand 85. 134. 156. 168
niene 85. 167
nieten 85
Niff 64; niffen 64
niggelen 64. 148
Nikiaus 82. 186. 189
Niß 64; nißlen 64
nobes 109. 135. 154
noch 65. 154
Nöggi 148
None 160
nören 83. 171
Not 173; nötig 77.90,5; notlich 90,5;
notwendig 40
notabene 181. 184. 186
November 180. 183. 187
nüchtern 87. 156
Nuck 90,2; Nucker 90,2
ntiechtelen s. müecht-
nuefer 125; nuefern 125
numme 68. 167
Nummer 156. 181
nun 68
nunforthin 158
nur 68
nürrisch 90, 5
Nuß 68 ; nüßlen 90, 6
nütze 69; nützen 70
ob 120. 125
oben 65. 125
oberhalb 134
obsich 29
Obst 65. 125. 134
Ochs 65
öde 77
oder 65. 140
Ofen 65. 116. 130; Ofenbank 38
offen 65
öffentlich 90, 5
offerthe s. nunforthia
Offizier 180
oggen 148
oha 24
ohne 71
oho 24
Ohrenglüngger 148
Ohrenniggel, -nöggel 148
Oktober 180. 183. 184
Öl 89. 97. 99. 165; ölen 99; ölelen 165
Öllichtlein 89
Omelette 181. 183
omme s. oben
ons s. unz
öppe, -es, -er s. etwa, -was, -wer
ordentlich 90, 5
ordinäre 180. 183. 184
ordnen 175; Ordnung 104. 175
Orgel 104
Orstlete s. Diu-chschlacht
0(r)stlig s. Uuschlitt
Ostermontag 39
Österreich 92
oterlos s. atemlos
Otmer 27
p- s. auch b-
Paar 51. 184. 187
Pack 51. 191; packen 191
Paket 180. 189. 191
Paletot 181. 184. 187. 188
Pampelewasser 123
paudern 112
Pandur 181. 184. 187
Pantaleon 101. 181. 186. 187
Pantoffel 180. 183. 187
Vetsch, Appenzeller Mundarten.
16
— 242
pantsch(l)en 123. 137
Panzer 181. 186. 187. 188
Papier 88. 180. 187
Pappel 187
pappelen 90, 6. 123
Papst 184
Parade 180. 184. 186. 187
Paradies 180. 184. 187
parat 180. 187. 188
parforce 180. 183. 187. 188. 190. 193
parieren 180. 187
Parkettboden 180. 187. 190. 192
parlen 181. 187
Parlier 180. 187. 190
Partei 180 187
Partie 180. 187
partout 180. 183. 187. 192
päschelen 46
pascligen 124. 175
passabel 180
Pastete 180. 187. 194
Patent 180.187.192; patentiert 180
Päterli 90,2
Paternoster 180. 184. 186. 187. 190
patsch 49. 123; Patsch 49; patschen
49. 116. 123; Patschi 49. 123
Päugge 89
Paul 191
Pause 191
pautsch(l)en 123. 137
Pech 187
Pelz 60.91.93. 175. 187
per 191
perdu s. partout
Perle 191
Person 180. 191
Perücke 180. 183. 187. 189
Peter 191
Petersilie 181. 184. 187. 194
pf- s. auch f-
Pfaff 128
Pfahl 73
Pfanne 116. 127. 163.174
Pfätte(ne) 49. 127. 159
Pfau 72. 171
pfaufen 127
pfausen 127
Pfeffer 60
Pfeife 31. 116. 128; pfeifen 62. 127
Pfeil 75
Pfennig 48. 115
Pfiff 62
Pfiffi 64. 128
pfingsten 127
Pfingstmontag 39
Pfi(p)folder 131
Ptisterei 64
Pflanze 101. 135
Pflaume 108. 127. 156. 167
pflemmen 131
Pflittere 64. 127
Pflug 127
Pflungg 131. 148
Pfnächs 127: pfnächsen 127.137
Pfnäst 127; pfnästen 127
pfnausen 127
pfnittern 64. 127
pfnuchsen 127
Pfnüsel 127
pfnuttern 127
pfoch 127
pfrangsten 127
Pfriem 156
Pf rund 133
Pfude 131
Pfulwen 68. 171
Pfund 127
pfützen 127
phlegmatisch 182
Photographie 180. 183. 186; photo-
graphieren 180
Pick s. Behick
Pick 64; picken 64
Pickel 64
Pilgern 63. 123. 174
Pinsel 91. 96. 159. 187
Pique 187. 189
Pistole 180. 186. 187
Pläder 123; pläderen 123
Plage 187; plagen 23.71.166
plampen 102. 123. 126; plämplen 58.
102. 123. 126; -plämperlen 102;
Plampi 102. 123
plangen 124; plangeren 46
planieren 180. 187
Plantschett 182
plappen 123. 126; plappig 90,5
plappern 123. 126
Plaß 46
Pläß 46. 123
platsch 123; Platsch 49. 123; platschen
49. 123; plätschlig 49.123
platz, platzig 123
Platz 187
Plessier 180. 183. 187. 188
Plessur 180. 183. 187
plombieren 180. 193
Pludermilch 123
Plumphosen 123
Plunder 123
Plüsch 184. 190
pochen 123; Pochgrind 123
Poldere 123
polieren 180. 187
243 —
Polizei 180; Polizist 180. 187
poltern 123. 174
Pomade 180. 184. 187
Pomeranze 180. 187
Pompeluser 180.183.187; pompelusisch
180
Popper 123. 126; poppern 123. 126;
pöpperlen 123
Poppern 90, 2. 123. 126
po(r)fo(r)st s. parforce
Portion 180. 183. 187
Porträt 182. 183. 184. 186. 187. 190
Porzellan 180. 184. 187
Poß 90,2. 123; pößlen 123
Pößli 123
Post 183. 187
Posten 183. 187
potz 123: potz Tausend 21
Pracht 49; prächten 49.124
prächtig 57
prahlen 166: Prahler 166
Praktik 181.' 187. 188. 189
prälaten, -laggen, -lecken 180. 187
prantschen 123
Präparand 180. 183. 188. 187. 193
präparieren 180. 186. 187
prasch(t)len 123
Präsident 180. 183. 187
Pre 184. 187
predigen 139. 187
Preis 187
pre(me)voll 156
pressant 180. 183. 187
pressieren 180. 187
Presten 124
prestieren 180. 187
Prifet 180. 187
priffen s. begreifen
Prise 184. 187
Prison 180. 187
privat 180. 187
Probe 184.187; probieren 180.187
Profit 180. 187; profitieren 180. 187.
192
Prokurator 180. 183. 184. 186. 187. 189
propper 183. 187
Protokoll 180. 184. 186. 187. 192
Prozeß 180. 183. 187; prozessieren 180
Prügel 123
Pudel 67
Puls 68. 174. 183. 187
Pulver 33. 183. 187
pumpen 67. 123. 126
Pumpis 115. 123. 126
Punkt 189. 191
pupen 123. 126
Pupperli 67.90,2.123. 126
Purgatz 180. 187; purgieren 180. 187;
Purgierig 180
Pürli 90, 2 ^
purzeln 90, 6. 104. 123
Putsch 123.137; putschen 123.137
putzen 29. 69. 90,6. 116. 119. 123;
pützein 90,6
quaken 147. 148
quälen 100. 166. 189
Quartier 180. 189. 190
Quel s. Gewell
Quelle 189
Questionen 180. 183
quiken 147. 148
Quintlein 63
Rabatt 180
Rabe 126
Rabe 73. 126
rabiat 180
räch 154: rächelen 73. 154
Rad 50.54.97.99.116
Radschuh 99
ragig 90,5
Rahm 82. 95 ; Rahmzunne 30
Rahmen 100. 156
Rakete 180. 192
ramisieren 180. 186. 192
rammeln 90, 6
rammörsch s. rumorisch
rams, ramsen 181. 186
rauggen 101; Ranggete 101
Rank 101: ranken" 101
ranschieren 180. 188
ränzelen 58. 137
Rappen 90, 2 ; räppig 90, 5
rappen 126
rasieren 180
räsonnieren 180. 183. 186. 192
räß 56. 73. 89. 173; Räße 89
Rat 73.173; raten 73.147.173; rätig 73
Rathaus 109. 133
Rätich 150
Ratine 180. 190
Ratsch 49 ; ratschen 49
Rätsel 73
Rauch 82.150; rauchen 79.150; rau-
chen 83; räuchelen 90,6
räudig 90, 5
rauh 82
rauhenisch 171
räumen 78. 108. 116. 157
Rausch 173
244
rauschen 78. 144
licchen 116
rechnen 116.150.159; Rechneten 114;
Rechnung 115. 146. 164
rechts 119
ReckhoUler 60. 15B
Rede 48.97; reden 116
redlich 114.116. 151
Reff 60. 98
reformiert 180. 186
Regen 115. 116.146; regnen 95. 115.
146; reg(n)elen 146
regieren 180. 183
Register 180; 183; registeren 180
Reguhitor 180. 183. 184. 186
regulieren 180. 183
Reh 154
Rehetobel 154
reiben 62. 125
reich 92. 150
Reichskammer 30
reif 173
Reif 90, 8. 173; reiflen 90, 8. 173
Reif 173; reifen 173
Reihe 80
rein 160
Reise 80; reisen 80; Reissack 80
reißen 62. 135
Reiste 75
reiten 22.62.119. 133
reizen 80. 136
Rekrut 180. 183. 184. 186. 192
Religion 180. 186
Relle s. Rennle
Remise 181. 183. 186
-renken 101
rennen 48
Rennle 163
Rennschlitten 174
rentabel 180
rentieren 180. 183. 192
repetieren 180. 183. 186
Res s. Riß
resten 48
Resten 183
retour 181.183. 184
retzgen 137
reuen 88. 172
Revier 180. 183. 193
Revolver 182. 183. 194
rezent 180. 183. 188
Rhabarber 180
Rheintal(er) 164
Ribel 64
richten 64. 154; richtig 92
Rick 64; ricken 64
Ridikül 181. 189
Riegel 64
Riemen 85. 156
Riese 62
Riesel 64
Riester 85. 176
Riet 85. 173
Rifwein 184. 187
Rihen 108. 154
rimsen-ramsen 63
Rind 61
Rinde 61
Ring 33.63.80. 146
ring 63
Ringgen 63. 101. 148
rinnen 61. 91. 163
Rippe 64. 126; rippsüchtig 90, 5
ripsen 142
risen 75
riskieren 180. 189
Rispel 64; rispeln 64
Riß 62. 173
Ritere 75. 108
Ritt 62
robenisch s. rauh-
Robert 90, 2
Rock 65. 90, 1 ; Rockli 90, 2
Rod 184
Rodel 65. 183
Röhre 77
Rolle 116; rollen 22
Rosa 90,2
rösch 66
Rose 184
Rosette 181
Rosine 180. 184. 190
Rosmarin 180. 194
Rosoli 180. 184
Roß 65.90,6.143.173; rößlen 90,6;
rössig 90, 5
rösten 77
rot 21. 37. 119. 173; rötsch 90,5
Rouleau 181
rözen 77. 136
Rübe 126
Rübis 108.115
ruch 108.154; ruchen 108.154
Ruck 68 : rücken 69
Rücken 22. 69. 148
Rufe 68. 130
rufen 87. 129
Rugel 67; rugeleh 67.90,6
ruggußen 148; Ruggußer 148
Ruhe 171: ruhen 33.86.171; ruhig
87.90,5. 171
rühmen 87. 157
rühren 87
ruhsam 42
— 245
ruinieren 180
rumoren 180. 184: rumorisch 180. 183.
rumpeln 67. 126 [184
rümpfen 67
rund 188
Rundelle 18U
Rung 164
-rünstis (blut-) 96
rupfen V39. 116. 128
rußen 00, 5 : rußig 90, 5
rüsten 153
Rute 108
rutschen 69. 119. 137
Sack 50
säen 73. 170
Safran 181. 186. 188
Saft 134
Säge 116; sägen 60
sagen 27. 30. 49. 81. 116. 173
Sägmehl 30
Sakrament 180. 186. 189
Salat 180. 184. 188
Salbe 90, 3
Sälfli 49
Salz 103.135; salzig 90,5
Same 95. 156
sammeln 174
Samstag 142; samstägerig 90,5
samt 156; samthaft 134. 156
Samt 156. 181
Samuel 90,2
Sänger 4<s
Sanktjohannesbeere 135
Sanktniklaus 82. 181
Säntis 156
Sarg m. 104
Sarg f. s. Zarg
Sau 21. 88. 106. 171; versauen 88
sauber 29. 78. 115. 116; säubern 79.
sauer 78. 141 [115
saufen 65. 78. 128
Säufern 135
saugen 90, 6. 108 ; säugelen 90, 6
säugen 82. 83
Säule 78
Saum 82; säumen 82. 116; säumlen82
Saum 82
säumen 78. 108. 116. 157
sausen 135
Saustall 109. 168. 175
Schabert 181. 187. 188. 190
schäch 154; schächen 73. 154
schaden 116
schadhaft 33
Schaf 73. 173
schäffelen 90, 6
Schafreite 80
schaggelen 90, 6
Schale 100; schälen 48
Scham 34; schämen 49.95.116.156
schänzelen 58
Schappel 181. 188
scharf 56. 94. 104. 129
Scharlachlieber 181. 188. 190
Scharnier 180. 188. 190
scharren 104
Schatthut 109. 133
schattig 90,5
Schatz 90,2; schätzen 49. 116
Schaufel 33. 108. 125
Schaum 34. 108; schäumen 78. 108. 116.
Scheck 148 [157
sched- s. schett-
Scheibe 144
scheiden 139
Scheie 88
Schein 75; scheinen 108. 159; schein-
bar 109; scheinbarlich 90,5
Scheit 108; scheiten 108
schelb 171
Schelfere 48. 130
Schelle 116. 166
Schelm 48. 138
Schemel 49
schenken 101
Scher 97
Scherbe 104
Schere 48
Schere 73
scheren 100
Scherpe 184. 186
Schetter 60.139; schetteren 139;
schetteris 139
scheu 108.154; scheuen 108.154
Scheune 79
Schick 64; schicken 64
schieben 65. 79; Schieber 85
schieggen 85. 148
schielen 63. 154; Schieler 91
Schielen 85
Schiene 61. 159
schier 85
Schiere 85
schießen 29. 79. 135
Schiff 62
schikanieren 180. 186. 189
Schild 63. 133
Schilling 63.115
Schimmel 63.91.125.157; schimmeln
schimpfen 22. 63 [91
Schindel 61
Schindkog 28
246
Schirm G2. 104
Schlaf 128.173; schlafen 22; sdiläfeln
73. 90, (5; schläferig 73. 90, 5
Schlafsack 30
Schlag 50. 99; schlagen 27. 95. 120.
154. 160. 161
schlampen 102.126; schlampig 90,5;
Schlampi 102
Schlange 146
Schlanggen 148
Schlappe 12(5 : schlappen 126
schlarpen 104. 126
schlan 72
Schlauch 150
Schlaufe 82
Schlaz s. Schleiz
schlecht 116. 135
Schlegel 48
Schlehe 108. 154
schleichen 62. 150
schleifen 62
schleiken 80
schleipfen 129
schleißen 96
Schleiz 96. 136; -schleizen 136; schlei-
zig 136
Schlamms 61
Schlemper 102. 126
Schienggen 148
Schlengger 148
schlerpen 104. 126
Schlich 62
schlichten 64
schliefen 65. 79
schliferen 64. 130
schlinggen 148
Schlipf 64: schlipfen 64
Schlips 188
Schlitten 62
Schlitz 64; schlitzen 64
schlopferig 90, 5
Schloß 135
Schlötterlig 90,7
schlucken 69. 152
schluferig 90, 5
schlüftig 90, 5
Schlunggi 148
schmal 97.99: Schmeli 55.99
Schmalz 103. 135
Schmätterkäse 139
schmecken 142
schmeicheln <sO
schmeißen 62. 80. 91. 135
schmelzen 48. 60
Schmerz 104. 135
Schmied 62.97.140; schmieden 62;
Schmiede 62
schmieren 91. 94. 104. 171
Schmisette 181. 188
Schmuder 90,5. 139, schmüderig 90,5
Schmutterkäse 139
Schmutz 68; schmutzig 90,5
Schnabel 53. 142
schnäderen 139
Schnake 148
schnappen 126
schnarchein 90,6. 104. 150
schnattern 189
schnatzgen 137
schnätzgen 49
schnaufen 130
schnäuggen 148
Schnecke 95. 148
Schnee 74. 89. 171 ; Schneeschlitten 89 ;
Schneewalzer, -wälzere 175; schnee-
weiß 34
schneiden 62. 119
schneien 22. 88. 170. 171
schnetzeln 136
schneuzen 79. 136
Schnifel 64
Schnitt 62
Schnitte 62
Schnittlauch 62. 109. 133. 151
Schnitz 64; schnitzen 64; schnitzig 64
Schnorre 65. 104
schnotzgen 137
Schnudernasli 90, 2
schnürpfen 129 [90,2
schnus(l)en 67; Schnus(l)i 67; Schnüsi
Schochen 144. 150; schöcheln 66
schodlen 65. 90, 6
Schokolade 181.184.188.189
schon 120. 122. 160. 161
schön 108. 116. 159. 160. 161. 174;
schöneren 108. 159. 161
schonen 108. 159
Schopen 126
schöpfen 22. 48. 91. 129
Schoppen 65. 126; Schopper 90,2
Schoppen 126
schoren 100
Schörpelen 126
Schoß 173
Schragsäge 30
Schranz 101. 135
Schraube 130.175; schrauben 130
-schrecklich 90, 5
Schrei 90, 8. 144
schreiben 28. 33. 62. 125
schrenzen 48. 101
Schrift 62
Schritt 62
Schrofe 65
— 247 —
schröpfen 60
schroten 76
Schrunde 116
Schudel 67
schuderen 67
Schuh 25. 109. 154. 161; -schuhen 161;
schühig 90,5; Schuhmacher 109:
Schuhsohle 109
Schuld 68.93; schuldig 69
Schule 109; Schüler 165; Schullehrer
schulich 90,5 [109
schupfen 69
Schuppel 67. 126. 144; schupplen 67.
Schuppen 67. 126. 144 [126
Schürf 129; schürfen 129
Schuß 135
Schüssel 70. 116. 166
schüssig 90, 5
schütteln 90, 6
schutzig 90, 5
schuzlich 90, 5
schwäbisch 90, 5
schwächen 48; Schwäche 55; schwäch-
lich 57
Schwager 73; Schwägerin 73
Schwalbe 33. 103. 171
Schwanz 101; schwänzen 137
schwärmen 104
schwarz 46. 56. 91. 94. 104. 167 ; schwär-
zen 48; Schwärze 55. 104
schwatzen 49. 116
Schwebelpfeife 145
Schwefel 125
Seh weher 154
schweigen 108
Schweineschmalz 109
schweipfen 129
Schweiß 173; schweiße(le)n 90,8. 173
Schweiz 108
Schwelle 48
schwemmen 48. 102. 157
Schwenkel 48; schwenken 101
schwer 56. 73. 89. 142; SchAvere 89
schwerhaft 115
Schwester 60. 91
Schwibel 64
Schwick 64; schwicken 64
schwimmen 22. 63. 68. 102. 157
Schwindel 63; schwindeln 63
schwinen 75. 159
Schwirbel 64
schwitzen 64
schwören 48. 89
Schwumm 98. 157
se 106. 141
sechs 60. 154; sechzig 105
Secht 74; sechten 74
Seckel 48
See 74. 171
Seele 74
Sefi 48
sehen 27. 73. 120. 141. 154. 173
Seide 108
seien 88. 135
Seife 80. 128
Seihe 88. 108; seihen 88. 154
sein 27. 29. 64. 73. 75. 88. 142. 160. 161
170. 171
sein (Pron.) 121. 159. 160
seinetwegen 134
seit 122; seither 134. 176
Seite 108
Seki-et 180. 183. 189
Sekretär 181. 183. 184. 186. 188. 189
selb (der-) 26. 29. 30. 121. 165; selber
sele 141 [33.93
selig 108
Sellerie 181. 183. 188
selten 93.103. 119
seltsam (selzen) 103. 109. 135
sene 159
Senkel 48. 101
Senn 48.141; Senntum 109
Sense 115. 141. 159
Sent 183
September 180. 187
ser 74
Serben 171
Serviette 181. 190
Sessel 60
setzen 48; setzig 57
seufzen 79. 137
Shawl 184. 188
sich 29. 121. 151
Sichel 64. 92. 115. 150
sicher 64. 92. 150
sider s. seither
sie (f. und PI.) 29. 88. 106. 121
sieben 64; siebent 133
Siebensprächler 41
Siech 85
sieden 65. 79
Siegel 64
Silbe 63
Silber 63.91
Silvester 180. 183
Sims 63. 135
singen 37. 63. 67. 133
Sinn 63.98.134.163; sinnen 63
Sirup 181
Snugel 142
so 35.44. 121.122. 141.161
sofel 109
Sohle 93. 141. 165
- 248 —
Soldat 180
Solentaler i:32
Soll 89
sollen 34. 121. 165
Sommer 68. 100. 115. 1.56: sommern 115
Somnambule 19o
Sonderwind 61
Sonne 68; sonnenhalb 134. 159; son-
nig 90, 5
Sonntag 101. 109. 146; sonntägerig 90,5
Sorge 104; sorgen 104
spältig 90, 5
Span 163
Spanferkel 160
Spaniole 180. 184. 186
spannen 163; -spännig 163
sparen 29.49. 100.116
Sparren 104
spät 71. 73. 89. 142. 173; Späte 89
spazieren 180
Spazig 184.188
Speicher 150
speisen 62
Spektakel 180. 183. 188
spekulieren 180. 183. 186
Spenggen 101. 148
sperren 48. 89. 104 ; sperrig 57
Sperrung 89
sperr offen 40
Spezereiladen 180. 183
spicken 64
Spideren 64
Spiegel 85
Spiel 63. 99; spielen 34. 63. 91. 100.
116: Spieler 165
Spiere 108
Spille s. Spinnle
Spinat 180; s. auch Binätsch
Spini 100. 163
Spinne 63
spinnen 63.100.163: Spinnerei 180
Spinnle 163
Spinnmücke 163. 171
Spion ISO; Spionen 180
Spiß 62.98. 173
Spital 180. 184
Spitz 62: spitzen 62; spitzlen 62
spötteln 66. 116. 118
Sprache 150
spreiten 116
Spreuer 88
Sprienz 85
springen 63. 146
Sprotzen 65
Spruch 68. 150
Sprung 67: sprUngweis 164. 175
Sprünzel 159; Sprünzelkern 159
spulen 86
spülen 87
Spund 68. 101
Spur 94; spüren 94
Staat 173.184.188; stadisch 90,5
Stab 51
Stabelle 180. 193
Stachel 150; Stachelbeere 150
Stadel 142
Stadt 50
Stafel 168
Staffel 52
Stäggele 148
staggelen 90,6. 116. 118. 148
Stamm 102; stammweise 102
stampfen 96. 102. 128; Stampfe 90,3
Stand 50
Standari 180
Stande 116
stark 94. 104. 150: stärken 48. 152;
Stärke 55. 104
stärrig 57. 104
stät 73
Statthalter 109. 133
Statuten ISO. 184. 192
statzgen 49. 137
staubig 90, 5
Staude 78. 116
stechen 150
Stefz(g)e 137
Stege 116
stehen 27. 95. 120. 133. 160. 161. 173
stehlen 93.. 100. 115
steif 75
Steig 75
steigen 62
Stein 90,8. 135. 160: Steinbock 33;
Steinhauer 109; Steinplatte 109
stellen 48.93. 116. 166
Stempfei 48
Stengel 48
sterben 94.104.167; Sterbend 133
Stern 60.95.104. 116
stettig 57
Steuer 79
Stich 64. 92. 150
Stickel 64
sticken 64
stieben 79
Stiefel 62.91
Stiefmutter 109
Stiel 97. 165
Stier 85
still 63.91
Stimme 63.98. 157: stimmen 21. 102.
Stock 152 [157
stockdick 40
— 249
Stoff 65
Stoffel 65
stolpern 126
stopfen 129
Storch 65. 104. 150
stören 100
stören 77
Störgeli 148
Storzen 104
Stoß 135. 173; stoßen 76. 109. 135;
stößig 90,5; Stößel 77.135
Stoßwagen 109. 135
Stotzen 65
Strafe 173
Strahl 71; strahlig 90,5
Strapazen 180. 184. 192; strapazieren
180. 186. 192
Straßburgerli, Straßerli 90, 2
Straße 73. 116. 173
Strat 173. 175
straucheln 150
Strauß 78
Straze 184. 188
strecken 152
Streich 80. 150; streichen 62. 150
streifen 80. 129
Streit 173; streiten 62.119
streng 48. 56. 95
streuen 83; Streue 83
Strich 62. 150; strichweise 150
Strick 64
strielen 85
strodlen 90,6: strödelen 90,6
Stroh 82
Strolch 150
strub 108
Strudel 68
struflen 90, 5 ; struflig 90, 5
strümmwis s. sprüng-
Strumpf 128
strupfen 69
strützen 175
Stube 68; Stubete 168
Stübis 108. 115
Stuche 78. 150
Stück 69. 118
Student 180: studieren 180
Stuhl 90,1.116.165. 166
Stumm 125
Stumpen 67. 68. 126
Stunde 68
Stupf 129; Stupfen 69. 129
Sturm 68. 104
Sturz 104. 135; stürzig 90,5. 104
stutzen 137
suchen 22.86. 116. 118. 150
Sucht 68
sudeln 68
Suff 68
suggen 148
Sulz 68. 69 .
summen 135
Sünde 70. 133
süperb 180. 183. 193
Suppe 68.116; süppisch 90,5
Surpf 129; sürpfen 129
surren 104
sus 134
süß 87. 116.135
Süttere, Südere 139
t- s. auch d-
Tabak s. Back
Tafel 33
Tafere 180. 184. 187
Tag 52.119; täglich 57; tags 119
täggelen 148
Taglohn 99
Tagsatzung 175
Tagwan 30.32. 157. 171
Tal 51. 99
talgget 148
talpen 126
Tambur 181. 184. 187
Tamme s. Tagwan
Tanne 116.163.174; tannen 57; Tan-
ner 132
Tanse 96.116. 132: Tänslig 96
Tanz 101 ; tanzen 96. 101
Tape 126; Tapi 90,2
Tapet 180. 192 [192
Tapete 180.192: tapezieren 180.190.
tappen 126; Tappi 90, 2. 126; täppisch
Tasch s. Teisch [90,5
Täsch 46
Tasche 46
Tasse 188; Tassenblättli 116
Tatsch 49; tätscheu 49.116
taub 82. 90,6. 124. 132; täubsch 90,5;
täubelen 90,6; Täublig 90,7
Taubenhabicht 175
tauen 83
taufen 82. 129
tausend 138
Tee 184. 191
Teig 80.145; Teighüfli 109
teilen 80. 116. 166; Teiler 132. 165
Teisch 134; teisten 134
Teller 181. 186
tengg 148; tenggen 148
Tenne 27. 48. 132
Teppich 48
Testament 180. 183
250 —
teuer 79. 116. 132
Teufel 7^.96.159
Text 183. 188
Theater 180. 184. 191
Tich 62; tiohen 62. 150
tief 79
Tier 85
tifig 63. 64. 130
Till 34. 63. 165
Tinte 188
Tisch 64
Tobel 65.66.90,1.132; Tobler 132
Tobias 88
Tochter 90,1
toggeu 148
Tole 165
Tolken 148
toll 34
Tollpatsch 49. 123
Tomöl, -ör 180. 183. 184
tonieren 180. 183
Tor 97
Torkel 104. 148
Tornister 180
törsch 90,5
Torte 183
tosen 76
Toser 90, 2
Tosette 181. 183
tot 173; töten 77
totteren 138; tötterlen 138
toujours 181. 188
Tour 184
träbig 90,5.126
Trachter 90,2
trächtig 57
tragen 30. 49. 81.116. 173
Trägtrucke 175
traktieren 180
Tram 90,1. 150
trämperlen 126
tränken 48
Trap 126
träppig s. träb-
Trapple 126
Trast 134
tratzen 90,6; trätzlen 90,6
trauen 88. 135
träuferen 83
Traum 82; träumen 82. 116. 157
traurig 90,5. 114
Treff 91; treffen 65. 91. 128
treiben 31. 62
Treioks 181. 185
Trenne 95. 159
trennen 163
trenten 183
treschaggen 180. 184. 189
treßen 96. 141
Trester 50
treu 88. 172
treulich 31.88
Triaks s. Treioks
Triangel s. Dreiangel
tribulieren 180
Tribunal 180. 184
Trieb 62
trinken 21.63.67. 101.150
Tritt 62
trocken 68.115.116; trocknen 70.92.
115. 118. 150; Trockne 92
Trod(l)erli 90,2
Trog 90, 1 ; 97. 99
trogelig 90,5
Tromelle 180
Trommel 68. 125
trompieren 180
Tropfen 65
troren 76
trösten 77; trostlich 90,5
Trottoar 181
trüb 87. 132
Trucke 21
Trüegle 185. 189
trüejen 87. 109. 170; trüehaft 109
Trüeße 86
trügen 79
trüllen 166; Trüller 166
Trümmel 70; trümmlen 70
Trumpf 67. 68. 174
tsch- s. auch sch-
Tschingge 188. 189
Tschupper 67
Tuble 183
Tuch 150; tüchig 90,5
Tugend 115. 139
tuggelen 90,6. 148
Tulipane 181. 184. 193
tun 27. 73. 86. 120. 122. 159. 160. 161.
tummen s. düj|^en [170
Tumor 180. 184
tunken 67; Tünkli 70
Tüntel 133; tüntlen 133
Tupf 68
Turbe 183
Türe 70.94.97.99.167
Türken 104. 189
Turm 68. 94. 104. 156
tusam 90, 4
tüslen 90,5; tüslig, tußlig 90,5
tussig 90,5
Tutsch 137; tütschen 137
Tutte 68
twalest 138
— 251
üben 87
über 29
überall 38.98
überblieb 124
Ubergeschüh 90,8
überhaupt 37
überlaufen 37
übernachten 175
Übername 38
üblich 125
um 68. 69
Umgang 38
umgeheien 31
umgehen 37
umher, -hin 125. 153. 157
umschlagen 38
unäßig 161
Unblätsch 40
und 29. 122. 159
une s. aufher
Unehre 161
Unfall 98
Unflat 71. 173; unflätig 73
ungefähr 160
Ungenannt 175
ungerechnet 40
ungern 28. 38. 67
ungesinnt 40
ungewährlich 49
ungewohnt 67. 160
ungleich 67. 147
Unglück 38
ungut 28
unig 158
unleiig 68
unmächtig 40
unmanzig 90,5
unringsam 90,4
uns 68. 96. 121 ; unser 29. 121 : unsert-
wegen 134
unsauber 68
TJnschlitt 96. 109. 151. 168. 174
iinteEm8. 133. 16'5 ,
unter 29. 116. 133; unterhalb 134;
Unterst 90,4
untersübersich 116
Unverdacht 138
unverschämt 156
unz 175
urchig 104. 150. 158
Ursula 90,2
Ürte 70. 104
Urteil 38. 109
vagieren 180
Vater 37. 119.167
Veilchen s. Viola
ver- 167; s. auch unter dem Anlaut
des Stammes
verbarmen 104; Verbannst 49. 104. 134
verbösgen 142
verbröcklen 90, 6
verbrösmelen 90,6
verbungglen 148
verderben 48. 104. 138
verdrecken 138
verdrießen 1,38; Verdruß 138; ver-
drüssig 138
verexküsieren 180
vergebens 115. 141
Vergnügen 30
vergrämen 48. 157
Vergunst 96. 168; vergünstig 90, 5. 95.
verhäfelen 58 [96
verirren 94. 167
verkünden 70
verlaborieren 180
verlaferet 125
Verlaub 134
verlieren 79. 100
vermaledeit 180. 185
vermären 73
vermäseren 46
vernarrchten 167
vernemmen 175
Vernunft 96. 174; vernünftig 96
verraten 169
verrühren 169
Vers 104
versäumen 29
verschuhen 154
verstäten 73
Versteckens 115. 159
vert- s. auch ent-
vertas(el)et 96
vertäuben 83
vertschweren 100
vertuschieren 180
verzauslen 78
verzeihen 88. 108. 154
verzipperen 64
verzwan(g)t 175
Vesper 60
Vetter 48
Vieh 60. 154
viel 34. 63. 165; vielbräuchig 79; viel-
ewig 40
vielleicht 109. 166 [107
vier 85 ; viert 107 ; vierzehn 109 ; vierzig
Viertel 133; Vierteljahr 39; Viertel-
stund 39
Viola 181. 184. 186. 189
Visier 180
252
Vogel 65.66.90,1.115.116
Vogt 65. 115. 175
Volk 117.150; Volkwerk 150
voll 93. 166
vollkommen 39
von 131. 157. 161
vorausliiu 113
voraußen 113
vorbei 88. 113
vorder 167. 176; vorderst 90,4
vorlesen 38
vorlieb 112
vorn 104
Vorteil 38. 109. 114
wach 73. 154
wachsen 21.29.33.142.154; wächsig
wachsen 49 [57
wackeln 90,6. 147. 148
wacker 152
Wade 175
Wage 145; wägen 145
Wagen 51. 115. 116. 159. 166; Wagner
115; wägelen 58
Wahl 138; wählen 100. 166
wahr 71. 167; Wahrheit 153. 154;
wahrlich 73. 90,5; wahrscheinlich
40. 174
währen 60. 100; während 133. 159
Wald 103. 139
Wali 90,2
Walmen 103. 171
wälpelen 126
Walter 90,2
wälzen 48
Walzer 175
Wand 29. 50. 133
wann s. wenn
wannen 163
Wäntele 49. 95. 101. 133
warm 33. 90,2. 94. 104. 156. 171; war-
men 167; wärmen 48.91: Wäi-me
55. 91
warnen 104. 159
warten 22. 104. 133. 167
Warze 22. 104. 135
was 21. 44. 98. 135. 159. 161
waschen 46.144; Wäsche 48.91;
Wäscherin 114. 115
Wasen 46
Wasser 90, 2 ; wässerig 90, 5 ; wässerlen
Wässer 46 [58
Watsch 49. 137
watschien 49
Watz 137
weben 65; Weberei 180
weheren s. wehweren
wecken 48
Wecken 48. 148
Wefel 60. 125
Weg 99; Wegweiser 99
weh 161.168; Weh 171; wehweren 171
wehen 73; Wehe 73
wehren 48. 89. 100
Weib 75. 125
Weichsel 92
weidlich 33.63.90,8.108
Weiher 88
Weihnacht 109. 154. 159
weil 122
Weile 116. 165
Wein 160; weinelen 159; 161
weisen 33. 62
weiß 153.173; Weißbrot 109; Weiß-
horn 109; Weißmues 109; Weiß-
nase 109; Weißnäherin 109. 135;
Weißruck 109; weißseiden 126
weit 115.116. 133. 173
welcher, -e, -es 60. 93. 135. 151
welsch 49.90,5.103. 174
Welt 91. 133
wem 34.95
wen 95
wenn 27. 48. 163. 174
wennen 48
Wentusse 180. 184. 186. 188. 190
wer 44. 67
Werben 184. 190
werden 91. 104. 139
werfen 60. 91. 94. 104. 128
Werg 104. 150
werken 104.150; Werktag 109
Wer(l)e 48. 89
Wermut 109. 114
Werpfe 91. 104. 128
Wert 104.139; wert 104.139
Wespe 33.49
Weste 183.190
wetterleichen 150
wetzen 136
wichsen 154
wichtig 64
wie 85.122.161; wieviel 109
wi(e)der 62
Wiege 85
wieggen 148
Wiese 62.97
Wiesel 62.116
wiflen 64. 125
wild 63. 116; Wildkirchlein 91: Wild-
nis 115
Wille 63. 166
Willkomm 39. 91. 189
— 253
willwankig 90,5
wimmeln 33. 63
wimmen 61: Wimmet 61
wimslen 63
Wind 61; windbläsisch 173: Winds-
braut 61
Windel 61. 91. 133
winden 61.91. 133
winggen 148
Winkel 63
winken 63
Winter 61. 96. 101. 135. 167
wintsch 63
winzig 171
wir 121. 171
Wirbel 64
wirken 152
wirklich 152
wirser 168
Wirt 62.91.94.104; wirten 91.104:
Wirtin 114; Wirtschaft 38
Wirten 62. 104
Wisch 91: wischen 91
wischt 64
wissen 29.62.91
AVitfrau 27. 62
Witwer 62
Witz 64
wo 106. 161. 167
Woche 65. 150
wohl 34. 65. 89. 120. 165. 171. 176
wohlfeil 34.90,4. 109.114
wohlgemeint 31. 89
Wolchen 150
Wolf 90, 1
AVolke 117. 150. 1.52. 165
AVolle 67. 116. 166: wollen 67. 69. 166
wollen 27. 29. 65. 120. 121. 165. 171
Worb 104
worg(l)en 65.90,6
Wort 104.133: wörteln 104
wüeschnen 175
wühlen 166
Wuhr 8(1
Wunder 68
AVuusch 96. 174: wünschen 96. 122.
AVurf 68. 90, 1. 94. 104 [174
AA^ürfel 104
würgen 68. 94. 104
AA^urm 90,1.94. 104.156
AVurmet s. AA^ermut
AA'urst 68.94.104: wurst(l)en 90,6
AVurzel 104. 115. 135
wüst 87. 107. 116
z- s. auch s-
zähe 73.89.108.154; Zähi 89
Zahl 97.99; zählen 48.91.166: Zäh-
ler 166
zahlen 100; zahlig 90,5
zahm 34. 71
Zahn 50. 89. 97. 160; zalmen 161
zäunen 49. 163; Zänne 49
Zapfen 51
Zapfen 49
zappeln 90,6. 125. 135
Zarg 135
zäuchen 77
Zäuggli 83. 148
zausen 77
Zehe 108. 154; zehelen 154 [133
zehn 60.154; Zehner 154.159; zehnt
Zeichen 80.116.150; zeichnen 80. 150
zeien s. seien
Zeine 95. 135. 159. 160
Zeislein 75. 141
Zeit 108. 173
Zeitung 37. 108
Zeig 148
Zelte 103
zentieren 180. 188. 190
Zentner 95. 101.176
zentum 133
zerren 48. 89. 104. 135
Zeug 79
Zeugnis 37. 115
zi 64
ziboldern 174
Zick 64
Ziegel 85. 135
Zieger 64
ziehen 65.79.108.154: Ziehe 116
Ziel 63.99: zielen 63.99
ziemlich 34
ZiÖeu 173
Zigarre 181. 184
zigen 64; zigi 64
Zimmer 61; zimmern 61. 91. 125. 157
Zimmet 61
zimpfer 63. 1-8
Zinken 63. 148
Zins 96; zinsen 96
zi-o 25
Zipfel 64
-zipperlen 126: Zipperli 126; Zippi 126
zitieren 180. 192
zittern 62. 135
Zizeli 64
zöchen 77. 155
Zoll 89: Zollstab 89
Zollen 116. 166
Zollstätte 50
254
zöpperlen 126
zöslen s. zünslen
Zottel 65
zu 29.112.121. 161; zu- 109
zucken 69
Zucker 98
Zug 97; zügig 90,5
zuher, -hin 153
zummern 68. 125
züraperlen 126
Zundel 133
zünden 70
Zunge 37. 67. 118
Zunne 116. 163.174
Zunnmehl 27
zünslen 96
zupplen 67. 126; Zupplerli 67
zürnen 70
zurück 69. 112. 148
zusammen 49. 91. 112. 156
zuschlägig 57
zwahen 138. 154; Zwäheli 49. 138. 1.54
zwanzig 107
zwatzlen 137
zwei 80. 170; Zweier 80; zweierlei 80;
zweifach 109.134; zweispännig 109.
163; zweit 80
Zwei 88; zweien 88
Zwerch 60. 104. 138. 154
Zwerg 104. 132
Zwetschge 183
zwicken 64
Zwilch 63. 117
zwingen 63. 138
zwirig 62. 100
zwirnen 62.91.94. 104
zwischen 91. 118. 134. 159
Zwisel 64; zwislen 64
zwitzlen 137
zwölf 91
Zylinder 181. 183
Berichtigungen.
S. 1, Z. 12: 419,6 statt 439,6.
S. 16, Z. 9 von unten: Fremdwörtern statt Lehnwörtern.
S. 28, Z. 8: uo s statt wo s.
S. 45, Z. 3: sä-gtt s statt sä-gdt s.
S. 49, Z. 16: § 89, Ib statt § 89, la.
S. 51, Z. 3 von unten: pmäxt statt hmxt.
S. 65, Z. 19: § 100 statt 102.
S. 81, Z. 14: sytnrtid statt sörnmd.
S. 105, Z. 6 von unten: p statt ^.
S. 111, Z. 7 von unten und S. 112, Z. 11 von unten:
M2V statt MV.
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(einfach schraffiert) ^ C^ (doppelt schrafft
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rechter Eckzahn
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